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Corona-Auswirkungen auf Versicherungen Betriebsschließungsversicherung: Geschützt vor der nächsten Pandemie?

Derzeit kündigen die Assekuranzen ihren Kunden alle Betriebsschließungsversicherungen (BSV) und bieten neue an. In diesen sind Pandemiefälle ausgeschlossen. Das ist eine Reaktion auf die jüngsten Entscheidungen der Gerichte, die die Versicherer zur Zahlung aus der BSV verpflichten. Nach Schätzungen wird Corona die Branche rund 100 Millionen Euro kosten. Ob künftig eine Pandemie-Absicherung möglich sein wird, diskutieren die Versicherer aktuell.

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Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte jüngst einen Beitrag von Nita Madhav und Ben Oppenheim zur Entwicklung einer Pandemieversicherung. Madhav ist Epidemiologin und Geschäftsführerin des US-Unternehmens Metabiota, das Pandemierisiken modellhaft erfasst sowie Regierungen und Konzerne im Umgang mit globalen Katastrophen berät. Oppenheim ist Politikwissenschaftler und Leiter des Bereichs Produkt, Politik und Partnerschaften bei Metabiota.

Pandemieversicherung ist machbar

Die beiden Autoren schreiben, dass nicht alle kommenden Pandemien ein systemisches Risiko darstellen und dass kleinere Epidemien immer noch ernsthafte, wenn auch geografisch begrenzte, Schäden verursachen können. Diese Tatsache unterstreiche sowohl die Notwendigkeit einer Pandemieversicherung als auch ihre finanzielle Tragfähigkeit. „Das Risiko lässt sich modellieren, bepreisen und managen – selbst mit den heute verfügbaren Instrumenten“, schreiben Madhav und Oppenheim.

Wenn das Prinzip nicht mehr funktioniert

Das Problem: Versicherung funktioniert nach dem Prinzip der großen Zahl. Versichert werden viele, da aber nur ein kleiner Teil der Versicherten tatsächlich einen Leistungsfall auslöst, kann die Gesamtheit der Versicherten die Belastung tragen. Bei einer Pandemie funktioniert dieses Modell aber nicht.

Schutz nur mit Regierungsbeteiligung

Nicht nur die Versicherer machen sich gedanken, wie sie diese Risiken absichern können. Auch die Regierungen überlegen, wie der Schutz der Menschen und Unternehmen von globaler Bedrohung gelingen kann. Der wichtigste Ansatz, den Regierungen derzeit verfolgten, bestehe darin, einen öffentlichen Rückversicherer als letzte Instanz hinter die privaten (Rück-)Versicherer zu setzen. Dies werde für die Schaffung eines privaten Marktes wichtig sein. Ohne staatliches Eingreifen werde sich die Pandemieversicherung vermutlich nur langsam und schrittweise entwickeln – vielleicht zu spät für die nächste globale Seuche, warnen die Autoren. Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V äußerte sich jüngst ähnlich. Pandemie-Schäden seien von den Versicherern allein nicht zu stemmen, die Prämien für die Kunden wären sonst unbezahlbar hoch oder die Branche würde bei der nächsten Pandemie selbst untergehen.

Ein europäischer Fonds als Lösung

Auch Allianz-Chef Oliver Bäte warnt vor den enormen Folgen, die eine Pandemie und besonders schwere Naturkatastrophen für die Versicherer haben können. Er plädiert für die Schaffung eines europäischen Fonds, der die finanziellen Folgen von Krisen abfedern könnte. Die britische Lloyds-Versicherung hat hochgerechnet, wie viel Geld die Pandemie die Versicherer kosten wird und kommt auf knapp 100 Milliarden Euro Schaden – nie gab es einen Versicherungsfall, der teurer war. Rund ein Drittel der Summe werde aufgrund von Ausfallversicherungen für Großveranstaltungen fließen, insbesondere bei Sport und Kultur.

GDV plant privat-staatliche Lösung

Nun arbeitet der GDV an einem Konzept, um Pandemie-Risiken effizienter abzusichern. Der Plan ist, mithilfe einer Arbeitsgruppe eine privat-staatliche Deckung für kleine und mittlere Unternehmen zu entwickeln. Joachim Wenning, Vorstandschef des Rückversicherers Munich Re, hat einen Vorschlag, der diese Idee aufgreift. Er meint, bei einem künftigen Lockdown könnten die Versicherer die Leistungssumme begrenzen, als nur bis zu einem bestimmten Betrag Versicherungsschutz bieten. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Im Gegenzug erhält sie eine entsprechende Risikoprämie. Wird der Betrag überschritten, könnte der Staat einspringen – aber unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen sich selbst versichert hat."

Der Vorteil der Klarheit

Eine solche Versicherung würde hohe Akzeptanz finden. „Jeder wüsste, was gedeckt ist und was nicht. Mit anderen Worten: Wer sich impft, erhält die notwendige Rückendeckung von Versicherung und Staat, wenn es ernst wird. Wir liefern den Impfstoff für die Wirtschaft“, sagte Wening.

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