Neuestes Update: Corona-Arbeitsschutz Coronavirus und das Handwerk: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Das Coronavirus ist weltweit und leider auch in Deutschland noch nicht besiegt, die Freiheiten des alltäglichen Lebens kehren aber durch eine hohe Immunität und weitreichende Lockerungen endlich zurück. Was Chefinnen und Chefs jetzt wissen müssen.

Coronavirus
In diesem Beitrag finden Sie Antworten auf die wichtigsten Coronavirus-Fragen, die Handwerksunternehmer, angestellte Handwerker und Inhaber von KMU bewegen. - © wladimir1804 - stock.adobe.com
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Infektionsschutzgesetz: Corona-Arbeitsschutzverordnung zum 2. Februar 2023 aufgehoben

Welche betrieblichen Corona-Schutzmaßnahmen gelten laut Infektionsschutzgesetz?

Für Betriebe wurde mit dem neuen Infektionsschutzgesetz ab 1. Oktober 2022 wieder eine Corona-Arbeitsschutzverordnung eingeführt. Arbeitgeber waren dadurch verpflichtet, auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung betriebliche Hygienekonzepte zu erstellen und die entsprechenden Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen (Details zur SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung finden Sie im Beitrag "Corona-Arbeitsschutzverordnung: Diese 7 Schutzmaßnahmen müssen Chefs ab 1. Oktober 2022 wieder prüfen" oder im Abschnitt "Arbeitsschutz und grundlegende Hygienemaßnahmen"). Auch zur Erhöhung der Impfquote mussten Arbeitgeber beitragen. Diese Regelungen werden von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zwei Monate früher als geplant beendet. Bereits zum 2. Februar 2023 entfallen alle Sonderregeln. "Dank der umfangreichen Schutzmaßnahmen konnten Ansteckungen im Betrieb verhindert und Arbeits- und Produktionsausfälle vermieden werden", sagte Heil gegenüber der "Tagesschau". Wegen der zunehmenden Immunität in der Bevölkerung gehe die Zahl der Neuerkrankungen nun aber stark zurück. "Ich werde per Ministerverordnung die Corona-Arbeitsschutzverordnung zum 2. Februar 2023 aufheben."

Das Handwerk begrüßte die Ankündigung des Bundesarbeitsministers, die ursprünglich bis 7. April 2023 befristeten Schutzmaßnahmen aufzuheben: "Es ist richtig und trägt der aktuellen Corona-Lage Rechnung. Das stärkt die Eigenverantwortung der Betriebe und erkennt zugleich ihre hohen Arbeitsschutzstandards an", so ZDH-Präsident Jörg Dittrich in einem Pressestatement am 19. Januar 2023. "Während des gesamten Pandemieverlaufs haben die Betriebe und ihre Beschäftigten gute Lösungen gefunden und gerade im Handwerk gemäß dem Motto gehandelt: Gesundheitsschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist zugleich auch Betriebe-Schutz. Es ist daher gut, dass die Bundesregierung durch das vorgezogene Ende der Corona-Arbeitsschutzverordnung die Entwicklung beim Corona-Geschehen nachvollzieht und auf den bewährten Gesundheits- und Coronaschutz der Betriebe vertraut. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu wieder mehr Normalität."

Welche weiteren Schutzmaßnahmen gelten laut Infektionsschutzgesetz?

Mit Blick auf die Maßnahmen des erneuerten Infektionsschutzgesetz fällt auf, dass die Vorgaben im Wesentlichen Sache der Bundesländer sind. Einheitlich für den Bund galt nur die Maskenpflicht im bundesweiten Fernverkehr, die ebenfalls zum 2. Februar 2023 vorzeitig ausgesetzt wurde. Einen aktuellen Überblick über die Corona-Verordnungen der Bundesländer finden Sie hier:

Aktuelle Informationen zu den Corona-Verordnungen der Bundesländer:
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen

Arbeitsschutz und grundlegende Hygienemaßnahmen

Welche Schutzmaßnahmen sind für Betriebe weiterhin empfohlen?

Über die Verpflichtungen der Corona-Arbeitsschutzverordnung hinaus, werden Bürgern und Betrieben diverse Schutzmaßnahmen weiterhin empfohlen. Beispielsweise sind Mitarbeiter über die Entstehung und die Symptome der Corona-Infektion zu informieren sowie über die zu treffenden Hygienemaßnahmen im Betrieb. Folgende Verhaltensregeln sind empfohlen:

  • Hände häufig und gründlich waschen.

  • FFP2-Masken oder ähnliche medizinische Masken tragen.

     
  • Bereitstellen und Nutzen von Desinfektionsmitteln.

     
  • Unterlassen des Händeschüttelns zur Begrüßung.

     
  • Das Fernhalten der Hände aus dem Gesicht.

     
  • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.

     
  • regelmäßiges Lüften geschlossener Räume.

     
  • regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Arbeitsstätten, Computertastaturen und Maschinen, die häufig und von vielen Mitarbeitern genutzt werden.
Wie gut werden die Hygienemaßnahmen von den Betrieben umgesetzt?
© DGUV

Die gute Nachricht zuerst: Wenn es um die Hygienemaßnahmen geht, stellen die Arbeitnehmer den Betrieben ein gutes Zeugnis aus: 23,6 Prozent der 1.000 befragten Beschäftigten gaben in einer Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) an, dass in ihrem Unternehmen die Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz im Vergleich zum Jahr 2020 ausgebaut wurden. Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" berichtet, findet mit 52,1 Prozent zudem mehr als die Hälfte, dass die Hygienemaßnahmen schnell ausbaubar wären. Es gibt allerdings auch Ausreißer nach unten: Immerhin gut 20 Prozent der Befragten, also etwa jeder Fünfte, sagten, dass es kaum Schutzmaßnahmen gibt bzw. nie weitreichende Regelungen gegeben hat.

"Es ist ein gutes Zeichen, dass der Gesundheitsschutz eine gewichtigere Rolle im betrieblichen Umfeld zu spielen scheint, als dies noch vor der Pandemie der Fall war", sagt Gregor Doepke, Leiter der DGUV-Kommunikation. "Die Zahlen zeigen jedoch auch, dass längst nicht alle Arbeitnehmer mit dem Niveau des Gesundheitsschutzes in ihrem Betrieb zufrieden sind. Dabei ist es wichtig alle ins Boot zu holen."

Dürfen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Schutzmaßnahmen wie Corona-Tests vorschreiben?

Ein betriebliches Hygienekonzept kann immer nur dann greifen, wenn es von den Mitarbeitern auch umgesetzt wird. Trotz überwiegendem Verständnis für die Schutzmaßnahmen gibt es Firmen, die bei der Durchsetzung von Hygieneregeln bei den eigenen Mitarbeitern immer wieder auf taube Ohren stoßen. Vor allem innerbetriebliche, verpflichtende Corona-Tests machen regelmäßig Probleme. Das könnte sich durch ein Gerichtsurteil des Bundesarbeitsgerichts (Az.: 5 AZR 28/22) ändern:

Wie die Erfurter Richter am 1. Juni 2022 entschieden, dürfen Arbeitgeber ihren Angestellen Corona-Tests verpflichtend vorschreiben, um das Infektionsrisiko zu verringern. Eine solche Anordnung sei möglich, die Testpflicht müsse aber verhältnismäßig sein und die Interessen beider Seiten abwägen. Arbeitgeber hätten eine Fürsorgepflicht und könnten im Interesse des Arbeitsschutzes Weisungen erteilen, um Leben und Gesundheit zu schützen, erklärte der Fünfte Senat. Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" berichtet, hat das Urteil nach Ansicht von Fachleuten Auswirkungen auf Tausende Arbeitnehmer, wenn die Zahl der Corona-Infektionen wieder stark steigen sollte. Es könne "für eine Infektionswelle entscheidende Hinweise zur Abwägung von Daten- und Gesundheitsschutz geben", sagt der Bonner Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing. "Viele haben in der Vergangenheit darauf gedrängt, dass es betriebliche Tests gibt."

Schnelltests: Kostenpflichtige- und Gratis-Bürgertests

Wer erhält weiterhin kostenlose "Gratis-Bürgertests"?

Mit dem Start einer neuen Testverordnung werden nahezu alle Bürgertests ab 30. Juni 2022 kostenpflichtig: Drei Euro müssen Personen für ihren Schnelltest in einer offiziellen Corona-Teststation zahlen. "Der Einsatz des Geldes der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler wird effektiver werden. Denn es kann nicht alles auf Dauer vom Bund gezahlt werden, weil unsere Möglichkeiten an Grenzen gekommen sind", zitiert die "Deutsche Handwerks Zeitung" (DHZ) Bundesfinanzminister Christian Lindner.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Für vulnerable Gruppen sollen kostenlose Schnelltests auch weiterhin möglich sein. Darunter laut DHZ auch Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft und Besucher von Kliniken und Pflegeheimen. Zudem hätten die Bundesländer die Möglichkeit, die Eigenbeteiligung von drei Euro auch für weitere Gruppen zu übernehmen.

Selbsttests: Gesammelte Fakten zum Schnelltest

Was ist ein Antigen-Schnelltest für Zuhause ("Selbsttest") und wie wird er angewendet?

In der Regel ist der Corona-Schnelltest für Zuhause oder genauer, der Antigen-Schnelltest, in einem Testkit bestehend aus einem Bürstchen für die Probeentnahme in derNase, der Flüssigkeit zum Verdünnen der Schleimhautprobe und dem Teststreifen erhältlich. "Wahrscheinlich wird sich der Preis für die Schnelltests auf dem Markt schon bald bei deutlich unter zehn Euro pro Stück einpendeln", prognostizierte Moritz Bubik, Geschäftsführer des Testherstellers Technomed, bereits im Frühjahr 2021 im "Tagesspiegel". Nicht zuletzt, da der Markt für Schnelltests rapide wachse – schon mehr als 50 Hersteller haben laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anträge auf eine Sonderzulassung von Laientests gestellt.

Interpretation Antigen-Schnelltest
© CARELINE GmbH & Co. KG

Die Anwendung läuft dabei so ab, wie auch schon die Antigen-Schnelltests funktionieren, die für die Anwendung durch Fachpersonal auf dem Markt sind: Laut "Tagesspiegel" wird eine Probe von den Schleimhäuten im Mund, Rachen oder der Nase entnommen, verdünnt und auf einen Teststreifen getropft. Wenn das Antigen in ausreichender Konzentration in derProbe vorhanden ist, bindet es sich an spezifische Antikörper in derLösung und erzeugt auf dem Teststreifen mithilfe von Pigmenten einen dünnen Streifen im Sichtfenster. Je nachdem, ob nur ein Streifen erscheint (negativ) oder zwei Streifen erscheinen (positiv), ist der Test positiv oder negativ (siehe Beispielbild des Herstellers Careline). Die Ergebnisse liegen in derRegel in 15 bis 20 Minuten vor.

Wie genau sind Schnelltests?

Auch zum Thema Genauigkeit der Schnelltests hat der "Tagesspiegel" Technomed-Chef Moritz Bubik befragt. Seine Antwort: " Der Antigen-Schnelltest von Technomed hat eine Genauigkeit von 98 Prozent." Siemens Healthcare verweist ebenfalls auf eine hohe Genauigkeit von 97,3 Prozent. Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach warnte allerdings in derARD-Talkshow "Anne Will", dass "in sechs von zehn Fällen der Test negativ ist, obwohl der Getestete eigentlich positiv ist". Falsch positive Tests kann es dabei laut "Tagesspiegel" aufgrund der hohen Spezifität nicht geben. Alles komme allerdings auf die korrekte Durchführung des Tests an: "Typische Fehler sind zum Beispiel, dass die Proben an einer falschen Stelle entnommen werden, dass zu wenige Tropfen der Lösung auf den Teststreifen aufgetragen werden oder dass das Ergebnis falsch abgelesen wird", so Bubik. Alle prozentualen Genauigkeitsangaben gelten nur, wenn der Test richtig angewendet wird.

Wo sind Schnelltests erhältlich?

Für den Privathaushalt sind Schnelltests in Apotheken, Drogerien und Discountern erhältlich, einige, wie beispielsweise der Test des Pharma-Riesen Roche , gibt es exklusiv nur in Apotheken. Aldi Nord und Aldi Süd starteten laut "Spiegel" beispielsweise den Verkauf am 6. März 2021. Die Drogerieketten dm und Rossmann starteten laut "Pharmazeutischer Zeitung" ab 9. März 2021 mit dem Verkauf, allerdings genauso wie übrigens auch bei Aldi mit zunächst begrenzten Mengen pro Person und Haushalt.

Long Covid im Handwerk: Symptome und Hilfe

Wer ist von Long Covid besonders gefährdet?

Ein leichter Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus ist kein Garant gegen Langzeitfolgen. Schwer erkrankte Covid-Patienten haben allerdings ein höheres Risiko für Long Covid. Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" (DHZ) berichtet, erkranken eher 30- bis 50-Jährige, eher Frauen als Männer, eher sozial Benachteiligte und eher Menschen mit chronischen oder psychischen Vorerkrankungen sowie Raucher und stark Übergewichtige.

Wie viele Fehltage verursacht Long Covid im Schnitt?

Knapp ein Prozent der Beschäftigten, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten, leidet in der Folge an Long Covid. Das geht aus einer Sonderauswertung des "TK-Gesundheitsreports 2022" hervor. Dass ein Prozent allerdings zur Belastung für Betriebe werden kann, ist an den durchschnittlichen Fehltagen durch die Erkrankung zu erkennen: Im Schnitt seien die Betroffenen 105 Tage arbeitsunfähig. Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" (DHZ) berichtet, waren 2021 zudem auch schon Long-Covid Betroffene mit leichtem Verlauf einer Corona-Infektion durchschnittlich 90 Tage krankgeschrieben, bei einem schweren Verlauf mit mehr als sieben Tagen im Krankenhaus waren die Betroffenen im darauffolgenden Jahr im Schnitt sogar 168 Tage arbeitsunfähig. Patienten, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, fehlten anschließend sogar durchschnittlich 190 Tage an ihrem Arbeitsplatz.

Welche Symptome haben Long-Covid-Betroffene?

Zu den häufigsten Symptomen zählen laut DHZ Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit und kognitive Einschränkungen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Insgesamt listet die Weltgesundheitsorganisation folgende 25 verschiedene Symptome auf, die einzeln oder in Kombination erscheinen können und die sich nicht durch andere Diagnosen erklären lassen.

  1. Bauchschmerzen

  2. Menstruationsbeschwerden und Probleme mit der Periode

  3. Veränderungen des Geruchs- oder Geschmackssinns

  4. Ängste

  5. Sehstörungen

  6. Brustschmerzen

  7. Kognitive Beeinträchtigungen ("Brain Fog" = Gehirnnebel)

  8. Husten

  9. Depressionen

  10. Schwindel

  11. starke Erschöpfung (Fatigue)

  12. Fieberschübe

  13. Verdauungsprobleme (Durchfall, Verstopfung, Reflux)

  14. Kopfschmerzen

  15. Gedächtnisstörungen

  16. Gelenkschmerzen

  17. Muskelschmerzen und -krämpfe

  18. Neuralgien

  19. Neu auftretende Allergien

  20. Empfindungen wie Nadelstiche

  21. Post exertional malaise (eine Verschlimmerung aller Symptome nach körperlicher Aktivität)

  22. Kurzatmigkeit

  23. Schlafstörungen

  24. Tachykardie (Herzrasen), Herzklopfen oder Herzstolpern

  25. Tinnitus und Hörstörungen
Wann ist Long Covid eine Berufskrankheit, wann gelten Betroffene als berufsunfähig?

Damit eine Corona bzw. Long-Covid-Erkrankung von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) als Berufskrankheit nach Nr. 3101 der Berufskrankheitenliste anerkannt wird, müssen verschiedene Faktoren erfüllt sein: Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" berichtet, muss dafür der Erkrankte zunächst einmal in einer Branche arbeiten, in der das Infektionsrisiko erhöht ist. Wenn dann darüber hinaus ein positiver Erregernachweis vorliegt, Kontakt zu einer infizierten Person stattgefunden hat und mindestens leichte Symptome aufgetreten sind, kann ein Antrag Erfolg haben. Mehr zur Anerkennung von Berufskrankheiten erfahren Sie hier:

Wann gelten Betroffene als berufsunfähig?

Anfang September 2022 meldete die Debeka-Versicherungsgruppe die ersten sechs Fälle, bei denen Corona als Grund für eine Berufsunfähigkeit anerkannt wurde, verbunden mit einer Invalidenrente. Corona als anerkannter Grund für eine Berufsunfähigkeit von mindestens sechs Monaten könnte laut Debeka-Vorstandschef Thomas Brahm zudem häufiger werden. "Das wird vielleicht noch unterschätzt. Long und Post Covid werden sowieso die sozialen Systeme noch mehr belasten", so Brahm gegenüber der "Deutschen Handwerks Zeitung". "Eine Covid-19-Infektion kann aber auch zu psychischen Erkrankungen führen. Da ist die Abgrenzung manchmal schwierig."

Auch der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, sieht die Folgen einer Corona-Infektion als Grund für eine Berufsunfähigkeit: "Wird eine versicherte Person durch die Langzeitfolgen einer Infektion mit Covid-19 oder durch einen Impfschaden berufsunfähig, dann zahlt die Versicherung ohne Wenn und Aber", erklärte er gegenüber der "dpa". Geprüft werde bei Berufsunfähigkeit nur, "ob ein Versicherter aus gesundheitlichen Gründen in seinem aktuellen Beruf voraussichtlich länger als sechs Monate nur noch 50 Prozent oder weniger arbeiten kann". Auch bei einem neuen Vertrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird Covid-19 laut Asmussen bei der Gesundheitsprüfung behandelt wie andere Vorerkrankungen.

Wo erhalten Long-Covid-Patienten Hilfe?

Die Kollegen der "Deutschen Handwerks Zeitung" haben ein paar Anlaufstellen für Long-Covid-Betroffene zusammengetragen. Hier ein Überblick über Ansprechpartner und Hilfsmöglichkeiten:

  • Zusammen gegen Corona: Das Bundesgesundheitsministerium bietet über die Plattform "Zusammen gegen Corona" klar strukturierte Informationen.

  • Median-Kliniken: Ein Überblick über Studien zu Corona-Langzeitfolgen haben die Median-Kliniken zusammengetragen, die sich auf Rehabilitation (nach einer Corona-Infektion) spezialisiert haben.

  • Charité: Das Universitätsklinikum Charité in Berlin hat eine Post-Covid-Fatigue-Sprechstunde eingerichtet.

  • AWMF: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF hat Leitlinien zu Covid 19 erstellt.

  • Long Covid Deutschland: Eine Betroffenen-Initiative hat auf der Webseite Long Covid Deutschland wichtige Informationen gebündelt. Hier sind auch Anlaufstellen in Ambulanzen, Selbsthilfegruppen und Reha-Einrichtungen aufgelistet.

Omikron-Welle: Corona verursacht Rekordkrankenstand

Wie viele Krankschreibungen resultieren aus der Omikron-Welle?

Die anhaltende Corona-Pandemie hat in den ersten sechs Monaten 2022 für einen Rekordkrankenstand gesorgt. Wie aus einer Pressemitteilung der IKK classic hervorgeht, stieg der Anteil krankgeschriebener Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,03 Prozentpunkte auf 6,87 Prozent. Von 100 Beschäftigten waren also an jedem Arbeitstag des ersten Halbjahres 2022 im Schnitt knapp sieben Personen krankgeschrieben – so viele wie nie zuvor. Hauptgrund: Die Krankschreibungen aufgrund einer Corona-Infektion haben sich laut der Krankenkasse von 17.514 auf 143.606 in etwa verachtfacht. Die Anzahl war damit doppelt so hoch wie in den Jahren 2020 und 2021 zusammen. Die Werte resultieren aus einer Auswertung der AU-Daten von rund 1,4 Millionen erwerbstätigen Mitgliedern, die bei der IKK classic mit Anspruch auf Krankengeld versichert sind.

Bei den ernüchternden Zahlen gibt es allerdings auch einen Lichtblick: Wie die IKK classic mitteilt, lag die durchschnittliche Dauer einer coronabedingten Arbeitsunfähigkeit mit knapp zehn Tagen im ersten Halbjahr 2022 deutlich unter dem Vorjahreswert von 20,69 Tagen. "Diese Entwicklung passt zu den Eigenschaften der im Untersuchungszeitraum vorherrschenden Omikron-Variante", erklärt Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic. "Diese gilt zwar als hochansteckend, führt aber in vielen Fällen zu milderen Verläufen."

Welche Folgen hat die Omikron-Welle für die Mitarbeitergesundheit der Handwerksbetriebe?

In der großen Betriebsbefragung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) von Anfang Februar 2022 wird deutlich, dass die starke Zunahme der Corona-Infektionszahlen im Rahmen der Omikron-Welle auch am Handwerk nicht spurlos vorbeigeht: Die coronabedingten Personalausfälle sind auf dem höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Gegenüber August 2021 hat sich der Anteil der von Personalausfällen betroffenen Betriebe auf 43 Prozent mehr als verdreifacht. Durchschnittlich fehlen in den Betrieben, in denen aufgrund von Erkrankung als Infizierte, Quarantäne als Kontaktpersonen oder der Betreuung von Angehörigen Mitarbeiter ausfallen, 25 Prozent der Beschäftigten. Die meisten Betriebe mit coronabedingten Mitarbeiterausfällen finden sich dabei in den Lebensmittel-, den Bau-, den Kfz- und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wo jeweils mindestens 50 Prozent betroffen sind.

© ZDH

Medizinische Masken, FFP2-Masken und Alltagsmasken

Wie gut schützen medizinische Masken und FFP2-Masken vor einer Corona-Infektion?

Wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen zeigt, filtern sowohl FFP2-Masken als auch medizinische Masken des Typs KN95 wirkungsvoll infektiöse Partikel aus der Atemluft. Wenn beispielsweise beide Parteien FFP2-Masken tragen, die an den Rändern möglichst dicht abschließen, dann beträgt das maximale Ansteckungsrisiko laut Informationen der "Deutschen Handwerks Zeitung" (DHZ) nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz kaum mehr als ein Promille. Selbst bei schlecht sitzenden FFP2-Masken steigt die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion nur auf etwa vier Prozent. Immerhin 90 Prozent Schutz bieten auch gut angepasste OP-Masken – sie lassen eine Übertragung in einem Zeitraum von 20 Minuten nur zu zehn Prozent zu.

Nun die entscheidende Frage – welche Maskentypen schützen am besten? Hier ist das Ergebnis der Göttinger Max-Planck-Forscher eindeutig: Dicht abschließende FFP2-Masken schützen im Vergleich zu gut sitzenden OP-Masken 75 mal besser! Allerdings reduzieren auch medizinische Masken das Ansteckungsrisiko im Vergleich zu einer Situation ganz ohne Mund-Nasenschutz deutlich. "Deshalb ist es so wichtig, dass die Menschen in der Pandemie eine Maske tragen", zitiert die DHZ den Forschungsgruppenleiter der Studie, Gholamhossein Bagheri.

Können FFP2-Masken mehrfach verwendet werden?

Bei mehrfacher Verwendung sinkt die Filterleistung von FFP2-Masken signifikant. Das ist ebenfalls ein Ergebnis der Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Die gemessenen Werte lagen aber laut DHZ dennoch im vorgeschriebenen Normbereich. "Wird eine FFP2- Maske nur für wenige Stunden am Tag bei moderater körperlicher Aktivität getragen, dann sehe ich hinsichtlich der Schutzwirkung und des Atemkomforts kein Problem", erklärt Christian Schwarzbauer, wissenschaftliche Projektleiter und Professor für Medizintechnik. "Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen."

Sollten FFP2-Masken auch unter freiem Himmel getragen werden – oder ist das sogar kontraproduktiv?

An vielen neuralgischen Punkten kommt es zu kurzfristigen Menschenansammlungen, sei es in Parks oder in Innenstädten. In einer solchen Situation erscheint es vielen Bürgern sinnvoll, auch im Freien FFP2-Masken zu tragen. Doch ist das ratsam? Bernhard Junge-Hülsing, HNO-Arzt und Pandemie-Koordinator warnt in der "Süddeutschen Zeitung" : "Wenn es windstill ist, stecken sich Menschen auch draußen an." Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, gibt im Deutschlandfunk Kultur allerdings Entwarnung: "Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich." Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus.

Ganz im Gegenteil: Zu lange eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, kann sogar kontraproduktiv sein. Wie die "Welt" berichtet, vermindert die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt hierzu: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden." Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern besteht laut "Welt" zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Klarsichtmasken: Bieten sie ähnlichen Schutz vor einer Corona-Infektion wie herkömmliche oder medizinische Masken?

Seit etwa November 2020 fand eine neuartige Plastikmaske, eine sogenannte "Klarsichtmaske", verstärkt Verbreitung in Schulen, Kitas, der Gastronomie und auch im Handwerk. Obwohl laut Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) selbst der Hersteller einräumte, dass es nicht bekannt ist, wie sich Aerosole beim Tragen dieser Maske ausbreiten, wird mit einer Bestätigung des bayerischen Landesamts für Gesundheit (LGL) und des bayerischen Gesundheitsministeriums geworben. Die Frage ist: Wie sicher ist eine Klarsichtmaske wirklich?

Faceshield, Plastikmaske
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Die Hochschule München veröffentlichte Anfang Dezember 2020 genau hierzu Untersuchungsergebnisse einer Pilotstudie, die deutlich machen: Klarsichtmasken sind als Infektionsschutz wirkungslos. "Mit unserem Versuchsaufbau können wir genau vermessen, wie die Ausbreitung von Aerosolen durch Masken dieser Art beeinflusst wird", erklärt Christian Schwarzbauer, Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik der Hochschule München, gegenüber dem BR. "Eine direkt gegenüber sitzende Person wäre dem ausgeatmeten Aerosol direkt ausgesetzt. Die Ausbreitung des Aerosols erfolgt beim Husten relativ schnell." Generell gelte: Einige transparente Produkte könnten den Infektionsschutz nicht leisten, zum Beispiel Face Shields, also Gesichtsvisiere, bei denen lediglich ein Plastik-Schild vor Mund und Nase steht, die Atemluft aber außen herum frei herausströmen kann – und auch die Atemluft anderer zum Träger oder zur Trägerin hin. Die se ist nur in Kombination mit einer herkömmlichen Mund-Nase-Bedeckung bzw. in Innenräumen mit einer medizinischen oder FFP2-Maske zulässig (siehe Bild). "Aus meiner Sicht besteht deshalb dringender Handlungsbedarf seitens der zuständigen Behörden und Ministerien", schrieb Schwarzbauer als Fazit dem " #Faktenfuchs" des Bayerischen Rundfunks. DasTragen einer Klarsichtmaske biete weder einen Fremd- noch einen Selbstschutz und könne daher nicht empfohlen werden.

Maskenverweigerer im Betrieb: Wie sollten Chefs reagieren, wenn sich Mitarbeiter auf ein ärztliches Attest beziehen?

Der Arbeitgeber ist insbesondere bei Kundenkontakt verpflichtet, sicherzustellen, dass seine Mitarbeiter eine Mund-Nasen-Bedeckung oder häufig auch medizinische Masken bzw. FFP2-Masken tragen. Zu einem Konflikt mit dem Personal kann es dann kommen, wenn Mitarbeiter ein ärztliches Attest mitbringen, dass sie vom Tragen der Masken befreien soll. Basierend auf Informationen der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Wolfgang Gosch in Schwetzingen zeigen wir drei denkbare Möglichkeiten auf, wie Sie als Arbeitgeber reagieren können:

  1. Alternativtätigkeit suchen: Kann der Arbeitnehmer die Anforderungen zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, medizinischer Maske oder FFP2-Maske aus gesundheitlichen Gründen nicht nachkommen, so sollte nach einer Alternativtätigkeit gesucht werden.
     
     
  2. Arbeitsunfähigkeit akzeptieren: Kann der Arbeitnehmer die arbeitsvertraglich geschuldete Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen – und es stehen keine Alternativtätigkeiten zur Verfügung, muss strenggenommen von Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden.
     
     
  3. Krankheitsbedingte Kündigung: Im Extremfall öffnet die ursächlich durch das ärztliche Attest entstandene Arbeitsunfähigkeit die Türen für eine krankheitsbedingte Kündigung. Grund: Es ist nicht auszuschließen, dass die negative Gesundheitsprognose durch das nicht absehbare Ende der Pandemie zu bejahen ist (wenn der Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit nicht absehbar ist, besteht generell die Möglichkeit der krankheitsbedingten Kündigung – wenn auch mit hohen Hürden. Mehr dazu hier).

Beispielfall aus der Praxis:

Im Dezember 2020 weigerte sich ein Servicetechniker mit Kundenkontakt einen Serviceauftrag bei einem Kunden durchzuführen, der ausdrücklich auf das Tragen einer Maske bestand. Sein Hauptargument: Ein auf Blankopapier ausgestelltes ärztliches Attest mit der Bezeichnung "Rotzlappenbefreiung". Darin hieß es laut Informationen der "Deutschen Handwerks Zeitung" (DHZ), dass es dem Techniker "aus medizinischen Gründen unzumutbar ist, eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasenbedeckung im Sinne der SARS-COV-2 Eindämmungsmaßnahmenverordnung zu tragen". Der Arbeitgeber erkannte das Attest mangels nachvollziehbarer Angaben nicht an und sprach dem Mitarbeiter nach einigem hin und her eine außerordentliche Kündigung aus.

Das Arbeitsgericht Köln gab ihm Recht (Az.: 12 Ca 450/21). Der Arbeitnehmer habe mit seiner beharrlichen Weigerung, den von seinem Arbeitgeber angeordneten und vom Kunden verlangten Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wiederholt gegen arbeitsvertragliche Verpflichtungen verstoßen. Auch das Attest hatte vor Gericht laut DHZ keinen Bestand: Zum einen sei das Attest nicht aktuell gewesen – zum anderen sei ein Attest ohne konkrete Diagnose eines Krankheitsbildes nicht hinreichend aussagekräftig, um eine Befreiung von der Maskenpflicht zu rechtfertigen. Es bestünden außerdem Zweifel an der Ernsthaftigkeit der behaupteten gesundheitlichen Einschränkungen, da der Servicetechniker den Mund-Nasen-Schutz selbst als "Rotzlappen" bezeichnet hatte.

FFP2-Masken und Hygienepläne: Wie können Arbeitgeber Handwerker auf dem Bau besser gegen eine Ansteckung schützen?

Im Zusammenhang mit der Virus-Mutation hatte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) bereits im Herbst 2020 zur verstärkten "Corona-Vorsicht" auf Baustellen und in Betrieben aufgerufen und forderte flächendeckend FFP2-Masken – mittels einer verstärkten Bereitstellung durch Arbeitgeber. Dem kamen der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und die BG Bau nach: Aufgrund der verschlechterten Pandemiesituation stellten die Tarifparteien den Beschäftigten FFP2-Masken zur Verfügung. Zudem führten der Arbeitsmedizinische Dienst der BG Bau wie auch die Betriebsärzte in der Baubranche verstärkt regelmäßige Corona-Tests durch.

Hauptgrund für die verstärkten Maßnahmen: "Es gibt im Winter weniger Rohbauarbeiten draußen an der frischen Luft. Dafür mehr Sanierungen und Innenausbau – und damit mehr Arbeit in geschlossenen Räumen. Also auch schon deshalb ein höheres Infektionsrisiko", betonte IG BAU-Chef Robert Feiger Ende 2020. "Wer monate- und oft jahrelang im gleichen Bauteam arbeitet, dem fehlt oft das kritische Risikobewusstsein. Dies ist gerade bei kleineren Bauunternehmen, Dachdecker-, Maler- oder Gerüstbaubetrieben der Fall. Völlig verantwortungslos ist vor allem auch, dass viele Betriebe immer noch ihren Baubulli einsetzen, um einen Sammeltransport zur Baustelle zu machen. Und auch die Pausen im geheizten, viel zu engen Baucontainer sind oft genug noch gang und gäbe." Um all das zu unterbinden müsse es mehr staatliche Arbeits- und Gesundheitsschutzkontrollen geben. "Es gibt eine neue Dimension bei der Infektionsgefahr im Job", so Feiger.

Steuererklärung: Fristen und zusätzliches "Corona-Formular"

Wie sind Corona-Hilfen in der Steuererklärung zu erfassen?

Handwerksbetriebe, andere gewerbliche Unternehmen, Sozialunternehmen und Angehörige der freien Berufe, die sich unmittelbar infolge der Coronavirus-Pandemie in einer existenzbedrohenden wirtschaftlichen Lage befinden, können seit Frühjahr 2020 Corona-Hilfen beantragen. Aber egal ob Soforthilfe, Novemberhilfe, Dezemberhilfe, Neustarthilfe, Neustarthilfe Plus oder Überbrückungshilfe "I", "II", "III" sowie "III Plus" – alle Hilfen müssen in der Steuererklärung detailliert angegeben werden. Und zwar unabhängig davon, ob Chefs die Corona-Hilfe überhaupt in Anspruch genommen haben. Hierfür hat die Finanzverwaltung laut Steuerberater Roland Franz, Geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungs- und Rechtsanwaltskanzlei Roland Franz & Partner in Düsseldorf, Essen und Velbert einen Vordruck kreiert, der von allen Handwerksbetrieben zwingend ausgefüllt werden muss.

Bei dem zusätzlichen Formular handelt es sich um die sogenannte "Anlage Corona-Hilfen". "Die Pflicht ergibt sich aus dem Gesetz und ist Bestandteil der Steuererklärung", erklärt Franz und ergänzt: "Unabhängig davon, ob Sie eine Corona-Hilfe tatsächlich in Anspruch genommen haben, müssen Sie bzw. der Steuerberater nunmehr zu jeder Steuererklärung, bei der Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit erklärt werden, zusätzlich diesen Vordruck ausfüllen und einreichen." Die "Anlage Corona-Hilfen" ergänzt die Anlagen G, L und/oder S der Einkommensteuererklärung. Der Zentralverband des Deuschen Handwerks erklärt hierzu, dass Corona-Zuschüsse steuerpflichtige Betriebseinnahmen seien, für die keine Steuerbefreiung greife und sich daher gewinnerhöhend auswirkten. Aus diesem Grund ist das zusätzliche Formular laut der Steuerberaterkammer München zwingend auszufüllen, auch, weil die Finanzämter alle Betriebe – egal ob mit in Anspruch genommenen Corona-Hilfen oder ohne – auf Corona-Zuschüsse hin überprüfen. Die Anlage "Corona-Hilfen" können Sie hier herunterladen:

Welche Informationen haben die Finanzämter über erhaltene Corona-Hilfen?

Im Zusammenhang mit der "Anlage Corona-Hilfen" stellt sich auch schnell die Frage, wie die Finanzämter überhaupt überprüfen können, ob die Angaben in der Steuererklärung stimmen bzw. in welchem Umfang die Hilfen geflossen sind. Wie die "Deutsche Handwerks Zeitung" berichtet, müssen die auszahlenden Stellen gemäß einer Mitteilungsverordnung die für die Unternehmer zuständigen Finanzämter über die ausgezahlten Leistungen mittels elektronischer Mitteilung informieren. Die Finanzämter sind also tatsächlich bestens darüber informiert, in welcher Höhe einem Unternehmen Corona-Soforthilfen, Überbrückungshilfen oder vergleichbare Zuschüsse zugeflossen sind. In der elektronischen Mitteilung werden folgende Informationen ans Finanzamt übermittelt:

  • Antrags-ID

  • Gegenstand der Leistung

  • Zahlungs-ID

  • Datum der Zahlung

  • Höhe der Zahlung

  • Bankverbindung

  • Name des Beteiligten

  • Anschrift des Beteiligten

  • Steuernummer/SteuerID des Beteiligten

  • Geburtsdatum des Beteiligten
Bleibt mir für die Steuererklärung durch die Auswirkungen des Coronavirus mehr Zeit?

Steuerberater haben alle Hände voll zu tun, vor allem Hilfsanträge für Corona-geschädigte Unternehmen und Selbständige beanspruchen Zeit. Um ihnen für diese Aufgabe mehr Zeit einzuräumen, hat der Bundesrat am 12. Februar 2021 beschlossen, die Abgabefrist für die Steuererklärung, die von Steuerberatern erstellt wird, von Ende Februar auf Ende August zu verlängern. Diese Regelung, die zunächst nur für die Steuererklärung 2019 eingeführt wurde, gilt nun auch für die Steuererklärung 2020. Auch die Erklärungsfristen für 2021, 2022, 2023 und 2024 sollen sich laut Informationen der Bundessteuerberaterkammer ausweiten, allerdings mit einer sukzessiven Fristabschmelzung. Kurz zusammengefasst gelten bei einer Steuererklärung mit Steuerberatung folgende Fristen:

VeranlagungszeitraumBisherige AbgabefristNeue Abgabefrist
202031. Mai 202231. August 2022
202128. Februar 202331. August 2023
202229. Februar 202431. Juli 2024
202328. Februar 202531. Mai 2025
202428. Februar 202630. April 2026

Die Verlängerung der Abgabefristen gilt allerdings nur vorübergehend. Ab dem Veranlagungszeitraum 2025 gelten wieder die ursprünglichen Fristen. Das gilt auch für Steuerzahler, die keine Steuerberaterin bzw. Steuerberater beauftragt haben. In diesem Fall sind laut Nicole Berner, Steuerberaterin bei Ecovis in Halle und Leipzig, ausnahmsweise folgende "Corona-Fristen" vorgesehen:

VeranlagungszeitraumBisherige AbgabefristNeue Abgabefrist
202031. Juli 202131. Oktober 2021
202131. Juli 202230. September 2022
202231. Juli 202331. August 2023

Allerdings birgt die neu gewonnene Zeit auch Tücken. Prof. Dr. Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK), mahnt: "Trotz Fristverlängerung sollten die Steuererklärungen nicht länger aufgeschoben werden, als unbedingt notwendig. Sonst laufen wir Gefahr, die darauffolgenden Steuererklärungen wie eine große Bugwelle vor uns herzuschieben."

Stundungen: Steuerstundung und berufsgenossenschaftliche Beitragsstundungen

Ermöglichen die Berufsgenossenschaften weiterhin coronabedingte Beitragsstundungen ?

Kaum Umsätze und dann kommt noch der Beitragsbescheid der Berufsgenossenschaft? Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mitteilt, können Unternehmen, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, Erleichterungen bei den Beitragszahlungen beantragen. Wie diese genau aussehen, ist laut "Deutsche Handwerks Zeitung" (DHZ) von BG zu BG verschieden, hier die Maßnahmen im DHZ-Kurzüberblick (mehr lesen Sie hier):

  • BG Bau: Die versicherten Betriebe können ihren Beitrag wie vor der Corona-Pandemie nur in bestimmten Ausnahmen und zu einem Zinssatz von vier Prozent stunden. Ein Antrag dafür kann über ein Online-Formular der BG Bau gestellt werden.

  • BG ETEM: Auch im Jahr 2022 besteht bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) die Möglichkeit zur coronabedingten Stundung der Beiträge. Damit ein Antrag erfolgreich ist, müssen Betriebe ihre wirtschaftliche Notsituation nachweisen. Dies muss in Form einer E-Mail mit Mitgliedsnummer und Begründung an die Adresse ba.koeln@bgetem.de erfolgen. Darin sollten die Betriebe auch angeben, zu welchen Raten sie den gestundeten Beitrag ausgleichen können.

  • BGHM: Für Beitragsstundungen aufgrund der Coronapandemie müssen Betriebe einen formlosen Antrag stellen und Zahlungsschwierigkeiten belegen. Die Hauptabteilung Beitrag und Finanzen der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) beantwortet Fragen der Betriebe zu diesem Thema. Erreichbar ist sie unter der Telefonnummer 0800/99900801 oder per E-Mail an mitgliederservice@bghm.de.

  • BGN: In der Berufsgenossenschaft Nahrung und Gastgewerbe (BGN) sind Betriebe aus Gastronomie und Hotelwesen versichert. Auch Schausteller und Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk sind Mitglieder. Diese Branchen sind stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Vor diesem Hintergrund ermöglicht die BGN weiter