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Neuestes Update: Friseurkonjunktur Coronavirus und das Handwerk: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das Coronavirus ist weltweit und leider auch in Deutschland noch längst nicht besiegt, alle Freiheiten des alltäglichen Lebens sind bei weitem noch nicht zurück. Da ist weiter Verunsicherung da – auch im Handwerk. Was Betriebschefs jetzt wissen müssen.

Topic channels: TS Konjunktur, TS Arbeitsschutz und Gesundheit, TS Auftragsabwicklung, TS Büroorganisation, TS Messen, TS Fördermittel, TS Betriebsversicherung, TS Krankenversicherung, TS Risikomanagement, TS Insolvenzrecht, TS Steuerstrategien, TS Coronavirus, TS Kassensysteme, TS Betriebsprüfung, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Baustoffe

+++ Dieser Beitrag wird von der Redaktion laufend aktualisiert +++

Friseurhandwerk in der Corona-Krise: Konjunktur, finanzielle Not und Hygiene

Wie stark haben die Corona-Maßnahmen das Friseurhandwerk belastet?

Erwartbar keine guten Nachrichten, was die Konjunktur des Friseurhandwerks anbelangt: Die Corona-Beschränkungen haben bei den Friseuren im ersten Quartal 2021 für Rekordverluste gesorgt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, brachen die Erlöse im Friseurhandwerk um 37,4 Prozent ein. Auch die Zahl der Beschäftigten sank mit minus 9,2 Prozent signifikant. "Dies zeigt, wie dramatisch die Folgen der Corona-Maßnahmen für das Friseurhandwerk sind. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks fordert daher, angepasst an das Infektionsgeschehen in Deutschland, einen konkreten Fahrplan, um zur Normalität in den Salons zurückkehren zu können", so Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Als erstes Signal in diese Richtung müsse bei weiter sinkenden Inzidenzwerten die sogenannte 10-Quadratmeter-Regel in den Salons fallen (alle Hygiene-Regeln lesen Sie im Abschnitt "Coronavirus-Arbeitsschutzstandard: Welche Hygiene-Richtlinien müssen Friseure einhalten, um in Zeiten des Coronavirus tätig zu sein?").

Auch bei den Positionen des Verbandes zur Bundestagswahl 2021 spielen die wirtschaftlichen Belastungen durch die Pandemie eine zentrale Rolle: Das Friseurhandwerk fordert mit Bezug auf den bundesweiten Urnengang eine Reduzierung der steuerlichen Belastung und Abbau der Bürokratie in der deutschen Verwaltung. Vor allem aber müsse für das Dienstleistungshandwerk Friseur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gelten. Nur so könne der enormen Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Integrationsleistung des Friseurhandwerks Rechnung getragen werden.

Coronavirus-Arbeitsschutzstandard: Welche Hygiene-Richtlinien müssen Friseure einhalten, um in Zeiten des Coronavirus tätig zu sein?
Covid-19-Hygieneplan in Friseursalons
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat vor der Öffnung der Friseursalons am 1. März 2021 den Covid-19- Branchenstandard für Friseurbetriebe aktualisiert und verschärft. Der Branchenstandard basiert auf dem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), daher sind ein Großteil der Regelungen auf diverse Branchen zu übertragen. Die Zusammenfassung des 17-Punkte-Plans der BGW lesen Sie hier:

  1. Arbeitsplatzgestaltung:
    -gereinigte/unbenutzte Arbeitsmaterialien je Kunde verwenden
    -Schutzabstand von 1,5 Metern einhalten
    -persönliche Hygiene/Händedesinfektion/Wechsel von Einmalschutzhandschuhen und Mund-Nasen-Bedeckung beachten
    -Bewegungsräume durch Markierungen und/oder Absperrungen verdeutlichen
    -Abtrennungen (den Atembereich vollständig vom Nachbararbeitsplatz trennen): Mindesthöhe 2 Meter, die Breite richtet sich nach der Bewegungsfläche der Beschäftigten plus Sicherheitsaufschlag von 30 cm links und rechts
    -Schutzschild zwischen Kundschaft und Kasse
    -vollständiger Luftaustausch muss trotz Abtrennungen und Schutzschilden weiter möglich sein
    -Abtrennungen dürfen keine zusätzliche Gefahr (z.B. durch scharfe Kanten) darstellen

  2. Sanitär- und Pausenräume:
    -Zur Reinigung der Hände sind Händedesinfektionsmittel, hautschonende Flüssigseife und Einmalhandtücher zur Verfügung zu stellen
    -einen Hautschutz- und Händehygieneplan finden Sie unter: bgw-online.de/media/BGW06-13-090
    -ausreichender Abstand in Pausenräumen, idealerweise werden Pausen im Freien verbracht
    -Anpassung der Bestuhlung und Aufbringen von Bodenmarkierungen in Pausenräumen
    -Sanitärräume sollen arbeitstäglich mindestens einmal gereinigt werden
    -zur Vermeidung von Infektionen sollten Kontaktpunkte wie Türklinken und Handläufe regelmäßig mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel gesäubert werden

  3. Lüftung:
    -Friseurräume, auch Pausen- und Sanitärräume, müssen alle 20 Minuten ca. 3 bis 5 Minuten im Winter und ca. 10 bis 15 Minuten im Sommer mittels Stoßlüftung (oder noch besser Querlüftung) ausreichend belüftet werden – auch bei schlechter Witterung
    -Sollten mehrere Personen gleichzeitig die Pausenräume nutzen, sollten diese durchgängig gelüftet werden
    -eine kontinuierliche Lüftung über gekippte Fenster kann ergänzend zur Stoßlüftung sinnvoll sein

  4. Hausbesuche und mobile Friseurleistungen:
    -Mindestfläche von 10 Quadratmetern für jede im Raum befindliche Person
    -Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden
    -während der Tätigkeit sollen grundsätzlich unnötige Kontakte zu weiteren Personen im Haushalt vermieden werden
    -Mund-Nasen-Bedeckung (Kundin/Kunde und Beschäftigte) bzw. Atemschutzmaske (Beschäftigte) tragen
    -persönliche Hygiene/Händedesinfektion beachten
    -gereinigte/unbenutzte Arbeitsmaterialien je Kunde oder Kundin verwenden
    -Lüften der Räume vor Beginn der Tätigkeit und regelmäßiges Lüften

  5. Besonderheiten bei Friseursalons:
    -Beschäftigte, Kunden oder Kundinnen oder andere Personen sollten sich nach Betreten des Salons die Hände gründlich waschen oder desinfizieren (3 ml Händedesinfektionsmittel, 30 Sekunden Einwirkzeit, nicht mit Handtuch abwischen)
    -Kunden und weitere Personen im Salon tragen die vorgeschriebene Bedeckung von Mund und Nase nach den jeweiligen Verordnungen der Länder
    -bei jedem Kunden müssen zu Beginn die Haare gewaschen werden
    -vor und nach jedem Kundenkontakt sind die Hände zu reinigen. Die Händedesinfektion ist dem Händewaschen vorzuziehen, da sie hautschonender ist. Das Händedesinfektionsmittel muss mindestens "begrenzt viruzid" sein
    -Wegen der hohen Hautbelastung durch vermehrtes Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen und intensivem Händedesinfizieren und -waschen muss verstärkt auf Hautschutz und Hautpflege geachtet werden
    -werden Zeitschriften oder eine Bewirtung angeboten, sind Hygienemaßnahmen empfohlen, die eine Keimverschleppung auf Geschirr, Zeitungen, Zeitschriften und Personen verhindern sollen

  6. Bürotätigkeiten:
    -Nach der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung haben Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen
    -Ist es erforderlich, dass mehrere Personen die Büroräume gleichzeitig nutzen, darf eine Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person nicht unterschritten werden
    -Auch bei Bürotätigkeiten sind die Abstände von mindestens 1,5 Metern einzuhalten und Lüftungsmaßnahmen durchzuführen

  7. Besprechungen und Schulungen:
    -Besprechungen oder Mitarbeiterschulungen sollten auf das absolute Minimum reduziert oder verschoben werden. Alternativ sollten soweit wie möglich technische Lösungen wie Telefon- oder Videokonferenzen eingesetzt werden
    -für die Betreuung der Auszubildenden oder für Prüfungen gelten die beschriebenen Schutzmaßnahmen (Die BGW und der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks haben gemeinsam Empfehlungen für Gesellenprüfungen zusammengestellt)

  8. Schutzabstände:
    -Lediglich der jeweilige Kunde und der oder die zuständige Beschäftigte dürfen sich unter konsequenter Einhaltung der Schutzmaßnahmen für die Dauer der Friseurtätigkeiten nähern
    -der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen muss in anderen Fällen immer eingehalten werden. Das gilt für den Kontakt zu Kundinnen und Kunden, aber auch für Beschäftigte untereinander
    -Wartebereiche und Spielecken sollten geschlossen werden, um Personenansammlungen zu vermeiden

  9. Arbeitsmittel:
    -Eine Mehrfachverwendung der Arbeitsmittel ohne Zwischenreinigung für mehrere Personen ist auszuschließen
    -Alle Materialien sind nach jedem Kunden mit einem fettlösenden Haushaltsreiniger zu reinigen

  10. Arbeitszeit- und Pausengestaltung:
    -bei Schichtplänen ist darauf zu achten, möglichst dieselben Personen zu gemeinsamen Schichten einzuteilen
    -versetzte Arbeits- und Pausenzeiten oder Schichtbetrieb können eine gemeinsame Nutzung von Arbeitsbereichen, Pausenraum usw. entzerren
    -zu Beginn und Ende der Arbeitszeit ist durch geeignete organisatorische Maßnahmen zu vermeiden, dass es zu einem engen Zusammentreffen mehrerer Beschäftigter kommt

  11. Arbeitsbekleidung und PSA sowie deren Aufbewahrung und Reinigung:
    -besonders strikt ist auf die ausschließlich personenbezogene Benutzung jeglicher persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsbekleidung zu achten. Die personenbezogene Aufbewahrung von Arbeitskleidung und PSA ist getrennt von der Alltagskleidung zu ermöglichen
    -Bei kundennahen und nicht einhaltbaren Schutzabständen müssen Friseur sowie Kunde zumindest eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Für die Beschäftigten stellt der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin die Mund-Nasen-Bedeckung
    -Umhänge aus Stoff oder Kunststoff für die Kundschaft einsetzen
    -Gesichtsschilder können einen zusätzlichen Schutz bieten
    -Wäsche muss am Arbeitsende im Salon bleiben, in der Salonwaschmaschine bei mindestens 60°C mit Vollwaschmittel gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden

  12. Kundschaft:
    -Personen mit Covid-19-Symptomen und solche, für die behördliche Quarantäne angeordnet ist, dürfen den Salon nicht betreten. Darauf sollte bereits bei Terminvereinbarung hingewiesen werden
    -Kunden und Kundinnen und andere Personen sind über die Schutzmaßnahmen (Abstand halten, Händehygiene, Mund-Nasen-Bedeckung tragen, regelmäßige Lüftung usw.) zu informieren
    -auch der Zutritt von weiteren Personen (z.B. Handwerks-, Kurier- und Lieferdienste) sollte nur nach Terminvereinbarung erfolgen
    -Wartezeiten im Salon zum Beispiel durch "Walk-in-Termine" müssen vermieden werden
    -Kundenkontaktdaten sowie Zeitpunkt des Betretens/Verlassens des Salons sind zu dokumentieren, damit eine etwaige Infektionskette nachvollzogen werden kann. Die Erhebung dieser Daten ist nach Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zulässig. Es bestehen Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO
    -Die Kundschaft muss über die Maßnahmen informiert werden, die aktuell im Salon zum Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 gelten (Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, Händehygiene, Einhalten Husten-Nies-Etikette etc.)

  13. Verdachtsfälle:
    -Beschäftigte und Kunden mit entsprechenden Krankheitssymptomen, vor allem Fieber, Husten und Atemnot, Störungen des Geschmacks oder Geruchs, sind aufzufordern, den Salon nicht zu betreten
    -Bei Beschäftigten ist bis zur ärztlichen Abklärung des Verdachts von Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die betroffenen Personen sollten sich umgehend zunächst telefonisch zur Abklärung an eine Arztpraxis oder das Gesundheitsamt wenden

  14. Psychische Belastungen:
    -zusätzliche psychische Belastungen für Beschäftigte sollen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt und darauf basierend geeignete Maßnahmen ergriffen werden
    -Die BGW stellt ihren Mitgliedsunternehmen unter bgw-online.de/psyche verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung

  15. Mund-Nasen-Bedeckung und persönliche Schutzausrüstung:
    -Personen müssen bereits bei Betreten des Friseursalons eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen
    -können Kundinnen oder Kunden keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen (zum Beispiel bei gesichtsnahen Tätigkeiten wie Make-up, Rasur oder Bartpflege, aus medizinischen Gründen oder Kleinkinder), müssen Beschäftigte mindestens eine FFP2-Maske oder eine gleichwertige Atemschutzmaske tragen – ohne Ausatemventil. Die FFP2-Maske ist mit einer Schutzbrille oder einem Gesichtsschild zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen zu ergänzen, wenn gesichtsnah gearbeitet wird
    -Gesichtsschilde dürfen nicht als Ersatz von Mund-Nasen-Bedeckung/Atemschutzmasken verwendet werden. Sie bieten keinen Fremdschutz, da sie eine Abgabe des Virus über die Atemluft nicht verhindern (siehe Abschnitt "Pilotstudie der Hochschule München: Klarsichtmaske bietet keinen Schutz")
    -Atemschutzmasken sind nach Herstellerangaben zu verwenden und zu wechseln. Bei Durchfeuchtung sind Mund-Nasen-Bedeckungen und Atemschutzmasken sofort zu wechseln
    -die Verwendung von Mund-Nasen-Bedeckungen oder Atemschutzmasken führt zu erhöhten Belastungen. Es wird empfohlen, die Tragezeiten/Belastung durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Pausen zu reduzieren

  16. Unterweisung und aktive Kommunikation:
    -Die Beschäftigten sind über die Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen im Salon und für den Kundenkontakt zu unterweisen
    -Die Salonleitung muss die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln erklären und verständliche Hinweise geben, auch durch Hinweisschilder, Aushänge und Bodenmarkierungen
    -Für Unterweisungen sind auch die Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie der BGW hilfreich

  17. Arbeitsmedizinische Vorsorge:
    -Beschäftigte können sich individuell betriebsärztlich beraten lassen, auch zu besonderen Gefährdungen aufgrund einer Vorerkrankung oder einer individuellen Disposition
    -Gegebenenfalls kann der Arzt oder die Ärztin der betroffenen Person auch einen Tätigkeitswechsel empfehlen. Der Betrieb erfährt davon nur, wenn der oder die Betreffende ausdrücklich einwilligt

Corona-Impfung: Lockerungen für Geimpfte, digitaler Impfpass, Arbeitsrecht, Kundenumgang und Versicherungsschutz bei Impfschäden

Welche Lockerungen gelten für vollständig Geimpfte?

Wie der vom Bundestag am 6. Mai 2021 verabschiedete Gesetzesentwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht vorsieht, dürfen Geimpfte und Genesene auch bei hohen Inzidenzen weiter ohne Test einkaufen oder in einen Zoo gehen. Auch sind sie von möglichen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen weitgehend befreit. Konkret heißt das beispielsweise für Friseure, dass Kunden, die vollständig geimpft sind – also in den meisten Fällen eine Erst- und Zweitimpfung erhalten haben – auch bei Inzidenzen von mehr als 100 ohne Test den Friseursalon betreten können. Als geimpft gilt laut laut Informationen der "Süddeutschen Zeitung", wer mit den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen "Biontech/Pfizer", "Moderna" und "Astra Zeneca" zweimal oder mit dem Präparat von "Johnson & Johnson" einmal geimpft wurde. Seit der abschließenden Impfung müssen mindestens zwei Wochen vergangen sein und man muss natürlich belegen können, dass man geimpft ist, etwa mit dem Impfpass auf Papier oder in elektronischer Form (siehe Abschnitt "Wie kann ich Impfschutz mit dem digitalen Impfpass nachweisen?"). Als genesen gilt dagegen, wer Covid-19 hatte, belegt durch einen positiven PCR-Test (ein Schnell- oder Selbsttest reicht nicht). Dieser Test muss mindestens 28 Tage und höchstens ein halbes Jahr alt sein – danach greifen die Lockerungen nicht mehr. Achtung: Genesene und Geimpfte müssten trotzdem, wo vorgeschrieben, weiter Maske tragen und zu anderen generell Abstand halten. Denn das seien, so argumentiert das Bundesjustizministerium, nur geringe Grundrechtseingriffe.

Wie kann ich Impfschutz mit dem digitalen Impfpass nachweisen?

Neben dem analogen, gelben Impfbuch können sich Geimpfte in Deutschland seit dem 10. Juni 2021 auch mit dem digitalen Impfpass ausweisen. Für den Digitalpass kann die bereits bestehende Corona-Warn-App oder die neue CovPass-App genutzt werden. Ab Juli 2021 soll der Digitalpass auch für das grenzüberschreitende Reisen in der EU genutzt werden können. Der digitale Impfpass ist im Prinzip ein einfacher QR-Code, der laut Bundesgesundheitsministerium nur Informationen zum Impfstatus, den Namen des Geimpften und das Geburtsdatum enthält. Für Dienstleister, die den Impfstatus überprüfen möchten, beispielsweise Friseure oder Bäckereien sowie Konditoreien mit Gastronomie-Betrieb, ist eine Prüf-App zur Prüfung des Impfzertifikats (QR-Code) vorgesehen. Damit soll der Impfstatus ähnlich wie ein Barcode eines Flug- oder Bahntickets gescannt werden können. Erhältlich ist der persönliche QR-Code laut Informationen der "Rheinischen Post" entweder direkt im Impfzentrum bzw. der Arztpraxis, in der Impflinge die Zweitimpfung bekommen haben, im Nachgang per Post oder in Apotheken.

CovPass-App

Corona-Warn-App

Darf ich meine Leistungen auf geimpfte Kunden beschränken?

Es steht Unternehmen laut DHZ-Rechtsexperte Phillip Bubinger  grundsätzlich frei, Leistungen nur Geimpften anzubieten – beispielsweise zum Schutz eigener Mitarbeiter. Ein Unternehmen ist berechtigt, seine Vertragspartner frei zu wählen, solange dadurch niemand entgegen dem zivilrechtlichen Benachteiligungsverbot diskriminiert wird. Gegen dieses Benachteiligungsverbot würde dann verstoßen, wenn bei sogenannten Massengeschäften der Vertragsschluss von Alter, Geschlecht oder ethnischer Herkunft abhängig gemacht werden würde. Der Impfstatus einer Person zählt nicht zu diesen Merkmalen, sodass eine "Bevorzugung" Geimpfter durch Unternehmen grundsätzlich möglich wäre. Eine Kontrolle, ob Kunden geimpft sind oder nicht, ist allerdings in der Praxis schwierig: Zwar könnte der jeweilige Kunde laut Bubinger in die dafür nötige Datenverarbeitung einwilligen, allerdings bestehe an einer solchen "Freiwilligkeit" durchaus Zweifel. Zumindest, wenn dem Kunden nichts anderes übrig bleibe, als in die Datenverarbeitung einzuwilligen, um in den Genuss der Leistung zu kommen.

Muss ich Mitarbeiter für einen Impftermin freistellen?

Grundsätzlich sind Arbeitnehmer gehalten, Arzt- oder Impftermine außerhalb der Arbeitszeit wahrzunehmen. Ansonsten erlischt für die Zeit der Abwesenheit der Vergütungsanspruch. Das ist die normale Situation. Etwas anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer, wie in der Regel beim Corona-Impfprogramm, nicht frei über den Impftermin entscheiden konnte, sondern dieser von einer Behörde fest vorgegeben wurde. Dann greift laut Informationen der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) die gesetzliche Regelung in § 616 BGB und der Vergütungsanspruch bleibt für die Zeit der Abwesenheit ausnahmsweise bestehen.

Kann ich Mitarbeitern kündigen, die sich nicht impfen lassen wollen?

Eine Kündigung ungeimpfter Mitarbeiter kommt laut DHZ-Expertin und Rechtsanwältin Inka Müller-Seubert nur in Ausnahmefällen in Betracht. Voraussetzung ist, dass der Mitarbeiter nicht ohne Gefahr für sich oder andere dauerhaft vertragsgemäß beschäftigt werden darf. Vor Ausspruch einer Kündigung muss der Arbeitgeber daher prüfen, ob es alternative Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Zum Beispiel, ob der ungeimpfte Mitarbeiter auf einen Arbeitsplatz versetzt werden kann, bei dem kein Kundenkontakt besteht. In der Praxis stellt sich ohnehin aber meist vorab eine andere Frage: Darf ich meine Mitarbeiter überhaupt fragen, ob sie geimpft sind? Müller-Seubert erklärt hierzu: "Arbeitgeber dürfen den Impfstatus ihrer Mitarbeiter in der Regel nicht abfragen. Beim Impfstatus handelt es sich um besonders schützenswerte Gesundheitsdaten, die nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung vom Arbeitgeber nur unter strengen Voraussetzungen erhoben und verarbeitet werden dürfen. Eine Ausnahme gilt nach dem Infektionsschutzgesetz nur für Einrichtungen im Gesundheitswesen, wie Krankenhäuser, Arztpraxen oder Pflegeheime (§ 23a S. 1 IfSG)."

Ist es erlaubt, Nicht-Geimpfte ins Homeoffice zu verbannen?

Nicht jeder möchte sich impfen lassen – und kein Arbeitgeber kann eine Impfung vorschreiben. Wenn in diesen Fällen also eine Kündigung kaum eine Option ist, ist es dann wenigstens erlaubt, Ungeimpfte zum Homeoffice zu verpflichten? Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, bejaht das gegenüber der DHZ: "Der Arbeitgeber hat ein Hausrecht, das er ausüben kann. Er könnte die Bedingung aufstellen: Zutritt haben nur Geimpfte." Es bestehe aber natürlich weiterhin die Verpflichtung, Gehalt zu zahlen, auch wenn der Zugang zum Betrieb für den Mitarbeiter verwehrt ist. Insbesondere Gewerkschaften halten dagegen laut DHZ-Informationen Zugangsbeschränkungen für Beschäftigte, die ihren Anspruch auf Impfschutz nicht wahrnehmen wollen, für eine Benachteiligung. "Gerichte würden in diesem Fall den Arbeitgeber zur Weiterzahlung der Vergütung auch ohne Arbeitsleistung verurteilen", erklärt Peter Meyer. Grundsätzliche Zugangsbeschränkungen für Nicht-Geimpfte sind also nicht unmöglich, in der Praxis aber schwer umzusetzen.

Darf ich Mitarbeitern für die Bereitschaft zur Impfung Vorteile gewähren?

Arbeitgeber haben laut DHZ-Rechtsexpertin Inka Müller-Seubert  grundsätzlich die Möglichkeit, durch sogenannte "Impf-Incentives" die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter zu fördern, sich impfen zu lassen. Bei der Ausgestaltung von Impf-Incentives ist der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz zu beachten. Das bedeutet, dass etwa Mitarbeiter in Teilzeit gegenüber Mitarbeitern in Vollzeit nicht schlechter gestellt werden dürfen. Wie ein solcher Anreiz konkret ausgestaltet wird, kann der Arbeitgeber selbst entscheiden. Neben Gutscheinen ist die Gewährung eines zusätzlichen Urlaubstages oder ein finanzieller Anreiz in Form einer einmaligen Sonderzahlung ("Impf-Bonus") möglich.

Steht Betroffenen Schadenersatz zu, wenn nach der Impfung gesundheitliche Probleme auftauchen?

Wir alle hoffen, dass die Impfungen keine weiteren, vielleicht bislang unbekannten gesundheitliche Probleme verursachen – doch was passiert eigentlich im Fall der Fälle? Wie ist mit Impfschäden und Impfreaktionen umzugehen? Nach Auskunft von Experten der ARAG-Versicherung ist dabei genau zu unterscheiden, ob es sich lediglich um eine Impfreaktion wie zum Beispiel leichte Rötungen, Schmerzen oder Schwellungen an der Injektionsstelle (darüber wird im Rahmen der Impfbehandlung aufgeklärt und es besteht kein Anspruch auf Schadenersatz) oder einen Impfschaden handelt. 

Entsteht ein Impfschaden durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung, wie etwa die Corona-Schutzimpfung, erhält der Betroffene auf Antrag Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz. Das ist in Paragraf 60 des Infektionsschutzgesetzes geregelt. Die Beurteilung, ob eine gesundheitliche Schädigung, die in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung eingetreten ist, tatsächlich durch die Impfung verursacht wurde, ist Aufgabe des Versorgungsamtes im jeweiligen Bundesland. Wenn hier eine ablehnende Entscheidung getroffen wird, ist der Rechtsweg zu den Sozialgerichten möglich. Ob auch die private Unfallversicherung im Falle eines Impfschadens zahlt, erfahren Sie ausführlich in unserem Beitrag "Corona-Impfung: Bei diesen Unfallversicherungen sind Impfschäden versichert" .

Härtefallhilfen: Frisches Geld für Betriebe, die bislang leer ausgingen

Was sind die Härtefallhilfen und wer kann sie beantragen?

Die sogenannten "Härtefallhilfen" sind ein zusätzliches Angebot an Unternehmen, die bei den Überbrückungshilfen I, II und III (siehe Abschnitt "Überbrückungshilfe kompakt: Überblick über die Überbrückungshilfen II und III") sowie den "November-" und "Dezemberhilfen" bislang leer ausgegangen sind. Für die Hilfen stehen laut Bundeswirtschaftsministerium bis 15. Dezember 2021 1,5 Milliarden Euro bereit. Unter diesen Bedingungen können Sie die "Härtefallhilfen" beantragen:

  • Erleiden einer "erheblichen finanziellen Härte": Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Unternehmen und Selbständige, die eine Corona-bedingte "erhebliche finanzielle Härte" erlitten haben. Dies liegt insbesondere dann vor, wenn Unternehmen außerordentliche Belastungen zu tragen haben, die absehbar ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen. Die Entscheidung, ob eine solche Härte vorliegt, treffen die Bundesländer in eigener Regie unter Billigkeitsgesichtspunkten ("Ermessensentscheidung").

  • Zeitraum der erlittenen "erheblichen finanziellen Härte": Es können mit der Härtefallhilfe erlittene Härten abgemildert werden, die im Zeitraum von 1. März 2020 bis 30. Juni 2021 entstanden sind.

  • Rechtsform der Antragsteller: Als Unternehmen gilt jede rechtlich selbständige Einheit (mit eigener Rechtspersönlichkeit) unabhängig von ihrer Rechtsform, die wirtschaftlich am Markt tätig ist (inklusive gemeinnützigen Unternehmen bzw. Sozialunternehmen, Organisationen und Vereinen).

  • Prüfende Dritte: Härtefallhilfen sind wie die Überbrückungshilfen grundsätzlich durch prüfende Dritte (Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer) zu beantragen.

  • Rechtlicher Anspruch: Ein rechtlicher Anspruch auf Härtefallhilfe besteht nicht.

  • Unternehmen aus dem Ausland und öffentliche Unternehmen: Folgende Unternehmen sind explizit nicht antragsberechtigt: Unternehmen, die nicht bei einem deutschen Finanzamt geführt werden, Unternehmen ohne inländische Betriebsstätte oder inländischen Sitz sowie öffentliche Unternehmen.
Wie können Unternehmer die Härtefallhilfen beantragen?

Die Härtefallhilfen werden laut Bundeswirtschaftsministerium beim jeweiligen Bundesland beantragt. Auch die Entscheidung über die Anträge obliegt wie beschrieben dem jeweiligen Land. Die Bundesländer richten dazu eine entsprechende Bewilligungsstelle ein, die zum Beispiel aus Vertretern von Ministerien und ggf. weiteren Institutionen besteht. Informationen zur Antragstellung finden Sie unter:

haertefallhilfen.de

Bei einem Großteil der Bundesländer erfolgt die Antragstellung über die dort verlinkte Antragsplattform. In Hessen und Mecklenburg-Vorpommern erfolgt die Antragstellung allerdings an anderer Stelle: In Hessen müssen sich Chefs an die Notfallkasse des Landes Hessen wenden, in Mecklenburg-Vorpommern an den Corona-Härtefallfonds M-V des Landesförderinstituts Mecklenburg-Vorpommern.

Wie viel Härtefallhilfe können sich Unternehmer erhoffen?

Die Höhe der Unterstützungsleistung richtet sich nach der Corona-bedingten bisher nicht ausgeglichenen Belastung. Sie orientiert sich grundsätzlich an den förderfähigen Tatbeständen der bisherigen Unternehmenshilfen des Bundes (siehe Abschnitt "Überbrückungshilfe kompakt: Überblick über die Überbrückungshilfen II und III"), also insbesondere an den förderfähigen Fixkosten. In Abhängigkeit von der Belastung sollte die Härtefallhilfe im Förderzeitraum im Regelfall 100.000 Euro nicht übersteigen. Dabei muss die Bewilligung der Mittel beihilferechtskonform erfolgen. Der beihilferechtlich zulässige Höchstbetrag unter Ausnutzung der Kumulierungsmöglichkeiten darf insgesamt nicht überschritten werden (Rahmen der De-minimis-Verordnung, Bundesregelung Kleinbeihilfen und Bundesregelung Fixkostenhilfe).

Wie sind die Härtefallhilfen steuerlich zu bewerten?

Steuerlich sind die Härtefallhilfen laut Informationen des Bundeswirtschaftsministeriums als Betriebseinnahmen nach den allgemeinen ertragsteuerrechtlichen Regelungen im Rahmen der Gewinnermittlung zu berücksichtigen. Die Bewilligungsbehörde informiert die Finanzbehörden elektronisch von Amts wegen über die gewährte Härtefallhilfe unter Benennung des Leistungsempfängers.

Überbrückungshilfe kompakt: Überblick über die Überbrückungshilfen II und III

Welche Neuerungen bringt die Überbrückungshilfe III gegenüber der Überbrückungshilfe II?

Kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb im Zuge der Corona-Pandemie einstellen oder stark einschränken mussten, können weitere Liquiditätshilfen erhalten. Die bundesweit zugängliche Antragsplattform ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de startete im Juli 2020 und hält Informationen für Antragsteller bereit. Unter anderem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, die für die Unternehmen die Anträge einreichen müssen, können sich auf der Seite registrieren. Nach erfolgter Registrierung können die Anträge online gestellt werden. Die Überbrückungshilfen sind Bestandteil des Konjunkturpakets, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, um die Wirtschaft aus der Krise zu manövrieren. Unternehmen können von Zuschüssen profitieren, die sie nicht zurückzahlen müssen. Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer fungieren bei der Bewilligung der Überbrückungshilfen als „Gütesiegel“: Fördergelder fließen erst, wenn die Profis Umsatzrückgänge und Betriebskosten von Unternehmen geprüft und bestätigt haben.

Gegenüber der Überbrückungshilfe II, die für die Fördermonate September 2020 bis März 2021 beantragt werden konnte, gibt es im Rahmen der Überbrückungshilfe III, die zunächst für den Zeitraum bis Ende Juni 2021 beschlossen ist, noch einmal deutliche Verbesserungen: Antragsberechtigt sind weiterhin Unternehmen mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei aufeinanderfolgenden Monaten bzw. 30 Prozent seit April 2020. Neu ist allerdings laut den Rechtsexperten des Verlags C.H.Beck, dass auch Unternehmen antragsberechtigt sind, die im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat einen Umsatzeinbruch von mindestens 40 Prozent erlitten haben und keinen Zugang zur Novemberhilfe und/oder Dezemberhilfe haben. Ebenfalls antragsberechtigt sind laut Experten der ARAG-Versicherung Soloselbstständige, Freiberufler sowie gemeinnützige Unternehmen und Organisationen, die zwischen November 2020 und Juni 2021 Umsatzeinbußen von mindestens 30 Prozent zu verzeichnen hatten. Dazu werde der Förderhöchstbetrag je Monat von bislang 50.000 Euro auf 200.000 Euro erhöht und allen Unternehmen Zugang zu den Hilfen gewährt, deren Jahresumsatz 500 Millionen Euro nicht übersteigt. Außerdem gibt es seit Anfang April 2021 laut Handwerkskammer Halle (Saale) folgende weitere Anpassungen, die u.a. die Unternehmensrealität in Handwerksbetrieben besser abbilden sollen:

  • Härtefallregelung für Start-ups: Antragstellern wird in begründeten Härtefällen die Möglichkeit eingeräumt, alternative Vergleichszeiträume zur Ermittlung des Umsatzrückgangs im Jahr 2019 zu wählen. Junge Unternehmen und Start-ups bis zum Gründungsdatum 31. Oktober 2020 sind damit jetzt ebenfalls antragsberechtigt. Bisher konnten nur Unternehmen, die bis zum 30. April 2020 gegründet waren, einen Antrag stellen (Details zur Antragstellung im nächsten Abschnitt "Wie funktioniert die Antragstellung für die Überbrückungshilfe III").

  • Antragsstellungswahlrecht für Soloselbständige, die Gesellschafter von Personengesellschaften sind: Wie für Soloselbständige mit Einnahmen ausschließlich aus freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten wird auch für Soloselbständige, die Gesellschafter von Personengesellschaften sind, ein Wahlrecht geschaffen: Sie können den Antrag auf Neustarthilfe entweder über einen prüfenden Dritten oder als Direktantrag stellen (die Antragstellung auf Neustarthilfe über prüfende Dritte ist damit nur noch für Kapitalgesellschaften verpflichtend).

  • Nachträgliches Wahlrecht zwischen Neustarthilfe und Überbrückungshilfe III: Unternehmen und Soloselbstständige erhalten ein nachträgliches Wahlrecht zwischen Neustarthilfe und Überbrückungshilfe III zum Zeitpunkt der Schlussabrechnung. So kann die im Einzelfall günstigste Hilfe aufgrund des unsicheren Verlaufs der ökonomischen Entwicklung nachträglich bestimmt werden.
Wie funktioniert die Antragstellung für die Überbrückungshilfe III?

Wichtig ist zunächst zu wissen, dass sich die Überbrückungshilfe III im Gegensatz zur außerordentlichen Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe an den Fixkosten der Unternehmen orientiert, also an allen Kosten, die nicht umsatzabhängig sind – laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vor allem Mieten und Pachten, Finanzierungskosten, Grundsteuern sowie Versicherungsbeiträge. Laut ARAG-Versicherung zählen dazu aber auch Kosten, die für bauliche Modernisierungs-, Renovierungs- oder Umbaumaßnahmen angefallen sind, um Hygienekonzepte umzusetzen oder auch Kosten, die angefallen sind, um einen Online-Shop aufzubauen, der coronabedingte Umsatzausfälle ausgleichen kann. Die wichtigsten Eckdaten zur Antragstellung für die Überbrückungshilfe III hat die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner in Landshut für Sie nachfolgend zusammengefasst:

  • Antragsberechtigung: Antragsberechtigt sind Unternehmen mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei aufeinanderfolgenden Monaten im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresmonaten oder einem Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Durchschnitt seit April 2020 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Ebenfalls antragsberechtigt sind Unternehmen, die im Vergleich zu nur einem jeweiligen Vorjahresmonat einen Umsatzeinbruch von mindestens 40 Prozent erlitten haben und dabei keinen Zugang zur Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe haben.

  • Erstattungshöchstgrenze: Erstattet werden maximal 200.000 Euro pro Monat.

  • Erstattungssätze: Die drei Erstattungssätze lauten wie folgt:
  1. 40 Prozent der Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von mehr als 30 Prozent
  2. 60 Prozent der Fixkosten bei einem Umsatzrückgang zwischen 50 Prozent und 70 Prozent
  3. 100 Prozent der Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent
  • Abschlagszahlung: maximal 100.000 Euro je Monat (die alte Regelung "maximal 10.000 Euro je Monat" hat sich als "praxisfern" herausgestellt).

  • Personalkosten: Personalkosten, die nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst sind, werden pauschal mit 20 Prozent der Fixkosten berücksichtigt.

  • Antragstellung: Anträge können ab 10. Februar 2021 bis zum 30. Juni 2021 eingereicht werden – allerdings nur von sogenannten "prüfenden Dritten". Das sind Steuerberater inklusive Steuerbevollmächtigte, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer sowie Rechtsanwälte.

  • Beginn der Auszahlung: Der Startzeitpunkt der Abschlagszahlungen ist laut Handwerkskammer Chemnitz der 15. Februar 2021.

  • Nachweis für die Umsetzung von Hygienekonzepten: Um die förderfähige Umsetzung von Hygienekonzepten im Betrieb nachzuweisen, ist zum Zeitpunkt der Antragstellung für die Überbrückungshilfe III noch keine Schlussrechnung erforderlich. Wie die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner mitteilt, muss allerdings laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mindestens eine Zwischenrechnung vorliegen. Als Beispiele für "Hygienemaßnahmen bzw. Maßnahmen zur temporären Verlagerung des Geschäftsbetriebs in Außenbereiche" nennt das BMWi:
    ✓ Anschaffung mobiler Luftreiniger, beispielsweise durch Hepafilter oder UVC-Licht
    ✓ Nachrüstung bereits bestehender stationärer Luftreiniger bspw. durch Hepafilter oder UVC-Licht
    ✓ Anschaffung Handtrockner bspw. mit Hepafilter oder UVC-Licht
    ✓ Anschaffung Dampfreiniger mit UVC-Licht zur Oberflächen- und Bodenreinigung
    ✓ Anschaffung von Besucher- und Kundenzählgeräten
    ✓ Anschaffung mobiler Raumteiler
    ✓ Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Hygienemaßnahmen
    ✓ Nicht-bauliche Maßnahmen zur Nutzung des Außenbereichs bei schlechterem Wetter (Heizpilz, Sonnenschirm, etc.)
    ✓ Einmalartikel zur Umsetzung von Hygienemaßnahmen, wie Schnelltests, Desinfektionsmitteln und Schutzmasken

  • Gefahr durch "Tiefenprüfung": Immer mehr Steuerberaterinnen und Steuerberater beschweren sich über ausbleibende Abschlagszahlungen für ihre Mandanten aufgrund der sogenannten "Tiefenprüfung" durch die Bewilligungsstellen. Diese kann laut Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen eines Stichprobenverfahrens oder aufgrund konkreter Anhaltspunkte erfolgen. "Unsere Mandanten sind auf das Geld angewiesen. Es gibt Fälle, da warten Mandanten mehr als zwei Monate auf ihr Geld. Wer da keinen Abschlag bekommt, für den ist das existenzgefährdend", betont Ecovis-Steuerberater Jan Brumbauer im sächsischen Falkenstein. "Seit einigen Betrugsfällen werden alle Anträge über 100.000 Euro ausgesteuert und gehen in die Tiefenprüfung", erklärt Ecovis-Steuerberaterin Luisa Damm in Dresden und warnt: "Während dieser Zeit fließt kein Geld."

  • Verlauf der Auszahlung: Wie der "Spiegel" berichtet, gibt es bei der Auszahlung der Überbrückungshilfe III große Unterschiede: Während das Saarland Mitte Mai 2021 mit 82 Prozent bearbeiteten Anträgen auf Platz eins liegt, haben die Schlusslichter Berlin mit 54 Prozent und Niedersachsen mit 48 Prozent erst rund die Hälfte der bewilligten Gelder ausgezahlt. Die durchschnittliche Auszahlungsquote beträgt in Deutschland etwa 71 Prozent. Hier die Auszahlungsgeschwindigkeiten der einzelnen Bundesländer auf einen Blick:
Bundesland Anträge Beantragte Hilfen in Millionen Euro Ausgezahlte Fördersumme in Millionen Euro Auszahlungsquote
Saarland 2.418 96 74 82 %
Hessen 16.105 959 553 80 %
Sachsen-Anhalt 4.189 166 111 77 %
Hamburg 6.282 590 362 77 %
Bayern 29.371 2.097 1.224 75 %
Baden-Württemberg 26.101 1.628 826 74 %
Nordrhein-Westfalen 42.186 2.425 1.400 73 %
Brandenburg 4.337 229 141 73 %
Sachsen 7.602 405 223 72 %
Thüringen 3.688 171 105 72 %
Rheinland-Pfalz 9.612 542 261 70 %
Schleswig-Holstein 6.507 364 183 70 %
Bremen 1.783 85 51 69 %
Mecklenburg-Vorpommern 3.576 257 152 64 %
Berlin 10.140 849 356 54 %
Niedersachsen 16.728 1.048 388 48 %

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stand: 12. Mai 2021

Wie erhalten Betriebe den Eigenkapitalzuschuss, der zusätzlich zur Überbrückungshilfe III gewährt wird?

Alle Unternehmen, die in mindestens drei Monaten seit Beginn des "Dauer-Lockdowns" im November 2020 einen Umsatzeinbruch von jeweils mehr als 50 Prozent erlitten haben, erhalten die Möglichkeit eines Eigenkapitalzuschusses. Der Eigenkapitalzuschuss wird zusätzlich zur regulären Förderung der Überbrückungshilfe III gewährt. Konkret beträgt der "Eigenkapitalzuschuss zur Substanzstärkung" laut Handwerkskammer Halle (Saale)  bis zu 40 Prozent des Betrags, den ein Unternehmen für die förderfähigen Fixkosten (siehe vorheriger Abschnitt "Wie funktioniert die Antragstellung für die Überbrückungshilfe III?") erstattet bekommt. Der Eigenkapitalzuschuss ist gestaffelt und steigt an, je länger Unternehmen einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent erlitten haben. Gezahlt wird er ab dem dritten Monat des Umsatzeinbruchs und beträgt in diesem Monat 25 Prozent. Im vierten Monat mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent erhöht sich der Zuschlag auf 35 Prozent; bei fünf oder mehr Monaten erhöht er sich noch einmal auf 40 Prozent pro Monat. Für die einzelnen Monate ergeben sich somit folgende Fördersätze:

Monate mit Umsatzeinbruch von 50 % oder mehr Höhe des Zuschlags
Erster und zweiter Monat Kein Zuschlag
Dritter Monat 25 %
Vierter Monat 35 %
ab dem fünften Monat 40 %

Beispielrechnung der Handwerskammer Halle (Saale) für den Eigenkapitalzuschuss: Ein Unternehmen erleidet in den Monaten Januar, Februar und März 2021 einen Umsatzeinbruch von 55 Prozent. Das Unternehmen hat jeden Monat 10.000 Euro betriebliche Fixkosten aus Mietverpflichtungen, Zinsaufwendungen und Ausgaben für Elektrizität, Wasser und Heizung und beantragt dafür die Überbrückungshilfe III. Das Unternehmen erhält eine reguläre Förderung aus der Überbrückungshilfe III in Höhe von jeweils 6.000 Euro für Januar, Februar und März (60 Prozent von 10.000 Euro). Es erhält für den Monat März zusätzlich einen Eigenkapitalzuschuss in Höhe von 1.500 Euro (25 Prozent von 6.000 Euro).

Kurzarbeitergeld

Wie genau funktioniert der erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld laut Gesetz?

Die Sonderregelungen für erleichterten Zugang zu Kurzarbeit sollen laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil  bis mindestens Ende September 2021 gelten. Ein entsprechender Referentenentwurf wird laut Informationen der "Deutschen Handwerks Zeitung" (DHZ) am 2. Juni 2021 im Kabinett verabschiedet. Mit ein Grund für die Verlängerung seien auch Lieferengpässe bei Baumaterial, die unter anderem vielen Handwerksbetrieben zu schaffen machen. Kurz zusammengefasst umfassen die Sonderregelungen folgende Punkte:

  • Wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten im Betrieb ausfallen, kann ein Betrieb Kurzarbeit anmelden – ohne Sonderregelungen lag die Schwelle bei 30 Prozent der Belegschaft.


  • Die Regelung, dass zunächst negative Arbeitszeitsalden ganz oder teilweise ausgeglichen werden müssen, bevor Kurzarbeitergeld fließt, entfällt.


  • Auch Leiharbeitnehmer können Kurzarbeitergeld beziehen.


  • Die Bundesagentur für Arbeit erstattet die Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter zahlen, vollständig. Ab Oktober wird allerdings nur noch die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge für Kurzarbeit übernommen. Nutzt ein Unternehmen die Zeit der Kurzarbeit für die Weiterqualifizierung der Mitarbeiter, werden laut DHZ aber auch weiterhin die vollen Sozialversicherungsbeiträge übernommen. Damit will die Bundesregierung einen Anreiz schaffen, Zeiten der Kurzarbeit für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen.
Wie kommen die Betriebe an das Kurzarbeitergeld?

Lieferengpässe, die wie oben beschrieben im Zusammenhang mit dem Coronavirus entstehen, oder Betriebsschließungen können zu einem Anspruch auf Kurzarbeitergeld für die vom Arbeitsausfall betroffenen Beschäftigten führen.  Voraussetzung für den Bezug ist, dass die üblichen Arbeitszeiten vorübergehend deutlich verringert sind. Das Kurzarbeitergeld greift sowohl dann, wenn aufgrund der Pandemie Lieferungen ausbleiben oder der Betrieb aufgrund staatlicher Schutzmaßnahmen geschlossen wird.

Betriebe, die Kurzarbeitergeld beantragen möchten, müssen die Kurzarbeit vorher bei der zuständigen Agentur für Arbeit anzeigen. Die prüft, ob die Voraussetzungen für die Gewährung gegeben sind. Kurzarbeitergeld kann unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 21 Monate bewilligt werden. Es wird in derselben Höhe wie Arbeitslosengeld bezahlt und beträgt 67 bzw. 60 Prozent der Differenz zwischen dem Nettoentgelt, das ohne Arbeitsausfall gezahlt worden wäre, und dem Nettoentgelt aus dem tatsächlich erhaltenen Arbeitsentgelt. Auch Arbeitnehmer, deren Chef Kurzarbeit angeordnet hat, können Kurzarbeitergeld beantragen. Nähere Informationen zur Beantragung des Kurzarbeitergeldes sind auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit unter folgendem Link zu finden: arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus. Die Unternehmerhotline der Bundesagentur erreichen betroffene Handwerker-Chefs unter der Telefonnummer: 0800/45555-20.

Neu als Alternative zur Telefonnummer ist der Chatbot "UDO", der im Rahmen des Hackathons "wirvsvirus" entwickelt wurde. Das Projekt wird unter anderem von der Bundesregierung und der Techniker Krankenkasse unterstützt. Das digitale Tool navigiert Arbeitgeber leicht verständlich durch das Formular für die Anzeige zu Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit.

Welche Voraussetzungen müssen Betriebe für das Kurzarbeitergeld erfüllen?

Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld ist an vier Bedingungen geknüpft:

  1. Es muss einen erheblichen Arbeitsausfall geben.
  2. Der Betrieb muss mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigen.
  3. Betroffenen Arbeitnehmern darf vor der Kurzarbeit nicht gekündigt worden sein.
  4. Der Arbeitgeber muss den Arbeitsausfall im Lauf des Monats anzeigen, in dem die Kurzarbeit beginnt.
Wie lange greifen die Notfallpakete?

Die Regelungen zum Kurzarbeitergeld treten durch ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft und wurden bis 31. Dezember 2021 befristet.

Gibt es "Härtefallregelungen" für Mitarbeiter in besonders von Kurzarbeit betroffenen Branchen?

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzumildern, hat der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD am 22. April 2020 beim Kurzarbeitergeld abhängig von der Dauer der Kurzarbeit nachgebessert. Die neuen Regeln gelten ebenfalls bis zum 31. Dezember 2021.

Bislang bezahlt die Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent, für Eltern 67 Prozent des entfallenen Nettoeinkommens. Dieser Betrag wird ab dem vierten Monat für Beschäftigte, die um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, auf 70 Prozent und ab dem siebten Monat des Bezugs auf 80 Prozent des Lohnausfalls erhöht. Für Beschäftigte mit Kindern, die um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, beläuft sich die Erhöhung ab dem vierten Monat des Bezugs auf 77 Prozent und ab dem siebten Monat des Bezugs auf 87 Prozent.

Kann ich für gezahlte Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld Steuererleichterungen erwarten?

Bei 100 Prozent Kurzarbeitergeld bekommen Kinderlose (zumindest in den ersten drei Monaten) nur 60 Prozent ihrer bisherigen Netto-Bezüge. Mitarbeiter mit Kindern bekommen 67 Prozent. Daher haben viele Handwerksunternehmer ihren Mitarbeitern einen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld gezahlt und zum Teil das Kurzarbeitergeld bis zu 100 Prozent der bisherigen Netto-Bezüge aufgestockt. Mit dem Corona-Steuerhilfegesetz vom 30. Juni 2020 werden diese Zuschüsse laut Ecovis-Steuerberater Dirk Eichler in Zittau rückwirkend ab März 2020 innerhalb bestimmter Grenzen steuerfrei. "Das Finanzamt erstattet dem Arbeitgeber die zu viel gezahlte Lohnsteuer, sobald die Lohnabrechnungen der Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber korrigiert sind", so der Steuerberater. "Falls die Steuererstattung dem Arbeitnehmer zusteht, zahlt sie der Arbeitgeber an den Arbeitnehmer aus." Um die Steuererstattung zu bekommen, sollten Sie prüfen, ob sie Netto- oder Bruttozuschüsse bezahlt haben – wie das im Detail funktioniert, lesen Sie im Beitrag "Zuschuss zum Kurzarbeitergeld: Jetzt bekommen Unternehmer Geld zurück vom Finanzamt". Eine Nachberechnung bzw. Korrektur der Zuschüsse in der Lohnabrechnung seien dafür aber auf jeden Fall immer notwendig.

Verringert sich durch Kurzarbeit der Urlaubsanspruch meiner Mitarbeiter?

Wie die "Volksstimme" berichtet, kann es vorkommen, dass sich durch Kurzarbeit auch der Urlaubsanspruch der Mitarbeiter verringert: "Der Europäische Gerichtshof hat 2012 entschieden (Az.: C-229/11, C-230/11), dass das möglich ist, wenn es eine entsprechende Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gibt", erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Arbeitgeber könnten den Urlaubsanspruch eines Arbeitnehmers im Verhältnis zur Arbeitszeitverkürzung verringern. Bei "Kurzarbeit null" verfalle dann der Urlaubsanspruch für den betreffenden Zeitraum ganz. In jedem Fall bekommen Arbeitnehmer laut Bredereck aber auch im Urlaub während Kurzarbeit ihr übliches Gehalt.

Müssen meine Mitarbeiter als Folge des Kurzarbeitergelds mit Steuernachzahlungen rechnen?

Mit dem Ende der Beratungen zum Jahressteuergesetz 2021 ist klar: Bezieher von Kurzarbeitergeld haben in Sachen Progressionsvorbehalt keine Erleichterungen zu erwarten – die große Koalition konnte sich trotz monatelanger Diskussionen nicht auf eine Besserstellung von Kurzarbeitern einigen. Vielen Betroffenen drohen damit hohe Steuernachzahlungen . Der Grund: Das Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei. Es erhöht jedoch den Steuersatz für die sonstigen Einkünfte der Beschäftigten – also vor allem für den regulären Lohn, aber auch beispielsweise Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag (letzterer wirkt sich in der Steuererklärung 2020 für die meisten Steuerzahler ein letztes Mal aus). Die "Deutsche Handwerks Zeitung" macht das an einer Beispielrechnung deutlich, bei der eine verheiratete Arbeitnehmerin im Jahr 2020 mit ihrem Ehemann ein zu versteuerndes Einkommen von 50.000 Euro verdient hat. Aufgrund der Corona-Krise bezogen beide 2020 ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 17.000 Euro. Durch den Progressionsvorbehalt haben sie für 2020 eine höhere Steuerbelastung von 2.209,85 Euro zu erwarten:

Steuerbelastung 2020 ohne Kurzarbeitergeld
(Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer)
8.430,78 Euro
(Einkommensteuersatz 14,86 Prozent)
Steuerbelastung 2020 mit Kurzarbeitergeld
(Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer)
10.640,63 Euro
(Einkommensteuersatz 18,75 Prozent)
Höhere Steuerbelastung 2020 in Folge des Bezugs von Kurzarbeitergeld 2.209,85 Euro

Was zunächst wie eine schreiende Ungerechtigkeit klingt – also für weniger Einkünfte durch Kurzarbeit auch noch mehr Steuern zu zahlen – ist für Antje Tillmann, finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und Lothar Binding, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion laut "Süddeutsche Zeitung" aber durchaus gerecht: Wer inklusive Kurzarbeitergeld auf dieselben ( Anm.d.Red.: durch Kurzarbeit geringeren) Einkünfte komme, wie jemand, der das ganze Jahr über regulär gearbeitet habe, müsse auch mit demselben Satz besteuert werden. Ohne Progressionsvorbehalt jedoch wäre der Steuersatz für die von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten geringer. "Dadurch würden gerade die vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den sogenannten systemrelevanten Berufen, die ihre Bruttolöhne in voller Höhe versteuern müssen, benachteiligt", so Tillmann. Die Zahl der Beschäftigten, die für 2020 Steuern nachzahlen müssen, sei "wahrscheinlich jedoch geringer als befürchtet."

Subventionsbetrug: Gründe für Zurückzahlung von Corona-Soforthilfen und drohende Strafen

In welchen Fällen liegt nach Erhalt der Corona-Soforthilfen ein Subventionsbetrug vor?

Die Bundesregierung stellte im Frühjahr 2020 fast 50 Milliarden Euro zur Unterstützung von Soloselbstständigen und Kleinunternehmern bereit. Die Hilfen sollten schnell und unkompliziert bei den Unternehmen ankommen. Spätestens mit Abgabe der Steuererklärung 2020 ist manchen Chefs aber klar geworden, dass sie die Corona-Soforthilfe gar nicht gebraucht haben. Diesen Selbstständigen und Kleinunternehmer könnten laut Ecovis-Strafrechtsanwalt Alexander Littich in Landshut nun Strafmaßnahmen aufgrund von Subventionsbetrug drohen. Dabei kommt es ganz daraf an, ob sich der Unternehmer bei der Antragstellung Gedanken darüber gemacht hat, ob und in welcher Höhe er antragsberechtigt ist. Bei missbräuchlicher Antragstellung ist er zumindest wegen leichtfertigem Handeln strafbar. Wer sich bei Antragstellung Gedanken über seinen Liquiditätsbedarf gemacht hat und diesen nur falsch eingeschätzt hat, hat laut Littich nach Ablauf des Förderzeitraums der Förderstelle zu melden, dass er glücklicherweise keinen so hohen Liquiditätsbedarf hatte, wie geplant. Wenn er das nicht meldet, macht er sich strafbar. Wer sich bei Antragstellung Gedanken über seinen Liquiditätsbedarf gemacht hat und die Soforthilfe auch zur Deckung seiner Fixkosten verwendet hat, hat alles richtig gemacht.

In welchen Fällen machen sich Unternehmer strafbar?

Die Staatsanwaltschaft unterscheidet bei der Strafbarkeit von mutmaßlich zu Unrecht erhaltenen Corona-Soforthilfen laut Alexander Littich immer zwischen zwei Sachverhalten:

  1. Unberechtigte Antragstellung: Keine Berechtigung zur Antragstellung in der erfolgten Höhe.
  2. Zweckwidrige Mittelverwendung: Dies ist der Fall, wenn die Soforthilfen nicht für die Deckung der Fixkosten, sondern für andere, auch private Zwecke verwendet wurden und die Förderstellen über diese Umstände nicht unverzüglich informiert werden.
In welchen Fällen müssen Betriebe erhaltene Hilfen zurückzahlen?

Die Corona-Soforthilfen zurückzahlen müssen Betriebe immer dann, wenn der Bewilligungsbescheid für die Vergangenheit ganz oder teilweise widerrufen, zurückgenommen oder sonst unwirksam geworden ist. In Fällen, in denen die Rechtslage eindeutig ist und der Betrieb nicht antragsberechtigt war, empfiehlt Strafrechtsanwalt Alexander Littich die Rückzahlung. Wenn der Anspruch unklar ist oder auch nur eine teilweise Rückzahlungspflicht besteht, empfiehlt er, der Förderstelle die geänderten Umstände mitzuteilen. Sie kann dann die Antragsberechtigung bezogen auf die neuen Umstände prüfen und eventuell einen Änderungsbescheid erlassen.

Welche Strafen drohen bei zu Unrecht erhaltenen Hilfen?

Bei erwiesenermaßen zu Unrecht erhaltenen Corona-Soforthilfen folgt laut Littich der Widerruf des Bewilligungsbescheids, die Rückzahlung der Förderung inklusive Zinsen und ein Strafverfahren gegen den Unternehmer. Je nach Höhe der zu Unrecht bezogenen Fördersumme können hier laut Littich hohe Geldstrafen oder Freiheitsstrafen – letztere in der Regel allerdings auf Bewährung – ausgesprochen werden. Eine hohe Geldstrafe oder Freiheitsstrafe auf Bewährung kann aber zum Beispiel auch die Prüfung der Gewerbeuntersagung zur Folge haben.

Wie sollten Unternehmer auf Post von der Staatsanwaltschaft reagieren?

Zunächst heißt es Ruhe bewahren und einen Experten konsultieren. Schließlich führt nicht jeder Fall, der an die Staatsanwaltschaft gemeldet wird, zu einer Verurteilung. Es handelt sich nur um einen Anfangsverdacht. Normalerweise liegen der Staatsanwaltschaft laut Alexander Littich keine erforderlichen Unterlagen und Informationen zum tatsächlichen Liquiditätsbedarf vor: "Es gibt durchaus Fälle, in denen wir nachweisen konnten, dass der Antragsteller die Corona-Soforthilfe zu Recht ganz oder zumindest in Teilen beantragt, erhalten und auch behalten durfte. Dazu muss man die Buchhaltung und die Ausgaben, die von der Corona-Soforthilfe abgedeckt werden können, prüfen und eine Berechnung erstellen, die die Grundlage für die strafrechtliche Verteidigung darstellt", erklärt der Strafrechtsanwalt. "Wenn der Nachweis gelingt, wird das Strafverfahren folgenlos eingestellt und man darf das Geld behalten."

Fördermittel für ausbildende Betriebe: Ausbildungsprämie und Übernahmeprämie

"AUSBILDUNGSPRÄMIE" und die "AUSBILDUNGSPRÄMIEplus": Was ist das?

Wer als Klein- und Mittelbetrieb in „ erheblichen Umfang“ von den Folgen der Corona-Krise betroffen ist, sein Ausbildungsengagement jedoch im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2020 beibehält, kann ab 1. Juni 2021 einen einmaligen Zuschuss von 4.000 Euro je Ausbildungsvertrag erhalten. Für Betriebe, die 2021 sogar mehr Azubis einstellen als in den Vorjahren, gibt es die „Ausbildungsprämie plus“ in Höhe von 6.000 Euro.

Welche Voraussetzungen müssen Betriebe erfüllen, um die Prämien zu erhalten?

Als „erheblich“ von der Krise betroffen gilt ein Betrieb laut Förderrichtlinie, wenn seit Januar 2020 wenigstens für einen Zeitraum, der vor dem Ausbildungsbeginn liegt, von der Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld gezahlt wurde oder der Umsatz ist seit April 2020 gegenüber dem jeweiligen Zeitraum im Jahr 2019 entweder in zwei aufeinanderfolgenden, vor dem Ausbildungsbeginn liegenden Monaten u m durchschnittlich 50 Prozent zurückgegangen oder in 5 zusammenhängenden, vor dem Ausbildungsbeginn liegenden Monaten u m durchschnittlich 30 Prozent zurückgegangen.

Wie läuft die Antragstellung?

Wer die Ausbildungsprämie oder die Variante „plus“ beantragen möchte, muss die folgenden Formulare ausfüllen und bei seiner jeweils vor Ort zuständigen Agentur für Arbeit einreichen:

  • Antrag auf Ausbildungsprämie und Ausbildungsprämie plus
  • Bescheinigung der zuständigen Stelle
Wichtig: Die Prämien werden nach dem Ende der Probezeit ausgezahlt, Anträge sind spätestens drei Monate nach Ablauf der Probezeit zu stellen. Weitere Informationen zur Beantragung finden Sie in den Ausfüllhinweisen zum Antrag auf Ausbildungsprämie (plus).
"ÜBERNAHMEPRÄMIE": Was ist das?

Wer als Klein- und Mittelbetrieb (KMU) Auszubildende übernimmt, die wegen der coronabedingten Pleite ihres Arbeitgebers keinen Ausbildungsplatz mehr haben, kann eine Übernahmeprämie für „Insolvenzlehrlinge“ beantragen. Der einmalige Zuschuss beträgt 6.000 Euro und wird nach der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit des Azubis ausgezahlt.

Welche Voraussetzungen müssen beide Betriebe erfüllen, um die Prämie zu erhalten?

Einen Antrag auf die Übernahmeprämie können KMU aus allen Wirtschaftsbereichen stellen, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen KMU bis zum 31. Dezember 2021 für die Dauer der restlichen Ausbildung übernehmen. Um eine pandemiebedingte Insolvenz handelt es sich laut Förderrichtlinie, wenn das Insolvenzverfahren bis zum 31. Dezember 2021 eröffnet wurde und der Betrieb vor dem 31. Dezember 2019 gemäß EU-Definition nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war.

Wie läuft die Antragstellung?

Wer Azubis aus insolventen Betrieben übernimmt, muss nebem dem eigentlichen Antrag und der Bescheinigung der zuständigen Stelle auch eine Bescheinigung des Insolvenzverwalters vorlegen:

  • Antrag auf Übernahmeprämie
  • Bescheinigung der zuständigen Stelle
  • Bescheinigung des Insolvenzverwalters
Wo finde ich weitere Informationen zu Fördermitteln für ausbildende Betriebe?

Weitere Informationen zu Fördermitteln für ausbildende Betriebe sowie deren Beantragung finden Sie auf der Website des Bundesprogramms "Ausbildungsplätze sichern" und in unserem Beitrag "Fördermittel: Wie Chefs an die neuen Azubi-Prämien kommen":

handwerk-magazin.de/corona-ausbildungsfoerdermittel

Corona-Sonderbonus: Steuer- und Beitragsfreiheit wird bis 31. März 2022 verlängert

Wie genau muss ich mich als Chef verhalten, damit der Bonus an meine Mitarbeiter nicht besteuert wird?

Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern schon seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 einen steuerfreien Corona-Bonus bis zu 1.500 Euro zahlen oder als Sachleistungen gewähren. Jetzt wird diese Möglichkeit der Sonderleistungen für die Beschäftigten bis zum 31. März 2022 verlängert.  Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben nach Angaben des Bundesfinanzministeriums unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Laut Ecovis lässt sich dabei der Corona-Sonderbonus auch mit Kurzarbeit kombinieren. Steuerfreie Beihilfen und Unterstützungen können Arbeitgeber allen Beschäftigten bis zu einem Betrag von 1.500 Euro auszahlen. Unabhängig davon, ob jemand Teilzeit, Vollzeit oder Kurz arbeitet. "Allerdings sollten Arbeitgeber schriftlich mit ihren Arbeitnehmern vereinbaren, dass es sich bei der steuerfreien Beihilfe ganz klar um den Corona-Bonus handelt“, rät Ecovis-Steuerberater Alexander Kimmerle in Kempten.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass es sich bei der neuesten Verlängerung bis 31. März 2022 um keine Neuauflage handelt: "Der Corona-Bonus ist nur einmal abgabenfrei", sagt Ecovis-Steuerberaterin Ines Frenzel in Neubrandenburg. Allerdings ist weiterhin erlaubt, den Bonus zu stückeln. "Wer seinen Mitarbeitern beispielsweise bis jetzt 500 Euro Corona-Bonus gezahlt hat, hat nun genügend Zeit, noch einmal etwas mehr Geld draufzulegen, wenn sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens etwas entspannt." Die Vorteile des Bonus zeigt unsere Beispielrechnung. Darin vergleichen wir den „normalen“ Bonus mit dem Corona-Bonus in gleicher Höhe:

 
Zusätzlicher Corona-Bonus „Normaler“ Steuer- und sozialabgabenpflichtiger Bonus
Brutto 1.500 Euro 1.500 Euro
Lohnsteuer (Annahme ca. 20 %) 300 Euro
Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung (ca. 20 %) 300 Euro
Netto für den Arbeitnehmer 1.500 Euro 900 Euro
Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (ca. 20 %) 300 Euro
Lohnkosten des Arbeitgebers 1.500 Euro 1.800 Euro

Lockdown, "Dauer-Shutdown" und "Bundesnotbremse": Das sind die Folgen der Maßnahmen für das Handwerk

Welche Folgen hat die "Bundesnotbremse" (Inzidenz mehr als 100)?

Für Inzidenzen über 100 einigte sich das Bundeskabinett am 13. April 2021 mit der sogenannten "Bundesnotbremse" auf einen harten Maßnahmenkatalog. Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis an drei aufeinander folgenden Tagen die Schwelle von 100 überschreitet, sollen nach Informationen des "Spiegel", der "Welt", "kommunal.de", der "Sächsischen" und der "Siegener Zeitung"  ab dem übernächsten Tag folgende scharfe, das Handwerk betreffende, Regelungen gelten:

  • Kontaktbeschränkungen: In der Öffentlichkeit und im privaten Bereich ist ein Aufenthalt nur mit maximal einer weiteren Personen aus einem anderem Haushalt erlaubt. Wer sich nicht daran hält, muss mit saftigen Bußgeldern rechnen. Die Kontrollen werden entsprechend verstärkt.
     
     
  • Ausgangssperren: Zwischen 22 und 5 Uhr darf die eigene Wohnung oder das eigene Grundstück nicht mehr verlassen werden. Ausnahmen sind Spazieren gehen und joggen bis 24 Uhr, gesundheitliche Notfälle bei Mensch und Tier oder dringende medizinische Behandlungen. Ausgenommen sind in der Regel auch die Ausübung eines Berufs oder Mandats und die journalistische Berichterstattung. Das Gleiche gilt für die Wahrnehmung von Sorge- oder Umgangsrecht, die unaufschiebbare Betreuung Unterstützungsbedürftiger oder Minderjähriger oder die Begleitung Sterbender, Versorgung von Tieren oder "ähnlich gewichtige und unabweisbare Gründe".
     
     
  • Ladengeschäfte: Der Einzelhandel muss weitestgehend schließen. Ausgenommen sind lediglich der Lebensmittelhandel inklusive Direktvermarktung, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Zeitungsverkäufer, Buchhandlungen, Blumenläden, Tierbedarfs- und Futtermittelmärkte sowie Gartenmärkte. Für das Handwerk bestehen Ausnahmen für die Ladengeschäfte von Bäckern und Metzgern sowie die Gesundheitsgewerke Optiker, Hörgeräteakustiker und Orthopädiemechaniker (Sanitätshäuser).


  • "Click & Meet": Zwischen einer Inzidenz von 100 und 150 sollen Geschäfte nach vorheriger Terminbuchung auch weiterhin aufgesucht werden dürfen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein negativer Corona-Test. Nicht davon berührt ist die Relung zu "Click & Collect": Vorher bestellte Waren können bei allen Inzidenzwerten abgeholt werden.
     
     
  • Körpernahe Dienstleistungen: Dienstleistungen mit körperlicher Nähe zum Kunden sind untersagt. Ausgenommen sind Dienstleistungen, "die medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken dienen sowie Friseurbetriebe". Für das Handwerk heißt das konkret: Friseursalons dürfen für Kunden mit einem negativen Schnelltest weiterhin geöffnet bleiben, Kosmetikstudios müssen dagegen schließen.
     
     
  • Gastronomie: Konditoreien, Bäckerein oder Metzgereien mit angeschlossenen Cafés bzw. Sitzgelegenheiten müssen diese schließen. Erlaubt ist lediglich die Abholung von Speisen und Getränken zum Mitnehmen bis 22 Uhr und darüber hinaus zeitlich unbegrenzt die Auslieferung.

  • Geschäftsreisen und Übernachtungen: Übernachtungsangebote soll es nur für unbedingt notwendige dienstliche Reisen geben, mit anderen Worten: Hotels bleiben für Touristen geschlossen. Geschäftsreisen sind aber weiterhin erlaubt.
Die Regelungen der "Bundesnotbremse" sollen so lange in Kraft bleiben, bis die Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Tagen die Schwelle von 100 unterschreitet – dann treten die harten Maßnahmen am übernächsten Tag wieder außer Kraft. Das Gesetz ist befristet bis zum 30. Juni 2021.
Welche Folgen haben der "Dauer-Shutdown" und die "Notbremse" für Handwerksbetriebe (Inzidenz unter 100)?

Bereits seit 2. November 2020 gelten auf Länderebene verschärfte Corona-Regeln. Auf die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie verständigten sich Bund und Bundesländer am 28. Oktober 2020, 25. November 2020, 2. Dezember 2020, 13. Dezember 2020, 5. Januar 2021, 19. Januar 2021, 10. Februar, 3. März und zuletzt 22. März 2021. Kurz zusammengefasst erwarten die Bundesbürger auch bei Inzidenzen unter 100 je 100.000 Einwohner Einschnitte ins öffentliche sowie private Leben. Dazu bleiben je nach Inzidenz die Kontaktbeschränkungen, wenn auch in milderer Form, bestehen. Gemeinsam mit Experten der ARAG-Versicherung und Informationen des "ZDF", des "Spiegel", der "Süddeutschen Zeitung", des "Tagesspiegel" und der "Frankfurter Rundschau" erklären wir hier kurz die Folgen des "Dauer-Shutdowns" für das Handwerk und den aktuellen Stand der Öffnungsperspektiven für Inzidenzen unter 100 (für evtl. abweichende Regelungen der einzelnen Bundesländer beachten Sie bitte die Tabelle "Weiterführende Informationen zu den Corona-Verordnungen der Bundesländer"):

  • Homeoffice-Pflicht: Die Homeoffice-Pflicht, die bislang per Verordnung geregelt war, wird im neuen Infektionsschutzgesetz verankert. Demnach müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den Beschäftigten "im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten" anbieten, diese in der eigenen Wohnung auszuführen, wenn dem "keine zwingenden, betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Die Beschäftigten müssen dieses Angebot annehmen, "soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen". Die Vorgabe gilt unabhängig von der Inzidenz. Im Zweifelsfall werde das auch von den Arbeitsschutzbehörden überprüft, erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bereits am 20. Januar 2021 im ZDF. Um Homeoffice auch Arbeitnehmern schmackhaft zu machen, gilt für 2020 und 2021 eine zusätzliche Homeoffice-Pauschale in Höhe von 5 Euro je Tag für Steuerpflichtige, die die betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausüben und kein häusliches Arbeitszimmer besitzen. Achtung: Laut der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner in Landshut sind so maximal 600 Euro im Kalenderjahr abzugsfähig.

  • Schnelltests: Wie auch Handwerksbetriebe die geplante Testpflicht korrekt umsetzen können und Schnelltests in ihre Betriebsabläufe bestmöglich integrieren, haben wir für Sie ausführlich im Abschnitt "Schnelltests für Betriebe und den Privathaushalt" und im Beitrag "Corona-Tests im Betrieb: Was Unternehmer wissen müssen" zusammengestellt.

  • Medizinische Masken: Dort, wo weiterhin vor Ort gearbeitet werden muss und kein ausreichender Abstand eingehalten werden kann, wird das Tragen medizinischer Masken verpflichtend. Dazu gilt eine generelle Verpflichtung zum Tragen von Masken des Typs KN95 oder FFP2 im öffentlichen Personenverkehr und in Geschäften.

  • Kontrolle der Maßnahmen: Um zu gewährleisten, dass sich möglichst viele Menschen an die neuen Regeln halten, soll es verstärkt flächendeckende Kontrollen durch Bund und Länder geben. Insbesondere in grenznahen Bereichen könnte es daher zu mehr stichprobenartige Kontrollen der Einhaltung der Quarantäneverordnungen kommen.

  • Öffnungsperspektiven: Fast überall in Deutschland, wo die Inzidenz die Marke von 100 unterschreitet, sind seit Anfang Mai 2021 Lockerungen verabschiedet worden. Diese Öffnungsschritte sind allerdings Sache der Bundesländer, eine einheitliche, bundesweite Regelung gibt es nach wie vor nicht. Einen aktuellen Überblick über die Corona-Verordnungen der Bundesländer finden Sie hier:

Schnelltests für Betriebe und den Privathaushalt

Was genau ist ein Antigen-Schnelltest für Zuhause und wie wird er angewendet?

In der Regel ist der Corona-Schnelltest für Zuhause oder genauer, der Antigen-Schnelltest, in einem Testkit bestehend aus einem Bürstchen für die Probeentnahme in der Nase, der Flüssigkeit zum Verdünnen der Schleimhautprobe und dem Teststreifen erhältlich. Die Preise für Privathaushalte sollen sich laut Siemens Healthcare bei unter 15 Euro je Stück bewegen. "Wahrscheinlich wird sich der Preis für die Schnelltests auf dem Markt schon bald bei unter zehn Euro pro Stück einpendeln", prognostiziert Moritz Bubik , Geschäftsführer des Testherstellers Technomed, im "Tagesspiegel". Nicht zuletzt, da der Markt für Schnelltests rapide wachse – schon 50 Hersteller haben laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anträge auf eine Sonderzulassung von Laientests gestellt. Als erste Discounter bieten Aldi Süd und Aldi Nord die Tests laut "Spiegel"  im Fünferpack für rund 25 Euro an.

Interpretation Antigen-Schnelltest

Die Anwendung soll dabei so ablaufen wie auch schon die Antigen-Schnelltests funktionieren, die bereits seit Monaten für die Anwendung durch Fachpersonal auf dem Markt sind: Laut "Tagesspiegel" wird eine Probe von den Schleimhäuten im Mund, Rachen oder der Nase entnommen, verdünnt und auf einen Teststreifen getropft. Wenn das Antigen in ausreichender Konzentration in der Probe vorhanden ist, bindet es sich an spezifische Antikörper in der Lösung und erzeugt auf dem Teststreifen mithilfe von Pigmenten einen dünnen Streifen im Sichtfenster. Je nachdem, ob nur ein Streifen erscheint (negativ) oder zwei Streifen erscheinen (positiv), ist der Test positiv oder negativ (siehe Beispielbild des Herstellers Careline). Die Ergebnisse liegen in der Regel in 15 bis 20 Minuten vor.

Wie sicher sind Schnelltests?

Auch zum Thema Genauigkeit der Schnelltests hat der "Tagesspiegel" Technomed-Chef Moritz Bubik befragt. Seine Antwort: "Der Antigen-Schnelltest von Technomed hat eine Genauigkeit von 98 Prozent." Siemens Healthcare verweist ebenfalls auf eine hohe Genauigkeit von 97,3 Prozent. SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach warnte allerdings in der ARD-Talkshow "Anne Will", dass "in sechs von zehn Fällen der Test negativ ist, obwohl der Getestete eigentlich positiv ist". Eine Quelle für diese Aussage nannte er laut "Welt" aber nicht. Falsch positive Tests kann es dabei laut "Tagesspiegel" aufgrund der hohen Spezifität nicht geben. Alles komme allerdings auf die korrekte Durchführung des Tests an: "Typische Fehler sind zum Beispiel, dass die Proben an einer falschen Stelle entnommen werden, dass zu wenige Tropfen der Lösung auf den Teststreifen aufgetragen werden oder dass das Ergebnis falsch abgelesen wird", so Bubik. Alle prozentualen Genauigkeitsangaben gelten nur, wenn der Test richtig angewendet wird.

Wo sind Schnelltests erhältlich?

Für den Privathaushalt sind Schnelltests in Apotheken, Drogerien und Discountern erhältlich, einige, wie beispielsweise der Test des Pharma-Riesen Roche, gibt es exklusiv nur in Apotheken. Aldi Nord und Aldi Süd haben sich laut "Spiegel" auf einen Verkaufsbeginn ab 6. März 2021 geeinigt. Wie die "Pharmazeutische Zeitung" (PZ) berichtet, starten auch die Drogerieketten dm  und Rossmann  ab 9. März 2021 mit dem Verkauf, allerdings genauso wie übrigens auch bei Aldi mit begrenzten Mengen pro Person und Haushalt. "Wir wollen, dass möglichst viele Menschen davon profitieren", so dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer. Einen anderen Weg geht dagegen Siemens – der oben erwähnte Test von Siemens Healthcare ("Clinitest Rapid Covid-19 Self-Test") soll laut PZ zunächst ausschließlich an Länder und Kommunen gehen und von dort aus verteilt werden.

Bin ich als Chef zum Testen meiner Mitarbeiter verpflichtet – was ist bei Schnelltests in Betrieben zu beachten?

Mindestens zweimal pro Woche müssen Arbeitgeber seit 21. April 2021 ihren im Betrieb anwesenden Mitarbeitern das Angebot zu einem Schnell- oder Selbsttest machen. Im Freistaat Sachsen besteht diese vieldiskutierte Schnelltestpflicht laut Handwerkskammer Dresden sogar schon seit 15. März 2021. Zunächst wurde eine wöchentliche Testpflicht für Beschäftigte und Selbstständige mit direktem Kundenkontakt eingeführt und seit 22. März 2021 auch eine Pflicht für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten einen wöchentlichen, kostenlosen Selbsttest anzubieten (soweit ausreichend Tests zur Verfügung stehen und die Beschaffung zumutbar ist). In Berlin gilt die Testpflicht seit einer Senatsverordnung am 27. März 2021. Alle Neuigkeiten zur aktuellen Rechtslage und Praxis-Tipps, wie Handwerksbetriebe die Tests korrekt durchführen können und in ihre Betriebsabläufe bestmöglich integrieren, haben wir für Sie ausführlich im Beitrag "Corona-Testpflicht im Betrieb: Was Unternehmer wissen müssen" zusammengestellt. Ein Video-Tutorial der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für die korrekte Durchführung eines PoC- Antigen-Schnelltests sehen Sie hier:

KBV-Hilfe in der Pandemie: Anleitung zu PoC-Antigen-Schnelltests

Können sich Betriebe gegen eine Testpflicht wehren?

In den Bundesländern Sachsen und Berlin ist die Pflicht für Unternehmer aber bereits Alltag – mit erheblichem Aufwand und Kosten für die Betriebe. Die Frage ist also: Müssen sich Chefs dem so einfach fügen oder besteht die Möglichkeit eines rechtlichen Vorgehens gegen die Verordnungen? Mit Unterstützung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (uvb) klagte nun bereits ein mittelständischer Betrieb. Das Argument: "Das Interesse der Unternehmen, Infektionen aus den Betrieben fernzuhalten, wird ins Gegenteil verkehrt", so uvb-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. "Denn die Pflicht, Selbsttests unter Aufsicht im Betrieb durchzuführen, führt zu vielen zusätzlichen Kontakten." Dazu gebe es erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hatte die Testpflicht in Unternehmen laut "Berliner Morgenpost" als "pauschale Misstrauenserklärung der Politik an die Wirtschaft" kritisiert. Genauso wie Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). Er bezeichnete die Testpflicht in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe als "Lehrstück für Politik-Versagen" und kündigte ebenfalls rechtliche Schritte an.

Ausgangssperre: Musterformulierung einer Arbeitgeberbescheinigung

Wie weise ich nach, dass meine Mitarbeiter wirklich zur Arbeit unterwegs sind?

Die "Bundesnotbremse" macht Ausgangssperren wieder zum vieldiskutierten Thema. In allen Landkreisen mit einer Inzidenz höher als 100 gilt zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens eine Ausgangssperre (mehr dazu im Abschnitt "Lockdown, 'Dauer-Shutdown' und 'Bundesnotbremse': Das sind die Folgen der Maßnahmen für das Handwerk"). Bei einer Ausgangssperre ist das Verlassen der eigenen Wohnung meist nur zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit weiterhin erlaubt. Für diese Ausnahme des Hin- und Rückwegs zur jeweiligen Arbeitsstätte sollte der Arbeitnehmer eine Arbeitgeberbescheinigung vorlegen können, da im Falle einer Kontrolle die Gründe durch den Betroffenen glaubhaft zu machen sind. Diese Bescheinigung ist kein behördlicher "Passierschein", sondern ein Hilfsmittel, um den kontrollierenden Beamten ein eindeutiges Dokument vorweisen zu können.

Auf dieser Basis stellt die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner folgende Musterformulierung zur Verfügung:

Musterformulierung "Arbeitgeberbescheinigung für Ausgangssperre":

Hiermit bestätigen wir, dass
Vorname / Name / Genaue Anschrift
bei uns als Arbeitnehmer beschäftigt ist. Im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit ist die Anwesenheit im Betrieb
Genaue Anschrift
erforderlich. Daneben ist ggf. auch die Anwesenheit an folgenden auswärtigen Arbeitsstellen erforderlich:
Bezeichnung / Genaue Anschrift

Optional:
Im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit ist er regelmäßig an verschiedenen Orten in
Bereich konkretisieren, Landkreis, Bezirk o. ä.
unterwegs. Dies hat folgende Gründe:
hier bitte konkret erläutern, warum der Arbeitnehmer regelmäßig unterwegs und an verschiedenen Orten tätig ist.

Unterschrift:
Hier unterschreiben
Wie weise ich als Selbstständiger nach, dass ich auf dem Weg zur Arbeit bin?

Um auch als Arbeitgeber glaubhaft versichern zu können, dass Sie sich auf dem Arbeitsweg befinden, nehmen Sie am besten eine Visitenkarte oder ein ähnliches Dokument mit, auf dem die Betriebsadresse zu finden ist. (Im Falle einer Auftragsarbeit natürlich auch das Vertragswerk, aus dem hervorgeht, dass sie am Ziel vor Ort sein müssen). Dazu ist es laut der Rechtsanwaltskanzlei Latham & Watkins LLP ratsam, Arbeitswege zu dokumentieren. So können Sie immer klar nachweisen, dass Sie auf dem Weg von Wohnort zur Arbeit sind.

Deutlich steigende Insolvenzgefahr und Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Wie groß ist die Insolvenzgefahr für den deutschen Mittelstand?

Nachdem seit dem ersten Lockdown die Einschätzung zur Gefährdungslage der Unternehmen sowohl mit als auch ohne staatliche Hilfen bis Dezember 2020 stetig abnahm, hat sich die Lage seit Jahresbeginn 2021 deutlich verändert: Wie eine am 18. März 2021 vorgestellte Umfrage der DATEV unter ihren Mitgliedern aus dem steuerberatenden Berufsstand zeigt, steigt der Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen ohne Einbezug der Hilfen von 16 auf 27 Prozent (siehe Grafik). "Diese Zunahme von 11 Prozentpunkten bei den insolvenzgefährdeten Unternehmen macht mehr als deutlich, dass mit zunehmender Dauer des Lockdowns der Spielraum für viele immer enger wird", so Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV auf der Pressekonferenz zum vorläufigen Jahresergebnis der Genossenschaft.

Insolvenzgefahr im Mittelstand, Stand März 2021

Dazu kritisieren mittlerweile 50 Prozent der befragten Kanzleien, dass die Voraussetzungen zur Ermittlung und Beantragung der Überbrückungshilfen nicht eindeutig definiert sind – als dies im September 2020 zuletzt abgefragt wurde, kritisierten dies lediglich 19 Prozent. Auch die Servicequalität der Corona-Hotline der öffentlichen Stellen wird bei Rückfragen zur Antragsbearbeitung kritisiert. Diese Situation führe dazu, dass immer weniger Kanzleien die Anträge auf Überbrückungshilfen problemlos bearbeiten können. Konnten dies im September noch 29 Prozent teilweise oder ganz bestätigen, ist der Anteil der Kanzleien, der eine problemlose Antragsbearbeitung gewährleisten kann, nun auf 13 Prozent zurückgegangen. Zudem üben die Steuerberatungskanzleien auch Kritik an der Ausgestaltung der staatlichen Hilfen. 75 Prozent der Kanzleien geben an, dass sich die Höhe der Hilfen an falschen Kriterien bemisst. Außerdem beanstanden 62 Prozent die nicht ausreichende Höhe der Hilfsleistungen und 57 Prozent die verzögerte Auszahlung. Der Kreditversicherer Coface fürchtet nicht zuletzt aufgrund der geschilderten Probleme sogar mit fast 4.000 "versteckten" Insolvenzen. Auch das Baugewerbe sei davon verhältnismäßig stark betroffen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag "Corona: Hohes verstecktes Insolvenzrisiko".

Wie profitieren Betriebe von der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende April 2021?

Die Bundesregierung verabschiedete mit dem Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie auch Vorschriften zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht . Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: "Die Aussetzung der Insolvenzantragspflichten gibt in Bedrängnis geratenen Unternehmen die nötige Luft, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben." Diese Maßnahme wird bis Ende April 2021 verlängert. Betroffenen Unternehmen soll so Zeit für die Sanierung und Verhandlungen mit Gläubigern gegeben werden. Experten der ARAG-Versicherung warnen dennoch davor, die Meldepflicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Solch ein Versäumnis werde möglicherweise als Insolvenzverschleppung gewertet, was sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Folgen haben könne. Das Gesetz sieht im Bereich des Insolvenzrechts fünf Maßnahmen vor:

  1. Die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wird vorübergehend bis zum 30. April 2021 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Überschuldung durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde. Antragspflichtige Unternehmen sollen dadurch die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch Inanspruchnahme staatlicher Hilfen oder durch Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen abzuwenden.

  2. Geschäftsleiter haften während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt für Zahlungen, die sie nach Eintritt der Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen.

  3. Unternehmen können während der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht Kredite beanspruchen. Dies wird nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung angesehen.

  4. Während der Aussetzung zu erbringende Leistungen an Vertragspartner sind dann nur eingeschränkt anfechtbar. 

  5. Die Möglichkeit von Gläubigern, durch Insolvenzanträge Insolvenzverfahren zu erzwingen, werden für drei Monate eingeschränkt.
Wie steht das Handwerk zur Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht?

Im Handwerk mehrten sich schon im Sommer 2020 die kritischen Stimmen zum Thema Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Zwar sei die befristete Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ein wichtiges Signal für die Wirtschaft in der Krise, deren Verlängerung berge aber laut Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, auch Probleme: "Eine weitere Aussetzung bietet zwar aus Sicht mittelfristig insolvenzgefährdeter Betriebe Vorteile, kann andererseits jedoch für gesunde Betriebe zur Gefahr werden, indem sie in den Insolvenzstrudel geraten."

Aus Sicht des ostsächsischen Handwerks müsse mit zweierlei Maß gemessen werden. "Klare Spielregeln für die Wirtschaft sind dauerhaft unabdingbar", betonte Dittrich am 26. August 2020 in einem Pressestatement. "Eine davon ist, dass drei Wochen nach Eintritt der Überschuldung ein Insolvenzantrag zu stellen ist."

Maskenpflicht, medizinische Masken, FFP2-Masken und Alltagsmasken

Maskenverweigerer im Betrieb: Wie sollten Chefs reagieren, wenn sich Mitarbeiter auf ein ärztliches Attest beziehen?

Der Arbeitgeber ist insbesondere bei Kundenkontakt verpflichtet, sicherzustellen, dass seine Mitarbeiter eine Mund-Nasen-Bedeckung oder häufig auch medizinische Masken bzw. FFP2-Masken tragen. Zu einem Konflikt mit dem Personal kann es dann kommen, wenn Mitarbeiter ein ärztliches Attest mitbringen, dass sie vom Tragen der Masken befreien soll. Basierend auf Informationen der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Wolfgang Gosch in Schwetzingen zeigen wir drei denkbare Möglichkeiten auf, wie Sie als Arbeitgeber reagieren können:

  1. Alternativtätigkeit suchen: Kann der Arbeitnehmer die Anforderungen zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, medizinischer Maske oder FFP2-Maske aus gesundheitlichen Gründen nicht nachkommen, so sollte nach einer Alternativtätigkeit gesucht werden.
     
     
  2. Arbeitsunfähigkeit akzeptieren: Kann der Arbeitnehmer die arbeitsvertraglich geschuldete Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen – und es stehen keine Alternativtätigkeiten zur Verfügung, muss strenggenommen von Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden.
     
     
  3. Krankheitsbedingte Kündigung: Im Extremfall öffnet die ursächlich durch das ärztliche Attest entstandene Arbeitsunfähigkeit die Türen für eine krankheitsbedingte Kündigung. Grund: Es ist nicht auszuschließen, dass die negative Gesundheitsprognose durch das nicht absehbare Ende der Pandemie zu bejahen ist (wenn der Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit nicht absehbar ist, besteht generell die Möglichkeit der krankheitsbedingten Kündigung – wenn auch mit hohen Hürden. Mehr dazu hier).
FFP2-Masken: Sollten sie auch unter freiem Himmel getragen werden – oder ist das sogar kontraproduktiv?

Wenn die Temperaturen steigen und viele Menschen wieder nach draußen drängen, kommt es automatisch an vielen neuralgischen Punkten zu kurzfristigen Menschenansammlungen, sei es in Parks, in Innenstädten oder auch vor Eisdielen. In einer solchen Situation erscheint es vielen Bürgern sinnvoll, auch im Freien FFP2-Masken zu tragen. Doch ist das ratsam? Bernhard Junge-Hülsing, HNO-Arzt und Pandemie-Koordinator warnt in der "Süddeutschen Zeitung": "Wenn es windstill ist, stecken sich Menschen auch draußen an." Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, gibt im Deutschlandfunk Kultur allerdings Entwarnung: "Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich." Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus.

Medizinische Schutzmasken

Ganz im Gegenteil: Zu lange eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, kann sogar kontraproduktiv sein. Wie die "Welt" berichtet, vermindert die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt hierzu: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden." Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern besteht laut "Welt" zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Klarsichtmasken: Bieten sie ähnlichen Schutz vor einer Corona-Infektion wie herkömmliche oder medizinische Masken?

Seit etwa November 2020 fand eine neuartige Plastikmaske, eine sogenannte "Klarsichtmaske", verstärkt Verbreitung in Schulen, Kitas, der Gastronomie und auch im Handwerk. Obwohl laut Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) selbst der Hersteller einräumte, dass es nicht bekannt ist, wie sich Aerosole beim Tragen dieser Maske ausbreiten, wird mit einer Bestätigung des bayerischen Landesamts für Gesundheit (LGL) und des bayerischen Gesundheitsministeriums geworben. Die Frage ist: Wie sicher ist eine Klarsichtmaske wirklich?

Faceshield, Plastikmaske

Die Hochschule München veröffentlichte Anfang Dezember 2020 genau hierzu Untersuchungsergebnisse einer Pilotstudie, die deutlich machen: Klarsichtmasken sind als Infektionsschutz wirkungslos. "Mit unserem Versuchsaufbau können wir genau vermessen, wie die Ausbreitung von Aerosolen durch Masken dieser Art beeinflusst wird", erklärt Christian Schwarzbauer, Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik der Hochschule München, gegenüber dem BR. "Eine direkt gegenüber sitzende Person wäre dem ausgeatmeten Aerosol direkt ausgesetzt. Die Ausbreitung des Aerosols erfolgt beim Husten relativ schnell." Generell gelte: Einige transparente Produkte könnten den Infektionsschutz nicht leisten, zum Beispiel Face Shields, also Gesichtsvisiere, bei denen lediglich ein Plastik-Schild vor Mund und Nase steht, die Atemluft aber außen herum frei herausströmen kann – und auch die Atemluft anderer zum Träger oder zur Trägerin hin. Diese ist nur in Kombination mit einer herkömmlichen Mund-Nase-Bedeckung bzw. in Innenräumen mit einer medizinischen oder FFP2-Maske zulässig (siehe Bild). "Aus meiner Sicht besteht deshalb dringender Handlungsbedarf seitens der zuständigen Behörden und Ministerien", schrieb Schwarzbauer als Fazit dem " #Faktenfuchs" des Bayerischen Rundfunks. Das Tragen einer Klarsichtmaske biete weder einen Fremd- noch einen Selbstschutz und könne daher nicht empfohlen werden.

FFP2-Masken und Hygienepläne: Wie können Arbeitgeber Handwerker auf dem Bau besser gegen eine Ansteckung schützen?

Im Zusammenhang mit der Virus-Mutation hatte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zur verstärkten "Corona-Vorsicht" auf Baustellen und in Betrieben aufgerufen und forderte flächendeckend FFP2-Masken – mittels einer verstärkten Bereitstellung durch Arbeitgeber. Dem kommen der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und die BG Bau nach: Aufgrund der verschlechterten Pandemiesituation haben die Tarifvertragsparteien laut ZDB vereinbart, den Beschäftigten FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen. Zudem werden der Arbeitsmedizinische Dienst der BG Bau wie auch die Betriebsärzte verstärkt in der Baubranche regelmäßige Corona-Tests durchführen. "Dass wir als Branche bisher gut durch die Krise gekommen sind, haben wir einer intakten Baunachfrage, unserem aktiven Präventionsmanagement und der hohen Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken", so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

Weitere Forderungen der IG BAU sind eine offensive Impfaufklärung in den Betrieben und eine Anpassung der Hygienepläne an die neuen Arbeitsbedingungen im Winter: "Es gibt weniger Rohbauarbeiten draußen an der frischen Luft. Dafür mehr Sanierungen und Innenausbau – und damit mehr Arbeit in geschlossenen Räumen. Also auch schon deshalb ein höheres Infektionsrisiko", betont IG BAU-Chef Robert Feiger. "Wer monate- und oft jahrelang im gleichen Bauteam arbeitet, dem fehlt dazu oft das kritische Risikobewusstsein. Dies ist gerade bei kleineren Bauunternehmen, Dachdecker-, Maler- oder Gerüstbaubetrieben der Fall. Völlig verantwortungslos ist vor allem auch, dass viele Betriebe immer noch ihren Baubulli einsetzen, um einen Sammeltransport zur Baustelle zu machen. Und auch die Pausen im geheizten, viel zu engen Baucontainer sind oft genug noch gang und gäbe." Um all das zu unterbinden müsse es mehr staatliche Arbeits- und Gesundheitsschutzkontrollen geben. "Es gibt eine neue Dimension bei der Infektionsgefahr im Job", so Feiger abschließend.

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Statistisches Bundesamt: Handwerk macht 2020 trotz Corona 1,4 Prozent mehr Umsatz

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk?

Im Gegensatz zur allgemeinen Stimmung bei KMU und Selbstständigen (siehe Abschnitt: "KMU-Umfrage: Zwei Drittel beklagen, dass es der Politik nicht gelungen sei, wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln") kommt das Handwerk weiterhin verleichsweise gut durch die Coronvirus -Krise: Wie aus einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts hervorgeht, stieg der Umsatz des zulassungspflichtigen Handwerks im Jahr 2020 trotz Pandemie um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Allerdings beruht das Wachstum fast ausschließlich auf dem Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe. Während Bau (+6,2 Prozent) und Ausbau (+4,6 Prozent) gut zugelegt haben, beklagt das Handwerk für den privaten Bedarf einen Umsatzrückgang von 5,3 Prozent. Besonders die Konditoren (-14 Prozent) und Friseure (-12,1 Prozent) stechen in dieser Gruppe besonders negativ heraus, was sich auch in der Anzahl der Beschäftigen widerspiegelt: Friseurunternehmen haben 2020 knapp fünf Prozent weniger Mitarbeiter als im Vorjahr, Konditoreien sogar sechs Prozent weniger. Auch auf die allgemeine Beschäftigtenlage im Handwerk wirkt sich das aus – insgesamt ging die Gesamtanzahl der Mitarbeiter im zulassungspflichtigen Handwerk um 1,3 Prozent zurück. Die wichtigsten Zahlen hier nochmal übersichtlich auf einen Blick:

Gewerbegruppe Umsatz gegenüber dem Vorjahr Beschäftigte gegenüber dem Vorjahr
Zulassungspflichtiges Handwerk insgesamt +1,4 % -1,3 %
Bauhauptgewerbe +6,2 % +0,1 %
Ausbaugewerbe +4,6 % -0,2 %
Handwerk für den gewerblichen Bedarf -2,9 % -2,2 %
Kraftfahrzeuggewerbe -1,2 % -1,4 %
Lebensmittelgewerbe -2,5 % -3,9 %
Gesundheitsgewerbe -1,8 % -0,4 %
Handwerk für den privaten Bedarf -5,3 % -4,3 %

KMU-Umfrage: Zwei Drittel beklagen, dass es der Politik nicht gelungen sei, wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln

Wie bewerten KMU und Selbstständige ihre wirtschaftliche Lage und die Corona-Maßnahmen?

Ein trauriges Jubiläum: Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbreitung von Covid-19 offiziell zur Pandemie. Exakt ein Jahr später, am 11. März 2021 hat das Freiburger Software-Unternehmen Lexware nun eine große Corona-Umfrage unter 5.651 Selbstständigen vorgestellt, die von 22. Februar bis 3. März 2021 durchgeführt wurde. Die zentrale Frage: Wie bewerten KMU und Selbstständige in Deutschland die Maßnahmen der Politik, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise einzudämmen? Die Anwort ist insgesamt ernüchternd! Aber zunächst das Positive: Immerhin rund 85 Prozent der befragten Unternehmen sind trotz Umsatzeinbußen aktuell noch zahlungsfähig.

Lexware-Corona-Umfrage, März 2021

Das war es dann aber auch mit guten Nachrichten: Mit 57,3 Prozent gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, die staatliche Corona-Hilfen bis dato noch gar nicht oder nur teilweise erhalten zu haben. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten kommen sogar zu dem Ergebnis, dass es der Politik weitestgehend nicht gelungen sei, mit ihren Maßnahmen wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln. Dazu fühlen sich 67,3 Prozent gegenüber Angestellten insgesamt eher oder viel schlechter gestellt, während nur rund 13 Prozent der Befragten der Meinung sind, die Vermittlung wirtschaftlicher Sicherheit sei der Politik "eher schon" oder "vollkommen" gelungen. "Kleinunternehmer, Selbstständige und Freiberufler sind der Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. Sie sind der Motor für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft, den es schnellstmöglich wieder anzukurbeln gilt. Dafür braucht es von Seiten der Politik vor allem finanzielle Unterstützung, die ankommt, und Planungssicherheit", betont Jörg Frey, Geschäftsführer von Haufe-Lexware. "Mit der aktuellen Umfrage wollen wir Selbstständigen eine Stimme geben und dazu beitragen, dass ihre derzeitige Lage mehr Aufmerksamkeit im öffentlichen Diskurs erhält."

Dass mehr Aufmerksamkeit nötig ist, zeigt schließlich auch nochmal ein genauer Blick auf den vermeintlich einzig positiven Aspekt "Zahlungsfähigkeit": Um diese zu gewährleisten, planen 30,5 Prozent der Befragten in den nächsten zwölf Monaten, auf die für ihre Altersvorsorge vorgesehenen Ersparnisse zurückzugreifen (siehe Grafik). Selbstständige, deren Existenzgründung nach 2018 erfolgte, sind sogar schon einen Schritt weiter – 56,4 Prozent unter ihnen mussten bereits privat finanzielle Einbußen erleiden.

"Click & Meet": So funktioniert's

Welche Rahmenbedingungen sind für "Click & Meet" erforderlich?

Ist durch die Sieben-Tage-Inzidenz nur eine Öffnung des Ladengeschäfts oder des Showrooms mit "Click & Meet" möglich, sind Unternehmer verpflichtet, Termine in einem fest begrenzten Zeitraum zu vergeben. Für diese Termine ist wiederum eine Dokumentation der Kundendaten für eine eventuelle Kontaktverfolgung und natürlich die Einhaltung der geltendet AHA-Regeln sowie Maskenpflicht erforderlich. Außerdem ist pro angefangene 40 Quadratmeter Verkaufsfläche nur ein Kunde erlaubt.

Wie können Termine vergeben werden?

Mit am häufigsten werden Termine für "Click & Meet" über ein Onlineformular auf der Website des Unternehmens angeboten, das ist aber gesetzlich nicht verpflichtend. Genauso gut können Unternehmer auch telefonisch Termine vereinbaren. Dass sie überhaupt "Click & Meet" bzw. Termine anbieten, können Chefs entweder auf der Website oder in den sozialen Netzwerken, aber auch direkt über Schilder am Ladeneingang kommunizieren.

Was ist während eines "Click & Meet"-Einkaufs erlaubt?

Während des Einkaufs im Rahmen von "Click & Meet" ist laut "Deutsche Handwerks Zeitung" nicht nur das Shoppen selbst erlaubt, sondern auch die Beratung, Anprobe und der Umtausch von Waren. Jedoch sollten Kunden dafür ein gutes Zeitmanagement mitbringen, um die Dauer des Termins nicht zu überschreiten: Egal ob Sie als Unternehmer 30, 60 oder 90 Minuten je Termin festlegen – nach Ablauf dieser Zeit ist definitiv Schluss.

Steuererklärung 2019: Abgabefrist bis 31. August 2021 verlängert

Bleibt mir für die Steuererklärung 2019 durch die Auswirkungen des Coronavirus mehr Zeit?

Steuerberater haben aktuell alle Hände voll zu tun, vor allem Hilfsanträge für Corona-geschädigte Unternehmen und Selbständige beanspruchen Zeit. Um ihnen für diese Aufgabe mehr Zeit einzuräumen, hat der Bundesrat am 12. Februar 2021 beschlossen, die Abgabefrist für die Steuererklärung 2019, die von Steuerberatern erstellt wird, von Ende Februar 2021 auf Ende August 2021 zu verlängern. Für Steuerzahler, die keinen Steuerberater beauftragt haben, bleibt es laut Experten der ARAG-Versicherung bei der Abgabefrist vom 31. Juli des Folgejahres.

Allerdings birgt die neu gewonnene Zeit auch Tücken. Prof. Dr. Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK), mahnt: "Trotz Fristverlängerung sollten die Steuererklärungen 2019 zeitnah abgegeben werden und nicht länger aufgeschoben werden, als unbedingt notwendig. Sonst laufen wir Gefahr, die darauffolgenden Steuererklärungen für 2020 wie eine große Bugwelle vor uns herzuschieben. Nun gilt es vorausschauend zu handeln."

EuroSkills 2021: Neuer Termin für die Berufe-EM in Graz

Wann und wie kann die Berufe-Europameisterschaft "EuroSkills" in Graz überhaupt noch stattfinden?

Die Berufe-Europameisterschaft "EuroSkills" ist neu terminiert: Von 22. bis 26. September 2021 soll die EM in Graz nun doch noch stattfinden. Die ursprünglich schon im September 2020 geplante Veranstaltung war zunächst auf den Zeitraum 6. bis 10. Januar 2021 verschoben worden – auch dieser Termin war geplatzt. Die damaligen Gründe sind bekannt: Eine ständig steigende Anzahl an Covid-19 positiv getesteter Personen in Europa, zahlreiche internationale wechselseitige Reiswarnungen und diverse Einschränkungen. "Die aktuelle Situation ließ uns leider keine andere Wahl, als die EuroSkills neuerlich zu verschieben", erläuterte Josef Herk, Aufsichtsratsvorsitzender der EuroSkills 2020 GmbH, nach der Absage des Januar-Termins. "Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Dieser Ankündigung folgten nun Taten – denn nicht nur der Termin ist neu, auch die Bezeichnung hat sich geändert: Statt "EuroSkills 2020" wird die Berufe-EM nun "EuroSkills 2021" heißen.

Möglich wurde die Entscheidung auch durch die Verschiebung der nächsten WorldSkills in Shanghai. Statt wie geplant von 22. bis 27. September 2021 findet die Berufe-WM erst ein Jahr später von 12. bis 17. Oktober 2022 statt. WorldSkills International begründet die frühzeitige Entscheidung für eine Verschiebung des Großereignisses auf das Jahr 2022 damit, dass dies für alle Beteiligten am besten sei. Die Entscheidung gebe ihnen Sicherheit und mehr Zeit bei der Planung und Verwaltung der nächsten 12 bis 24 Monate. Auch die Worldskills in Shanghai bekommen damit eine neue Bezeichnung: "WorldSkills 2022". Genauso wie die "EuroSkills2023" in St. Petersburg und die "WorldSkills2024" in Lyon, die sich ebenfalls jeweils um ein Jahr verschieben. Exakte Termine für diese beiden Folgeveranstaltungen stehen allerdings noch nicht fest.

Neue Corona-Hilfen: Das können sich besonders von der Pandemie betroffene Firmen erhoffen

Höherer Verlustrücktrag: Wie stark können Unternehmer Verluste mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen?

Unternehmen können coronabedingte Verluste umfangreicher als bislang mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen. Möglich macht das eine erneute Erhöhung des Verlustrücktrags auf maximal zehn Millionen Euro bzw. 20 Millionen Euro bei Zusammenveranlagung. Schon 2020 waren diese Beträge von einer (bei Zusammenveranlagung zwei) auf fünf (bei Zusammenveranlagung zehn) Millionen Euro angehoben worden. Laut "Spiegel" bekommen dadurch vor allem an sich gesunde größere Unternehmen, die durch die Corona-Maßnahmen in finanzielle Engpässe geraten sind, nun recht schnell und unkompliziert Geld. Anschaulich wird das am folgenden Rechenbeispiel:

Gewinn 2019 Verlust 2020 maximaler Verlustrücktrag Berechung zu versteuern
10 Millionen Euro 15 Millionen Euro 5 Millionen Euro (alt) 10 Millionen Euro
–5 Millionen Euro
5 Millionen Euro
10 Millionen Euro 15 Millionen Euro 10 Millionen Euro (neu) 10 Millionen Euro
–10 Millionen Euro
0 Euro

Der Unternehmer kann sich bei diesem Beispiel also freuen – konkret zahlt er für das Jahr 2019 überhaupt keine Steuern. Und das gilt rückwirkend: Bereits gezahlte Steuern für 2019 bekommt er in voller Höhe zurück.

Mehrwertsteuer: Wie kann ich von der Mehrwertsteuer-Senkung für die Gastronomie profitieren?

Die Mehrwertsteuer bleibt auch 2021 für die Gastronomie bei sieben Prozent. Ursprünglich sollte diese Sonderregelung im Juni 2021 auslaufen, jetzt wurde eine Verlängerung sogar bis Ende 2022 beschlossen. Voraussetzung dafür, dass Sie von der Regelung profitieren können: Sie brauchen einen Gastronomiebetrieb – also zum Beispiel eine Bäckerei oder Konditorei mit angeschlossenem Café – und dieses Café muss auch geöffnet sein. Hier liegt das Problem: Im Shutdown nutzt die Mehrwertsteuer-Senkung überhaupt nichts. Die Mehrwertsteuer-Senkung ist also vor allem eine nette Geste für die Zukunft, insbesondere für die Zeit nach dem Lockdown.

Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung: Wie gelingt die coronabedingte Befreiung?

Wie auch schon 2020 können sich Unternehmen von der Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung befreien lassen. Darauf haben sich die Finanzverwaltungen von Bund und Ländern verständigt. Für eine Befreiung müssen Antragsteller laut der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) nachweisen können, dass ihr Unternehmen von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen wirtschaftlich unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffen ist. Was darunter genau zu verstehen ist, sei nicht genauer definiert. Das Bundesfinanzministerium schreibt hierzu in einem FAQ: "Den Finanzbehörden reichen plausible Angaben des Steuerpflichtigen, dass die Corona-Krise schwerwiegende negative Auswirkungen auf seine wirtschaftliche Situation hat."

Die Regelung tritt laut einer Pressemitteilung des Landes Brandenburg ab sofort in Kraft. Die Anträge hierfür können bis zum 31. März 2021 gestellt werden. Betriebe, die ihre Beiträge bereits gezahlt haben, könnten von den Finanzämtern Erstattungen in voller Höhe erwarten. An der Dauerfristverlängerung ändere sich durch die Erstattung der Sondervorauszahlung nichts. Hier eine Kurzzusammenfassung für die Beantragung der Befreiung von der USt-Sondervorauszahlung, die die Kollegen der DHZ recherchiert haben:

  1. Formular "Antrag auf Dauerfristverlängerung – Anmeldung der Sondervorauszahlung" (USt 1 H) in "Elster-Online" ausfüllen

  2. Ausgefülltes Formular elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Hierfür folgendes beachten:
  • in Zeile 22 den Wert "1" eintragen (= berichtigte Anmeldung)
  • in Zeile 24 den Wert "0" eintragen (= Sondervorauszahlung 0 Euro)
  • Unter "Ergänzende Angaben zur Steueranmeldung" ist der Antrag zu begründen

Protestaktion "#wirmachenauf": Unternehmern drohen empfindliche Strafen

Welche Restriktionen haben Chefs von Betrieben zu erwarten, die trotz Lockdown einfach öffnen?

Mecit Uzbay, Inhaber eines Kosmetiksalons in Krefeld und Initiator der bundesweiten Kampagne #WirMachenAuf, ermuntert seit Wochen Betriebe, trotz Lockdown ihre Geschäfte zu öffnen. Organisiert wird die Protestaktion unter anderem in einer Telegram-Gruppe mit fast 60.000 Abonnenten. Unsere Kollegen der Deutschen Handwerks Zeitung zeigen zusammen mit Susana Campos Nave, Fachanwältin für Wirtschafts- und Steuerstrafrecht bei der Kanzlei Rödl & Partner am Beispiel Berlin, warum eine illegale Ladenöffnung im Lockdown keine gute Idee ist. Folgende Strafen drohen:

  • Handwerksbetriebe haben Verkaufsstelle im Lockdown für einen Tag geöffnet: Strafe in Höhe von 250 bis 5.000 Euro (Verstoß gegen § 14 Abs. 1 Satz 1 der SARS-CoV-2-InfektionsschutzmaßnV)
     
     
  • Bäckereien, Konditoreien oder Metzger haben ihr Café oder Imbissgeschäft für den Publikumsverkehr geöffnet: Bußgeld in Höhe von 5.000 bis 10.000 Euro (§ 15 Satz 1, Satz 3 der SARS-CoV-2-InfektionsschutzmaßnV)
     
     
  • Friseure oder Kosmetiker haben ihren Salon im Bereich der Körperpflege für den Publikumsverkehr geöffnet oder bieten generell Dienstleistungen im Bereich der Körperpflege an (auch im privaten Umfeld): Bußgelder in Höhe von 1.000 bis 10.000 Euro (§ 17 Abs. 1 Satz 1 der SARS-CoV-2-InfektionsschutzmaßnV)

Missachtung der Hygieneregeln: Handwerksverband fürchtet massive Einschränkungen

Drohen mit weiteren Corona-Maßnahmen auch harte Auflagen für das gesamte Handwerk?

Marcel Müller-Richter, Geschäftsführer des Verbandes Handwerk Schleswig-Holstein, bestätigte gegenüber dem NDR Schleswig-Holstein, dass sich Kundenbeschwerden aufgrund fehlender Masken bei Handwerkern häufen. In dieser angespannten Situation sei es mehr als problematisch, wenn sich einige Handwerker noch nicht einmal an das Masketragen halten. "Die Arbeit der Handwerker könnte massiv eingeschränkt werden, falls die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verschärft werden sollten", so der Verbandsgeschäftsführer.

Laut NDR Schleswig-Holstein ist es denkbar, dass Handwerksleistungen nur noch in Notfällen zugelassen wären, zum Beispiel bei einem Wasserrohrbruch. Gewöhnliche Malerarbeiten, Renovierung oder der Einbau neuer Fenster könnten damit vorerst nicht möglich sein. Müller-Richter betont, dass leider bei einigen Handwersbetrieben die notwendige Ernsthaftigkeit fehle. Der Verband ruft daher seine Mitglieder dazu auf, sich deutlich konsequenter an die Hygienemaßnahmen zu halten – auch in der Befürchtung, dass nach dem kommenden Bund-Länder-Treffen auch die Handwerker strengere Auflagen bekommen.

Kinderkrankengeld bei geschlossenen Schulen und Kitas: Anspruch auf 20 bezahlte Krankentage je Kind und Elternteil

Welche Unterstützung haben Eltern bei geschlossenen Schulen und Kitas?

Unternehmer sollten sich die Dienstpläne ihrer Mitarbeiter nun noch genauer ansehen: Durch die Aufstockung der möglichen Kinderkrankentage können Eltern im Falle von geschlossenen Schulen oder Kitas jetzt für die Betreung ihrer Kleinen länger bezahlt zuhause bleiben. Die Kinder müssen dafür nicht krank sein. Das Kinderkrankengeld wird nach Auskunft von Experten der ARAG-Versicherung für alle Kinder unter zwölf Jahren gezahlt und beträgt etwa 90 Prozent des monatlichen Nettoverdienstes. Bei Elternpaaren hat jeder Elternteil Anspruch auf 20 bezahlte Krankentage pro Kind, Alleinerziehende können 40 Tage bezahlt zu Hause bleiben, um den Nachwuchs zu Hause zu betreuen.

Der Anspruch gilt rückwirkend ab 5. Januar 2021. Zu beachten sind die beiden verschiedenen Nachweise für gesunde und kranke Kinder, die zu erbringen sind, um das Kinderkrankengeld zu erhalten:

  • Kind ist gesund: Bei geschlossener Bildungs- oder Betreuungseinrichtung ist eine Bescheinigung der Einrichtung nötig

  • Kind ist krank: ärztliches Attest muss vorgelegt werden

Aktualisierte ZDH-Mustervorlage "Corona-Dokumentation": Gut vorbereitet auf Betriebsprüfungen und Kassennachschauen während der Pandemie

Wie wirkt sich die Coronavirus-Krise auf Kalkulationen und Steuersachverhalte aus? Wie können Betriebe das Schätzungsrisiko minimieren?

Angesichts steigender Corona-Fallzahlen und vielen unübersichtlichen Regelungen in Deutschland fällt es Handwerksbetrieben laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) immer schwerer eine solide Basis für ihre Kalkulationen zu finden. Eine Betriebsprüfung oder Kassennachschau könne daher potenziell vermehrt zu "Auffälligkeiten" führen. Prüfer könnten zur Aufklärung dieser unklaren Verhältnisse beispielsweise folgende Frage stellen:

  • "Wann galten welche Auflagen und welche Auswirkungen hatten diese konkret auf den betroffenen Betrieb?"
Wüssten Sie darauf eine Antwort? Haben Sie alle Maßnahmen und ihre Auswirkungen ausreichend dokumentiert? Insbesondere die unterschiedlichen regionalen coronabedingten Beschränkungen wie zum Beispiel Lockdown-Bestimmungen vor dem 16. Dezember 2020, Einschränkung des Bewegungsradius in Hot-Spot-Regionen, Zugangsbeschränkungen für Tagestouristen (in Wintersportorten), Bestimmungen einer Einrichtung von "click & collect" sollten unbedingt festgehalten werden. Um als Betrieb in diesem Regelungsdschungel den Überblick zu bewahren, stellt der ZDH eine aktualisierte Mustervorlage "Corona-Dokumentation"  zur Verfügung. Mit dieser können Sie tatsächlich die Corona-Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf den Betrieb, die Betriebsabläufe und Ihre Kalkulationen in einem Dokument festhalten und somit für eventuelle Betriebsprüfungen dokumentieren. Hier können Sie das praktische Dokument herunterladen:
 
 

ZDH-Mustervorlage "Corona-Dokumentation"

Neues Werbeportal: handwerk.de stellt Corona-Motive zur Verfügung

Gibt es individualisierbare Corona-Motive als Werbemittel-Vorlagen für Handwerksbetriebe?

Seit 7. Dezember 2020 stellt handwerk.de, das Portal der Imagekampagne des Deutscher Handwerkskammertags (DHKT), neue, kostenlose Werbemittel auf dem Portal werbeportal.handwerk.de zur Verfügung, mit denen Handwerksbetriebe im Design der Kampagne ihre eigene Werbung selbst erstellen können. Neben Plakaten, Social-Media-Postings und Kino-Spots können jetzt für die Dauer der Coronavirus-Krise zusätzlich auch Corona-Motive mit eigenem Logo, Beschreibungstext und Betriebsdaten versehen werden. Zugeschnitten auf die Covid-19-Pandemie stehen dafür im Portal folgende individualisierbare Motive bereit:

  • Aufforderung zum Masketragen

  • Aufforderung zum Abstandhalten

  • Aufforderung zum bageldlosen Bezahlen
Die Corona-Motive können in Verkaufsräumen ausgehängt werden und sind eine professionelle Alternative zum selbstgebastelten Plakat. "Wir wollen es Handwerkerinnen und Handwerkern noch einfacher machen, die Materialien der Imagekampagne für ihre eigenen Betriebe zu nutzen. Dafür war es wichtig, ein Portal zu schaffen, das technisch auf dem neuesten Stand und intuitiv zu bedienen ist. Insbesondere die hohe Nachfrage nach den 'Corona-Motiven' hat gezeigt, wie groß der Bedarf an einem solchen Angebot ist. Wir hoffen, die Betriebe mit dem Portal zukünftig noch besser in ihrer Kommunikation unterstützen zu können, damit sie sich auf das konzentrieren können, was ihnen am wichtigsten ist – ihr Handwerk“, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Hier geht's direkt zum neuen Werbeportal:

werbeportal.handwerk.de

Hinweis für Betriebe, die bereits auf der Vorgängerversion des neuen Portals, dem bisherigen "Werbemittelportal", angemeldet waren: Aufgrund des Datenschutzes ist es erforderlich, sich für das neue Portal erneut zu registrieren. Alte Log-in-Daten haben keine Gültigkeit mehr.

Soforthilfe: Tausenden Unternehmern droht Rückzahlung

Warum ermitteln jetzt Staatsanwälte gegen Empfänger der Soforthilfe und wie kann ich mich als potenziell Betroffener schützen?

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben mehr als zwei Millionen Betriebe Corona-Soforthilfe beantragt. Doch jetzt ermitteln in vielen Fällen Staatsanwaltschaften gegen die Empfänger. Warum Unternehmer und Selbstständige jetzt unbedingt prüfen sollten, ob sie Geld zurückzahlen müssen, erklärt Alexander Littich, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und Strafrecht bei Ecovis in Landshut:

  • Grund für die Ermittlungen der Staatsanwälte: Wie so oft stand im Kleingedruckten, wer die Subvention bekommen kann. Bereits bei der Antragstellung hätten die Unternehmer prüfen müssen, ob sie überhaupt antragsberechtigt sind. Und sie hätten eine Prognose erstellen müssen, wie sich ihre Liquidität in den kommenden Monaten verschlechtern wird. Das ist der Punkt, an dem die Ermittler jetzt einhaken. Nachdem der Bescheid eingegangen und Geld geflossen ist, hätten Unternehmer in den kommenden drei Monaten laufend Ertrag und Aufwand prüfen müssen. Also schauen müssen, ob sie tatsächlich einen Liquiditätsengpass haben. Bei vielen Betrieben und Selbstständigen war das tatsächlich der Fall. Andere konnten Ausfälle zum Beispiel durch Außer-Haus-Verkauf oder den schnellen Ausbau eines Onlineshops zumindest teilweise ausgleichen. Nach drei Monaten dann hätten sie überprüfen müssen, ob tatsächlich ein existenzgefährdender Liquiditätsengpass eingetreten ist oder ob sich die Situation auch ohne Soforthilfe hätte abwenden lassen. Beispielsweise durch den Verbrauch betrieblicher Rücklagen. Das wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
     
     
  • Die Folgen für Unternehmer: Eigentlich hätten Chefs bei jedem der oben genannten Schritte die bewilligende Stelle über den Stand im Unternehmen informieren müssen. Das haben natürlich die wenigsten getan, sondern sich darum gekümmert, dass der Betrieb weiterläuft. Wir empfehlen unseren Mandanten, dass sie jetzt – wenn nicht schon geschehen – am besten zusammen mit ihrem Steuerberater dokumentieren, wie viel Liquidität sie zum Zeitpunkt des Antrags hatten und wie sich diese entwickelte. Betroffene sollten der bewilligenden Stelle schreiben, dass letztlich ihre Situation besser war, als befürchtet. Sie sollten darum bitten, den Bewilligungsbescheid zu prüfen, ob die Höhe der Soforthilfe korrekt war, oder es eine Überzahlung gibt. Dazu sind zunächst nur die für eine Überprüfung erforderlichen Angaben notwendig; die Bewilligungsbehörde kann jedoch weitere Unterlagen anfordern. Sie prüft den prognostizierten Liquiditätsengpass zum Zeitpunkt der Antragstellung und wie die Mittel verwendet wurden. Weitere finanzielle Hilfen zusätzlich zur Soforthilfe müssen übrigens ebenfalls angegeben werden. Haben Unternehmer beispielsweise Geld aus einer Betriebsschließungsversicherung bekommen, ist das gegenzurechnen.
     
     
  • Erste, schnelle Schritte für Betroffene: Wichtig ist jetzt, sich an die bewilligende Behörde zu wenden. Wer sich versteckt und hofft, dass schon nichts passiert, macht einen Fehler. Da sich die Soforthilfe einkommensteuerlich auswirkt, kommt das spätestens mit der Steuererklärung 2020 auf den Tisch. Und dann kann es zu spät sein. Wer die Soforthilfe zu Unrecht behält, macht sich strafbar. Ist ein Unternehmer oder Selbstständiger erst einmal im Visier der Ermittler, kann man nicht mehr straffrei zurückzahlen. Dann bleibt nur ein Weg: Schadensbegrenzung betreiben.
     
     
  • Genaue Dokumentation schafft Abhilfe: Die ermittelnden Behörden prüfen, ob und in welcher Höhe einzelnen Betrieben Soforthilfe zusteht. Ich empfehle jetzt genau zu dokumentieren, wie sich das Geschäft entwickelt hat und wofür das Geld gebraucht wurde. Ist alles nicht so schlimm eingetreten, wie bei Antragstellung befürchtet, sollten sich Unternehmer mit diesen Nachweisen unbedingt an ihre Bewilligungsstelle wenden.

Baugewerbe: 20 Prozent der Betriebe wollen Beschäftigtenzahl erhöhen – trotz Corona-bedingt verhaltener Baukonjunktur

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die deutsche Bauwirtschaft aus?

Anlässlich der jährlichen Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Baugewerbetages präsentierte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) am 17. November 2020 die aktuellen Baukonjunktur-Zahlen und die Erwartungen für das Jahr 2021. Der Verband rechnet für 2020 mit einem Jahresumsatz von 138 Milliarden Euro, was ein Plus bedeutet von nominal zwei Prozent (real ca. minus ein Prozent). Für 2021 erwartet der ZDB dagegen Corona-bedingt einen Umsatzrückgang von einem Prozent (real drei bis vier Prozent). "Nachdem die Bauwirtschaft dank der hohen Auftragsbestände zu Jahresbeginn glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen ist, sind unsere Erwartungen für das kommende Jahr 2021 deutlich verhaltener. Aktuell gehen wir von einem Umsatzrückgang von rund einem Prozent aus, nachdem wir das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von knapp zwei Prozent abschließen werden", erklärte ZDB-Präsident Reinhard Quast in Berlin.

In den Erwartungen für die Beschäftigtenentwicklung 2021 spiegelt sich dieser leicht negative Trend allerdings nicht wider. Im Gegenteil: Auch für das kommende Jahr werde mit weiteren Einstellungen gerechnet. Einer Unternehmensbefragung des ZDB zufolge planen 20 Prozent der Unternehmen, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen. "Wir haben trotz Pandemie Personal aufgebaut, und wir werden das – im Vertrauen auf die Zukunft auch weiter tun", so Quast. Durch erhebliche Anstrengungen der Betriebe sei es gemeinsam mit den Sozialpartnern und der BG Bau gelungen, die Baustellen offen zu halten und die Mitarbeiter produktiv zu beschäftigen.

Trendmap-Update: Coronavirus beschleunigt Trends dramatisch

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Trendentwicklung im Handwerk aus?

Trendforscher Prof. Peter Wippermann hat gemeinsam mit der Internationalen Handwerksmesse (IHM) aufgrund der Coronavirus-Pandemie ein Update der "Trendmap Handwerk" vorgelegt. "Es ist jetzt nicht alles anders. Es hat sich nur dramatisch beschleunigt", so der Trendforscher. Ferner werde man in vielen Bereichen sehen, "dass digitale Strategien unseren Alltag verändern." Und das bietet Chancen. "Jedes Problem bringt wieder eine Geschäftstätigkeit mit sich." Doch wie sehen diese ­Geschäftstätigkeiten nun konkret aus? Und welche Impulse bringt die neue Trendmap fürs Daily Business? Acht neue Wachstumsfelder zeigen, wie die Zukunftsperspektiven im Handwerk aussehen könnten:

  1. New Normal 
    Laut „Trendmap Handwerk“ wird im New Normal das Gesundheitsengagement eines Betriebs zur werblichen Botschaft. Mit der nötigen Transparenz können sich Chefs einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
     
     
  2. Remote Working
     
    Dieser Trend rückt das mobile, flexible und ortsungebundene Arbeiten in den Fokus. Wichtig für Chefs: Das gemeinsame Engagement und die Haltung eines Betriebs gewinnen enorm an Bedeutung.
     
  3. Touchless Technology
     
    Touchless Technology kommt robust, nutzerfreundlich und hygienisch daher (siehe Kasten). Insbesondere das Handwerk im Innenausbau, in der Elektro- und Sanitärtechnik kann von diesem Trend profitieren.
     
     
  4. Distance Disco
    Firmenchefs müssen sich auf neue Verhaltensweisen ihrer Teams einstellen und die Gesundheit der Mitarbeiter vor einer zweiten Corona-Welle schützen. Stichwort: Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen.  
     
  5. Cost Cutting
     
    Mit Cost Cutting reagieren Firmeninhaber auf die massiven wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Bedeutet konkret: die Finanzen zu prüfen, die Kosten zu senken, die Liquidität nachhaltig zu sichern sowie die Prozesse anzupassen. Für Letzteres kann die Digitalisierung ein guter Hebel sein.
     
     
  6. Remote Support
     
    Hier geht es um die Kombination der umfangreichen Branchenkenntnis mit neuen Technologien wie Augmented Reality (AR).
    Das Ziel: schnelle und flexible Dienstleis­tungen. Der „Trendmap Handwerk“ zufolge wird das die Serviceangebote von morgen bereichern.
     
     
  7. Anti-Rassismus
     
    Respekt und Solidarität mit allen People of Color – dafür steht der Anti-Rassismus-Trend. Wichtig: Anti-Rassismus muss gelernt, geübt und gelebt werden.
     
  8. Videokonferenzen
     
    Für viele Unternehmen ein bewährtes Mittel in der Pandemie: Dank Videokonferenzen hält man mit Kunden, Bewerbern und Mitarbeitern Blickkontakt.
Die detaillierte Trendmap fürs Handwerk mit allen Trends bis 2025 und ausführlichen Erklärungen zu den jeweiligen Entwicklungen finden Sie unter handwerk-magazin.de/trendmap .

Umfrage: 88 Prozent sehen ihren Betrieb trotz sinkender Auftragszahlen nicht in Gefahr

Wie kommt das Handwerk durch die Krise? Wie ist die Stimmung in den Betrieben?

Obwohl viele Handwerksbetriebe sinkende Auftragszahlen verzeichnen, zeigen sie sich laut einer Umfrage von Contorion (Onlinehändler für Baustellen- und Werkstattbedarf) und YouGov in der Corona-Krise weiterhin robust. So stimmten 60 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ihr Betrieb wenig bis etwas unter den Folgen von Corona leidet. Sogar 23 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Betrieb überhaupt nicht von negativen Folgen betroffen ist. Die positive Stimmung schlägt sich auch in den Antworten zum Fortbestand des Betriebs nieder: 88 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Betrieb nicht in Gefahr ist und fortbestehen wird. Nur knapp zwei Prozent melden, dass der Betrieb voraussichtlich schließen muss.

Im Rahmen der Umfrage sollten die Befragten zudem Aussagen darüber treffen, auf welche Art und Weise die Corona-Pandemie im Handwerksbetrieb zu spüren ist. Hier die vier wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Auftragsrückgang: 32 Prozent der Befragten teilte mit, dass die Anzahl der Aufträge zurückgegangen ist

  2. Kurzarbeit: 16 Prozent der Teilnehmer nannten Kurzarbeit als spürbare Folge der Pandemie

  3. Einschränkungen: 9 Prozent erlebten Einschränkungen am Arbeitsplatz oder -ablauf, wie veränderte Arbeitszeiten und weniger Kontakt zu Kollegen

  4. Stellenabbau: 14 Prozent der befragten Handwerker gaben an, dass sich ihr Betrieb während der Corona-Krise bereits von Mitarbeitern getrennt hat – weitere 6 Prozent rechnen mit einem Stellenabbau in der Zukunft
Die publizierten Daten beruhen auf einer YouGov-Onlineumfrage, an der 217 Personen aus Handwerksbetrieben zwischen dem 28. August und 8. September 2020 teilnahmen. Sie ist Teil einer zweiteiligen Umfragereihe. Die erste Umfrage wurde zwischen dem 27. Mai und 4. Juni 2020 durchgeführt.

Telefonische Krankschreibung wieder möglich

Wie können erkrankte Mitarbeiter telefonisch ihre AU-Bescheinigung bekommen? Was sagt das Handwerk zu dieser Pandemie-Maßnahme?

Wie bereits zu Beginn der Coronavirus-Pandemie ist die Krankschreibung per Telefon wieder möglich. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen (G-BA) beschlossen. Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen müssen somit nicht in eine Praxis gehen, nur weil sie eine Krankschreibung benötigen. Das soll helfen, volle Wartezimmer und Ansteckungsrisiken zu vermeiden. "Wir haben aktuell eine sich beschleunigende Infektionsdynamik mit dem COVID-19-Virus, zeitgleich aber auch vermehrt grippale Infektion", zitiert die Deutsche Handwerks Zeitung Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA. "Wenn wir in dieser ernsten Situation eines nicht brauchen, sind es volle Wartezimmer. Denn allein durch mögliche Kontakte auf dem Weg in die Praxis oder beim Warten in geschlossenen Räumen steigt das Risiko, sich anzustecken." Hier die wichtigsten drei Fakten zur neuen Regelung kurz zusammengefasst:

  1. Ablauf: Die Ärzte befragten die Patienten am Telefon persönlich und detailliert nach ihrem gesundheitlichen Zustand.
  2. Dauer: Die Krankschreibungen gelten jeweils für max. sieben Tage.
  3. Verlängerung: Die Verlängerung der Krankschreibung per Telefon ist einmalig für weitere sieben Kalendertage möglich.
Im Handwerk hatte die erste Periode telefonischer Krankschreibungen auch Kritik ausgelöst: Wie die Augsburger Allgemeine schreibt, berichtet der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) von einer Verdopplung der Krankschreibungen im betreffenden Zeitraum von 6,2 auf 11,7 Prozent – die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung spiele dabei eine entscheidende Rolle. Die Handwerker-Krankenkasse IKK classic zeichnet allerdings ein komplett gegensätzliches Bild: Im vergleichbaren Pandemie-Zeitraum seien in der Landesdirektion Niedersachsen und Hamburg fast ein Fünftel weniger Krankschreibungen (minus 19,4 Prozent) eingegangen, als in diesen Monaten ein Jahr zuvor. Die Entwicklung führt die Krankenkasse unter anderem auf einen deutlichen Rückgang bei den Atemwegserkrankungen zurück. So reichten von Januar bis August 2020 bundesweit 239.670 Versicherte der IKK classic eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit entsprechenden Diagnosen ein, im Vorjahreszeitraum waren es 271.530 – das entspricht einem Rückgang von 11,7 Prozent. "Diese Zahlen zeigen zum einen, dass die Arbeitnehmer von der Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung von Mitte März bis Ende Mai 2020 sehr verantwortungsvoll Gebrauch gemacht haben", sagte Andreas Schönhalz, IKK classic-Landesgeschäftsführer Niedersachsen und Hamburg, der Celler Presse. "Zum anderen lassen sie vermuten, dass die seit Ende April 2020 gültigen AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) sowie Homeoffice und Videokonferenzen zu einem allgemein verminderten Infektionsgeschehen beitragen".

Jeder vierte Gebäudereiniger-Betrieb musste schon Mitarbeiter entlassen

Wie wirkt sich Corona auf das beschäftigungsstärkste Handwerk Deutschlands aus?

Trotz erhöhtem Bedarf an Hygiene und Reinigung sind die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) ernüchternd. Vor allem die Situation der Beschäftigten ist heikel: 26,1 Prozent der Unternehmen der Branche mussten seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr Beschäftigte krisenbedingt entlassen und 17,1 Prozent der Unternehmen haben weiterhin Beschäftigte in Kurzarbeit . Auch die Konjuktur-Ergebnisse liefern keinen Anlass zur Freude:

  • 64,7 Prozent der Unternehmen berichten über Umsatzeinbußen

  • 54,8 Prozent der Betriebe erklären, dass die Kunden weniger Aufträge bzw. Aufträge mit geringerem Leistungsumfang vergeben

  • 47,5 Prozent der Firmen erwarten für 2020 lediglich befriedigende, ausreichende, eher schlechte bzw. schlechte Geschäfte
Die Online-Umfrage, an der bundesweit zwischen 2. und 18. Oktober 2020 400 Mitgliedsunternehmen beteiligt waren, unterstreicht somit den vierteljährlichen Bericht zur Handwerkskonjunktur des Statistischen Bundesamts, bei dem das Gebäudereiniger-Handwerk im 2. Quartal 2020 ein Umsatzminus von 5,3 Prozent im Vergleich zum 1. Quartal und ein Umsatzminus von 6,2 Prozent im Vergleich zum 2. Quartal 2019 verzeichnete.
Wie desinfizieren Gebäudereiniger den Betrieb, dass er nach einem Coronavirus-Fall wieder öffnen darf?

Die Konjunkturdaten sind auch deshalb ernüchternd, weil Gebäudereiniger dringend gebraucht werden, schließlich gibt es in Sachen Coronavirus-Prävention keine 100-prozentige Sicherheit. Wie also reagieren, wenn der Betrieb unter Quarantäne gestellt wird, aber schnellstmöglich wieder öffnen soll? Die Experten der Niederberger-Gruppe haben darauf eine klare Antwort: "Ein Corona-Fall genügt, um alles desinfizieren zu müssen." Ist ein Corona-Fall bei einem Unternehmen aufgetreten, darf laut Infektionsschutzgesetz nur qualifiziertes Personal reinigen und desinfizieren. Während das in Büros vergleichsweise einfach funktioniere, sei es bei Produktionshallen komplizierter. Das Kölner Gebäudereinigungsunternehmen erklärt, wie die desinfizierende Reinigung funktioniert:

  • Reinigung: Das betroffene Büro, der Pausenraum oder die Produktionshalle werden gereinigt.
     
     
  • Einsatz von Flächendesinfektionsmitteln: Die Hauptkontaktflächen werden mit einem Flächendesinfektionsmittel behandelt. Diese Mittel müssen, je nach Hersteller, fünf bis 15 Minuten einwirken. Die Desinfektion einer Büroetage mit 20 Büros, Fluren, Toiletten und einer Teeküche dauert so beispielsweise etwa 24 Arbeitsstunden.
     
     
  • Desinfizierendes Waschen und -Aufbereitung: Bei zu desinfizierenden Textilien oder Polstermöbeln wird es schwieriger: Hier ist es unmöglich oberflächlich zu desinfizieren, stattdessen wird desinfizierend gewaschen oder aufbereitet.
     
     
  • Betriebe mit großer Fläche: Aufwändig ist die Reinigung und Desinfektion einer kompletten Fabrik- bzw. Werkshalle: Zentrale Umkleide, Toilette, allgemeiner Pausenraum und der eigentliche Arbeitsort des infizierten Mitarbeiters müssten dann desinfiziert werden. Das geht aber nur, wenn dessen Weg im Betrieb zurückverfolgt werden kann. Ist das nicht möglich, müssten präventiv alle Kontaktflächen desinfiziert werden.

TÜV empfiehlt Arbeitgebern, kostenlose Grippeschutzimpfung anzubieten

Wie können Risiken durch gleichzeitig auftretende Grippesaison und COVID-19 minimiert werden?

Die Grippeschutzimpfung ist laut TÜV Nord ein wichtiges Element der betrieblichen Gesundheitsfürsorge: Jährlich erkrankten zwischen zwei und 14 Millionen Menschen an Influenza, zuletzt seien bis zu 20.000 Sterbefälle pro Jahr aufgetreten. Auch, wenn nicht alle Infizierten Symptome zeigten, könnten sie – ähnlich wie bei COVID-19 – andere Menschen anstecken. Eine Grippeschutzimpfung minimiere dieses Risiko und amortisiere sich rasch für Arbeitgeber: Wenn nur zwei von 100 Beschäftigten aufgrund der Schutzimpfung nicht krank werden, haben sich laut der TÜV-Experten die Impfkosten bereits amortisiert. "Deshalb empfehlen wir Arbeitgebern, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und eine kostenlose Grippeschutzimpfung im Betrieb anzubieten", betont Dr. Wolfgang Mailahn von Meditüv.

"In diesem Jahr ist die Grippeschutzimpfung besonders wichtig. Die Influenza schwächt das Immunsystem über Wochen und lässt den Körper anfällig werden für andere Erkrankungen. Noch gibt es keine wissenschaftlichen Aussagen zum gleichzeitigen Auftreten von Influenza und COVID-19. Da beide Viren die Lunge angreifen ist aber davon auszugehen, dass die Belastung für den Körper sehr stark ist, sollte zur Grippe eine Corona-Infektion hinzukommen", so Mailahn weiter. Dies könne zu langen Krankheitsphasen führen. Ein besonders hohes Risiko bestehe bei Menschen mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Bronchitis, COPD oder Diabetes. Eine Grippeschutzimpfung durch den Betriebsarzt im betrieblichen Umfeld kann sich dabei laut TÜV Nord stark positiv auswirken: Die Mitarbeiter hätten keine langen Wege und müssten sich bei einem gut organisierten Impftermin nur kurz vom Arbeitsplatz entfernen. Darüber hinaus könnten sie sich im privaten Umfeld nicht infizieren und die Infektion dann nicht in den Betrieb tragen.

Friseure beklagen mangelnde Hygiene-Disziplin in den eigenen Reihen

Wie gut sind Kunden sowie Mitarbeiter bei Friseuren vor einer Corona-Infektion geschützt?

Nach dem Baugewerbe sind nun auch Friseure mit dem Vorwurf konfrontiert, es mit der Hygiene nicht mehr allzu genau zu nehmen. Der Vorwurf kommt direkt von Kollegen: Nach Erkenntnissen der Friseur-Innung Dortmund und Lünen hielten sich einige Betriebe offensichtlich seit längerem nicht mehr an die Vorgaben der Maskenpflicht, des Haarewaschens und der Desinfektion. "Angesichts steigender Fallzahlen und einer drohenden zweiten Infektionswelle ist das unverantwortlich gegenüber den Kunden", bezieht Frank Kulig, Obermeister der Innung, Position. "Gleichzeitig ist es wettbewerbsverzerrend, wenn nicht sogar geschäftsschädigend gegenüber den Betrieben, die die coronabedingten Vorschriften einhalten. Wir haben als Innungsbetriebe hohe Ansprüche an die Gesundheit und Sicherheit unserer Kunden und die Qualität unserer Arbeit. Darum halten wir uns strikt an die Hygiene-Vorgaben. Was derzeit in einigen externen Betrieben abläuft, schadet nicht nur dem Image des ganzen Handwerks, es führt zu einem ruinösen Wettbewerb, ist existenzbedrohend und sogar gesundheitsgefährdend. Unser Appell richtet sich darum zuallererst an die Kunden, solche Betriebe im Eigeninteresse zu meiden und dazu beizutragen, mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, zumal bei Nichteinhaltung der Vorschriften hohe Bußgelder für die Betriebe drohen." Tage zuvor war unter anderem der Fall eines Düsseldorfer Friseurs publik geworden, der weder Mund-Nasen-Schutz trug, den Kunden nicht die Haare gewaschen hatte und Umhänge mehrfach verwendete. Seine Erklärung laut "Express": Er wusste angeblich schlicht nichts von den Corona-Schutzvorschriften.

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) und der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) reagierten nun mit einer Pressemitteilung und einem Video auf die Kritik. Tenor: "Du bist genervt von Abstandhalten und dem ganzen Hygienegedöns? Halte Dich trotzdem an die Regeln!" Harald Esser, Präsident des ZV: "Wir wissen, was die Friseure momentan alles leisten müssen. Aber nur, wenn wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen, schaffen wir es, die Pandemie sicher zu überstehen. Die Aufklärungs-Kampagne #friseuregegencorona soll den Friseuren helfen, den Menschen die Bedeutung eines konsequenten Infektionsschutzes in der Corona-Pandemie näher zu bringen." Hier das Video zur Kampagne:

Kampagne des Friseurhandwerks: #friseuregegencorona

Das Handwerk gehört zu den beliebtesten Dienstleistungen während der Corona-Zeit

Welche Dienstleistungen fragten Verbraucher während der Pandemie am häufigsten nach?

Welche Dienstleistungen sind in Deutschland im Verlauf der letzten Jahre und vor allem während der Corona-Krise am gefragtesten? Diese Fragestellung versucht eine aktuelle repräsentative Umfrage zu beantworten, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag von Gelbe Seiten durchgeführt hat. Für die Studie wurden 1.001 Personen befragt.

Dienstleistungen während der Corona-Krise

Das Ergebnis: Unter den drei meistgenannten Branchen der Umfrage sind zwei Handwerksbranchen – Heizungs- und Lüftungsbau mit 22 Prozent auf Platz 1 und Elektroinstallation mit 13 Prozent auf Platz 3. Ebenfalls ein gutes Ergebnis während der Corona-Zeit erzielten Maler und Lackierer mit 8 Prozent, Dachdecker mit 7 Prozent, generell Bauunternehmen mit 5 Prozent und Fliesenleger mit 4 Prozent (In der Grafik sind die Werte aus den letzten sechs Monaten rot hinterlegt). Besonders Auffällig zudem: Egal welche Branche genannt wurde, alle haben in der Corona-Periode im Vergleich zu den sechs Monaten zuvor zugelegt, machne sogar ihre Werte mehr als verdoppelt.

Ende der Tarifverhandlungen: "Corona-Prämie" für Beschäftigte im Bauhauptgewerbe

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf das Ergebnis der Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe?

Die Tarifverhandlungen für die rund 850.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes sind am 3. September 2020 nach mehr als 15-stündigen Verhandlungen mit einem mehrheitlichen Schlichterspruch beendet worden. Ergebnis: Die Beschäftigten erhalten eine "Corona-Prämie" in Höhe von 500 Euro als Einmalzahlung für 2020, die Auszubildenden in Höhe von 250 Euro. Diese ist steuer- und sozialabgabenfrei, sodass sie vollständig den Beschäftigten zugute kommt. Die weiteren Ergebnisse hier nachfolgend im Überblick:

  • Entgelte: Erhöhung ab 1. Januar 2021 um 2,1 Prozent im "Tarifgebiet West" und 2,2 Prozent im "Tarifgebiet Ost".

  • Zuschlag: Ab 1. Oktober 2020 pauschale Entschädigung von Wegzeiten und -strecken in Höhe von 0,5 Prozent des Tariflohns.

  • Vergütung Auszubildende: Erhöhung ab 1. Januar 2021 im 1. Lehrjahr um 40 Euro, im 2. Lehrjahr um 30 Euro und im 3. Lehrjahr um 20 Euro.
"Wir sind froh, dass wir für die diesjährige Tarifrunde einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft gefunden haben und dass uns ein Arbeitskampf erspart bleibt", erklärte Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB). Jutta Beeke, Vizepräsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), fügte hinzu: "Es waren schwierige Verhandlungen, doch am Ende gab es zu den einzelnen Punkten gute Kompromisse. Wir haben eine faire Lösung gefunden, die der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche Rechnung trägt."

IG Bau kritisiert "Corona-Disziplin" im Baugewerbe

Gibt es auf Baustellen eine unnötig hohe Corona-Ansteckungsgefahr?

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) beklagt eine schwindende Corona-Disziplin im Baugewerbe. Auf immer mehr bayerischen Baustellen werde auf die obligatorischen Abstands- und Hygieneregeln verzichtet. "Viele Baufirmen nehmen die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auf die leichte Schulter. Das ist fatal", sagte der Vorsitzende der IG BAU Oberbayern, Michael Müller, laut einer Pressemitteilung. Viele Bauarbeiter könnten sich demnach bei der Arbeit noch nicht einmal die Hände waschen, da oft Waschbecken mit Seife und Desinfektionsmittelspender fehlten. Zudem würden Arbeiter oft in Sammeltransportern zu den Baustellen gefahren und könnten so unmöglich den Sicherheitsabstand einhalten. Auch während gemeinsamer Arbeitspausen säßen sie oft dicht an dicht.

Auf die Vorwürfe reagierte mittlerweile der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und betonte, dass Bauunternehmen in Deutschland mit größtmöglichem Maß an Verantwortungsbewusstsein handelten und die Gesundheit der Beschäftigten an erster Stelle stehe. "Es ist bedauerlich, dass die Gewerkschaft mit derartigen Pauschalvorwürfen die ganze Branche in Verruf bringen möchte", kommentierte der ZDB in einer Pressemitteilung die Aussagen von Müller. "Nach Aussagen der Berufsgenossenschaft BG BAU, die für die Überprüfung der Einhaltung von Arbeitsschutzstandards zuständig ist, können bei knapp 90 Prozent der Betriebe keine Mängel festgestellt werden." Zudem habe sich die Situation im Vergleich zur Situation zu Beginn des Coronakrise deutlich verbessert. Es sei außerdem wünschenswert, dass die Gewerkschaft auch die Beschäftigten stärker in die Pflicht nehme.

BMVI startet "Förderaufruf Elektromobilität" speziell für Handwerker

Gibt es im Rahmen der Corona-Elektromobilitätsoffensive spezielle Förderungen für Handwerksunternehmen?

Speziell für Handwerksunternehmen und KMU stellt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen seines Flottenaustauschprogramms ca. 50 Millionen Euro bereit. Das Förderverfahren wird als "Windhund-Verfahren" umgesetzt. Ziel der Förderung ist es, den Verkehrssektor sukzessive auf klimafreundliche Technologien umzustellen.

  • Bewerbungszeitraum: 4. August 2020 bis 14. September 2020

Im Förderaufruf zum "Flottenaustausch für Handwerksunternehmen, handwerksähnliche Unternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU)" werden vom BMVI gezielt jene Anwender unterstützt, die zeitnah ihre konventionelle Fahrzeugflotte auf elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge umstellen und dazu auch Investitionen in die für den Betrieb notwendige Ladeinfrastruktur tätigen wollen. Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und unserem Beitrag "E-Nutzfahrzeuge: Schnell noch einen Zuschuss klarmachen". Fragen zur Antragstellung und zur Programm-Begleitforschung können auch direkt an den Projektträger Jülich (PtJ) gerichtet werden: Tel.: 030-20199 3500, E-Mail: ptj-evi2-emob@fz-juelich.de . Mehr zum Thema "Finanzierungsmodelle für Elektro-Nutzfahrzeuge" erfahren Sie hier. Weitere wichtige Hilfen in Corona-Zeiten können Sie hier nachlesen.

Kurzfristige Minijobs: Verdienstgrenze darf bis zu fünf Kalendermonate überschritten werden

Kann ich 450-Euro-Kräften weiter Aufträge geben, auch wenn sie die Verdienstgrenze bereits überschritten haben?

Normalerweise darf die Verdienstgrenze bei einem kurzfristigen Minijob nur drei Monate innerhalb eines zwölfmonatigen Zeitraums überschritten werden. Wer nun aber zum Beispiel als Gebäudereiniger aufgrund der Corona-Pandemie erhöhten Personalbedarf hat, kann diese Verdienstgrenze kaum einhalten. Darauf hat die Bundesregierung jetzt reagiert und erhöhte die Zeitgrenzen für eine kurzfristige Beschäftigung von drei auf fünf Monate bzw. von siebzig auf einhundertfünfzehn Arbeitstage. Diese Regelung gilt laut Steuerberater Roland Franz, Geschäftsführender Gesellschafter von Roland Franz & Partner übergangsweise für die Zeit vom 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020. Als Beispiel nennt er folgendes Szenario:

Eine Raumpflegerin erhält für ihre Arbeit einen monatlichen Arbeitslohn von 420 Euro. Im März 2020 bittet der Arbeitgeber sie, vom 1. April 2020 bis zum 31. Mai 2020 mehr zu arbeiten, da aufgrund der Corona-Pandemie ein höherer Reinigungsbedarf besteht. Dadurch erhöht sich der Verdienst in den Monaten April und Mai 2020 auf monatlich 2.000 Euro. Die Raumpflegerin hatte bereits im Juni, September und Dezember 2019 Krankheitsvertretungen für Vollzeitkräfte übernommen und dadurch in diesen Monaten die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro überschritten. Aufgrund der jetzigen übergangsweisen Sonderregelung bleibt die Beschäftigung auch für die Zeit vom 1. April bis 31. Mai 2020 ein 450-Euro-Job. Denn innerhalb des maßgebenden 12-Monatszeitraums (1. Juni 2019 bis 31. Mai 2020) wurde max. in fünf Kalendermonaten die Verdienstgrenze nicht vorhersehbar überschritten.

Wichtig: Diese Regelung gilt für einen kurzfristigen Minijob, nicht aber für einen 450-Euro-Minijob, der regelmäßig ausgeübt wird. Bei letzterem kommt es auf die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der monatlichen Einsätze nicht an. Bei einem kurzfristigen Minijob hingegen arbeitet der Mitarbeiter laut Minijob-Zentrale allerdings nicht regelmäßig sondern nur gelegentlich – und darf somit nicht mehr als drei Monate (jetzt fünf Monate) oder insgesamt 70 Arbeitstage (jetzt 115 Arbeitstage) im Laufe eines Kalenderjahres arbeiten.

Corona-App: Arbeitnehmer müssen Chef informieren, wenn die App Alarm schlägt

Muss der Arbeitnehmer seinen Chef bei Alarm der Corona-App informieren?

Nutzt der Arbeitnehmer die Corona-App und zeigt diese einen Alarm an, muss er seinen Arbeitgeber hierüber informieren. "Dies verlangt die arbeitnehmerseitige Rücksichtnahmepflicht", erklärt Michael Fuhlrott, Arbeitsrechtler und Professor an der Hochschule Fresenius gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). "Der Arbeitgeber muss über den Verdacht einer Infektion informiert werden, um dann seinerseits prüfen zu können, ob er den Arbeitnehmer zunächst nach Hause schickt oder gegebenenfalls für andere Mitarbeiter Schutzmaßnahmen trifft. Der Arbeitgeber wird vom Arbeitnehmer auch verlangen können, über das bestehende Infektionsrisiko weitere Auskünfte zu erhalten, um eine Risikoeinschätzung auch unter Einbindung des Betriebsarztes vornehmen zu können."

Muss der Arbeitnehmer nach Alarm der Corona-App bezaht freigestellt werden?

Der Arbeitgeber muss laut DHZ keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall leisten, wenn der Mitarbeiter nach Alarn der Corona-App symptomlos und beschwerdefrei ist. Entschließt sich der Arbeitgeber aber, den Arbeitnehmer präventiv nach Hause zu schicken, so ist dieser in dieser Zeit normal zu vergüten. "Arbeitsrechtler sprechen in einem solchen Fall von einer bezahlten Freistellung", sagt Fuhlrott der DHZ. Einen Anspruch auf bezahlte Freistellung habe der Arbeitnehmer allerdings nicht, auch nicht bei einem App-Alarm. "Kann der Arbeitnehmer seine Tätigkeit im Home-Office erbringen, so können sich die Parteien natürlich auch hierauf verständigen", so Fuhlrott weiter. Einen Erstattungsanspruch für das Gehalt bei bezahlter Freistellung habe der Arbeitgeber nur dann, wenn der Arbeitnehmer auch behördlich unter Quarantäne gestellt wird.

Dürfen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter verpflichten, die Corona-App zu nutzen?

Als Arbeitgeber schnell reagieren zu können, bevor ein infizierter Arbeitnehmer den gesamten Betrieb lahmlegt, wäre ein Fortschritt, den die Corona-App bringen könnte. Doch ist es überhaupt erlaubt, seine Mitarbeiter zur Nutzung der App zu verpflichten? Nein! Denn die Installation ist für Arbeitnehmer immer freiwillig, wie Michael Fuhlrott ebenfalls im betreffenden Beitrag auf dhz.net betont. "Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer ein Diensthandy nutzt". Auch über eine Betriebsvereinbarung könne nichts Anderes geregelt werden, da es sich hierbei um den persönlichen Lebensbereich des Arbeitnehmers handelt, den Betriebsrat und Arbeitgeber nicht reglementieren können.

Corona-App: So funktioniert das Tool, das Infektionsketten unterbrechen soll

Wie hilft die Corona-App, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern?

Da es bis zu 14 Tage dauern kann, bis bei einer infizierten Person Symptome des Coronavirus auftreten, ist es meist schwierig, nachzuvollziehen, zu wem man in dieser langen Inkubationszeit Kontakt hatte. Mithilfe der neuen Tracing-App sollen diese Kontaktketten nun besser erkannt werden. Dabei sendet die App laut Experten der ARAG Versicherung über Bluetooth alle paar Minuten anonymisierte, zufällig generierte Identifikationsnummern (ID) in die nähere Umgebung. Gleichzeitig kann die App die Signale von anderen Corona-Apps empfangen, die sich in der Nähe befinden. Und sobald sich die Geräte, auf denen die Apps installiert sind, über 15 Minuten oder länger näher als etwa zwei Meter kommen, tauschen die Smartphones ihre ID aus. Geodaten wertet die App nicht aus, so dass auch keine Ortsinformationen gespeichert oder übermittelt werden.

Wird ein App-Nutzer positiv auf Covid-19 getestet, kann er das Testergebnis freiwillig über die App teilen. So werden Anwender der App informiert, dass sie Kontakt zu einem Infizierten hatten. Wer das wann genau war, wird nicht aufgezeichnet und ist auch nicht bekannt. Ein vom Gesundheitsamt vergebener Verifizierungs-Code, der gleichzeitig vom infizierten Anwender in der App angegeben werden muss, verhindert Falschmeldungen und Missbrauch.

Wie wird der Datenschutz sichergestellt?

Personenbezogene Daten werden laut offiziellen Angaben ausschließlich dezentral auf dem jeweiligen Smartphone gespeichert, bleiben anonym und werden nicht an Behörden weitergeleitet. Ob man sich aufgrund der Warnung testen lassen möchte, bleibt eine freiwillige Entscheidung. Nach 21 Tagen sollen die gespeicherten Daten wieder gelöscht werden.

Ein besonderes App-Gesetz zur Sicherung des Datenschutzes wurde vom Bundesjustizministerium für unnötig erklärt. Denn alle Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gelten ohne Einschränkung auch für die Corona-App. Und es sollen dabei alle geltenden Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.

Funktioniert die App auf meinem Smartphone?

Bei iPhones läuft die App laut ARAG-Experten bei allen Geräten ab dem iPhone 6s, die mit dem Betriebssystem iOS 13.5 ausgestattet sind. Android-Geräte benötigen die energiesparende Bluetooth LE-Variante, die ab Android 6 installiert ist. Zudem muss Google Play Services installiert sein, um die App herunterladen zu können. Auch das ist in der Regel ab Version 6 der Fall.

+++ Hier können Sie die Corona-App für das iPhone herunterladen +++

+++ Hier können Sie die Corona-App für Android-Geräte herunterladen +++

Damit die App ein möglichst vollständiges Bild der Infektionsketten aufzeichnen kann, müssen laut ARAG-Experten möglichst viele Smartphone-Nutzer die Tracking-App herunterladen – zwischen 50 und 60 Prozent. Davon ausgehend, dass es laut Statista in 2019 etwa 58 Millionen Smartphone-Nutzer gab, müssten sich in Deutschland rund 30 Millionen Handy-Nutzer die App herunterladen.

Konjunkturprogramm: Baugewerbe beklagt Bürokratie

Wie reagiert das Baugewerbe auf die beschlossenen 130-Milliarden-Euro schweren Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Krise?

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung, das am 4. Juni 2020 mit insgesamt 57 Einzelmaßnahmen – von A wie Ausbildungs­zuschuss bis Z wie Zukunftstechnologie 5G – beschlossen wurde (eine ausführliche Übersicht zu den Maßnahmen des Konjunkturprogramms hier), wird beim Baugewerbe mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen. Einerseits begrüßte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) die zügige Umsetzung des vom Koalitionsausschuss beschlossenen Konjunkturpakets und besonders Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, andererseits beklagte er die zusätzliche Bürokratie, die die Maßnahmen mit sich brächten:

"Ein Wehrmutstropfen bleibt für uns: Die zeitlich begrenzte Reduzierung der Mehrwertsteuer schafft zusätzlichen bürokratischen Aufwand. Denn Bauprojekte dauern von der Auftragserteilung bis zur Abrechnung meistens länger als sechs Monate. Die Bürokratischen Hemmnisse ergeben sich daraus, dass wegen der temporären Mehrwertsteuer-Absenkung für die Leistungsabrechnung, Bauleistungen entsprechend des Leistungszeitraumes detailliert in bis zu drei Zeiträume aufgesplittet werden müssen. Beispielweise sind dann Abschlagsrechnungen im zweiten Halbjahr 2020 mit 16 % Mehrwertsteuer zu stellen, bei Fertigstellung des Bauwerkes in 2021 wieder entsprechend zu stornieren und die gesamte Leistung mit 19 % abzurechnen. Umgekehrt wäre es mit Leistungen, die vor dem 1. Juli 2020 begonnen wurden, wo Abschläge mit 19 % gestellt wurden und die nun mit 16 % endabgerechnet werden", erklärt Pakleppa. "Hier bleibt für das parlamentarische Verfahren bzw. für einen auslegenden Erlass Korrekturbedarf, um zu einer unbürokratischen und praxistauglichen Regelung für unsere Branche zu gelangen."

ifh-Studie: Deutlicher Rückgang von Gründungen im Handwerk

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Anzahl der Gründungen im Handwerk aus?

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben weitreichende ökonomische Folgen für die deutsche Wirtschaft. Aufgrund des Shutdowns weiter Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens sind viele Sektoren in erheblichem Maße von Umsatzrückgängen und Entlassungen bzw. Kurzarbeit betroffen. Auch Handwerksbetriebe melden Umsatzrückgänge im Zuge der Coronavirus-Krise. Offen sind bislang jedoch die Folgen der Krise für die Betriebslandschaft, also Gründungen und Betriebsaufgaben im Handwerk. Auf Basis von Ein- und Austragungen in die Handwerkskammerverzeichnisse von sechs Handwerkskammern für den Zeitraum von Januar 2007 bis Mai 2020 untersuchte das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) die Betriebsdynamik und Resilienz des Handwerks. Folgende zentrale Erkenntnisse konnten die Forscher vermelden:

  • Im April zeigte sich ein erheblicher Effekt der Coronavirus-Krise: Im Vergleich zum April 2019 sinken die Gründungen um 23 %.

    - Von den Rückgängen bei den Gründungen sind in erster Linie das Ausbaugewerbe (-35 %) sowie die Handwerke für den privaten Bedarf (-24 %) betroffen.

    - Beim Ausbaugewerbe ist von einer Überlagerung mit den Effekten der Rückvermeisterung auszugehen.

    - Im Lebensmittelgewerbe (-54 %) und Kraftfahrzeuggewerbe (-26 %) sinken die Eintragungszahlen ebenfalls deutlich, allerdings sind hier die Ergebnisse aufgrund der geringen Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren.

    - Die Rückgänge im Gründungsgeschehen betreffen das zulassungspflichtige Handwerk stärker.

  • Die Austragungen sinken im Vergleich zum April 2019 um 54 %, wobei alle Gewerbegruppen betroffen sind.
Grund für die ausbleibenden Gründungen sind, so vermutet es das ifh Göttingen, die unklaren Zukunftserwartungen potenzieller Gründer. Als Gründe für die sinkenden Abmeldungszahlen seien die weitreichenden Stützungsmaßnahmen von Bundes- und Landesregierungen im Verbund mit Kurzarbeitergeld und Aufhebung der Insolvenzantragspflicht zu sehen. Im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 zeigte sich damals laut der Forscher des Deutschen Handwerksinstituts e.V. kein vergleichbarer Einfluss auf Gründungen und Betriebsaufgaben im Handwerk.

Konjunkturpaket: 130 Milliarden Euro gegen die Corona-Folgen

Welche Maßnahmen enthält das 130-Milliarden-Euro schwere Konjunkturprogramm zur Bekämpfung der Coronavirus-Krise?

Das Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket der Bundesregierung hat zwei Zielrichtungen: Es soll einerseits die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise mildern und es soll andererseits einen innovativen Modernisierungsschub und die Beseitigung bestehender Defizite finanzieren. Die Bundesregierung hat ihre Konjunktur- und Krisenmaßnahmen dabei in vier Pakete gegliedert. Sie heißen: "Konjunktur und Wirtschaft stärken", "Wirtschaftliche und soziale Härten abfedern", "Länder- und Kommunen stärken" und "Junge Menschen und Familien unterstützen". Im Detail stellen wir die Pakete im Beitrag "Konjunkturprogramm: So werden die 130 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Corona-Folgen eingesetzt" vor. Zusätzlich gibt es ein Zukunftspaket, aus dem wir an gleicher Stelle die wichtigsten Maßnahmen für Handwerksunternehmer und ihre Familien vorstellen (handwerk-magazin.de/corona-konjunkturpaket).

GEMA: Keine Gebühren für geschlossene Betriebe

Müssen coronabedingt geschlossene Handwerksbetriebe weiterhin GEMA-Gebühren zahlen?

Betriebe, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie schließen mussten, müssen für den betroffenen Zeitraum keine GEMA-Gebühren zahlen. Während dieser Zeit ruhen alle Monats-, Quartals- und Jahresverträge. Die Vergütungen entfallen. Ein Nachweis über die Schließung ist laut Experten der ARAG Versicherung nicht nötig. Bereits gezahlte Pauschalen für den Zeitraum der behördlichen Schließung ab dem 16. März 2020 werden daher von der GEMA gutgeschrieben. Auch Beträge, die die GEMA bereits im März für April abgebucht hatte, sollen schnellstmöglich wieder gutgeschrieben werden. Die nächste Abbuchung erfolgt frühestens 14 Tage nach Aufhebung der Schließung durch die Behörden.

Falls Sie vor dem Corona-Lockdown eine Veranstaltung angemeldet hatten, müssen Sie sich ebenfalls erst einmal um nichts kümmern: Die GEMA storniert Veranstaltungen ab dem 16. März bis zur Aufhebung des behördlichen Veranstaltungsverbotes automatisch. Sollten Sie noch einen weiteren Veranstaltungsausfall haben, können sie das unter kontakt@gema.de melden. Stornogebühren werden nicht erhoben.

Prognose: Baugewerbe rechnet mit deutlichem Umsatzrückgang

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die deutsche Bauwirtschaft aus?

Die Pressemitteilung zur Umsatzprognose des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) für 2020 vom 18. Mai beginnt ohne Umschweife gleich mit der schlechten Nachricht: "Wir können uns glücklich schätzen, wenn die Bauwirtschaft am Ende des Jahres denselben Umsatz wie 2019 erwirtschaftet hat, was real immer noch einen Rückgang von ca. 3 Prozent bedeuten würde. Wenn es schlechter läuft, können es auch nominal -2 Prozent bzw. real -5 Prozent werden," so die Einschätzung von Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Seine Begründung: "Aus verschiedenen Umfragen ist erkennbar, dass bereits sehr früh Aufträge in deutlichem Umfang storniert wurden. Im zweiten Halbjahr 2020 wird mit einer weiter nachlassenden Ordertätigkeit gerechnet." Weiter führt der ZDB als Begründung den Rückgang in Branchen an, von denen der Bau im vergangenen Jahr getragen wurde – vor allem die Branchen Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungen hätten in der Sparte Wirtschaftsbau für ein Minus von 3,5 Prozent bzw. real von ca. 7 Prozent gesorgt. Auch die öffentliche Hand leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Der Ausfall an Steuern beträgt laut aktueller Steuerschätzung 100 Milliarden Euro. Besonders hart trifft das die Kommunen, die neben Steuerausfällen auch höhere Sozialabgaben zu verkraften haben. Gleichzeitig seien die Kommunen aber mit einem Anteil von 60 Prozent der wichtigste Auftraggeber öffentlicher Bauinvestitionen. "Wir unterstützen die Forderung des Städtetags nach einem kommunalen Rettungsschirm, um die Handlungsfähigkeit der Kommune aufrechtzuerhalten. Denn der Sanierungsstau in der öffentlichen Infrastruktur ist weiterhin immens", so Pakleppa.

Der Lichtblick: Für den Wohnungsbau rechnet das Baugewerbe mit einem Umsatzplus (nominal) von 3 Prozent. Stützend wirke hier der auch in den letzten Jahren nicht abgebaute Bedarf an Wohnungen. Die Nachfrage sei in dieser Bausparte nachhaltiger. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden hier laut ZDB wohl eher temporär sein. Auf der anderen Seite bremse die Situation am Arbeitsmarkt die Investitionsbereitschaft privater Eigenheimbauer: "Wer von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen ist, wird nicht eine eigene Immobilie investieren", erläuterte Pakleppa. "Das haben die unmittelbar nach dem Lockdown erfolgten Auftragsstornierungen deutlich gezeigt."

Studie: Abstandsregeln sind einfach umzusetzen, Homeoffice und Online-Vertrieb dagegen schwer

Wie bewerten Unternehmer die Umsetzbarkeit der Coronavirus-Maßnahmen?
Bewertung der Umsetzbarkeit der Corona-Schutzmaßnahmen

Wie gut die Umsetzung der Coronavirus-Maßnahmen im Betrieb funktioniert, zeigen die ersten Ergebnisse des "IW-Covid-19-Panels", einer neuen Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der IW Consult, in der die befragten Unternehmen anhand einer Skala von null bis zehn schätzen sollten, wie leicht ihnen die Schutzmaßnahmen fallen. Null bedeutet, die Maßnahmen sind faktisch nicht möglich. Zehn heißt, sie sind sehr einfach möglich.

Das Ergebnis: Aus Sicht der Unternehmen lassen sich die Abstandsregeln für Kunden und Mitarbeiter verhältnismäßig einfach umsetzen. Im Schnitt geben die Unternehmen den Abstandsregeln für Kunden die Note 6,6 – im Umgang mit Mitarbeitern den Wert sechs. Auch den Arbeitsplatz zu desinfizieren, fällt vielen nicht schwer. Dies signalisiert ein Durchschnittswert von knapp sechs Punkten. Ein gemischtes Bild ergibt sich bei der Bereitstellung von Schutzkleidung und Masken. Hier halten sich die Anteile der Unternehmen mit einer positiven und einer skeptischen Einschätzung die Waage. Gleiches gilt für rotierende Präsenzzeiten. In beiden Fällen beträgt der Durchschnittswert rund fünf Punkte. Probleme bereitet dagegen das Arbeiten aus dem Homeoffice, der derzeit wohl prominentesten Corona-Maßnahme neben der Kurzarbeit. Nur 15 Prozent der befragten Firmen finden, dass Homeoffice bei ihnen einfach umsetzbar ist. Zudem berichten nur acht Prozent der Unternehmen von einem einfach umzusetzenden Online-Vertrieb. Im Mittel bewerten die Unternehmen diese Maßnahme nur mit rund zwei von zehn Punkten. Mit Klick auf das Bild finden Sie die Ergebnisse übersichtlich als Grafik aufbereitet.

Maßnahmenpaket für Start-ups steht

Wie profitieren Start-ups von den Hilfen des Bundes? Sind Förderungen kombinierbar mit Maßnahmen aus dem Corona-Hilfspaket?

2 Milliarden Euro stehen ab sofort für Start-ups in der Corona-Krise bereit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium der Finanzen haben in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der KfW Capital die Details des Pakets ausgearbeitet.

Die Bundesregierung ergänzt damit bestehende Unterstützungsprogramme um ein Maßnahmenpaket, das speziell auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnitten ist. Start-ups haben darüber hinaus grundsätzlich auch Zugang zu allen Unterstützungsmaßnahmen des Corona-Hilfspakets. Jedoch passen klassische Kreditinstrumente häufig nicht auf die Bedürfnisse junger Start-ups.

Das Maßnahmenpaket umfasst folgende Elemente, die schrittweise umgesetzt werden:

  • Öffentlichen Wagniskapitalinvestoren auf Dachfonds- und auf Fondsebene (zum Beispiel KfW Capital, Europäischer Investitionsfonds, High-Tech Gründerfonds, coparion) sollen kurzfristig zusätzliche öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, die im Rahmen der Ko-Investition zusammen mit privaten Investoren für Finanzierungsrunden von Start-ups eingesetzt werden können.

  • Die Dachfondsinvestoren KfW Capital und Europäischer Investitionsfonds (EIF) sollen perspektivisch mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln in die Lage versetzt werden, Anteile von ausfallenden Fondsinvestoren zu übernehmen.

  • Für junge Start-ups ohne Wagniskapitalgeber im Gesellschafterkreis und kleine Mittelständler soll die Finanzierung mit Wagniskapital und Eigenkapital-ersetzenden Finanzierungsformen erleichtert werden. Hierzu wird es eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern geben, unter anderem über die Zusammenarbeit mit Landesgesellschaften.

Parallel zur Umsetzung des Maßnahmenpakets stimmt die Bundesregierung weiter die Ausgestaltung des Zukunftsfonds für Start-ups ab, der mittelfristig den Weg aus der Krise unterstützen soll.

Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: "Es geht darum, junge, innovative Unternehmen gut durch die Corona-Krise zu bringen. Wir brauchen die neuen und kreativen Ideen der Start-ups und der jungen Technologieunternehmen, um nach der Krise wieder voll durchzustarten.“

Gefördert werden sollen gezielt Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell.

Positiver Corona-Effekt: MyHammer meldet stark steigende Auftragszahlen

Brechen für Handwerksbetriebe aufgrund der Coronavirus-Krise zwangsläufig Aufträge weg?

Durch die Coronavirus-Pandemie ist auch das Bau- und Ausbauhandwerk in der Krise. So bislang die weitläufige Meinung. Die neuesten Zahlen des Auftragsportals MyHammer sprechen dagegen eine ganz andere Sprache: Nach einem Rückgang im März stabilisierten sich laut einer Pressemitteilung die Zahlen und es konnte eine deutliche Steigung von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet werden. Gegenüber dem Monat März bedeutet das einen Zuwachs an Ausschreibungen um 21 Prozent.

Besonders gefragt sind laut Angaben von MyHammer Erdbau- und Baggerunternehmen mit einer Steigung an Ausschreibungen von 100 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch die Ausschreibungen für Dachdecker stiegen im Jahresvergleich stark um 50 Prozent an. Genauso wie auch die Ausschreibungen im Bereich Pflasterarbeiten, die im April 35 Prozent über dem Vormonatsniveau lagen. Der Wermutstropfen: Allgemein waren eher Leistungen gefragt, die sich im kleinen Kostenrahmen von 200 bis 1.500 Euro bewegen. "Viele Privatpersonen verbringen momentan mehr Zeit Zuhause. Nachdem sie sich langsam in die neue Situation eingewöhnt haben, rücken Arbeiten im Innenbereich oder am Haus in den Fokus", erklärt Claudia Frese, CEO von MyHammer. "Unsere Zahlen legen außerdem nahe, dass die Digitalisierung im Zuge der Corona-Krise in Deutschland einen Schub erlebt. Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzt und Verbraucher vermehrt online nach Dienstleistungen suchen."

Weitere Liquiditätshilfen für Unternehmer

Wie kann mein kleines oder mittleres Unternehmen von weiteren Steuer-Vorteilen profitieren?

Der Koalitionsausschuss beschloss weitere Liquiditätshilfen für KMU: Demnach können kleine und mittlere Betriebe, die durch die Corona-Krise in diesem Jahr mit einem Verlust rechnen, neben den bereits für 2020 geleisteten Vorauszahlungen auch die Erstattung für 2019 gezahlte Steuern bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen. Die Möglichkeit gibt es ab sofort, Details regelt ein aktuelles BMF-Schreiben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Wir zahlen Kurzarbeitergeld, geben Kredite und stunden Steuerzahlungen. Zusätzlich ermöglichen wir jetzt einen pauschalierten Vorschuss auf den Verlustrücktrag. Diese Liquiditätshilfe unterstützt Unternehmen schnell und unbürokratisch.“

Da für 2020 zu erwartende Verluste durch die Corona-Krise nur schwer zu bestimmen sind, sollen die erforderlichen Nachweise für die Verwaltung wegfallen. Betroffene Steuerpflichtige mit Gewinn- und Vermietungseinkünften können die nachträgliche Herabsetzung der Vorauszahlungen zur Einkommen- oder Körperschaftsteuer für 2019 jetzt auf der Grundlage eines pauschal ermittelten Verlustrücktrags (§ 10d Absatz 1 Satz 1 EStG) beantragen. Von einer Betroffenheit geht die Finanzverwaltung dann aus, wenn die Vorauszahlungen für 2020 bereits auf null Euro herabgesetzt wurden.

Vorauszahlungen, die für 2020 bereits geleistet wurden, können zurück gefordert werden, überdies 15 Prozent der Vorauszahlungen für 2019. Die Steuererstattung kann maximal 150.000 Euro bzw. 300.000 Euro bei Zusammenveranlagung umfassen. Umsonst sind diese Hilfen nicht: Wenn es dem Unternehmen wieder besser geht und es wider Erwarten im Jahr 2020 doch Gewinn erzielt, sind die Hilfen zurückzubezahlen - solange das Unternehmen Verluste ausweist aber nicht. Die Verrechnung nimmt die Finanzbehörde mit der Einkommensteuererklärung für 2020 vor, die erst 2021/2022 eingereicht wird. So sollen Unternehmen Zeit gewinnen für die Überwindung der Krise.

Im Zahlenbeispiel: Angenommen, ein Unternehmen hat für das Jahr 2019 Steuervorauszahlungen zur Einkommensteuer in Höhe von 24.000 Euro entrichtet. Der für 2019 erwartete Gewinn beträgt 80.000 Euro. Für 2020 wurden auf dieser Grundlage Vorauszahlungen in Höhe von 6.000 Euro je Quartal festgesetzt. Die Zahlung für das erste Quartal wurde zum Fälligkeitstermin am 10. März 2020 geleistet. Der Unternehmer beantragt bedingt durch die Corona-Krise eine Herabsetzung seiner Vorauszahlungen für 2020 auf null Euro, das Finanzamt erstattet die bereits geleisteten Vorauszahlungen von 6.000 Euro. Zusätzlich beantragt der Chef mit Blick auf den erwarteten Verlust für 2020 die Rückzahlung in Höhe von 15 Prozent der Vorauszahlung des Vorjahres, also von 3.600 Euro (15 Prozent von 24.000 Euro). Insgesamt bekommt der Unternehmer 9.600 Euro ausbezahlt - 6.000 Euro Vorauszahlung für das erste Quartal 2020 und 3.600 Euro aus dem Verlustrücktrag.   

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), wertete den Koalitionsbeschluss durchweg positiv: „Mit der Entscheidung, dass Betriebe bereits jetzt absehbare Verluste geltend machen können, tragen Bund und Länder in besonderer Weise dem Faktor Zeit Rechnung, weil dadurch Betrieben schnell weitere Liquidität zur Verfügung steht.“ Allerdings gab er zu bedenken, dass die Einschränkung der Anwendung auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht sachgerecht sei. Denn auch größere Unternehmen seien derzeit massiv von Liquiditätssorgen betroffen.

Handwerker-Notdienste

Wie kann ich meinen Kunden weiterhin einen Notdienst anbieten – und darf ich dafür einen "Corona-Zuschlag" verlangen?

Einige Handwerksunternehmer denken in Sachen Notdienst-Aktivitäten darüber nach, die Preise zu erhöhen oder einen "Corona-Notdienstzuschlag" zu verlangen, um ausbleibende Aufträge zu kompensieren. Dies ist allerdings nicht erlaubt. Lediglich die Kosten für zusätzlichen Aufwand und für Materialien dürfen dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Der Handwerksvermittler Mellon hat für Handwerker-Notdienste einen Leitfaden entwickelt, an dem Sie sich orientieren können. Die wichtigsten zwei Punkte lesen Sie hier:

  1. Darf ich als Notdienst überhaupt noch rausfahren?
    Grundsätzlich dürfen dringend erforderliche, nicht verschiebbare Handwerksarbeiten fortgeführt werden. Körpernahe Handwerkstätigkeiten, bei denen der Mindestabstand zum Kunden nicht eingehalten werden kann, sind jedoch bis auf weiteres untersagt. So dürfte beispielsweise ein Schlüsseldienst weiter Türen öffnen oder ein Rohrbruch dürfte repariert werden. Der Zentralverband des deutschen Handwerks ergänzt, dass Handwerker auch nach den neuesten Bestimmungen der Bundes- und Landesregierung Handwerker weiterhin gewerblich tätig sein dürfen – gegebenenfalls auch unter Ergreifen von Schutzvorkehrungen, um sich und andere nicht zu infizieren. Dies gelte auch, wenn ein Kontaktverbot oder eine Ausgangssperre verhängt wurde. Im letztgenannten Fall sollte ein Betriebsinhaber seinen Mitarbeitern eine entsprechende “Bescheinigung zur Vorlage bei einer Ausgangssperre” ausstellen. Eine Vorlage finden Sie etwas weiter unten hier im Beitrag.
  2. Darf ich jetzt mehr Geld für meine Notdienst-Arbeit verlangen?
    Höhere Preise dürfen grundsätzlich nicht verlangt werden. Ein "Corona-Notdienstzuschlag" ist nicht erlaubt. Wenn der Kunde allerdings an Covid-19 erkrankt oder ein Risikofall ist, weshalb besondere Vorkehrungen getroffen werden müssen (zum Beispiel spezielle Schutzkleidung getragen werden muss), dürfen Sie Ihrem Kunden dies in Rechnung stellen. Das sollte aber vor Leistungserbringung kommuniziert werden.

Steuerstundung und Erleichterungen bei der Sozialversicherung

Wie gehen Handwerker in diesen Zeiten am besten mit dem Finanzamt und Sozialversicherungsträgern um?

Betriebe können ihre Steuern stunden und Vorauszahlungen senken, um die Liquidität zu sichern. Stunden lassen sich die Nachzahlung von Einkommensteuer, Gewerbe- oder Körpferschaftssteuer. Allerdings handelt es sich nur um eine vorläufige Erleichterung, der Staat fordert die Steuern lediglich zu einem späteren Zeitpunkt ein. Das Bundesfinanzministerium listet alle Möglichkeiten steuerlicher Erleichterungen in der Corona-Krise in einem FAQ (häufig gestellte Fragen und Antworten) auf.

Ecovis-Steuerberaterin Anja Hausmann in Rostock: " Mit ihrem Steuerbescheid erhalten Betriebe eine Zahlungssaufforderung. Diese Zahlungsaufforderung lässt sich aktuell jederzeit stunden. Zusätzlicher Vorteil: Momentan muss man keine Zinsen für die Stundung bezahlen.Hausmann: „Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem Finanzamt Ratenzahlungen zu vereinbaren.“

Anders ist die Regelung bei der Herabsetzung von Vorauszahlungen. Die Vorauszahlungen berechnet das Finanzamt auf Basis des Vorjahresgewinns. Die Umsatzeinbußen 2020 sollten Unternehmer zusammen mit ihrem Steuerberater realistisch schätzen. „Von einer Herabsetzung auf null rate ich dringend ab“, sagt Hausmann, falls sich der Umsatz dann doch anders entwickeln sollte. Unternehmer können ihre Vorauszahlungen rückwirkend zum 10. März 2020 senken lassen und bekommen dann tatsächlich Geld aus ihren eigenen Vorauszahlungen zurück. „Aber auch hier gilt: Bei der Steuererklärung wird abgerechnet“, sagt die Steuerberaterin, „haben Unternehmer gut geschätzt, müssen sie nichts nachzahlen. Waren sie zu pessimistisch, dann kommt auf jeden Fall eine Nachzahlung auf sie zu.“

Das BMF-Schreiben zur Verlängerung der Abgabefrist der Lohnsteueranmeldungen während der Corona-Krise lesen Sie hier.

Beiträge zur Berufsgenossenschaft

Was können Betriebe tun, um die Zahlung der in diesen Monaten fälligen Beiträge zur Berufsgenossenschaft (BG) zu verschieben?

Kaum Umsätze und dann kommt jetzt noch der Beitragsbescheid der Berufsgenossenschaft? Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gestern mitteilte können Unternehmen, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, Erleichterungen bei den Beitragszahlungen beantragen. Wie diese genau aussehen, ist von BG zu BG verschieden, hier die Maßnahmen im Überblick.

BG Bau
Betriebe können formlos eine Stundung der Beiträge beantragen, die Beitragsabteilungen sind nach Aussage von BG Bau-Chef Klaus-Richard Bergemann angewiesen, „den Anträgen einfach und unbürokratisch nachzukommen. Anträge sind über die Servicehotline 0800/3799100 oder per Mail an die jeweils zuständige BG möglich.
Region Nord: mbn@bgbau.de
Region Mitte: mbm@bgbau.de
Region Süd: mbs@bgbau.de

BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
Die BG ETEM will den gesetzlichen Rahmen für die Stundung der Beiträge ausschöpfen um ungewöhnliche Härten abzufedern. Anträge auf Stundung sollen die Mitgliedsnummer enthalten und können formlos per Mail an ba.koeln@bgetem.de geschickt werden. Fragen werden unter der Service-Nummer 0221/3778-1800 geklärt.

BG Holz und Metall
Unternehmer in Liquiditätsschwierigkeiten können bei der BGHM unbürokratisch eine Zahlungserleichterung im Rahmen einer Stundung oder einer Ratenzahlung für die am 15. Mai 2020 fällig werdenden Beiträge beantragen. Entweder per Mail an service@bghm.de oder über die Servicehotline 0800/99900801

BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Die BGW will mit einer Verschiebung der am 15. Mai fälligen Beiträge auf den 15. Juni die Betriebe entlasten. Länger, so die BGW in ihrem Statement, werde sie es nicht schaffen, die Leistungsausgaben vorzufinanzieren. Betriebe sollten aber zunächst den Erhalt der Rechnung abwarten, bis dahin gibt es dann von der BGW neue Informationen zu Stundung- oder Ratenzahlung.

BG Handel und Warenlogistik
BGHW-Vorstand Udo Schöpf hat angekündigt, kleineren Unternehmen den Beitrag zinsfrei bis zum 15. Dezember 2020 zu stunden. Für größere Unternehmen soll es auf Antrag eine Stundung von 50 Prozent der Beitragszahlung geben, der Restbetrag kann dann in monatlichen Raten bis zum 15. Dezember 2020 beglichen werden. Was für jeden Betrieb im Einzelfall möglich ist, wird in einem Beiblatt zum Beitragsbescheid erklärt, beides erhalten die Unternehmen Mitte April.

BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe
Für Forderungen, die aus den Beitragsraten vom 15. März und vom 15. Juni 2020 entstehen können Unternehmer eine zinsfreie Beitragsstundung bei der BGN beantragen. Das geht formlos über das Servicecenter per Telefon 0621/4456-1581 oder Mail: beitrag@bgn.de

Falschmeldungen

Woran erkenne ich Falschmeldungen – und wie sensibilisiere ich meine Mitarbeiter?

In sozialen Netzwerken verbreiten sich Meldungen sogar noch schneller als ein Virus. So werden leider auch Fake News allzu schnell viel zu oft geteilt und geliked und sind kaum mehr zu stoppen. Dabei gibt es nach Angaben der Social-Media-Experten der ARAG Versicherung  eindeutige Hinweise, die auf eine Falschmeldung schließen lassen: Zum einen bieten viele Plattformen wie etwa Instagram, Twitter, Facebook und Co. die Möglichkeit, sein Profil zu verifizieren, also die Echtheit und Seriosität des Profils zu bestätigen. Erkennbar ist das beispielsweise bei Instagram an einem b lauen Haken hinter dem Accountnamen. Zum anderen ist bei gefakten Profilen oft ein Kommentar zum Post gar nicht möglich. Auch Kettenbriefe sind Panikmacher: Wenn wir etwas vermeintlich Neues oder Schockierendes lesen, ist die Nachricht über Messengerdienste wie WhatsApp schnell kopiert und weitergeleitet. Wie ein Schneeballsystem breitet sich nun die Nachricht aus. Kettenbriefe sind vor allem daran zu erkennen, dass sie dazu auffordern, die Nachricht an beispielsweise zehn weitere Personen zu schicken und sogar zu drohen, wenn man es denn nicht tut. In Zeiten von Corona schürt der unbedachte Umgang mit solchen dubiosen Massenbotschaften unnötig die Angst vor dem Virus.

Achtung: Gefakte Webseiten zur Soforthilfe online! 
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnt aktuell vor Webseiten, auf denen in Bedrängnis geratene Unternehmen aufgefordert werden, das dortige Formular mit Daten zu befüllen und anschließend hochzuladen. Teilweise wurden Unternehmen gezielt telefonisch kontaktiert und explizit auf die entsprechende Seite im Internet hingewiesen. Der Anrufer gab sich dabei als Angehöriger der einzig offiziellen Stelle zur Abwicklung der Soforthilfe aus. Die Polizei warnt eindringlich davor, persönliche und Unternehmensdaten auf solchen Fake-Seiten im Internet preiszugeben. "Nutzen Sie für die Stellung der Anträge auf Soforthilfe ausschließlich die Internetseiten von offiziellen Landesstellen" so der Sprecher des LKA Baden-Württemberg.

Und wie sensibilisiere ich als Handwerksunternehmer dafür nicht nur mich, sondern auch meine Mitarbeiter? Am besten fordern Sie ihre Belegschaft dazu auf, immer einen Blick auf die Quelle der Nachricht zu werfen. Dann erkennen die Meisten schnell, ob sie verlässlich ist oder nicht. Am sichersten im Fall von Corona sind sicherlich offizielle Stellen. Nachfolgend vier Links, die zur verlässlichen Information dienen:

Hygienemaßnahmen

Welche Schutzvorkehrungen sollten Handwerker im Betrieb treffen?

Aktuell lautet die Empfehlung an alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, Sozialkontakte möglichst einzuschränken oder ganz zu vermeiden. Das gilt natürlich auch im Betrieb. Die Handwerkskammer Magdeburg empfiehlt, jetzt betriebliche Vorsorge- oder Notfallpläne zu erarbeiten. So seien Mitarbeiter über die Entstehung und die Symptome der Infektion zu informieren sowie über die zu treffenden Hygienemaßnahmen im Betrieb:

  • Hände häufig und gründlich waschen.

  • FFP2-Masken oder ähnliche medizinische Masken tragen.


     
  • Bereitstellen und Nutzen von Desinfektionsmitteln.


     
  • Unterlassen des Händeschüttelns zur Begrüßung.


     
  • Das Fernhalten der Hände aus dem Gesicht.


     
  • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.


     
  • regelmäßiges Lüften geschlossener Räume.


     
  • regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Arbeitsstätten, Computertastaturen und Maschinen, die häufig und von vielen Mitarbeitern genutzt werden.
Darüber hinaus müssten jetzt Geschäftsabläufe neu gedacht werden, etwa wenn Mitarbeiter ausfallen, insbesondere seien Vertretungsregelungen zu treffen. Es seien Heim- und Telearbeitsplätze einzurichten, auch Telefon-/Videokonferenzen sind demnach zu empfehlen statt persönlicher Besprechungen. Der Arbeitgeber ist im Übrigen berechtigt, den Arbeitnehmer zu fragen, ob er auf Reisen in einem gefährdeten Gebiet war. Die Anordnung einer betriebsärztlichen Untersuchung durch den Handwerkerchef ist grundsätzlich möglich. Auch ist der Mitarbeiter verpflichtet, seinen Chef zu informieren, wenn er in den letzten 14 Tagen mit infizierten und/oder mit Personen in Kontakt stand, die unter Infektionsverdacht stehen bzw. in gefährdeten Gebieten waren. Empfehlenswert sei darüber hinaus, auch jetzt noch Grippeschutzimpfungen durchzuführen.

Arbeitsschutzvorschriften

Wo gibt es Erleichterungen und welche Regeln werden derzeit ausgesetzt?

Vorschriften zur Arbeitssicherheit werden durch eine Pandemie nicht außer Kraft gesetzt und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist aktueller denn je. Doch einige Vorgaben werden vorübergehend ausgesetzt.

  • Einsatz von Berufskraftfahrern: 
    Der Ausfall von Weiterbildungsterminen trifft auch Berufskraftfahrer. Um die Versorgungs- und Beförderungsketten zu gewährleisten, gelten derzeit folgende Erleichterungen: Fahrerlaubnisse der Klassen C und D (mit Unterklassen) können um ein Jahr verlängert werden, auch wenn die laut Fahrerlaubnisverordnung notwendigen ärztlichen Bescheinigungen (Sehtest, Eignungstest) noch fehlen. Die Schlüsselzahl 95 gemäß Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQV) wird auch ohne Vorlage aller erforderlichen Weiterbildungsbescheinigungen für ein Jahr zuerkannt. Bei Notlage eines Unternehmens ist der Eintrag der Schlüsselzahl 95 auch ohne Nachweis der Grundqualifikation möglich. Die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben derartige Regelungen erlassen, voraussichtlich werden die anderen Länder folgen. Auch das Bundesamt für den Güterverkehr (BAG) hat angekündigt, beim Straßenkontrolldienst derzeit auf Beanstandungen zu verzichten, wenn Fahrer ohne gültige Berufskraftfahrerqualifikation eingesetzt werden.
  • Kulanz bei Ersthelferausbildung:
    Die für die Fortbildung betrieblicher Ersthelfer vorgesehenen Zeitabstände von zwei Jahren sind derzeit nicht zu halten. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat angekündigt, dass Berufsgenossenschaften und Unfallkassen Kulanz zeigen, wenn Fristen aufgrund abgesagter Ersthelfer-Kurse überschritten werden. Bis zunächst 30. April 2020 sollen Mitarbeiter weder an Aus- noch an Fortbildungen zum Ersthelfer teilnehmen.
  • Aktuelle Infos zum Mutterschutz:
    Das Regierungspräsidium Baden-Württemberg fasst in einem Infoblatt zusammen, was Arbeitgeber bei Beschäftigung schwangerer Frauen im Hinblick auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus wissen müssen. Bislang ist weder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf noch eine Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind bekannt. Gleichwohl muss der Arbeitgeber eine unverantwortbare Gefährdung der Schwangeren durch ein erhöhtes Infektionsrisiko verhindern. Dieses höhere Risiko besteht etwa bei vermehrten Personenkontakt, etwa an Kassenarbeitsplätzen im Lebensmittel-Einzelhandel oder Bäckereien. In der derzeitigen Situation kann eine schwangere Frau an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr beschäftigt werden.
  • Arbeitsmedizinische Beratung:
    Gemäß Verordnung für die arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbMedVV) gelten im Pandemiefall für die arbeitsmedizinische Vorsorge dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie für jede Arztpraxis. Die BAuA weist auf die pragmatische Lösung hin, in einer Notsituation notwendige arbeitsmedizinische Vorsorgen telefonisch durchzuführen.
  • Arbeitnehmerüberlassung auch ohne Erlaubnis:
    Wer seine Mitarbeiter anderen Unternehmen überlassen will, die in der Corona-Krise dringend Arbeitskräfte suchen (Landwirtschaft, Gesundheitswesen), darf dies ausnahmsweise auch ohne eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung nach dem AÜG tun. Voraussetzung hierfür ist, dass die Mitarbeiter zustimmen und die Überlassung zeitlich auf die aktuelle Krisensituation begrenzt bleibt. (BAuA, letzter Abschnitt unten auf der Seite)
Welche besonderen Schutzvorschriften gelten für Handwerker im Kundendienst?

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empiehlt neben den grundsätzlichen Schutzmaßnahmen, wie das Abstandhalten von anderen Personen (mindestens 1,5 Meter) und Einhaltung von Hygieneregeln (Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder Taschentuch, regelmäßige Händereinigung, nicht an Mund, Nase und Augen fassen) für Handwerker im Kundendienst die folgenden weitergehenden Schutzmaßnahmen:

  • Vor Antritt des Termins abklären, ob sich am Arbeitsort eine Person in angeordneter häuslicher Isolierung befindet. Ein Arbeitseinsatz ist dann nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt und in begründeten Notfällen unter den vom Gesundheitsamt angeordneten Auflagen vertretbar.
  • Beschäftigte, die Atemwegsinfektionen oder Fieber zeigen, sollten der Arbeit fernbleiben.
  • Unterweisung zu grundlegenden Hygieneregeln (Abstand halten, Begrüßung ohne Handschlag, Husten/Niesen in die Armbeuge, regelmäßige Händereinigung, Berühren des Gesichts vermeiden etc.)
  • Für den Weg zum Kunden vorzugsweise Individualverkehr nutzen, wenn möglich Einzelfahrten. Bei Sammelfahrten mit Firmenfahrzeugen sollte die Anzahl der Personen im Fahrzeug möglichst durch parallele Nutzung von Privatfahrzeugen reduziert werden.
  • Direkte Kundenkontakte auf ein Mindestmaß reduzieren, dabei immer Abstand halten (mindestens 1,5 Meter). Auf eine Gegenzeichnung von Dokumenten z.B. Stunden-nachweisen; Regieberichten durch den Auftraggeber sollte verzichtet werden.
  • Direkte, enge Zusammenarbeit von Beschäftigten vermeiden, auch hier möglichst Abstand voneinander halten (mindestens 1,5 Meter).
  • Personalwechsel innerhalb der Teams zur Vermeidung zusätzlicher persönlicher Kontakte möglichst vermeiden.
  • Pausen so organisieren, dass ein Mindestabstand zwischen den Beschäftigten (mindestens 1,5 Meter) eingehalten werden kann, zum Beispiel durch Pausenmöglichkeit im Freien, versetzte Pausenzeiten.
  • Arbeiten so organisieren, dass in kleineren Räumen möglichst nur eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter arbeitet.
  • Arbeitsbereiche regelmäßig lüften.
  • Die gründliche Reinigung der Hände (mindestens 20 Sekunden) ist vor der Nahrungsaufnahme und nach dem Toilettengang zwingend und sollte auch vor dem Verlassen des Arbeitsortes nach Beendigung der Arbeiten vorgenommen werden.
  • Auch wenn in den meisten Fällen Seife und Handtücher vor Ort vorhanden sind, kann das Mitführen von sauberen Papierhandtüchern und Seife sinnvoll sein. Sollten keine Waschmöglichkeiten vorhanden sein, ist die Mitnahme von Händedesinfektionsmitteln eine Alternative.
Für welche Branchen und Gewerke gibt es Handlungsempfehlungen? Wo finde ich Schulungsmaterialien, um online zu unterweisen statt vor Ort?

Wo ein Arbeiten im Homeoffice nicht möglich ist, tauchen viele Fragen zur Verminderung der Ansteckungsgefahr auf. Doch Sicherheitsunterweisungen vor Ort werden durch die Hygienemaßnahmen erschwert oder müssen verschoben werden. Daher werden immer mehr Handlungshilfen und Lösungen digital angeboten, damit Arbeitsschutzschulungen online stattfinden können. Nachfolgend einige für das Handwerk relevante Informations- und Schulungsangebote:

  • Lernmodule zum Arbeitsschutz der BG ETEM, sind nun für alle Branchen frei verfügbar, etwa zu Elektrotechnik, Gefahrstoffen, Hautschutz und anderen Themen.
  • Handlungshilfen zu den unterschiedlichsten Branchen und Tätigkeiten - von Bau über Werbetechnik bis hin zu Kfz.-Werkstätten und Wäschereien - gibt es auf der Website der BG ETEM

Umgang mit Verträgen

Was sollte ein Handwerksbetrieb tun, der seine Vertragsleistung nicht erfüllen kann, weil er infolge der Coronakrise mit Personalmangel oder Lieferengpässen zu kämpfen hat?

Mitarbeiter sind in Quarantäne, die Materiallieferung bleibt aus: „Informieren Sie frühzeitig und schriftlich Ihren Vertragspartner darüber, dass Sie infolge der Coronakrise den Termin auf der Baustelle nicht halten können“, sagt Rechtsanwalt Dr. Claus Schmitz, Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein. „Handwerksbetriebe sollten die Gründe für den Zeitverzug präzise protokollieren und dokumentieren – und auch dem Vertragspartner mitteilen.“ Nachweise können beispielsweise behördliche Verfügungen über Quarantänemaßnahmen oder der Schriftverkehr mit dem Lieferanten sein.

Ob ein Handwerksbetrieb Verzugschadensersatz leisten oder eine Vertragsstrafe zahlen muss, weil er Termine nicht wie vereinbart eingehalten hat, hängt laut Schmitz zwar vom Einzelfall ab. „Aber wenn infolge des Coronavirus die Mitarbeiter in Quarantäne müssen oder die Lieferkette unterbrochen ist und daher Material fehlt, ist das kein Verschulden des Handwerkers. Und ohne Verschulden gibt es keinen Schadensersatzanspruch des Vertragspartners und auch keinen Anspruch auf Vertragsstrafe.“ Der Coronavirus kann jedoch nicht für Versäumnisse oder schlechte Planung eines Betriebes herhalten – etwa, wenn der Betrieb zu viele Aufträge gleichzeitig angenommen hat, obwohl er gar nicht über genügend Personal verfügt, um die Arbeiten fristgerecht zu erledigen. Oder wenn Materialien zu spät bestellt wurden und es dadurch zu Verzögerungen kommt. Wie Handwerker konkret mit Bauverträgen in der Corona-Krise umgehen, lesen Sie hier.

Einen ausführlichen Beitrag zum Umgang mit Bauverträgen in der Corona-Krise lesen Sie hier.

Digitale Meistervorbereitungskurse

Der Präsenzunterricht der Handwerkskammern und anderer Bildungsträger ist komplett eingestellt – wie kann ich mich jetzt auf die Meisterprüfung vorbereiten?

Ein Problem für alle, die gerade für die Meisterprüfung lernen: Ohne Präsenzunterricht ist eine erfolgreiche Prüfung wesentlich schwieriger geworden. Der Buchverlag von Holzmann Medien bietet angesichts dieser Situation ab sofort allen Handwerkskammern und Bildungsverantwortlichen insgesamt 65 digitale Lerneinheiten (Lernvideos) für Teil 3 der Meisterprüfung. Die 65 Lernvideos mit über 360 Minuten Laufzeit lassen sich laut Verlagsangaben problemlos auf die jeweiligen Online-Lernplattformen, wie zum Beispiel "ILIAS" aufschalten. Sie eigenen sich dadurch hervorragend zum Selbststudium oder zum Einsatz im Unterricht.

Bei Interesse am neuen digitalen Weiterbildungsangebot wenden Sie sich bitte per E-Mail an Achim Sacher (Achim.Sacher@holzmann-medien.de). Mehr Informationen zum MeisterTrainer von Holzmann Medien finden Sie hier.

Homeoffice

Welche Regelungen gelten im Homeoffice in Sachen Arbeitsschutz – und greift dort auch die gesetzliche Unfallversicherung?

Genau wie im Unternehmen gelten in einem Arbeitszimmer zu Hause das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Der Arbeitgeber muss also sicherstellen, dass Arbeitnehmer auch an ihrem Bildschirmarbeitsplatz zu Hause ihre Gesundheit nicht gefährden – und handelt ordnungswidrig, wenn er diese Vorschriften nicht einhält. Dazu sind auch Vertraulichkeitspflichten im Homeoffice ein sensibles Thema. Alle wichtigen Geschäftsunterlagen sollten von ihren Mitarbeitern vor dem Einblick durch Dritte geschützt sein. Mitarbeiter sind verpflichtet, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch zu Hause zu wahren.

Die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gilt laut Experten der ARAG Versicherung auch im Homeoffice. Dienstliche Tätigkeiten im Arbeitszimmer sind ebenso versichert wie der Weg in die Firma oder zum Kunden. Der Arbeitsweg beginnt übrigens erst an der Außentür des Wohngebäudes, wie das Sozialgericht Karlsruhe urteilte. Daher liegt kein so genannter Wegeunfall vor, wenn ein Mitarbeiter im Homeoffice in der eigenen Wohnung oder in einem anderen Stockwerk des Hauses arbeitet und dort auf dem Weg zum Schreibtisch verunglückt (SG Karlsruhe, Az.: S 4 U 675/10). Der Gang aus dem Arbeitszimmer zur Kaffeemaschine ist zu Hause ebenfalls nicht unfallversichert (SG München, Az.: S 40 U 227/18).

Überstunden

Darf der Handwerkerchef Überstunden anordnen, etwa wenn eine Filiale wegen eines Corona-Verdachts geschlossen wurde oder sich viele Mitarbeiter auf Anweisung des Gesundheitsamts in häuslicher Quarantäne befinden?

Arbeitnehmer sind in der Regel durch einen Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ihren Arbeitsvertrag zur Leistung von Überstunden verpflichtet. Das Bundesarbeitsministerium weist darauf hin, dass es auch eine Nebenpflicht zur Leistung von Überstunden geben kann, wenn dem Betrieb andernfalls Schaden droht. Dies träfe zu, wenn durch COVID-19-Erkrankungen viele Mitarbeiter ausfallen. Der Arbeitnehmer kann dann auf einer Grundvergütung der Überstunden bestehen, wenn die Überstunden vom Chef angeordnet wurden.

Kreditversicherungen helfen bei Forderungsausfällen

Welche Versicherungen helfen in der Corona-Krise?

Sogenannte Kreditversicherungen sorgen dafür, dass Unternehmen dauerhaft und nachhaltig wachsen – weil sie durch den Ausfall von Forderungen nicht aus der Bahn geraten. Eine Kreditversicherung hält die Zahlungsströme von Unternehmen aufrecht. Werden Kunden insolvent oder können über einen gewissen Zeitraum nicht zahlen, ersetzen Kreditversicherer die Forderungsausfälle, die im Betrieb für gelieferte Güter und Dienstleistungen entstanden sind.

Banken

Gibt es allgemeine Vorsorgemöglichkeiten, zum Beispiel im Umgang mit Banken?

Unternehmen, die Finanzierungs- und Liquiditätsvorsorge treffen, werden im Fall geplanter Investitionen in der Zukunft seltener in Schwierigkeiten geraten. Folgende konkrete Maßnahmen empfiehlt etwa das Kreditvermittlungsportal Compeon:

  • Unternehmer sollten Abhängigkeiten zu bestehenden Finanzpartnern reduzieren, indem sie ihren Bankenkreis nun konsequent erweitern. Benötigt der Betrieb Kapital, kann der Chef auf einer breiteren Basis anfragen.
  • Eigenkapital stärken, indem Gewinne thesauriert werden und das Working Capital optimiert wird. Zugleich prüfen Sie jetzt, inwieweit die Struktur der Sicherheiten bestehender Finanzierungen noch auf dem aktuellen Stand ist. Womöglich können Chefs freie Sicherheiten schaffen, die im Ernstfall herangezogen werden können.
  • Im Moment könnte es lohnend sein, Kredite mit kurzer Laufzeit in zinsgünstigere und langfristig angelegte Kreditlinien umstrukturieren.

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Vereinbarung zur Einführung von Kurzarbeit (PDF, 106 kB)

    Der Handwerkschef, der seine Mannschaft wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit schicken muss, sollte mit seinen Mitarbeitern eine Vereinbarung über Gründe und Dauer der Kurzarbeit treffen, die von beiden mehr...

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    Handwerksbetriebe, die durch die Corona-Krise ins Trudeln geraten, können jetzt gezielt gegensteuern, indem sie ihre Liquidität durch Sofortmaßnahmen verbessern. Nutzen: Die Checkliste lässt sich bequem mehr...

  • Corona Gefährdungsbeurteilung Bau (PDF, 283 kB)

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