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SARS-CoV-2-Bestimmungen Neue Corona-Arbeitsschutzverordnung: "Homeoffice light" und medizinische Schutzmasken

Ein wenig erfolgreicher Lockdown light und immer mehr Warnungen vor Virus-Mutanten mit höheren Ansteckungsrisiken: vor diesem Hintergrund hat der Gesetzgeber im Januar nicht nur eine SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung erlassen, auch eine neue Arbeitsschutzregel ist in Sicht. Was Chefs jetzt umsetzen müssen.

Topic channels: TS Coronavirus und TS Arbeitsschutz und Gesundheit

Die bereits bestehenden und inzwischen gut bekannten Vorgaben zu Hygiene und Infektionsschutz gelten selbstverständlich weiter. Jeder Arbeitgeber soll sicherstellen, dass seine Beschäftigten

  • die Zahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen minimieren.
  • den Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Personen einhalten.
  • Atemschutz tragen, wenn das Abstandhalten nicht möglich ist.
  • die Betriebsräume regelmäßig lüften.
 

Durch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung werden diese Grundregeln um weitere Bestimmungen ergänzt: 

Wo immer möglich, muss der Chef Homeoffice anbieten

Der Arbeitgeber muss Homeoffice anbieten und zwar „bei Büroarbeit und vergleichbaren Tätigkeiten“. Büroarbeit ist klar, aber was könnten im Handwerk „vergleichbare Tätigkeiten“ sein? Das Bundesarbeitsministerium definiert sie als solche Aufgaben, die „unter Verwendung von Informationstechnologien von zu Hause aus erledigt werden können“. Kurzum, alles was ein Mitarbeiter am PC, Notebook oder Smartphone erledigen kann, soll er von zuhause aus tun und dafür gar nicht erst in den Betrieb kommen. Einen Rechtsanspruch auf das Arbeiten von zuhause aus, haben Beschäftigte damit jedoch nicht. Umgekehrt darf der Chef auch niemanden zum Arbeiten im Homeoffice zwingen. Eine juristische Bewertung in einem konkreten Konfliktfall ist nicht ganz einfach. Unbedingt zu empfehlen ist, das Verlegen von Arbeiten ins Homeoffice einvernehmlich zu regeln.

Feste Teams, um Kontakte zu minimieren

Ab zehn Beschäftigten soll der Chef seine Mitarbeiter in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen einteilen. Die Angehörigen eines solchen Teams sollen dann unter sich bleiben. Diese Regel ist nachvollziehbar um Ansteckungen zu vermeiden. Sie macht aber nur dann Sinn, wenn sie auch konsequent eingehalten wird und die Kollegen nicht – etwa in Pausen oder auf der Fahrt zur Baustelle – dann doch eng und ungeschützt zusammensitzen.  

Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person

Für alle anderen Tätigkeiten, bei denen Homeoffice nicht möglich ist, gilt nun, dass jede Person in einem gemeinsam genutzten Raum wie etwa einer Werkstatt mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung haben soll. Wenn es nicht möglich ist, diese begrenzte Raumbelegung einzuhalten, gelten zwei Punkte:

 
  1. Der Arbeitgeber muss andere Möglichkeiten zum Infektionsschutz finden, etwa durch Lüftungsmaßnahmen oder geeignete Abtrennungen.
  2. Die Mitarbeiter müssen Atemschutz tragen. 

Medizinischer Atemschutz wird zur Pflicht!

Neu ist, dass die einfachen Masken aus Stoff, oft als Alltagsmaske bezeichnet und unter Arbeitsschützen als Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) bekannt, am Arbeitsplatz nicht mehr zulässig sind. Der Atemschutz für Beschäftigte muss nun mindestens dem Schutzgrad medizinischer Schutzmasken entsprechen, das sind die (meist hellblauen) OP-Masken oder FFP2-Masken. Diese neuen Vorgaben gelten zunächst bis zum 15. März 2021. Diese Frist ist im Verordnungstext genannt, je nach Infektionslage zu diesem Zeitpunkt ist eine Verlängerung möglich. 

Neue Arbeitsschutzregel konkretisiert Hygieneanforderungen

Ebenfalls im Auge behalten sollten Betriebsleiter die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, denn deren erste Fassung vom August wird gerade überarbeitet. Dabei geht es jedoch weniger um eine Verschärfung als um mehr Klarheit. Zu Redaktionsschluss war die neue Regel noch nicht veröffentlicht, im Entwurf deuten sich jedoch folgende Änderungen an:

Für Abtrennungen, wie sie etwa an Kassenarbeitsplätzen oder Bedientheken inzwischen Standard sind, sollen künftig folgende Mindesthöhen gelten:

  • 1,50 m zwischen sitzenden Personen
  • 1,80 m zwischen sitzenden und gegenüberstehenden Personen (zum Beispiel Mitarbeiter und Kunden)
  • 2,00 m zwischen stehenden Personen.
 

Links und rechts soll ein Sicherheitsaufschlag von 30 cm vorhanden sein.

Die weiteren vorgesehenen Änderungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel beziehen sich im Wesentlichen auf konkretere Vorgaben zur Raumluftqualität. Gesundheitsverantwortliche sollen damit eine klarere Orientierung erhalten, etwa

  • beim Berechnen von Lüftungsintervallen und Festlegen von Lüftungsdauern unter Beachtung von Raumvolumen, Personenbelegung, körperlicher Aktivität und Luftwechsel
  • beim Auswählen geeigneter Filter zum Abscheiden von Viren und virenbelasteten Aerosolen
  • beim Einsatz von Luftreinigern
 

Klare Ansage an das Team: bei Symptomen zuhause bleiben!

Besonders wichtig bleibt nach wie vor: Wer Krankheitssymptome zeigt, soll zuhause bleiben. Wer gut gemeint die Kollegen bei hoher Arbeitsbelastung unterstützen will, riskiert, dass er den Coronavirus – oder auch die Erreger von Schnupfen, Erkältungen, Grippe usw. – weiterverbreitet und kurz darauf Kollegen erkranken oder im Extremfall die ganze Belegschaft in Quarantäne muss.

    

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Corona Gefährdungsbeurteilung Bau (PDF, 283 kB)

    Sich im eigenen Betrieb vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen ist schon anspruchsvoll genug. Noch größer ist die Herausforderung auf Bau- und Montagestellen, die ständig wechseln und jeweils mehr...

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