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Praxischeck Luftreiniger Raumluftreiniger: Was technische Lösungen gegen Coronaviren bringen

Neben Abstand, Masken und Hygieneregeln wurde schon im Sommer 2020 der Nutzen von Geräten zur Luftreinigung diskutiert. Inzwischen wird eine ganze Palette an mobilen Raumluftreinigern beworben. Doch was bringt die Technik wirklich und welche Kriterien sind beim Kauf entscheidend?

Topic channels: TS Arbeitsschutz und Gesundheit und TS Ausstattung

Die Fakten sind eindeutig: Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird über feine Tröpfchen in der Luft, sogenannte Aerosole, übertragen. Je mehr Menschen sich in einem Raum aufhalten und je schlechter dieser Raum belüftet wird, desto höher ist somit das Ansteckungsrisiko. Auch wenn niemand hustet oder niest, können sich Viren schon durch Sprechen und Atmen verteilen. Dies wusste man bereits vor Corona, aber gerade in der Pandemie wurde deutlich, wie eng Raumbelüftung und Gesundheitsschutz zusammenhängen. Das betrifft die Verbreitung luftgetragener Bakterien und Viren, aber auch von Blütenpollen, Schimmelpilzsporen oder Feinstäuben.

Ziel: durch Luftaustausch und Luftreinigung die Virenkonzentration verdünnen

Wenn ein Virus durch die Luft übertragen wird und sich in der Luft ansammeln kann, liegt es nahe, die Infektionsgefahr zum einen durch r egelmäßiges und gründliches Stoß- und Querlüften und zum anderen durch raumlufttechnische Maßnahmen zu verringern. Bei Ventilatoren und Umluft-Klimageräten ist jedoch Skepsis angesagt, denn alle Geräte, die ohne effiziente Luftreinigungsfunktion und Frischluftzufuhr von außen arbeiten, können die Infektionsgefahr erhöhen, indem sie Viren und Krankheitserreger breit verteilen.

Geräte mit Luftreinigungsfunktion arbeiten nach einem (oder beiden) der folgenden zwei Prinzipien:

  1. Abscheidung durch geeignete Filtersysteme, d. h. HEPA-Filter nach DIN EN 1822-1 oder Feinstaubfilter nach DIN EN ISO 16890, wie sie auch in Intensivstationen, OPs und Reinräumen eingesetzt werden
  2. Inaktivierung durch kurzwelliges UV-C-Licht, Ozon-Desinfektion, elektrostatische Filter oder Ionisation, oft kombiniert mit Feinstaubfiltern, also Verfahren, die u. a. für Trinkwasseranlagen und in der Abwasseraufbereitung genutzt werden
 
Expertenrat: Raumluftreiniger mit mechanischen Filtern nutzen

Der Beitrag von Geräten vom zweiten Typ, die ohne Filter auskommen, zur Verringerung des Infektionsgefahr mit SARS-COV-2 ist noch unklar. Hersteller versprechen etwa für Geräte, die mit elektro-ionischen Feldern bis zu 40.000 Volt arbeiten, ein effektives Entfernen von 99,9 % aller Viren und Bakterien aus der Raumluft. Viele Experten raten jedoch zum ersten Prinzip und somit zu Raumluftreinigern mit mechanischen Filtern. So kommt eine aktuelle Studie der BAuA (Stand März 2021) zum Schluss, dass für Geräte, die mit Ionisatoren, Plasmafiltern, Ozon- oder UV-C-Desinfektion arbeiten, weder Prüfnormen zum Nachweis der Wirksamkeit unter standardisierten Testbedingungen vorliegen noch ausreichend gesicherte Erkenntnisse für den Praxiseinsatz. Diese Einschätzung kann sich jedoch schnell ändern, denn derzeit werden viele neue Geräte entwickelt und getestet.  

Die wichtigsten Kriterien für Luftreinigungsgeräte

Die Art der Filterung und die Volumenleistung des Geräts sind die entscheidenden Faktoren, um die Konzentration an Coronaviren in der Atemluft wirksam zu verringern.

  • Geeignete Filter:
    Selbst ein Filter, der Staub und Blütenpollen zurückhält, kann gegen die viel kleineren Viren wirkungslos sein. Die feinsten Schwebstofffilter werden mit den Kürzeln EPA (Efficient Particulate Air) und HEPA (High Efficiency Particulate Air) angeboten. Zusätzlich werden sie in Klassen unterteilt. Dabei gilt: Je höher die Filterklasse, desto höher der Abscheidegrad, desto besser die Filterleistung. Zum Abscheiden virenbelasteter Aerosole sollte mindestens Klasse H13 gewählt werden.
  • Geeignete Leistung:
    Die Leistung und damit der Volumenstrom des Geräts sollte ausreichend bemessen sein. Maßstab ist die Luftwechselrate. Sie gibt an, wie oft die gesamte Luft in einem Raum pro Stunde ausgetauscht wird. Professionelle Geräte schaffen auch bei einem Raumvolumen > 1000 m³ einen 6-fachen Luftwechsel pro Stunde. 
In größeren Räume besser mehrere kleinere Geräte aufstellen
Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) befasst sich nicht nur mit Schimmelpilzen, sondern auch mit Maßnahmen zur Corona-Prävention und empfiehlt in einem neuen Fachbeitrag:
 
  • Geräte mit zwei Filterstufen. d. h. einem Vorfilter, der die angesaugte Luft vorreinigt und so den eigentlichen HEPA-Filter schont.
  • eine 3-fache Luftwechselrate als Mindestleistung, also z. B. mind. 150 m³ / h bei einem Raum von 20 m² und 2,5 m Deckenhöhe
  • in größeren Räumen besser zwei oder mehr Geräte mittlerer Leistung positionieren als ein teures Gerät mit hoher Durchsatzleistung
  • die Folgekosten im Blick behalten, z. B. wie oft Filter gewechselt werden müssen
  • auch – je nach Arbeitsplatz und Tätigkeit – auf eine mögliche Lärmbelastung der Geräte zu achten
Laut einem Fachbeitrag der DGUV zu mobilen Raumluftreinigern zum Schutz vor SARS-CoV-2 kann ein Gerät mit Hochleistungsfilter die Aerosolkonzentration eines Raums von 80 Quadratmetern je nach Volumenstrom in 6 bis 15 Minuten halbieren. Einbauten, Maschinen, Möbel usw. oder verwinkelte Räumlichkeiten können die Effizienz jedoch verringern. Die Qualität eines Filters und die Angaben im Werbeprospekt sind daher noch keine Garantie, dass ein Gerät diese Reinigungsleistung vor Ort auch tatsächlich erbringen kann. 

Baustein zur Prävention, kein Ersatz für Maskenpflicht und Co.

Bewusst bleiben muss man sich, dass keine Einzelmaßnahme einen hundertprozentigen Infektionsschutz bietet. Aber in der Gesamtheit – Abstand, Atemschutz, Handhygiene plus Lüftung – kann ein Betrieb das Risiko einer Infektion für seine Mitarbeiter deutlich reduzieren. Wo Mitarbeiter in geschlossenen Räumen arbeiten und womöglich gar Kunden oder Lieferanten ein- und ausgehen, steigt die Corona-Gefahr und ein Raumluftreiniger kann ein weiterer Baustein sein, die Infektionsrisiken zu mindern. 

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel fordert für den Einsatz von Raumluftreinigern:
  • nur mit geeigneten Partikelfiltern
  • nur ergänzend zu Lüftungsmaßnahmen mit Außenluftzufuhr
  • nur mit sachgerechter Aufstellung
  • nur wenn sachgerecht betrieben und instandgehalten (Reinigung, Inspektion Filterwechsel usw.)
 
Fazit: Raumluftreinigern helfen, aber wieviel, ist noch unklar

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) konstatiert, dass Raumluftreiniger das Lüften nicht ersetzen, jedoch dazu beitragen können, Viren aus der Raumluft zu entfernen. Wie effizient dies geschieht, ist noch unklar. Die bereits genannte BAuA-Studie kommt zu dem Schluss, dass der konkrete Beitrag von Raumluftreinigern zur Minderung der Infektionsgefahr „ derzeit nicht pauschal quantifiziert werden“ kann.

Tipp: Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) hat an der Hochschule Coburg eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die verschiedene Luftreiniger mit Anschaffungskosten zwischen 500 und 1.500 Euro auf ihre Wirksamkeit testet. Für den, der die Anschaffung eines Raumluftreinigers plant, könnte es sich lohnen, sich zuvor auf den Webseiten des BSS nach den neuesten Testresultaten umzuschauen.

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