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Neuestes Update: Profi-Desinfektion Coronavirus und die Folgen: Die wichtigsten Fragen und Antworten für Handwerker

In Deutschland sind tausende Bürger mit dem Coronavirus infiziert, alle Freiheiten des alltäglichen Lebens sind bei weitem noch nicht zurück, in den USA entspannt sich die Situation kaum. Da wächst weiter die Verunsicherung – auch im Handwerk. Was Betriebschefs jetzt wissen müssen.

Topic channels: TS Konjunktur, TS Arbeitsschutz und Gesundheit, TS Auftragsabwicklung, TS Büroorganisation, TS Messen, TS Fördermittel, TS Betriebsversicherung, TS Krankenversicherung, TS Risikomanagement, TS Insolvenzrecht, TS Steuerstrategien und TS Coronavirus

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Desinfektion nach Corona-Fall: Nur etwas für Profis!

Wie kann ich den Betrieb so desinfizieren, dass er nach einem Coronavirus-Fall wieder öffnen darf?

Es kann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen schnell gehen: Wie der Fall des Restaurants im niedersächsischen Landkreis Leer beweist, gibt es in Sachen Coronavirus-Prävention keine 100-prozentige Sicherheit. Wie also reagieren, wenn der Betrieb unter Quarantäne gestellt wird, aber schnellstmöglich wieder öffnen soll? Die Experten der Niederberger-Gruppe haben darauf eine klare Antwort: "Ein Corona-Fall genügt, um alles desinfizieren zu müssen." Ist ein Corona-Fall bei einem Unternehmen aufgetreten, darf laut Infektionsschutzgesetz nur qualifiziertes Personal reinigen und desinfizieren. Während das in Büros vergleichsweise einfach funktioniere, sei es bei Produktionshallen komplizierter. Das Kölner Gebäudereinigungsunternehmen erklärt, wie die desinfizierende Reinigung funktioniert:

  • Reinigung: Das betroffene Büro, der Pausenraum oder die Produktionshalle werden gereinigt.

  • Einsatz von Flächendesinfektionsmitteln: Die Hauptkontaktflächen werden mit einem Flächendesinfektionsmittel behandelt. Diese Mittel müssen, je nach Hersteller, fünf bis 15 Minuten einwirken. Die Desinfektion einer Büroetage mit 20 Büros, Fluren, Toiletten und einer Teeküche dauert so beispielsweise etwa 24 Arbeitsstunden.

  • Desinfizierendes Waschen und -Aufbereitung: Bei zu desinfizierenden Textilien oder Polstermöbeln wird es schwieriger: Hier ist es unmöglich oberflächlich zu desinfizieren, stattdessen wird desinfizierend gewaschen oder aufbereitet.

  • Betriebe mit großer Fläche: Aufwändig ist die Reinigung und Desinfektion einer kompletten Fabrik- bzw. Werkshalle: Zentrale Umkleide, Toilette, allgemeiner Pausenraum und der eigentliche Arbeitsort des infizierten Mitarbeiters müssten dann desinfiziert werden. Das geht aber nur, wenn dessen Weg im Betrieb zurückverfolgt werden kann. Ist das nicht möglich, müssten präventiv alle Kontaktflächen desinfiziert werden.

Prognose: Baugewerbe rechnet mit deutlichem Umsatzrückgang

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die deutsche Bauwirtschaft aus?

Die Pressemitteilung zur Umsatzprognose des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) für 2020 vom 18. Mai beginnt ohne Umschweife gleich mit der schlechten Nachricht: "Wir können uns glücklich schätzen, wenn die Bauwirtschaft am Ende des Jahres denselben Umsatz wie 2019 erwirtschaftet hat, was real immer noch einen Rückgang von ca. 3 Prozent bedeuten würde. Wenn es schlechter läuft, können es auch nominal -2 Prozent bzw. real -5 Prozent werden," so die Einschätzung von Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Seine Begründung: "Aus verschiedenen Umfragen ist erkennbar, dass bereits sehr früh Aufträge in deutlichem Umfang storniert wurden. Im zweiten Halbjahr 2020 wird mit einer weiter nachlassenden Ordertätigkeit gerechnet." Weiter führt der ZDB als Begründung den Rückgang in Branchen an, von denen der Bau im vergangenen Jahr getragen wurde – vor allem die Branchen Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungen hätten in der Sparte Wirtschaftsbau für ein Minus von 3,5 Prozent bzw. real von ca. 7 Prozent gesorgt. Auch die öffentliche Hand leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Der Ausfall an Steuern beträgt laut aktueller Steuerschätzung 100 Milliarden Euro. Besonders hart trifft das die Kommunen, die neben Steuerausfällen auch höhere Sozialabgaben zu verkraften haben. Gleichzeitig seien die Kommunen aber mit einem Anteil von 60 Prozent der wichtigste Auftraggeber öffentlicher Bauinvestitionen. "Wir unterstützen die Forderung des Städtetags nach einem kommunalen Rettungsschirm, um die Handlungsfähigkeit der Kommune aufrechtzuerhalten. Denn der Sanierungsstau in der öffentlichen Infrastruktur ist weiterhin immens", so Pakleppa.

Der Lichtblick: Für den Wohnungsbau rechnet das Baugewerbe mit einem Umsatzplus (nominal) von 3 Prozent. Stützend wirke hier der auch in den letzten Jahren nicht abgebaute Bedarf an Wohnungen. Die Nachfrage sei in dieser Bausparte nachhaltiger. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden hier laut ZDB wohl eher temporär sein. Auf der anderen Seite bremse die Situation am Arbeitsmarkt die Investitionsbereitschaft privater Eigenheimbauer: "Wer von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen ist, wird nicht eine eigene Immobilie investieren", erläuterte Pakleppa. "Das haben die unmittelbar nach dem Lockdown erfolgten Auftragsstornierungen deutlich gezeigt."

Studie: Abstandsregeln sind einfach umzusetzen, Homeoffice und Online-Vertrieb dagegen schwer

Wie bewerten Unternehmer die Umsetzbarkeit der Coronavirus-Maßnahmen?
Bewertung der Umsetzbarkeit der Corona-Schutzmaßnahmen

Wie gut die Umsetzung der Coronavirus-Maßnahmen im Betrieb funktioniert, zeigen die ersten Ergebnisse des "IW-Covid-19-Panels", einer neuen Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der IW Consult, in der die befragten Unternehmen anhand einer Skala von null bis zehn schätzen sollten, wie leicht ihnen die Schutzmaßnahmen fallen. Null bedeutet, die Maßnahmen sind faktisch nicht möglich. Zehn heißt, sie sind sehr einfach möglich.

Das Ergebnis: Aus Sicht der Unternehmen lassen sich die Abstandsregeln für Kunden und Mitarbeiter verhältnismäßig einfach umsetzen. Im Schnitt geben die Unternehmen den Abstandsregeln für Kunden die Note 6,6 – im Umgang mit Mitarbeitern den Wert sechs. Auch den Arbeitsplatz zu desinfizieren, fällt vielen nicht schwer. Dies signalisiert ein Durchschnittswert von knapp sechs Punkten. Ein gemischtes Bild ergibt sich bei der Bereitstellung von Schutzkleidung und Masken. Hier halten sich die Anteile der Unternehmen mit einer positiven und einer skeptischen Einschätzung die Waage. Gleiches gilt für rotierende Präsenzzeiten. In beiden Fällen beträgt der Durchschnittswert rund fünf Punkte. Probleme bereitet dagegen das Arbeiten aus dem Homeoffice, der derzeit wohl prominentesten Corona-Maßnahme neben der Kurzarbeit. Nur 15 Prozent der befragten Firmen finden, dass Homeoffice bei ihnen einfach umsetzbar ist. Zudem berichten nur acht Prozent der Unternehmen von einem einfach umzusetzenden Online-Vertrieb. Im Mittel bewerten die Unternehmen diese Maßnahme nur mit rund zwei von zehn Punkten. Mit Klick auf das Bild finden Sie die Ergebnisse übersichtlich als Grafik aufbereitet.

Das ist nach den Corona-Lockerungen wieder erlaubt

Welche wichtigen Tätigkeiten sind dank der Corona-Lockerungen wieder erlaubt – welche Einrichtungen wieder geöffnet?

Präsenzunterricht noch vor den Sommerferien, Freizeitsport unter freiem Himmel und Besuche in Kranken- und Pflegeeinrichtungen: Bund und Länder haben sich auf weitere Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie geeinigt. Wie üblich legen die einzelnen Bundesländer die Lockerungen sehr unterschiedlich aus. Für alle Länder hingegen gilt: Die Kontaktbeschränkungen werden zunächst bis zum 5. Juni 2020 verlängert. Allerdings ist es nun erlaubt, dass sich Angehörige zweier Haushalte treffen. Die wichtigsten Details haben Experten der ARAG-Versicherung im Folgenden zusammengetragen:

  • Baden-Württemberg : Während die Schulen stufenweise geöffnet werden, bleiben Kindergärten und Kitas in Baden-Württemberg weiterhin geschlossen. Eine Besonderheit für die Bewohner von Pflegeheimen: Wer die Pflegeeinrichtung verlassen hat, muss 14 Tage lang eine Maske in Gemeinschaftsräumen tragen. Ab 11. Mai wird die Besuchsregelung in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen gelockert und es gilt die neue Kontaktbeschränkung. Ab Montag darf auch wieder auf Freiluft-Sportanlagen für Sportarten ohne Körperkontakt – wie Golf oder Tennis – trainiert werden. Hotels, Campingplätze und Außengastronomie dürfen ab Pfingsten ihre Türen öffnen.

  • Bayern : Die Kindertagesbetreuung wird schrittweise hochgefahren. Dabei ist die Betreuung des Nachwuchses in Gruppen bis fünf Kindern erlaubt. In Bayern wird die Besuchsregelung in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen bereits ab 9. Mai gelockert. Die Gastronomie darf schrittweise ab 18. Mai zunächst im Außenbereich bis 20 Uhr geöffnet werden, der Innenbereich von Restaurants ab 25. Mai. Am Pfingstwochenende am 30. Mai sollen Hotels öffnen dürfen. Bereits seit dem 6. Mai gilt: Es bleibt zunächst bei der Kontaktbeschränkung auf eine Person außerhalb des eigenen Hausstandes, allerdings mit einer Ausnahme: Mit engen Familienangehörigen darf man sich unabhängig davon treffen oder sie besuchen.

  • Berlin: Restaurants dürfen in Berlin bereits am 15. Mai eingeschränkt bis 22 Uhr öffnen. Eine einmalige Dankes-Prämie soll es in der Hauptstadt für Beschäftigte geben, die in der Corona-Krise außergewöhnliche Leistungen erbracht haben, wie z. B. Polizei- und Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr sowie Erzieher in Kitas. Ab 11. Mai geht es für die Jahrgänge eins, fünf und sieben wieder in die Schule.

  • Brandenburg : Ab 11. Mai sind in Brandenburg wieder körpernahe Dienstleistungen wie z. B. Fußpflege oder Kosmetik erlaubt. Auch hier darf man ab 15. Mai wieder eingeschränkt essen gehen oder in Cafés und Kneipen ein Gläschen trinken. Touristische Vermietungen werden ebenfalls ab 15. Mai wieder erlaubt.

  • Bremen : In Bremen wird das Besuchsverbot in Pflegeheimen und Krankenhäusern erst am 13. Mai gelockert. Das Kontaktverbot mit Ausnahme einer weiteren, nicht im Haushalt lebenden Person bleibt bestehen. Wann es für Gastronomen und Hoteliers weitergeht, wird an der Weser erst am 12. Mai besprochen. Bei Spielplätzen, Tierparks, Museen oder dem Präsenzunterricht folgt Bremen im Wesentlichen dem Bund-Länder-Beschluss vom 6. Mai.

  • Hamburg : Individualsport im Freien ist in Hamburg bereits seit 6. Mai wieder erlaubt. Auch Museen, Gedenkstätten und Zoos sind seit gestern unter Auflagen geöffnet und die Insel Neuwerk darf wieder betreten werden. Ansonsten geht man in Hamburg vorsichtig vor und will erst in der Woche von 11. Mai bis 17. Mai über Lockerungen beispielsweise in Kitas, Gastronomie und im Tourismus beraten.

  • Hessen : Angehörige zweier Haushalt dürfen sich in Hessen wieder treffen. Am 18. Mai werden die weiterführenden Schulen eingeschränkt öffnen, inklusive der vierten Klassen. Am 2. Juni folgen eingeschränkt auch die Grundschulen. Ein Sonderweg hier: In der Woche von 11. Mai bis 17. Mai soll das Wirtschaftsministerium ein Konzept für Gastronomie und für Veranstaltungen bis zu 100 Personen vorlegen. Wann genau z. B. Hotels, Gaststätten, Kinos oder Fitness-Studios wieder öffnen, steht noch nicht fest.

  • Mecklenburg-Vorpommern : „Ab Donnerstag (7. Mai) wird durchgestartet“, heißt es vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern. So dürfen ab heute zahlreiche Betriebe wie etwa Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Physiotherapeuten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Tagesmütter und -väter dürfen den Nachwuchs ab 11. Mai wieder regulär betreuen und ab 18. Mai sollen die Vorschulen wieder öffnen. Am 25. Mai dürfen wieder Touristen ins Land reisen.

  • Niedersachsen : Niedersachsen geht nach einem fünfstufigen Plan vor. Die erste Stufe läuft bereits, so ist beispielsweise die vorsichtige Öffnung einiger Kultureinrichtungen seit gestern erlaubt, Kitas sind für kleine Gruppen geöffnet, Außensportanlagen und Spielplätze sind ebenfalls wieder auf. Bereits ab 11. Mai dürfen gastronomische Betriebe mit der Hälfte der üblichen Plätze drinnen und draußen wieder aufmachen. Ab 25. Mai dürfen z. B. Hotels, Pensionen und Jugendherbergen unter Einschränkungen wieder öffnen.

  • Nordrhein-Westfalen : Auch in NRW geht man nach einem mehrstufigen Plan vor. Im Rheinland wird mit Hochdruck gelockert. So sind ab kommendem Montag wieder touristische Aufenthalte in Ferienhäusern, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen möglich. Pünktlich zu Pfingsten sollen z. B. Schwimmbäder, Spaßbäder und Wellness-Orte wieder unter Auflagen öffnen. Hotels dürfen bereits ab Himmelfahrt am 21. Mai ihren Betrieb wieder aufnehmen. Der Sport- und Trainingsbetrieb ist auf öffentlichen oder privaten Freiluftsportanlagen sowie im öffentlichen Raum ebenfalls wieder erlaubt. Fitness-Studios dürfen ab 11. Mai wieder öffnen. Ab dann können auch kleine Konzerte und andere öffentliche Aufführungen unter freiem Himmel wieder stattfinden.

  • Rheinland-Pfalz : Essen gehen ist hier ab 13. Mai wieder möglich, Hotels dürfen bereits ab 18. Mai Gäste empfangen. Ab dann starten auch Berufsbildende Schulen, alle anderen Schulen folgen am 25. Mai schrittweise. Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege, wie z. B. Kosmetikstudios, können ab 13. Mai wieder arbeiten. In Pflegeeinrichtungen und Altenwohnheimen ist ein Gast für maximal eine Stunde pro Tag erlaubt.

  • Saarland : Auch im Saarland durften beispielsweise Geschäfte, Museen, Zoos und Spielplätze bereits öffnen. Restaurant müssen noch bis zum 18. Mai warten. Ziel der Landesregierung ist ein möglichst regulärer Betrieb in Kitas und Schulen spätestens bis zu den Sommerferien. Wie und wann es mit Hotels, Schwimmbädern oder etwa Bars weitergeht, steht im Saarland noch nicht fest.

  • Sachsen : Im Freistaat Sachsen stehen Mitte Mai zahlreiche Lockerungen an: Gastronomische Betriebe dürfen unter Auflagen ab 15. Mai im Innen- und Außenbereich öffnen. Auch Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen dann öffnen. Das Treffen zweier Hausstände soll hier ab 18. Mai wieder möglich sein.

  • Sachsen-Anhalt : Hier durften bereits seit Anfang der Woche fünf Personen zusammen unterwegs sein, auch wenn sie nicht in einem Haushalt zusammenleben. Ab 15. Mai dürfen Ferienhäuser und -wohnungen zunächst an Einheimische vermietet werden, ab 22. Mai kann man dann auch wieder essen gehen oder ein Getränk im Biergarten genießen.

  • Schleswig-Holstein : An der Ostsee dürfen Vorschulkinder ab 18. Mai in Zehner-Gruppen wieder in die Schule. Tageweise geht es dann auch für Grundschüler ab 25. Mai wieder los mit dem Präsenzunterricht. Kontaktarmer Sport in Hallen, unter anderem in Fitness-Studios, wird ab 18. Mai wieder möglich sein. Auch der Tourismus startet: Restaurants, Hotels, Campingplätze und Ferienhäuser dürfen ab 18. Mai wieder öffnen. Die bisherigen Betretungsverbote für Inseln und Halligen werden ebenfalls an diesem Tag aufgehoben. Bereits ab 15. Mai wird die Grenze zum dänischen Nachbarn für Schleswig-Holsteiner geöffnet.

  • Thüringen : Thüringen lockert eher behutsam. Start für das Hotel- und Gastgewerbe, einschließlich Campingplätzen, Freizeitwirtschaft und Ferienanlagen ist am 15. Mai. Kontakte mit den Angehörigen des eigenen Haushalts als auch den Angehörigen eines anderen Haushalts sind ab 13. Mai wieder möglich.

Maßnahmenpaket für Start-ups steht

Wie profitieren Start ups von den Hilfen des Bundes? Sind Förderungen kombinierbar mit Maßnahmen aus dem Corona-Hilfspaket?

2 Milliarden Euro stehen ab sofort für Start-ups in der Corona-Krise bereit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium der Finanzen haben in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der KfW Capital die Details des Pakets ausgearbeitet.

Die Bundesregierung ergänzt damit bestehende Unterstützungsprogramme um ein Maßnahmenpaket, das speziell auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnitten ist. Start-ups haben darüber hinaus grundsätzlich auch Zugang zu allen Unterstützungsmaßnahmen des Corona-Hilfspakets. Jedoch passen klassische Kreditinstrumente häufig nicht auf die Bedürfnisse junger Start-ups.

Das Maßnahmenpaket umfasst folgende Elemente, die schrittweise umgesetzt werden:

  • Öffentlichen Wagniskapitalinvestoren auf Dachfonds- und auf Fondsebene (zum Beispiel KfW Capital, Europäischer Investitionsfonds, High-Tech Gründerfonds, coparion) sollen kurzfristig zusätzliche öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, die im Rahmen der Ko-Investition zusammen mit privaten Investoren für Finanzierungsrunden von Start-ups eingesetzt werden können.

  • Die Dachfondsinvestoren KfW Capital und Europäischer Investitionsfonds (EIF) sollen perspektivisch mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln in die Lage versetzt werden, Anteile von ausfallenden Fondsinvestoren zu übernehmen.

  • Für junge Start-ups ohne Wagniskapitalgeber im Gesellschafterkreis und kleine Mittelständler soll die Finanzierung mit Wagniskapital und Eigenkapital-ersetzenden Finanzierungsformen erleichtert werden. Hierzu wird es eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern geben, unter anderem über die Zusammenarbeit mit Landesgesellschaften.

Parallel zur Umsetzung des Maßnahmenpakets stimmt die Bundesregierung weiter die Ausgestaltung des Zukunftsfonds für Start-ups ab, der mittelfristig den Weg aus der Krise unterstützen soll.

Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: "Es geht darum, junge, innovative Unternehmen gut durch die Corona-Krise zu bringen. Wir brauchen die neuen und kreativen Ideen der Start-ups und der jungen Technologieunternehmen, um nach der Krise wieder voll durchzustarten.“

Gefördert werden sollen gezielt Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell.

Positiver Corona-Effekt: MyHammer meldet stark steigende Auftragszahlen

Brechen für Handwerksbetriebe aufgrund der Coronavirus-Krise zwangsläufig Aufträge weg?

Durch die Coronavirus-Pandemie ist auch das Bau- und Ausbauhandwerk in der Krise. So bislang die weitläufige Meinung. Die neuesten Zahlen des Auftragsportals MyHammer sprechen dagegen eine ganz andere Sprache: Nach einem Rückgang im März stabilisierten sich laut einer Pressemitteilung die Zahlen und es konnte eine deutliche Steigung von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet werden. Gegenüber dem Monat März bedeutet das einen Zuwachs an Ausschreibungen um 21 Prozent.

Besonders gefragt sind laut Angaben von MyHammer Erdbau- und Baggerunternehmen mit einer Steigung an Ausschreibungen von 100 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch die Ausschreibungen für Dachdecker stiegen im Jahresvergleich stark um 50 Prozent an. Genauso wie auch die Ausschreibungen im Bereich Pflasterarbeiten, die im April 35 Prozent über dem Vormonatsniveau lagen. Der Wermutstropfen: Allgemein waren eher Leistungen gefragt, die sich im kleinen Kostenrahmen von 200 bis 1.500 Euro bewegen. "Viele Privatpersonen verbringen momentan mehr Zeit Zuhause. Nachdem sie sich langsam in die neue Situation eingewöhnt haben, rücken Arbeiten im Innenbereich oder am Haus in den Fokus", erklärt Claudia Frese, CEO von MyHammer. "Unsere Zahlen legen außerdem nahe, dass die Digitalisierung im Zuge der Corona-Krise in Deutschland einen Schub erlebt. Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzt und Verbraucher vermehrt online nach Dienstleistungen suchen."

Coronavirus-Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk

Welche Hygiene-Richtlinien müssen Friseure einhalten, um in Zeiten des Coronavirus tätig zu sein?
Verhaltensregeln für den Friseurbesuch für Kunden
Seit dem 4. Mai 2020 dürfen Friseurbetriebe wieder öffnen – "unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen sowie unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung“, wie es im Beschluss der Regierungschefs der Länder heißt. Damit diese Auflagen erfüllt werden können, hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) einen Branchenstandard für Friseurbetriebe entwickelt. Er basiert auf dem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), daher sind ein Großteil der Regelungen auf diverse Branchen zu übertragen. Die Zusammenfassung des 16-Punkte-Plans der BGW lesen Sie hier:

  1. Arbeitsplatzgestaltung:
    -gereinigte/unbenutzte Arbeitsmaterialien je Kunde verwenden
    -Schutzabstand von 1,5 Metern einhalten
    -persönliche Hygiene/Händedesinfektion/Wechsel von Einmalschutzhandschuhen und Mund-Nasen-Bedeckung beachten
    -Bewegungsräume durch Markierungen und/oder Absperrungen verdeutlichen
    -Schutzschild zwischen Kundschaft und Kasse

  2. Sanitär- und Pausenräume:
    -Zur Reinigung der Hände sind Händedesinfektionsmittel, hautschonende Flüssigseife und Einmalhandtücher zur Verfügung zu stellen
    -ausreichender Abstand in Pausenräumen

  3. Lüftung:
    -Friseurräume, auch Pausen- und Sanitärräume, müssen ausreichend belüftet werden – auch bei schlechter Witterung

  4. Hausbesuche und mobile Friseurleistungen:
    -ob die Einhaltung der Hygieneregeln im privaten Umfeld des Kunden möglich ist, ist vor dem Hausbesuch zu prüfen und sicherzustellen

  5. Besonderheiten bei Friseursalons:
    -Bei jedem Kunden müssen zu Beginn die Haare gewaschen werden
    -Wegen der hohen Hautbelastung durch vermehrtes Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen und intensivem Händedesinfizieren und -waschen muss verstärkt auf Hautschutz und Hautpflege geachtet werden

  6. Bürotätigkeiten:
    -Büroarbeiten wie die Terminplanung oder Abrechnungsarbeiten sollten, wenn möglich, nicht im Salon, sondern im Homeoffice ausgeführt werden

  7. Besprechungen und Schulungen:
    -Besprechungen oder Mitarbeiterschulungen sollten auf das absolute Minimum reduziert oder verschoben werden. Alternativ sollten soweit wie möglich technische Lösungen wie Telefon- oder Videokonferenzen eingesetzt werden

  8. Schutzabstände:
    -Lediglich der jeweilige Kunde und der oder die zuständige Beschäftigte dürfen sich unter konsequenter Einhaltung der Schutzmaßnahmen für die Dauer der Friseurtätigkeiten nähern
    -Wartebereiche und Spielecken sollten geschlossen werden, um Personenansammlungen zu vermeiden

  9. Arbeitsmittel:
    -Eine Mehrfachverwendung der Arbeitsmittel ohne Zwischenreinigung für mehrere Personen ist auszuschließen
    -Alle Materialien sind nach jedem Kunden mit einem fettlösenden Haushaltsreiniger zu reinigen

  10. Arbeitszeit- und Pausengestaltung:
    -Bei Schichtplänen ist darauf zu achten, möglichst dieselben Personen zu gemeinsamen Schichten einzuteilen
    -Zu Beginn und Ende der Arbeitszeit ist durch geeignete organisatorische Maßnahmen zu vermeiden, dass es zu einem engen Zusammentreffen mehrerer Beschäftigter kommt

  11. Arbeitsbekleidung und PSA sowie deren Aufbewahrung und Reinigung:
    -Bei kundennahen und nicht einhaltbaren Schutzabständen müssen Friseur sowie Kunde zumindest eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Für die Beschäftigten stellt der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin die Mund-Nasen-Bedeckung
    -Umhänge aus Stoff oder Kunststoff für die Kundschaft einsetzen
    -Gesichtsschilder können einen zusätzlichen Schutz bieten
    -Wäsche muss am Arbeitsende im Salon bleiben, in der Salonwaschmaschine bei mindestens 60°C mit Vollwaschmittel gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden

  12. Kundschaft:
    -Bereits bei der Terminierung ist darauf hinzuweisen, dass bei Covid-19-Symptomen oder bei engem Kontakt zu Erkrankten eine erhöhte Gefahr der Ansteckung für Dritte besteht
    -Wartezeiten im Salon zum Beispiel durch "Walk-in-Termine" müssen vermieden werden
    -Kundenkontaktdaten sowie Zeitpunkt des Betretens/Verlassens des Salons sind zu dokumentieren, damit eine etwaige Infektionskette nachvollzogen werden kann. Die Erhebung dieser Daten ist nach Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zulässig. Es bestehen Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO
    -Die Kundschaft muss über die Maßnahmen informiert werden, die aktuell im Salon zum Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 gelten (Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, Händehygiene, Einhalten Husten-Nies-Etikette etc.)

  13. Verdachtsfälle:
    -Beschäftigte und Kunden mit entsprechenden Krankheitssymptomen, vor allem Fieber, Husten und Atemnot, Störungen des Geschmacks oder Geruchs, sind aufzufordern, den Salon nicht zu betreten
    -Bei Beschäftigten ist bis zur ärztlichen Abklärung des Verdachts von Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die betroffenen Personen sollten sich umgehend zunächst telefonisch zur Abklärung an eine Arztpraxis oder das Gesundheitsamt wenden

  14. Psychische Belastungen:
    -zusätzliche psychische Belastungen für Beschäftigte sollen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt und darauf basierend geeignete Maßnahmen ergriffen werden
    -Die BGW stellt ihren Mitgliedsunternehmen unter bgw-online.de/psyche verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung

  15. Unterweisung und aktive Kommunikation:
    -Die Beschäftigten sind über die Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen im Salon und für den Kundenkontakt zu unterweisen
    -Die Salonleitung muss die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln erklären und verständliche Hinweise geben, auch durch Hinweisschilder, Aushänge und Bodenmarkierungen
    -Für Unterweisungen sind auch die Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie der BGW hilfreich

  16. Arbeitsmedizinische Vorsorge:
    -Beschäftigte können sich individuell betriebsärztlich beraten lassen, auch zu besonderen Gefährdungen aufgrund einer Vorerkrankung oder einer individuellen Disposition
    -Gegebenenfalls kann der Arzt oder die Ärztin der betroffenen Person auch einen Tätigkeitswechsel empfehlen. Der Betrieb erfährt davon nur, wenn der oder die Betreffende ausdrücklich einwilligt

Weitere Liquiditätshilfen für Unternehmer

Wie kann mein kleines oder mittleres Unternehmen von weiteren Steuer-Vorteilen profitieren?

Der Koalitionsausschuss beschloss weitere Liquiditätshilfen für KMU: Demnach können kleine und mittlere Betriebe, die durch die Corona-Krise in diesem Jahr mit einem Verlust rechnen, neben den bereits für 2020 geleisteten Vorauszahlungen auch die Erstattung für 2019 gezahlte Steuern bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen. Die Möglichkeit gibt es ab sofort, Details regelt ein aktuelles BMF-Schreiben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Wir zahlen Kurzarbeitergeld, geben Kredite und stunden Steuerzahlungen. Zusätzlich ermöglichen wir jetzt einen pauschalierten Vorschuss auf den Verlustrücktrag. Diese Liquiditätshilfe unterstützt Unternehmen schnell und unbürokratisch.“

Da für 2020 zu erwartende Verluste durch die Corona-Krise nur schwer zu bestimmen sind, sollen die erforderlichen Nachweise für die Verwaltung wegfallen. Betroffene Steuerpflichtige mit Gewinn- und Vermietungseinkünften können die nachträgliche Herabsetzung der Vorauszahlungen zur Einkommen- oder Körperschaftsteuer für 2019 jetzt auf der Grundlage eines pauschal ermittelten Verlustrücktrags (§ 10d Absatz 1 Satz 1 EStG) beantragen. Von einer Betroffenheit geht die Finanzverwaltung dann aus, wenn die Vorauszahlungen für 2020 bereits auf null Euro herabgesetzt wurden.

Vorauszahlungen, die für 2020 bereits geleistet wurden, können zurück gefordert werden, überdies 15 Prozent der Vorauszahlungen für 2019. Die Steuererstattung kann maximal 150.000 Euro bzw. 300.000 Euro bei Zusammenveranlagung umfassen. Umsonst sind diese Hilfen nicht: Wenn es dem Unternehmen wieder besser geht und es wider Erwarten im Jahr 2020 doch Gewinn erzielt, sind die Hilfen zurückzubezahlen - solange das Unternehmen Verluste ausweist aber nicht. Die Verrechnung nimmt die Finanzbehörde mit der Einkommensteuererklärung für 2020 vor, die erst 2021/2022 eingereicht wird. So sollen Unternehmen Zeit gewinnen für die Überwindung der Krise.

Im Zahlenbeispiel: Angenommen, ein Unternehmen hat für das Jahr 2019 Steuervorauszahlungen zur Einkommensteuer in Höhe von 24.000 Euro entrichtet. Der für 2019 erwartete Gewinn beträgt 80.000 Euro. Für 2020 wurden auf dieser Grundlage Vorauszahlungen in Höhe von 6.000 Euro je Quartal festgesetzt. Die Zahlung für das erste Quartal wurde zum Fälligkeitstermin am 10. März 2020 geleistet. Der Unternehmer beantragt bedingt durch die Corona-Krise eine Herabsetzung seiner Vorauszahlungen für 2020 auf null Euro, das Finanzamt erstattet die bereits geleisteten Vorauszahlungen von 6.000 Euro. Zusätzlich beantragt der Chef mit Blick auf den erwarteten Verlust für 2020 die Rückzahlung in Höhe von 15 Prozent der Vorauszahlung des Vorjahres, also von 3.600 Euro (15 Prozent von 24.000 Euro). Insgesamt bekommt der Unternehmer 9.600 Euro ausbezahlt - 6.000 Euro Vorauszahlung für das erste Quartal 2020 und 3.600 Euro aus dem Verlustrücktrag.   

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), wertete den Koalitionsbeschluss durchweg positiv: „Mit der Entscheidung, dass Betriebe bereits jetzt absehbare Verluste geltend machen können, tragen Bund und Länder in besonderer Weise dem Faktor Zeit Rechnung, weil dadurch Betrieben schnell weitere Liquidität zur Verfügung steht.“ Allerdings gab er zu bedenken, dass die Einschränkung der Anwendung auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht sachgerecht sei. Denn auch größere Unternehmen seien derzeit massiv von Liquiditätssorgen betroffen.

Kurzarbeitergeld

Wie genau funktioniert das Kurzarbeitergeld nach dem neuen Gesetz?
  • Wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten im Betrieb ausfallen, kann ein Betrieb Kurzarbeit anmelden – bislang lag die Schwelle bei 30 Prozent der Belegschaft.
     
  • Die Regelung, dass zunächst negative Arbeitszeitsalden ganz oder teilweise ausgeglichen werden müssen, bevor Kurzarbeitergeld fließt, entfällt.
     
  • Auch Leiharbeitnehmer können Kurzarbeitergeld beziehen.
     
  • Die Bundesagentur für Arbeit soll die Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter zahlen, vollständig erstatten. Damit will die Bundesregierung einen Anreiz schaffen, Zeiten der Kurzarbeit für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen.
Wie kommen die Betriebe an das Kurzarbeitergeld?

Lieferengpässe, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus entstehen, oder Betriebsschließungen können zu einem Anspruch auf Kurzarbeitergeld für die vom Arbeitsausfall betroffenen Beschäftigten führen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte gegenüber dem ZDF, dass für das Kurzarbeitergeld 26 Milliarden Euro Rücklagen bei der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung stünden.  Voraussetzung für den Bezug ist, dass die üblichen Arbeitszeiten vorübergehend deutlich verringert sind. Das Kurzarbeitergeld greift sowohl dann, wenn aufgrund der Pandemie Lieferungen ausbleiben oder der Betrieb aufgrund staatlicher Schutzmaßnahmen geschlossen wird.

Betriebe, die Kurzarbeitergeld beantragen möchten, müssen die Kurzarbeit vorher bei der zuständigen Agentur für Arbeit anzeigen. Die prüft, ob die Voraussetzungen für die Gewährung gegeben sind.  Kurzarbeitergeld kann für eine Dauer von bis zu zwölf Monaten bewilligt werden. Es wird in derselben Höhe wie Arbeitslosengeld bezahlt und beträgt 67 bzw. 60 Prozent der Differenz zwischen dem Nettoentgelt, das ohne Arbeitsausfall gezahlt worden wäre, und dem Nettoentgelt aus dem tatsächlich erhaltenen Arbeitsentgelt. Auch Arbeitnehmer, deren Chef Kurzarbeit angeordnet hat, können Kurzarbeitergeld beantragen. Nähere Informationen zur Beantragung des Kurzarbeitergeldes sind auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit unter folgendem Link zu finden: arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus. Die Unternehmerhotline der Bundesagentur erreichen betroffene Handwerker-Chefs unter der Telefonnummer: 0800/45555-20.

Neu als Alternative zur Telefonnummer ist der Chatbot "UDO", der im Rahmen des Hackathons "wirvsvirus" entwickelt wurde. Das Projekt wird unter anderem von der Bundesregierung und der Techniker Krankenkasse unterstützt. Das digitale Tool navigiert Arbeitgeber leicht verständlich durch das Formular für die Anzeige zu Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit.

Welche Voraussetzungen müssen Betriebe für das Kurzarbeitergeld erfüllen?

Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld ist an vier Bedingungen geknüpft:

  1. Es muss einen erheblichen Arbeitsausfall geben.
     
  2. Der Betrieb muss mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigen.
     
  3. Betroffenen Arbeitnehmern darf vor der Kurzarbeit nicht gekündigt worden sein.
     
  4. Der Arbeitgeber muss den Arbeitsausfall im Lauf des Monats anzeigen, in dem die Kurzarbeit beginnt.
Wird die Maßnahme Kurzarbeitergeld reichen, um die Betriebe zu entlasten?

Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist Kurzarbeitergeld ein wirksames Mittel gegen Entlassungen, das sich während der Finanzmarktkrise 2009 bewährt hat. Private Haushalte erhalten so Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit, damit stabilisiert sich automatisch die Konsumnachfrage. Eine unbürokratische und zeitlich flexible Handhabung der Kurzarbeit erhält Arbeitsplätze und – in Zeiten des Fachkräftemangels ein schlagendes Argument ­– die Mitarbeiter in den Betrieben. Denn gerade Handwerksunternehmer benötigen Fachkräfte, wenn sich die wirtschaftliche Lage nach der Krise wieder entspannt – vorzeitige Entlassungen wären, nach Auffassung des IW teuer und keine Hilfe.

Wie lange greifen die Notfallpakete?

Die neuen Regelungen zum Kurzarbeitergeld treten durch ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft und wurden bis Ende 2020 befristet. Der ZDH erklärte, weiter an die Bundesagentur für Arbeit zu appellieren, bereits jetzt die vorhandenen Instrumente zur Stützung der von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen unbürokratisch und flexibel einzusetzen.

Gibt es "Härtefallregelungen" für Mitarbeiter in besonders von Kurzarbeit betroffenen Branchen?

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzumildern, hat der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD am 22. April 2020 beim Kurzarbeitergeld abhängig von der Dauer der Kurzarbeit nachgebessert. Die neuen Regeln sollen bis maximal Ende 2020 gelten.

Bislang bezahlt die Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent, für Eltern 67 Prozent des entfallenen Nettoeinkommens. Dieser Betrag soll ab dem vierten Monat für Beschäftigte, die um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, auf 70 Prozent und ab dem siebten Monat des Bezugs auf 80 Prozent des Lohnausfalls erhöht werden. Für Beschäftigte mit Kindern, die um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, beläuft sich die Erhöhung ab dem vierten Monat des Bezugs auf 77 Prozent und ab dem siebten Monat des Bezugs auf 87 Prozent.

Maskenpflicht

Ab wann muss ich wo eine Maske in der Öffentlichkeit tragen?
Alltagsmaske, Mund-Nasen-Schutz, Communitymasken – wie auch immer man die Bedeckung nennt: Sie kann den Träger nicht vor einer Covid-19-Infektion bewahren, aber sie schützt andere Menschen unter Umständen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Und obwohl die Bundesregierung es bislang bei der dringenden Empfehlung belässt, führen immer mehr Bundesländer zum Schutz vor Corona die Maskenpflicht in Geschäften, Bussen und Bahnen ein. Zudem haben bereits einige Kommunen unabhängig von Bund und Ländern einen Mundschutz vorgeschrieben. Welche Regelungen ab wann wo gelten, erklären Experten der ARAG-Versicherung (Mehr zum Thema "Maskenpflicht" lesen Sie außerdem in unserem Coronavirus-Blog):

  • 23. April 2020: Sachsen-Anhalt führt den Gesichtsschutz ein.

  • 24. April 2020: Thüringen verpflichtet seine Bürger ebenfalls zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

  • 27. April 2020: Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen schreiben nun auch eine Bedeckung von Mund und Nase in Bussen, Bahnen und Geschäften vor.

  • 27. April 2020: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin führen ebenfalls eine Maskenpflicht ein, allerdings nur in Taxi, Bus und Bahn.

  • 27. April 2020: Hamburg verpflichtet seine Bürger nicht nur zum Tragen der Maske in Bussen, Bahnen und Geschäften, sondern auch auf Wochenmärkten.

  • 29. April 2020: Schleswig-Holstein führt nun auch eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften ein.
Egal, welche Art Maske getragen wird, die Experten der ARAG-Versicherung weisen beim Tragen der Mund-Nase-Bedeckungen auf die folgenden drei wichtigen Regeln hin:
  1. Beim Aufsetzen und Abnehmen der Maske darauf achten, vorhandene Atem-Tröpfchen nicht über die Hände zu verteilen

  2. Beim Autofahren mit einer Maske muss darauf geachtet werden, dass das Gesicht noch ausreichend erkennbar ist (besser ist es, die Maske während der Fahrt abzusetzen)

  3. Brillenträger sollten beachten, dass die Brillengläser beim Tragen einer Maske leicht beschlagen und die Sicht beeinträchtigen können

Handwerker-Notdienste

Wie kann ich meinen Kunden weiterhin einen Notdienst anbieten – und darf ich dafür einen "Corona-Zuschlag" verlangen?

Einige Handwerksunternehmer denken in Sachen Notdienst-Aktivitäten darüber nach, die Preise zu erhöhen oder einen "Corona-Notdienstzuschlag" zu verlangen, um ausbleibende Aufträge zu kompensieren. Dies ist allerdings nicht erlaubt. Lediglich die Kosten für zusätzlichen Aufwand und für Materialien dürfen dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Der Handwerksvermittler Mellon hat für Handwerker-Notdienste einen Leitfaden entwickelt, an dem Sie sich orientieren können. Die wichtigsten zwei Punkte lesen Sie hier:

  1. Darf ich als Notdienst überhaupt noch rausfahren?
    Grundsätzlich dürfen dringend erforderliche, nicht verschiebbare Handwerksarbeiten fortgeführt werden. Körpernahe Handwerkstätigkeiten, bei denen der Mindestabstand zum Kunden nicht eingehalten werden kann, sind jedoch bis auf weiteres untersagt. So dürfte beispielsweise ein Schlüsseldienst weiter Türen öffnen oder ein Rohrbruch dürfte repariert werden. Der Zentralverband des deutschen Handwerks ergänzt, dass Handwerker auch nach den neuesten Bestimmungen der Bundes- und Landesregierung Handwerker weiterhin gewerblich tätig sein dürfen – gegebenenfalls auch unter Ergreifen von Schutzvorkehrungen, um sich und andere nicht zu infizieren. Dies gelte auch, wenn ein Kontaktverbot oder eine Ausgangssperre verhängt wurde. Im letztgenannten Fall sollte ein Betriebsinhaber seinen Mitarbeitern eine entsprechende “Bescheinigung zur Vorlage bei einer Ausgangssperre” ausstellen. Eine Vorlage finden Sie etwas weiter unten hier im Beitrag.
  2. Darf ich jetzt mehr Geld für meine Notdienst-Arbeit verlangen?
    Höhere Preise dürfen grundsätzlich nicht verlangt werden. Ein "Corona-Notdienstzuschlag" ist nicht erlaubt. Wenn der Kunde allerdings an Covid-19 erkrankt oder ein Risikofall ist, weshalb besondere Vorkehrungen getroffen werden müssen (zum Beispiel spezielle Schutzkleidung getragen werden muss), dürfen Sie Ihrem Kunden dies in Rechnung stellen. Das sollte aber vor Leistungserbringung kommuniziert werden.

Corona-Soforthilfe

Wie genau sehen die Hilfen für Soloselbständige und Kleinstunternehmen aus und wo kann man sie beantragen?

Die Bundesregierung hat ein Förderpaket „Corona-Soforthilfe für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige“ mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro verabschiedet. Finanzielle Soforthilfe erhalten demnach Kleinstunternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Soloselbständige und Angehörige der Freien Berufe mit bis zu 10 Beschäftigten. Unternehmen erhalten

  • bis zu 9000 Euro Einmalzahlung für 3 Monate bei bis zu fünf Beschäftigten erhalten

    und
  • bis zu 15.000 Euro Einmalzahlung für 3 Monate bei bis zu 10 Beschäftigten.

Achtung, sofern der Vermieter die Miete um mindestens 20 Prozent reduziert, kann der gegebenenfalls nicht ausgeschöpfte Zuschuss auch für zwei weitere Monate eingesetzt werden.

Ziel ist es, die wirtschaftliche Existenz der Antragsteller zu sichern und sie bei der Überbrückung von Liquiditätsengpässen - etwa durch Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten etc. – zu unterstützen.

Voraussetzung ist, dass das Unternehmen infolge von Corona in Schwierigkeiten geraten ist, der Schaden nach dem 11. März 2020  eintrat, das Unternehmen bis 31.12.2019 in wirtschaftlich gesund war.

Anträge stellen die Betriebe direkt bei der zuständigen Landesbehörde. Eine Übersicht, welche Stelle in Ihrem Bundesland zuständig ist, finden Sie hier. Der Antrag muss bis 31.5.2020 bei der zuständigen Behörde gestellt werden.

Kumulierung mit anderen Beihilfen: Eine Kumulierung mit anderen Corona-Hilfen ist grundsätzlich möglich. Bei den Steuervorauszahlungen für 2020 wird er nicht berücksichtigt. Nur wenn im Jahr 2020 ein positiver Gewinn erwirtschaftet wurde, wird auf den Zuschuss der individuelle Steuersatz fällig.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Wir geben einen Zuschuss, es geht nicht um einen Kredit. Es muss also nichts zurück gezahlt werden.“ Und sein Kollege Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fügte hinzu: „Wir lassen niemanden allein. Es darf und wird hier keine Solidaritäts-Lücke geben (…) Vorübergehende und zeitlich begrenzte Staatshilfen (...) müssen möglich sein.“

Die Hotline des Bundeswirtschaftsministeriums für kleine und mittelständische Unternehmer zu Corona-Fördermaßnahmen erreichen Sie unter: 030/18615-1515 (Montag – Freitag 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr). Einen umfassenden Beitrag zum Thema CORONA-FÖRDERMITTEL finden Sie unter handwerk-magazin.de/corona-foerdermittel. Auch der Bund der Steuerzahler listet in einer Übersicht die wichtigsten Förderoptionen je nach Bundesland auf. Auf der Suche nach der passenden Hilfe unterstützt Sie auch die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums.

Anfang April entschied das Bundeswirschaftsministerium über eine weitere Förderung: Demnach soll die Beratung kleinerer und mittlerer Unternehmen in der Corona-Krise durch externe Profis bis Ende des Jahres mit bis zu 4000 Euro ohne Eigenanteil gefördert werden. Nähere Informationen zur Beratungs-Förderung finden Sie hier.

Unternehmer, die zur Überbrückung von Engpässen Kredite benötigen, können über die Deutschen Bürgschaftsbanken Bürgschaften als Sicherheit erhalten. Voraussetzung: Die Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle waren vor Ausbruch der Krise wirtschaftlich tragfähig. Über das Finanzierungsportal der Deutschen Bürgschaftsbanken stellen Handwerkerchefs eine kostenlose Anfrage für ein Finanzierungsvorhaben. Eine Übersicht und die Kontaktdaten der Bürgschaftsbanken stehen auf folgender Seite zur Verfügung: vdb-info.de/mitglieder.

So gewähren Sie Mitarbeitern einen Corona-Sonderbonus

Wie genau muss ich mich als Chef verhalten, damit der Bonus an meine Mitarbeiter nicht besteuert wird?

Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Corona-Bonus bis zu 1.500 Euro zahlen oder als Sachleistungen gewähren. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 erhalten. Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben nach Angaben des Bundesfinanzministeriums unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Ecovis-Steuerberater Martin Fries in Aschaffenburg: "Wer seinen Mitarbeitern einen Bonus zahlen will für die während der Corona-Pandemie geleistete Arbeit oder seine Arbeitnehmer einfach nur in dieser schwierigen Phase unterstützen möchte, kann vom aktuellen Vorstoß des Bundesfinanzministers profitieren." Aber Vorsicht: „Ist einem Arbeitnehmer bereits ein Bonus fix zugesagt, dann kann dieser nicht steuer- und sozialabgabefrei bleiben“, erklärt Fries.

Bisher ist keine Begrenzung auf bestimmte Branchen oder Arbeitnehmergruppen bekannt, sodass nach Angaben von Fries auch Arbeitnehmer in Kurzarbeit oder Minijobber von einem Bonus profitieren könnten. Wie genau die einzelnen Voraussetzungen für den Corona-Bonus aussehen, bleibe abzuwarten. Fries empfiehlt: „Warten Sie mit der Auszahlung, bis die Details feststehen. Dann können Sie keine Fehler machen und riskieren nicht die Steuerfreiheit.“ Experten rechnen demnächst mit einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums. Die Vorteile des Corona-Bonus zeigt unsere Beispielrechnung. Darin vergleichen wir den „normalen“ Bonus mit dem Corona-Bonus in gleicher Höhe:

Zusätzlicher Corona-Bonus „Normaler“ Steuer- und sozialabgabenpflichtiger Bonus
Brutto 1.500 Euro 1.500 Euro
Lohnsteuer (Annahme ca. 20 %) 300 Euro
Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung (ca. 20 %) 300 Euro
Netto für den Arbeitnehmer 1.500 Euro 900 Euro
Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (ca. 20 %) 300 Euro
Lohnkosten des Arbeitgebers 1.500 Euro 1.800 Euro

Steuerstundung und Erleichterungen bei der Sozialversicherung

Wie gehen Handwerker in diesen Zeiten am besten mit dem Finanzamt und Sozialversicherungsträgern um?

Betriebe können ihre Steuern stunden und Vorauszahlungen senken, um die Liquidität zu sichern. Stunden lassen sich die Nachzahlung von Einkommensteuer, Gewerbe- oder Körpferschaftssteuer. Allerdings handelt es sich nur um eine vorläufige Erleichterung, der Staat fordert die Steuern lediglich zu einem späteren Zeitpunkt ein. Das Bundesfinanzministerium listet alle Möglichkeiten steuerlicher Erleichterungen in der Corona-Krise in einem FAQ (häufig gestellte Fragen und Antworten) auf.

Ecovis-Steuerberaterin Anja Hausmann in Rostock: " Mit ihrem Steuerbescheid erhalten Betriebe eine Zahlungssaufforderung. Diese Zahlungsaufforderung lässt sich aktuell jederzeit stunden. Zusätzlicher Vorteil: Momentan muss man keine Zinsen für die Stundung bezahlen.Hausmann: „Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem Finanzamt Ratenzahlungen zu vereinbaren.“

Anders ist die Regelung bei der Herabsetzung von Vorauszahlungen. Die Vorauszahlungen berechnet das Finanzamt auf Basis des Vorjahresgewinns. Die Umsatzeinbußen 2020 sollten Unternehmer zusammen mit ihrem Steuerberater realistisch schätzen. „Von einer Herabsetzung auf null rate ich dringend ab“, sagt Hausmann, falls sich der Umsatz dann doch anders entwickeln sollte. Unternehmer können ihre Vorauszahlungen rückwirkend zum 10. März 2020 senken lassen und bekommen dann tatsächlich Geld aus ihren eigenen Vorauszahlungen zurück. „Aber auch hier gilt: Bei der Steuererklärung wird abgerechnet“, sagt die Steuerberaterin, „haben Unternehmer gut geschätzt, müssen sie nichts nachzahlen. Waren sie zu pessimistisch, dann kommt auf jeden Fall eine Nachzahlung auf sie zu.“

Aktuell lassen sich auf Antrag die Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge „stunden“ für die Monate März bis Mai 2020 – „Bei Lohn und Gehalt heißt das Vollstreckungsaufschub“, erklärt Steuerberaterin Hausmann und ergänzt: „Falls ein Unternehmen Kurzarbeit angemeldet hat, übernimmt der Staat fürs Kurzarbeitergeld die Sozialversicherungsbeiträge.“ Die Stundung können Sie auch unabhängig von der Anmeldung von Kurzarbeitergeld beantragen. Allerdings sollten erst alle möglichen staatlichen Hilfen und Förderungen in Anspruch genommen werden. Ansprechpartner sind die Krankenkassen. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen finden Sie hier.

Hinweis: Auch freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige können ihre Sozialversicherungsbeiträge stunden lassen oder eine Beitragsermäßigung wegen eines krisenbedingten Gewinneinbruchs beantragen. Als Nachweis reicht die Erklärung Ihres Steuerberaters oder eine betriebswirtschaftlichen Auswertung.

Eine Übersicht über die Liquiditäts-Unterstützung von Seiten des Finanzamts gibt Ihnen diese Tabelle von Ecovis:

Steuerart Abgabetermine/Zahlungstermine Fristverlängerung für die Abgabe Voraussetzung für die Fristverlängerung Anpassung VZ zinslose Stundung Erlass Säumniszuschläge
Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats um einen Monat Auf Antrag
Beiträge Sozialversicherung bis zum drittletzten Arbeitstag des Monats wird auf Antrag gewährt
Umsatzsteuer bis zum 10. des Folgemonats; ggf. Dauerfrisverlängerung oder quartalsweise um einen Monat für die Voranmeldung auf Antrag wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt
Gewerbesteuer bis zum 15. der Monate Februar, Mai, August, November bis zum 31. Mai 2020 für die Erklärung 2018 auf Antrag wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt
Einkommensteuer bis zum 10. der Monate März, Juni, September, Dezember bis zum 31. Mai 2020 für die Erklärung 2018 auf Antrag wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt
Körperschaftsteuer bis zum 10. der Monate März, Juni, September, Dezember bis zum 31. Mai 2020 für die Erklärung 2018 auf Antrag wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt wird auf Antrag gewährt

Das BMF-Schreiben zur Verlängerung der Abgabefrist der Lohnsteueranmeldungen während der Corona-Krise lesen Sie hier.

Insolvenz verschieben

Wie profitieren Betriebe von der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht?

Die Bundesregierung verabschiedete mit dem Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie auch Vorschriften zur Aussetzung der Insolvenzantragspflichten. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: „Die Aussetzung der Insolvenzantragspflichten gibt in Bedrängnis geratenen Unternehmen die nötige Luft, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben. Die Vorschriften gelten rückwirkend zum 1. März 2020.“

Das Gesetz sieht im Bereich des Insolvenzrechts fünf Maßnahmen vor:

  • Die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wird vorübergehend bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde. Antragspflichtige Unternehmen sollen dadurch die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch Inanspruchnahme staatlicher Hilfen oder durch Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen abzuwenden.
  • Geschäftsleiter haften während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt fü r Zahlungen, die sie nach Eintritt der Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen.
  • Unternehmen können während der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht Kredite beanspruchen. Dies wird nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung angesehen.
  • Während der Aussetzung zu erbringende Leistungen an Vertragspartner sind dann nur eingeschränkt anfechtbar.
  • Die Möglichkeit von Gläubigern, durch Insolvenzanträge Insolvenzverfahren zu erzwingen, werden für drei Monate eingeschränkt.

Mit den Maßnahmen soll betroffenen Unternehmen Zeit für die Sanierung und Verhandlungen mit ihren Gläubigern gegeben werden. Die Vorschriften greifen zusätzlich zu staatlichen Hilfsprogrammen.

Beiträge zur Berufsgenossenschaft

Was können Betriebe tun, um die Zahlung der in diesen Monaten fälligen Beiträge zur Berufsgenossenschaft (BG) zu verschieben?

Kaum Umsätze und dann kommt jetzt noch der Beitragsbescheid der Berufsgenossenschaft? Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gestern mitteilte können Unternehmen, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, Erleichterungen bei den Beitragszahlungen beantragen. Wie diese genau aussehen, ist von BG zu BG verschieden, hier die Maßnahmen im Überblick.

BG Bau
Betriebe können formlos eine Stundung der Beiträge beantragen, die Beitragsabteilungen sind nach Aussage von BG Bau-Chef Klaus-Richard Bergemann angewiesen, „den Anträgen einfach und unbürokratisch nachzukommen. Anträge sind über die Servicehotline 0800/3799100 oder per Mail an die jeweils zuständige BG möglich.
Region Nord: mbn@bgbau.de
Region Mitte: mbm@bgbau.de
Region Süd: mbs@bgbau.de

BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
Die BG ETEM will den gesetzlichen Rahmen für die Stundung der Beiträge ausschöpfen um ungewöhnliche Härten abzufedern. Anträge auf Stundung sollen die Mitgliedsnummer enthalten und können formlos per Mail an ba.koeln@bgetem.de geschickt werden. Fragen werden unter der Service-Nummer 0221/3778-1800 geklärt.

BG Holz und Metall
Unternehmer in Liquiditätsschwierigkeiten können bei der BGHM unbürokratisch eine Zahlungserleichterung im Rahmen einer Stundung oder einer Ratenzahlung für die am 15. Mai 2020 fällig werdenden Beiträge beantragen. Entweder per Mail an service@bghm.de oder über die Servicehotline 0800/99900801

BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Die BGW will mit einer Verschiebung der am 15. Mai fälligen Beiträge auf den 15. Juni die Betriebe entlasten. Länger, so die BGW in ihrem Statement, werde sie es nicht schaffen, die Leistungsausgaben vorzufinanzieren. Betriebe sollten aber zunächst den Erhalt der Rechnung abwarten, bis dahin gibt es dann von der BGW neue Informationen zu Stundung- oder Ratenzahlung.

BG Handel und Warenlogistik
BGHW-Vorstand Udo Schöpf hat angekündigt, kleineren Unternehmen den Beitrag zinsfrei bis zum 15. Dezember 2020 zu stunden. Für größere Unternehmen soll es auf Antrag eine Stundung von 50 Prozent der Beitragszahlung geben, der Restbetrag kann dann in monatlichen Raten bis zum 15. Dezember 2020 beglichen werden. Was für jeden Betrieb im Einzelfall möglich ist, wird in einem Beiblatt zum Beitragsbescheid erklärt, beides erhalten die Unternehmen Mitte April.

BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe
Für Forderungen, die aus den Beitragsraten vom 15. März und vom 15. Juni 2020 entstehen können Unternehmer eine zinsfreie Beitragsstundung bei der BGN beantragen. Das geht formlos über das Servicecenter per Telefon 0621/4456-1581 oder Mail: beitrag@bgn.de

Bußgelder

Wie viel Bußgeld droht, wenn Verbote im Rahmen der Coronavirus-Maßnahmen ignoriert werden?

Andere (Bundes-) Länder, andere Sitten – so lässt sich die Bußgeld-Situation in Deutschland wohl am besten beschreiben. Denn eine einheitliche Verordnung zur Umsetzung des Kontaktverbotes gibt es laut Experten der ARAG Versicherung nicht. Die meisten Bundesländer verzichten bislang auf einen expliziten Straf- und Bußgeldkatalog. Doch in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz müssen Unternehmer bei Verstößen bereits mit saftigen Strafen rechnen:

Bayern (detaillierter Bußgeldkatalog hier):
  • Nichteinhalten des vorgeschriebenen Mindestabstands in Dienstleistungsbetrieben: 500 Euro
  • Nichteinhalten des vorgeschriebenen Mindestabstands zwischen den Gästen in Gastronomiebetrieben beim Abholen der Speisen (Betreiber muss dafür Sorge tragen): 500 Euro
  • Nichteinhalten der zulässigen Personenzahl (max. 30) beim Abholen der Speisen: 500 Euro
  • Nichteinhalten der vorgeschriebenen Aufenthaltsbeschränkung im Wartebereich (max. 10 Personen): 1.000 Euro
  • Öffnung von Ladengeschäften des Einzelhandels für Kunden (ausgenommen solche des täglichen Bedarfs): 5.000 Euro
  • Betrieb von Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen: 5.000 Euro
Baden-Württemberg (detaillierter Bußgeldkatalog hier):
  • Nichteinhaltung der Auflagen zum Schutz vor Infektionen: 500 Euro bis 1.500 Euro
  • Verstoß gegen Mitführpflicht der Pendlerbescheinigung bei Fahrten: 100 Euro bis 500 Euro
  • Betrieb von Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen: 2.500 Euro bis 5.000 Euro
  • Betreiben einer Einrichtung, die zusammen mit einer Poststelle oder Paketdienst betrieben wird, wenn der erwirtschaftete Umsatz der Poststelle oder des Paketdienstes eine untergeordnete Rolle spielt: 2.500 Euro bis 5.000 Euro
Nordrhein-Westfalen (detaillierter Bußgeldkatalog hier):
  • Verstoß gegen den Grundsatz der kontaktlosen Abholung bestellter Waren: 500 Euro
  • Nichtbeachtung normierter Sicherheitsvorkehrungen: 1.000 Euro
  • Leistungserbringung ohne Nachweis der medizinischen Notwendigkeit bzw. Leistungserbringung ohne Schutzmaßnahmen bei z.B. Hörgeräteakustikern, Optikern, orthopädischen Schuhmachern: 1.000 Euro
  • Erbringung von Dienst- und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann (Friseure, Nagelstudios, Tätowierer, Massagesalons): 2.000 Euro
  • Verstoß gegen das Verkaufsverbot, speziell im Bereich Handwerk und Dienstleistungen: 2.000 Euro
  • Betrieb von Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen: 2.500 Euro
Rheinland-Pfalz (detaillierter Bußgeldkatalog hier):
  • Nichtbeachtung von Vorgaben für Schutzmaßnahmen oder Hygienevorschriften: 1.000 Euro
  • Gewerbetreibende, die ihre Geschäfte trotz Verbot öffnen, drohen Bußgelder in gestaffelter Höhe ab 2.500 Euro
  • Schwerwiegende Verstöße und wiederholter Verstoß gegen Corona-Maßnahmen: bis zu 25.000 Euro

Arbeitsschutzvorschriften

Wo gibt es Erleichterungen und welche Regeln werden derzeit ausgesetzt?

Vorschriften zur Arbeitssicherheit werden durch eine Pandemie nicht außer Kraft gesetzt und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist aktueller denn je. Doch einige Vorgaben werden vorübergehend ausgesetzt.

  • Einsatz von Berufskraftfahrern: 
    Der Ausfall von Weiterbildungsterminen trifft auch Berufskraftfahrer. Um die Versorgungs- und Beförderungsketten zu gewährleisten, gelten derzeit folgende Erleichterungen: Fahrerlaubnisse der Klassen C und D (mit Unterklassen) können um ein Jahr verlängert werden, auch wenn die laut Fahrerlaubnisverordnung notwendigen ärztlichen Bescheinigungen (Sehtest, Eignungstest) noch fehlen. Die Schlüsselzahl 95 gemäß Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQV) wird auch ohne Vorlage aller erforderlichen Weiterbildungsbescheinigungen für ein Jahr zuerkannt. Bei Notlage eines Unternehmens ist der Eintrag der Schlüsselzahl 95 auch ohne Nachweis der Grundqualifikation möglich. Die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben derartige Regelungen erlassen, voraussichtlich werden die anderen Länder folgen. Auch das Bundesamt für den Güterverkehr (BAG) hat angekündigt, beim Straßenkontrolldienst derzeit auf Beanstandungen zu verzichten, wenn Fahrer ohne gültige Berufskraftfahrerqualifikation eingesetzt werden.
  • Kulanz bei Ersthelferausbildung:
    Die für die Fortbildung betrieblicher Ersthelfer vorgesehenen Zeitabstände von zwei Jahren sind derzeit nicht zu halten. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat angekündigt, dass Berufsgenossenschaften und Unfallkassen Kulanz zeigen, wenn Fristen aufgrund abgesagter Ersthelfer-Kurse überschritten werden. Bis zunächst 30. April 2020 sollen Mitarbeiter weder an Aus- noch an Fortbildungen zum Ersthelfer teilnehmen.
  • Aktuelle Infos zum Mutterschutz:
    Das Regierungspräsidium Baden-Württemberg fasst in einem Infoblatt zusammen, was Arbeitgeber bei Beschäftigung schwangerer Frauen im Hinblick auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus wissen müssen. Bislang ist weder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf noch eine Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind bekannt. Gleichwohl muss der Arbeitgeber eine unverantwortbare Gefährdung der Schwangeren durch ein erhöhtes Infektionsrisiko verhindern. Dieses höhere Risiko besteht etwa bei vermehrten Personenkontakt, etwa an Kassenarbeitsplätzen im Lebensmittel-Einzelhandel oder Bäckereien. In der derzeitigen Situation kann eine schwangere Frau an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr beschäftigt werden.
  • Arbeitsmedizinische Beratung:
    Gemäß Verordnung für die arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbMedVV) gelten im Pandemiefall für die arbeitsmedizinische Vorsorge dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie für jede Arztpraxis. Die BAuA weist auf die pragmatische Lösung hin, in einer Notsituation notwendige arbeitsmedizinische Vorsorgen telefonisch durchzuführen.
  • Arbeitnehmerüberlassung auch ohne Erlaubnis:
    Wer seine Mitarbeiter anderen Unternehmen überlassen will, die in der Corona-Krise dringend Arbeitskräfte suchen (Landwirtschaft, Gesundheitswesen), darf dies ausnahmsweise auch ohne eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung nach dem AÜG tun. Voraussetzung hierfür ist, dass die Mitarbeiter zustimmen und die Überlassung zeitlich auf die aktuelle Krisensituation begrenzt bleibt. (BAuA, letzter Abschnitt unten auf der Seite)
Welche besonderen Schutzvorschriften gelten für Handwerker im Kundendienst?

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empiehlt neben den grundsätzlichen Schutzmaßnahmen, wie das Abstandhalten von anderen Personen (mindestens 1,5 Meter) und Einhaltung von Hygieneregeln (Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder Taschentuch, regelmäßige Händereinigung, nicht an Mund, Nase und Augen fassen) für Handwerker im Kundendienst die folgenden weitergehenden Schutzmaßnahmen:

  • Vor Antritt des Termins abklären, ob sich am Arbeitsort eine Person in angeordneter häuslicher Isolierung befindet. Ein Arbeitseinsatz ist dann nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt und in begründeten Notfällen unter den vom Gesundheitsamt angeordneten Auflagen vertretbar.
  • Beschäftigte, die Atemwegsinfektionen oder Fieber zeigen, sollten der Arbeit fernbleiben.
  • Unterweisung zu grundlegenden Hygieneregeln (Abstand halten, Begrüßung ohne Handschlag, Husten/Niesen in die Armbeuge, regelmäßige Händereinigung, Berühren des Gesichts vermeiden etc.)
  • Für den Weg zum Kunden vorzugsweise Individualverkehr nutzen, wenn möglich Einzelfahrten. Bei Sammelfahrten mit Firmenfahrzeugen sollte die Anzahl der Personen im Fahrzeug möglichst durch parallele Nutzung von Privatfahrzeugen reduziert werden.
  • Direkte Kundenkontakte auf ein Mindestmaß reduzieren, dabei immer Abstand halten (mindestens 1,5 Meter). Auf eine Gegenzeichnung von Dokumenten z.B. Stunden-nachweisen; Regieberichten durch den Auftraggeber sollte verzichtet werden.
  • Direkte, enge Zusammenarbeit von Beschäftigten vermeiden, auch hier möglichst Abstand voneinander halten (mindestens 1,5 Meter).
  • Personalwechsel innerhalb der Teams zur Vermeidung zusätzlicher persönlicher Kontakte möglichst vermeiden.
  • Pausen so organisieren, dass ein Mindestabstand zwischen den Beschäftigten (mindestens 1,5 Meter) eingehalten werden kann, zum Beispiel durch Pausenmöglichkeit im Freien, versetzte Pausenzeiten.
  • Arbeiten so organisieren, dass in kleineren Räumen möglichst nur eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter arbeitet.
  • Arbeitsbereiche regelmäßig lüften.
  • Die gründliche Reinigung der Hände (mindestens 20 Sekunden) ist vor der Nahrungsaufnahme und nach dem Toilettengang zwingend und sollte auch vor dem Verlassen des Arbeitsortes nach Beendigung der Arbeiten vorgenommen werden.
  • Auch wenn in den meisten Fällen Seife und Handtücher vor Ort vorhanden sind, kann das Mitführen von sauberen Papierhandtüchern und Seife sinnvoll sein. Sollten keine Waschmöglichkeiten vorhanden sein, ist die Mitnahme von Händedesinfektionsmitteln eine Alternative.
Für welche Branchen und Gewerke gibt es Handlungsempfehlungen? Wo finde ich Schulungsmaterialien, um online zu unterweisen statt vor Ort?

Wo ein Arbeiten im Homeoffice nicht möglich ist, tauchen viele Fragen zur Verminderung der Ansteckungsgefahr auf. Doch Sicherheitsunterweisungen vor Ort werden durch die Hygienemaßnahmen erschwert oder müssen verschoben werden. Daher werden immer mehr Handlungshilfen und Lösungen digital angeboten, damit Arbeitsschutzschulungen online stattfinden können. Nachfolgend einige für das Handwerk relevante Informations- und Schulungsangebote:

  • Lernmodule zum Arbeitsschutz der BG ETEM, sind nun für alle Branchen frei verfügbar, etwa zu Elektrotechnik, Gefahrstoffen, Hautschutz und anderen Themen.
  • Handlungshilfen zu den unterschiedlichsten Branchen und Tätigkeiten - von Bau über Werbetechnik bis hin zu Kfz.-Werkstätten und Wäschereien - gibt es auf der Website der BG ETEM

Kostenlose Rechtsberatung

Ich habe aufgrund der Corona-Krise Fragen zum Arbeitsrecht und zum Reiserecht, möchte aber nicht gleich eine teure Rechtsberatung beim Anwalt in Anspruch nehmen. Was kann ich tun?

Der Rechtsschutzversicherer ARAG Versicherung bietet im Rahmen von Fragestellungen zur Corona-Krise rechtliche Services im Bereich Arbeitsrecht und Reiserecht für Kunden und zusätzlich auch für Nicht-Versicherungskunden an. Das kündigte das Düsseldorfer Familienunternehmen in einer Pressemitteilung vom 31. März 2020 an. Alle Kunden der ARAG Versicherung können mit einem unabhängigen Anwalt über eine eigens eingerichtete Hotline direkt sprechen oder online einen Rückruf vereinbaren. Für Nicht-Kunden bietet der Versicherungskonzern einen Anwalts-Chat sowie die anwaltliche Prüfung von Kündigungen oder Aufhebungsverträgen. Am 2. April 2020 haben zudem alle Bürger die Möglichkeit, von 10.00 bis 18.00 Uhr über die Telefonhotline 0211 963 2055 ihre rechtlichen Fragen zu Corona mit einem unabhängigen Anwalt zu besprechen. Diese Kosten auch für Nicht-Kunden übernimmt der Versicherer.

Wirtschaftliche Konsequenzen

Welche Auswirkungen hat das Virus auf die Wirtschaft generell – und auf Handwerksbetriebe?

Laut ifo-Institut  leidet die deutsche Wirtschaft erheblich unter den Folgen der Corona-Pandemie. Das ergab eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts unter knapp 3.400 Firmen in Industrie, Handel und bei Dienstleistern. Am schlimmsten ist die Lage bei den Reiseveranstaltern und Reisebüros, wo fast 96 Prozent negativ betroffen sind. Auch das Gastgewerbe mit 79 Prozent ist stark in die Krise involviert. Von einer positiven Auswirkung berichten nur 2,2 Prozent.

Auch das Handwerk wird von der Krise heftig getroffen: Laut einer im Handelsblatt veröffentlichten ZDH-Umfrage unter 4.900 Unternehmen, die vom 23. bis zum 25. März 2020 durchgeführt wurde, beklagen 55 Prozent stornierte Aufträge und 36 Prozent fehlendes Personal, weil Mitarbeiter aufgrund von Quarantänemaßnahmen oder der durch geschlossene Schulen nötigen Kinderbetreung in der Arbeit fehlen. Insgesamt 77 Prozent der befragten Betriebe, also mehr als drei von vier Handwerksbetriebe in Deutschland, verzeichnen Umsatzrückgänge. "Die Coronakrise hat das Handwerk mit voller Wucht und in der ganzen Breite getroffen", kommentierte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer die Ergebnisse. Als Gegenmaßnahmen möchten nun 58 Prozent der Befragten Unternehmen auf Kurzarbeit setzen, 43 Prozent wollen zumindest

Ausgangssperre

Wie weise ich nach, dass meine Mitarbeiter wirklich zur Arbeit unterwegs sind?

Bei einer Ausgangssperre ist das Verlassen der eigenen Wohnung zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit weiterhin erlaubt. Für diese Ausnahme des Hin- und Rückwegs zur jeweiligen Arbeitsstätte sollte der Arbeitnehmer eine Arbeitgeberbescheinigung vorlegen können, da im Falle einer Kontrolle die Gründe durch den Betroffenen glaubhaft zu machen sind. Diese Bescheinigung ist kein behördlicher "Passierschein", sondern ein Hilfsmittel, um den kontrollierenden Beamten ein eindeutiges Dokument vorweisen zu können.

Auf dieser Basis stellt die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner GmbH folgende Musterformulierung zur Verfügung:

Musterformulierung "Arbeitgeberbescheinigung für Ausgangssperre":

Hiermit bestätigen wir, dass
Vorname / Name / Genaue Anschrift
bei uns als Arbeitnehmer beschäftigt ist. Im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit ist die Anwesenheit im Betrieb
Genaue Anschrift
erforderlich. Daneben ist ggf. auch die Anwesenheit an folgenden auswärtigen Arbeitsstellen erforderlich:
Bezeichnung / Genaue Anschrift

Optional:
Im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit ist er regelmäßig an verschiedenen Orten in
Bereich konkretisieren, Landkreis, Bezirk o. ä.
unterwegs. Dies hat folgende Gründe:
hier bitte konkret erläutern, warum der Arbeitnehmer regelmäßig unterwegs und an verschiedenen Orten tätig ist.
 
Unterschrift:
Hier unterschreiben
Wie weise ich als Selbstständiger nach, dass ich auf dem Weg zur Arbeit bin?

Um auch als Arbeitgeber glaubhaft versichern zu können, dass Sie sich auf dem Arbeitsweg befinden, nehmen Sie am besten eine Visitenkarte oder ein ähnliches Dokument mit, auf dem die Betriebsadresse zu finden ist. (Im Falle einer Auftragsarbeit natürlich auch das Vertragswerk, aus dem hervorgeht, dass sie am Ziel vor Ort sein müssen). Dazu ist es laut der Rechtsanwaltskanzlei Latham & Watkins LLP ratsam, Arbeitswege zu dokumentieren. So können Sie immer klar nachweisen, dass Sie auf dem Weg von Wohnort zur Arbeit sind.

Umgang mit Verträgen

Was sollte ein Handwerksbetrieb tun, der seine Vertragsleistung nicht erfüllen kann, weil er infolge der Coronakrise mit Personalmangel oder Lieferengpässen zu kämpfen hat?

Mitarbeiter sind in Quarantäne, die Materiallieferung bleibt aus: „Informieren Sie frühzeitig und schriftlich Ihren Vertragspartner darüber, dass Sie infolge der Coronakrise den Termin auf der Baustelle nicht halten können“, sagt Rechtsanwalt Dr. Claus Schmitz, Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein. „Handwerksbetriebe sollten die Gründe für den Zeitverzug präzise protokollieren und dokumentieren – und auch dem Vertragspartner mitteilen.“ Nachweise können beispielsweise behördliche Verfügungen über Quarantänemaßnahmen oder der Schriftverkehr mit dem Lieferanten sein.

Ob ein Handwerksbetrieb Verzugschadensersatz leisten oder eine Vertragsstrafe zahlen muss, weil er Termine nicht wie vereinbart eingehalten hat, hängt laut Schmitz zwar vom Einzelfall ab. „Aber wenn infolge des Coronavirus die Mitarbeiter in Quarantäne müssen oder die Lieferkette unterbrochen ist und daher Material fehlt, ist das kein Verschulden des Handwerkers. Und ohne Verschulden gibt es keinen Schadensersatzanspruch des Vertragspartners und auch keinen Anspruch auf Vertragsstrafe.“ Der Coronavirus kann jedoch nicht für Versäumnisse oder schlechte Planung eines Betriebes herhalten – etwa, wenn der Betrieb zu viele Aufträge gleichzeitig angenommen hat, obwohl er gar nicht über genügend Personal verfügt, um die Arbeiten fristgerecht zu erledigen. Oder wenn Materialien zu spät bestellt wurden und es dadurch zu Verzögerungen kommt. Wie Handwerker konkret mit Bauverträgen in der Corona-Krise umgehen, lesen Sie hier.

Einen ausführlichen Beitrag zum Umgang mit Bauverträgen in der Corona-Krise lesen Sie hier.

Digitale Meistervorbereitungskurse

Der Präsenzunterricht der Handwerkskammern und anderer Bildungsträger ist komplett eingestellt – wie kann ich mich jetzt auf die Meisterprüfung vorbereiten?

Ein Problem für alle, die gerade für die Meisterprüfung lernen: Ohne Präsenzunterricht ist eine erfolgreiche Prüfung wesentlich schwieriger geworden. Der Buchverlag von Holzmann Medien bietet angesichts dieser Situation ab sofort allen Handwerkskammern und Bildungsverantwortlichen insgesamt 65 digitale Lerneinheiten (Lernvideos) für Teil 3 der Meisterprüfung. Die 65 Lernvideos mit über 360 Minuten Laufzeit lassen sich laut Verlagsangaben problemlos auf die jeweiligen Online-Lernplattformen, wie zum Beispiel "ILIAS" aufschalten. Sie eigenen sich dadurch hervorragend zum Selbststudium oder zum Einsatz im Unterricht.

Bei Interesse am neuen digitalen Weiterbildungsangebot wenden Sie sich bitte per E-Mail an Achim Sacher (Achim.Sacher@holzmann-medien.de). Mehr Informationen zum MeisterTrainer von Holzmann Medien finden Sie hier.

Homeoffice

Welche Regelungen gelten im Homeoffice in Sachen Arbeitsschutz – und greift dort auch die gesetzliche Unfallversicherung?

Genau wie im Unternehmen gelten in einem Arbeitszimmer zu Hause das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Der Arbeitgeber muss also sicherstellen, dass Arbeitnehmer auch an ihrem Bildschirmarbeitsplatz zu Hause ihre Gesundheit nicht gefährden – und handelt ordnungswidrig, wenn er diese Vorschriften nicht einhält. Dazu sind auch Vertraulichkeitspflichten im Homeoffice ein sensibles Thema. Alle wichtigen Geschäftsunterlagen sollten von ihren Mitarbeitern vor dem Einblick durch Dritte geschützt sein. Mitarbeiter sind verpflichtet, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch zu Hause zu wahren.

Die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gilt laut Experten der ARAG Versicherung auch im Homeoffice. Dienstliche Tätigkeiten im Arbeitszimmer sind ebenso versichert wie der Weg in die Firma oder zum Kunden. Der Arbeitsweg beginnt übrigens erst an der Außentür des Wohngebäudes, wie das Sozialgericht Karlsruhe urteilte. Daher liegt kein so genannter Wegeunfall vor, wenn ein Mitarbeiter im Homeoffice in der eigenen Wohnung oder in einem anderen Stockwerk des Hauses arbeitet und dort auf dem Weg zum Schreibtisch verunglückt (SG Karlsruhe, Az.: S 4 U 675/10). Der Gang aus dem Arbeitszimmer zur Kaffeemaschine ist zu Hause ebenfalls nicht unfallversichert (SG München, Az.: S 40 U 227/18). Mehr Infos und weitere Details zum Thema "Homeoffice und Coronavirus" finden Sie im Beitrag "Coronavirus-Angst: Wann müssen Chefs ihre Mitarbeiter nach Hause schicken?".

Mobilität

Unter welchen Bedingungen darf eine Kfz-Werkstatt weiterhin geöffnet bleiben?

Die von Bundesregierung und Ländern beschlossenen Leitlinien im Kampf gegen das Coronavirus führen zu einer weiteren Verschärfung der Krise im Autohandel. So muss der Autohandel schließen, Handwerksbetriebe – und damit auch Kfz-Werkstätten – sollen aber von den Beschränkungen nicht betroffen sein.

Damit stellen sich Abgrenzungsfragen für Autohäuser, in denen Autohandel, Teileverkauf und Werkstattgeschäft unter einem Dach stattfinden. Soll zum Beispiel Zubehör eingebaut, aber nicht verkauft werden dürfen? Soll jeder Teilekäufer daraufhin überprüft werden müssen, ob er Endkunde oder gewerblicher Wiederverwerter ist?

Nach Überzeugung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ist bei solchen Fragen maßgeblich auf das berechtigte Ziel der Privilegierung von Autowerkstätten abzustellen, nämlich den Erhalt oder die Wiederherstellung der individuellen Mobilität. Für viele Menschen gebe es keine zumutbare Alternative zum Auto. Dessen Verkehrs- und Betriebssicherheit müsse deshalb gewährleistet sein und bleiben. Darum müsse es beispielsweise zulässig sein, dem Kunden Ersatz für die eingerissenen Wischerblätter anzubieten, auch wenn der Kunde diese selbst anbringen will. Ebenso sollte dem Kunden für den Fall, dass sich eine Beschädigung als Totalschaden erweist oder eine Reparatur als wirtschaftlich unsinnig, Ersatzmobilität angeboten werden können. Dabei darf es nach Auffassung des ZDK keinen entscheidenden Unterschied machen, ob das Ersatzfahrzeug an den Kunden vermietet, verleast oder veräußert wird. Für eine solche Betrachtungsweise spreche nicht nur, dass die genannten Beispiele im Werkstattbereich zu verorten sind, nicht im Handel.

Das ist allerdings die Interpretation des ZDK zur Abgrenzung von Handel und Werkstattgeschäft. Im Sinne der beschlossenen Corona-Leitlinien.

Ergänzend teilte der Verband mit, dass zum Beispiel in Hamburg das Verkaufsverbot für den Handel bereits polizeilich kontrolliert werde. Die Innung Hamburg empfiehlt deshalb dringend, den Verkaufsbereich zu schließen und deutlich von der Serviceannahme für den Werkstattbereich abzugrenzen.

Falschmeldungen

Woran erkenne ich Falschmeldungen – und wie sensibilisiere ich meine Mitarbeiter?

In sozialen Netzwerken verbreiten sich Meldungen sogar noch schneller als ein Virus. So werden leider auch Fake News allzu schnell viel zu oft geteilt und geliked und sind kaum mehr zu stoppen. Dabei gibt es nach Angaben der Social-Media-Experten der ARAG Versicherung  eindeutige Hinweise, die auf eine Falschmeldung schließen lassen: Zum einen bieten viele Plattformen wie etwa Instagram, Twitter, Facebook und Co. die Möglichkeit, sein Profil zu verifizieren, also die Echtheit und Seriosität des Profils zu bestätigen. Erkennbar ist das beispielsweise bei Instagram an einem b lauen Haken hinter dem Accountnamen. Zum anderen ist bei gefakten Profilen oft ein Kommentar zum Post gar nicht möglich. Auch Kettenbriefe sind Panikmacher: Wenn wir etwas vermeintlich Neues oder Schockierendes lesen, ist die Nachricht über Messengerdienste wie WhatsApp schnell kopiert und weitergeleitet. Wie ein Schneeballsystem breitet sich nun die Nachricht aus. Kettenbriefe sind vor allem daran zu erkennen, dass sie dazu auffordern, die Nachricht an beispielsweise zehn weitere Personen zu schicken und sogar zu drohen, wenn man es denn nicht tut. In Zeiten von Corona schürt der unbedachte Umgang mit solchen dubiosen Massenbotschaften unnötig die Angst vor dem Virus.

Achtung: Gefakte Webseiten zur Soforthilfe online!
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnt aktuell vor Webseiten,  auf denen in Bedrängnis geratene Unternehmen aufgefordert werden, das dortige Formular mit Daten zu befüllen und anschließend hochzuladen. Teilweise wurden Unternehmen gezielt telefonisch kontaktiert und explizit auf die entsprechende Seite im Internet hingewiesen. Der Anrufer gab sich dabei als Angehöriger der einzig offiziellen Stelle zur Abwicklung der Soforthilfe aus. Die Polizei warnt eindringlich davor, persönliche und Unternehmensdaten auf solchen Fake-Seiten im Internet preiszugeben. "Nutzen Sie für die Stellung der Anträge auf Soforthilfe ausschließlich die Internetseiten von offiziellen Landesstellen" so der Sprecher des LKA Baden-Württemberg.

Und wie sensibilisiere ich als Handwerksunternehmer dafür nicht nur mich, sondern auch meine Mitarbeiter? Am besten fordern Sie ihre Belegschaft dazu auf, immer einen Blick auf die Quelle der Nachricht zu werfen. Dann erkennen die Meisten schnell, ob sie verlässlich ist oder nicht. Am sichersten im Fall von Corona sind sicherlich offizielle Stellen. Nachfolgend vier Links, die zur verlässlichen Information dienen:

Hygienemaßnahmen

Welche Schutzvorkehrungen sollten Handwerker im Betrieb treffen?

Aktuell lautet die Empfehlung an alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, Sozialkontakte möglichst einzuschränken oder ganz zu vermeiden. Das gilt natürlich auch im Betrieb. Die Handwerkskammer Magdeburg empfiehlt, jetzt betriebliche Vorsorge- oder Notfallpläne zu erarbeiten. So seien Mitarbeiter über die Entstehung und die Symptome der Infektion zu informieren sowie über die zu treffenden Hygienemaßnahmen im Betrieb:

  • Hände häufig und gründlich waschen.
  • Bereitstellen und Nutzen von Desinfektionsmitteln.
  • Unterlassen des Händeschüttelns zur Begrüßung.
  • Das Fernhalten der Hände aus dem Gesicht.
  • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.
  • regelmäßiges Lüften geschlossener Räume.
  • regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Arbeitsstätten, Computertastaturen und Maschinen, die häufig und von vielen Mitarbeitern genutzt werden.
Darüber hinaus müssten jetzt Geschäftsabläufe neu gedacht werden, etwa wenn Mitarbeiter ausfallen, insbesondere seien Vertretungsregelungen zu treffen. Es seien Heim- und Telearbeitsplätze einzurichten, auch Telefon-/Videokonferenzen sind demnach zu empfehlen statt persönlicher Besprechungen. Der Arbeitgeber ist im Übrigen berechtigt, den Arbeitnehmer zu fragen, ob er auf Reisen in einem gefährdeten Gebiet war. Die Anordnung einer betriebsärztlichen Untersuchung durch den Handwerkerchef ist grundsätzlich möglich. Auch ist der Mitarbeiter verpflichtet, seinen Chef zu informieren, wenn er in den letzten 14 Tagen mit infizierten und/oder mit Personen in Kontakt stand, die unter Infektionsverdacht stehen bzw. in gefährdeten Gebieten waren. Empfehlenswert sei darüber hinaus, auch jetzt noch Grippeschutzimpfungen durchzuführen.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Wie ist mit Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen umzugehen?

Mitarbeiter können sich bei ihrem Hausarzt am Telefon für sieben Tage krankschreiben lassen, selbst wenn sie nur eine leichte Erkältung haben. Das haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen beschlossen. „Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) muss spätestens am vierten Krankheitstag beim Arbeitgeber sein“, sagt Ecovis-Arbeitsrechtler Gunnar Roloff in Rostock, „so steht es im ‚Entgeltfortzahlungsgesetz‘“. Demnach darf ein Arbeitnehmer drei Tage ohne AU zu Hause bleiben. Spätestens am vierten Krankheitstag müssen Mitarbeiter die AU bei ihrem Chef abgeben, sofern es nicht anders in ihrem Arbeitsvertrag steht.

Schulausfall

Erhalten Eltern, die durch den Schulausfall nun ihre Kinder zuhause betreuen, weiterhin Lohn?

Ist der Mitarbeiter verhindert, weil er seine Kinder betreuen muss, bleibt sein Lohnanspruch bestehen. Nach dem Gesetz handelt es sich um eine nicht vorhersehbare Notwendigkeit, ein Kind oder eine sonstige betreuungsbedürftige Person im Haushalt selbst zu betreuen. Dies gilt auch für den Fall, dass unvorhersehbar die Betreuungsmöglichkeit entfällt, etwa die Schulschließung durch höhere Gewalt. Der Mitarbeiter muss sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, der ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt. Tarifverträge oder Arbeitsverträge können anderes regeln. Etwa gibt es in der Praxis auch die Regelung, dass der Beschäftigte zunächst seinen Urlaub einsetzen muss oder unbezahlt freigestellt wird.

Überstunden

Darf der Handwerkerchef Überstunden anordnen, etwa wenn eine Filiale wegen eines Corona-Verdachts geschlossen wurde oder sich viele Mitarbeiter auf Anweisung des Gesundheitsamts in häuslicher Quarantäne befinden?

Arbeitnehmer sind in der Regel durch einen Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ihren Arbeitsvertrag zur Leistung von Überstunden verpflichtet. Das Bundesarbeitsministerium weist darauf hin, dass es auch eine Nebenpflicht zur Leistung von Überstunden geben kann, wenn dem Betrieb andernfalls Schaden droht. Dies träfe zu, wenn durch COVID-19-Erkrankungen viele Mitarbeiter ausfallen. Der Arbeitnehmer kann dann auf einer Grundvergütung der Überstunden bestehen, wenn die Überstunden vom Chef angeordnet wurden.

Sonntagsarbeit

Wie sieht es mit der Sonntagsarbeit aus? Gilt trotz der Corona-Krise weiterhin das Sonntagsarbeitsverbot?

Um Lieferengpässen vorzubeugen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Länder aufgefordert, das Verbot von Sonntagsarbeit zu lockern. Der Bundesverkehrsminister die Länder gebeten, die Kontrolle des Sonn- und Feiertagsfahrverbots zunächst bis zum 5. April 2020 auszusetzen.

Insolvenzen

Wird es durch die Corona-Krise mehr Insolvenzen geben?

Eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes kommt zu dem Schluss, dass die Insolvenzen weltweit um rund 7,5 Prozent ansteigen werden. Bisher hatten die Experten der Allianz-Tochter lediglich mit einem Plus von sechs Prozent gerechnet. Als Beispiel sei erwähnt: In Deutschland gingen zuletzt namhafte Großunternehmen wie etwa Thomas Cook und Condor pleite. „Der Dominoeffekt bei Großinsolvenzen auf die Lieferkette ist meist sehr groß“, warnt Euler-Hermes-Chef Ron van het Hof und geht davon aus, dass sich das auch in Zeiten der Corona-Krise auf das Gesamtbild niederschlagen wird. Je höher die Umsätze möglicher Insolvenz-Unternehmen, desto größer seien die Schäden bei den einzelnen Lieferanten. Die meisten Handwerker würden ohne Absicherung arbeiten. So schätzt der Kreditversicherer Coface, dass höchstens 25 Prozent der Unternehmen eine Kreditversicherung abgeschlossen haben.

Versicherungen

Welche Versicherungen helfen in der Corona-Krise?

Sogenannte Kreditversicherungen sorgen dafür, dass Unternehmen dauerhaft und nachhaltig wachsen – weil sie durch den Ausfall von Forderungen nicht aus der Bahn geraten. Eine Kreditversicherung hält die Zahlungsströme von Unternehmen aufrecht. Werden Kunden insolvent oder können über einen gewissen Zeitraum nicht zahlen, ersetzen Kreditversicherer die Forderungsausfälle, die im Betrieb für gelieferte Güter und Dienstleistungen entstanden sind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist aber darauf hin, dass Versicherungen Pandemien nicht abdecken. Zwar gäbe es Policen, die Ertragsausfälle aufgrund von Betriebsunterbrechungen abdecken, oder Versicherungen, mit denen sich Veranstalter beispielsweise gegen den Ausfall von Messen absichern können. Viele dieser Verträge greifen jedoch nur bei Schäden, die auf Brand, Diebstahl, Sturm oder sonstige Naturgefahren zurückgehen. Zwar könne der Schutz erweitert werden für Betriebsschließungen infolge übertragbarer Krankheiten, doch davon werde nur selten Gebrauch gemacht.

Maßnahmen des Bundes

Welche Maßnahmen des Bundes sind auf dem Weg? Und ist Deutschland gut gerüstet?

Die Bundesregierung beschloss Erleichterungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld, der Bundestag gab im Eiltempo grünes Licht, außerdem sollen weitere Hilfspakete geschnürt werden. Des Weiteren wurde ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Investitionen und zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren aufgelegt. Der ehemalige Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte gegenüber dem BR, dass das Kurzarbeitergeld als Maßnahme nicht ausreiche, um eine Rezession zu vermeiden. Demnach werden wir im ersten halben Jahr einen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit haben. Und rückläufiges Wirtschaftswachstum über zwei Quartale bezeichnet man nach Aussagen Bofingers als Rezession.

Auch machte der Ökonom deutlich, die Politik sei handlungsfähig, es gäbe derzeit keine finanziellen Restriktiven. Auch habe Deutschland derzeit einen geringen Schuldenstand. Würde ein Hilfspaket den Staat 100 Milliarden Euro kosten, dann würde die Verschuldung Deutschlands, bezogen auf die Wirtschaftsleistung, lediglich von etwa 59 % auf 62% ansteigen. Wenn die Krise in etwa sechs Monaten vorbei sei, könne sich die Wirtschaft nach Bofingers Einschätzung bereits innerhalb von zwei Monaten wieder erholen. Seine Empfehlung: Ganz klar müsse kleinen Selbstständigen geholfen werden. Das Infotelefon des Bundeswirtschaftsministeriums zum Coronavirus 030/18615-1515, (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr erreichen).

Steuererleichterungen

Mit welchen steuerlichen Erleichterungen dürfen Unternehmen rechnen?

Für das Steuerrecht hat die Regierung diese drei Handlungsfelder angemeldet:

  1. Verbesserte Abschreibungsbedingungen für digitale Wirtschaftsgüter.
  2. Einführung einer Option zur Körperschaftsteuer für Personengesellschaften zur Besteuerung nach den Regeln von Kapitalgesellschaften.
  3. Verbesserungen bei der Anrechnung der Gewerbesteuer. Die beschlossene Änderung führt laut ZDH dazu, dass es bis zu einem Gewerbesteuerhebesatz von rd. 420 % zu einer vollständigen Entlastung von der Gewerbesteuer kommt.

Die vorgezogene Abschaffung des Solidaritätszuschlags auf 1. Juli 2020 scheiterte zunächst im Koalitionsausschuss – die Ökonomen halten das aber durchaus für ein adäquates Instrument. Am besten setzen sich Handwerker direkt mit ihrem Steuerberater oder dem zuständigen Finanzamt in Verbindung, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Banken

Gibt es allgemeine Vorsorgemöglichkeiten, zum Beispiel im Umgang mit Banken?

Unternehmen, die Finanzierungs- und Liquiditätsvorsorge treffen, werden im Fall geplanter Investitionen in der Zukunft seltener in Schwierigkeiten geraten. Folgende konkrete Maßnahmen empfiehlt etwa das Kreditvermittlungsportal Compeon:

  • Unternehmer sollten Abhängigkeiten zu bestehenden Finanzpartnern reduzieren, indem sie ihren Bankenkreis nun konsequent erweitern. Benötigt der Betrieb Kapital, kann der Chef auf einer breiteren Basis anfragen.
  • Eigenkapital stärken, indem Gewinne thesauriert werden und das Working Capital optimiert wird. Zugleich prüfen Sie jetzt, inwieweit die Struktur der Sicherheiten bestehender Finanzierungen noch auf dem aktuellen Stand ist. Womöglich können Chefs freie Sicherheiten schaffen, die im Ernstfall herangezogen werden können.
  • Im Moment könnte es lohnend sein, Kredite mit kurzer Laufzeit in zinsgünstigere und langfristig angelegte Kreditlinien umstrukturieren.
Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Vereinbarung zur Einführung von Kurzarbeit (PDF, 106 kB)

    Der Handwerkschef, der seine Mannschaft wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit schicken muss, sollte mit seinen Mitarbeitern eine Vereinbarung über Gründe und Dauer der Kurzarbeit treffen, die von beiden mehr...

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