Schutz vor Corona am Arbeitsplatz Virenschutz-Maßnahmen: Mit Stoßlüftung und CO2-App gegen die Infektionsgefahr in Innenräumen

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Im Winter ist die regelmäßige Raumlüftung ein wichtiger Aspekt bei der Senkung des Infektionsrisikos. Auch mobile Raumluftreiniger können präventiv zum Einsatz kommen. Jochen Appt, Leiter der Abteilung Sicherheit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erklärt, worauf bei der Nutzung zu achten ist.

Richtig Lüften gegen Pandemie
Als Faustregel für Innenräume gilt: stündlich über die gesamte Fensterfläche zwischen 3 Minuten (im Winter) und 10 Minuten (im Sommer) lüften. – © Yabresse – stock.adobe.com

Wie die Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Aerosolforschung herausgefunden haben, steigt das Infektionsrisiko selbst dann, wenn die infizierte Person den Raum bereits wieder verlassen hat, bevor eine andere Person ihn betritt. Denn während größere Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können die kleineren Aerosole – auch über längere Zeit – in der Luft schweben und sich im geschlossenen Raum verteilen. Regelmäßiges Stoßlüften ist dann besonders wichtig.

Lüften nicht vergessen: App berechnet optimale Frequenz

Richtig lüften in der Coronakrise
Mit einem Plakat will die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zeigen, wie Betriebe und Büros die Luft sauber und virenfrei halten können. – © DGUV

Die vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung   (IFA) und der Unfallkasse Hessen ( UKH) entwickelte CO2-App (AppStore und GooglePlay) berechnet für jede Raumgröße und Personenzahl die optimale, infektionsschutzgerechte Lüftungsfrequenz. „Der normale Lüftungszeitpunkt liegt bei einer CO2-Konzentration von 1000 ppm, für infektionsschutzgerechtes Lüften wurde in der App jetzt ein zusätzlicher Zeitpunkt bei 800 ppm eingeführt“, sagt Dr. Simone Peters, Gefahrstoffexpertin im IFA. Da diese Konzentration eher erreicht sei, müsse natürlich auch früher gelüftet werden. Die App bietet eine Timer-Funktion, die an das Lüften zum berechneten Zeitpunkt erinnert. In der Anwendung kann bedarfsgerecht zwischen den Anforderungen Normal- Lüften und Infektionsschutz- Lüften gewechselt werden.

Ein neues Erklärvideo der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, wie man es richtig macht. Das Video ist ein weiterer Informationsbaustein rund um das Thema Lüften .

Erklärvideo Richtig Lüften

Die wichtigsten Tipps für gesunde Luft in Innenräumen

Die Experten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ( DGUV) haben die wichtigsten Tipps zur Senkung des Infektionsrisikos in Innenräumen zusammengestellt:

  • Lüften. Als Faustregel für Innenräume gilt: stündlich über die gesamte Fensterfläche zwischen 3 Minuten (im Winter) und 10 Minuten (im Sommer) lüften. Besprechungs- und Seminarräume sollten mindestens alle 20 Minuten sowie vor und nach einer Sitzung gelüftet werden. Mit Hilfe der App lässt sich diese Faustregel den individuellen örtlichen Gegebenheiten anpassen.
 
  • Schützen. Hände waschen, 1,5 Meter Mindestabstand halten und vor allem: Maske auf. Vielerorts sind FFP2-Masken in Innenräumen mittlerweile Pflicht. Sie bieten nicht nur anderen Schutz vor der Ausatemluft des oder der die Maske tragenden Person, sondern schützen auch diese selbst. Voraussetzung dafür ist, dass sie korrekt angewendet werden.
 
  • Testen. Selbsttests gibt es mittlerweile überall zu kaufen. Viele Unternehmen und Schulen geben sie kostenlos aus, insbesondere in Bildungseinrichtungen besteht mittlerweile oft auch eine Testpflicht. Wichtig auch bei negativem Ergebnis: Es ist nur für den laufenden Tag gültig. Die Hygieneregeln müssen weiter eingehalten werden.
 
  • Impfen. Ohne Impfung gibt es laut DGUV kein Ende der Pandemie: Sich gegen eine Covid-19-Erkrankung impfen zu lassen bedeutet, sich selbst zu schützen, eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern und die Verbreitung der Infektionen zu reduzieren. Daher setzen sich BG Kliniken, Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und ihr Verband, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), unter dem Motto # Impfen-Schützt für die Wahrnehmung der COVID-19-Impfangebote ein.

Interview:Jochen Appt (DGUV) erklärt den Nutzen von regelmäßigem Lüften und Luftreinigern

Regelmäßige Raumlüftung ist wie beschrieben ein wichtiger Aspekt bei der Senkung des Infektionsrisikos. Aber auch mobile Raumluftreiniger können präventiv zum Einsatz kommen. Jochen Appt, Leiter der Abteilung Sicherheit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erklärt, wie Sie richtig lüften und worauf bei der Nutzung von Luftreinigern zu achten ist.

Richtig lüften ist das Gebot der Stunde, um die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus zu minimieren. Was empfiehlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Mit einer guten Raumlüftung kann das Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 deutlich gesenkt werden. Unsere Empfehlungen zur Lüftung von Arbeits- und Schulräumen fußen auf der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“. Ein Parameter für die Qualität der Raumlüftung ist die Kohlendioxidkonzentration. Die ASR A3.6 empfiehlt eine Kohlendioxidkonzentration von 1000 ppm („Pettenkoferzahl“) in Räumen nicht zu überschreiten. Räume, die die „Pettenkoferzahl“ einhalten oder besser unterschreiten, gelten als gut gelüftet. Für Räume mit freier Lüftung bedeutet das: regelmäßige Stoßlüftung über geöffnete Fenster. In Besprechungsräumen sollte nach 20 Minuten für 5 Minuten im Herbst und für 3 Minuten im Winter gelüftet werden. Eine gute Hilfestellung für die Bestimmung der konkreten Lüftungsfrequenz in Innenräumen bietet die Co2-App des IFA und der Unfallkasse Hessen.  

In den Medien wurden schon Schüler mit Mütze und Handschuhen im Klassenzimmer gezeigt. Gehört Frieren in Schule und Arbeitsplatz diesen Winter dazu?

Ich möchte für die Fensterlüftung werben, da, wo sie möglich ist. Frische Luft ist nicht gesundheitsschädlich! Wenn Sie im Winter zum Stoßlüften die Fenster für 3 Minuten öffnen, sinkt die Temperatur im Raum nur unwesentlich. Wenn Sie das Fenster dann wieder schließen, steigt die Temperatur aber auch sehr schnell wieder auf die zuvor eingestellte Temperatur.

Als Alternative zur Lüftung über Fenster wird derzeit heftig über den Einsatz von mobilen Raumluftreinigern diskutiert. Was halten Sie davon?

Mobile Raumluftreiniger können eine ergänzende präventive Infektionsschutzmaß­nahme sein, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie können aber die notwendige Frischluftzufuhr durch Lüften über Fenster oder raumlufttechnische Anlagen nicht ersetzen. Sie bieten auch keinen Schutz vor einer möglichen Tröpfcheninfektion mit SARS-CoV-2 im Nahbereich. Ebenso können sie die Raumluft nicht von Kohlendioxid reinigen, das bei Nutzung der Räume durch Personen laufend eingetragen wird. Sie reinigen die Luft auch nicht von anderen schädlichen Gasen (einschließlich Geruchsstoffen) aus dem Baukörper, aus Einrichtungsgegenständen oder von anwesenden Personen.

Wenn Raumluftreiniger aufgrund ungenügender Lüftungsmöglichkeiten eingesetzt werden sollen, worauf ist zu achten?

Hier sollten sich Arbeitgebende fachkundig beraten lassen, zum Beispiel von der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder gegebenenfalls auch vom Präventionsdienst des zuständigen Unfallversicherungsträgers. Man sollte zum Beispiel darauf achten, dass im Raumluftreiniger neben einem geeigneten Vorfilter ein Filterelement der Kategorie H13 oder H14 nach DIN EN 1822-1 verbaut ist. Aber nicht der Filter allein ist entscheidend für die Beurteilung der Reinigungsleistung, sondern das gesamte Gerät. Ein Aspekt, auf den man achten sollte, ist eine Abdichtung des Filters gegenüber der Filteraufnahme. Ist die Abdichtung nicht gegeben, strömt ein Teil der angesaugten Luft am Filter vorbei. Deshalb sollten immer die Testprotokolle angefordert werden. Bei der Beschaffung muss auch auf eine richtige Dimensionierung geachtet werden. Wichtig ist auch, dass der Raumluftreiniger möglichst leise arbeitet und dann in der Anwendung nicht an seiner Leistungsgrenze betrieben werden muss.

Worauf kommt es bei der Platzierung der Luftreiniger an?

In Hinblick auf die Aufstellung, den Betrieb und Wartung der Raumluftreiniger müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Wichtig ist beispielsweise, dass die Raumluft­reiniger so aufgestellt und betrieben werden, dass durch eine möglichst ungestörte Luftzirkulation eine ausreichende Reinigung der gesamten Innenraumluft erreicht wird. Die Geräte sollten nach oben ausblasen, um eine Durchmischung der Raumluft über die ganze Höhe zu gewährleisten. Nicht zu vergessen ist die regelmäßige Wartung der Geräte einschließlich Filterwechsel.