Die Welt im Krisenmodus Schnelle Liquidität: 10 Tipps für Handwerksbetriebe

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Wenn die Kosten steigen und die Zahlungsmoral der Kunden sinkt, geraten Betriebe schnell in Liquiditätsengpässe. Damit die Zahlungsfähigkeit gesichert wird können Unternehmer kurzfristig und langfristig wirkende Maßnahmen ergreifen. Hier sind die zehn besten Tipps zur Sicherung der Liquidität.

Die Finanzen im Schraubstock der Krise
Die Finanzen im Schraubstock der Krise. Jetzt ist gutes Liquiditätsmanagement gefordert. – © nmann77 – stock.adobe.com

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist nicht gut: Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli auf 88,6 Punkte gefallen, nach 92,2 Punkten im Juni – der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Das heißt: Die Unternehmen erwarten deutlich schlechtere Geschäfte im Winterhalbjahr. Die Sorge gilt vor allem einer branchenübergreifenden Rezession. Und auch mit ihrer aktuellen Lage sind die Unternehmer heute unzufriedener als vor einem Jahr. Insbesondere der Einzelhandel kämpft mit dem größten Umsatzrückgang seit 1994.

Doch betroffen sind eigentlich fast alle Betriebe. Sowohl jene, die viel Energie und Gas für ihre Produktion benötigen als auch solche, die vom privaten Konsum abhängen und solche, die Probleme mit Lieferketten und Materialmangel haben. Darüber hinaus kommen die Betriebe, die in der Pandemie Kredite aus dem KfW-Sonderprogramm aufgenommen haben, nun in die Rückzahlungsphase. So werde erst nach und nach klar, wie es um einzelne Unternehmen wirklich bestellt sei, schreibt Dr. Hendrik Hartenstein, Leiter Unternehmensfinanzierung beim Bundesverband Deutscher Banken (BdB) in seinem jüngsten Bericht.

Wofür wird Liquidität benötigt?

Unternehmer sollten in dieser angespannten Lage ihre Liquiditätsplanung in den Fokus nehmen. Die erste Frage ist: Wofür wird Liquidität benötigt? Dies können neben Personal- und Fuhrparkkosten beispielsweise Warenlieferungen, Kredite oder auch Energie- und Mietkosten sein. Die zweite Frage: Reichen die vorhandenen liquiden Mittel, wie Guthaben und Sparguthaben aus, um die im Winter anstehenden Kosten zu decken. Dies immer unter Berücksichtigung möglicherweise verzögerter Einnahmen. Denn sowohl erneute Coronamaßnahmen können die Geschäftstätigkeit behindern als auch Kunden können aufgrund der unsicheren Gesamtlage Aufträge stornieren oder die Handwerkerleistung später bezahlen als üblich. Ziel ist des Unternehmers ist es deshalb, eine Finanzierungslücke gar nicht erst entstehen zu lassen.

Liquiditätsmanagement wird wichtiger

Den tagesaktuellen Überblick über Ein- und Ausgaben zu haben, ist die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Liquiditätsmanagement. Dies hilft beim Abgleich mit den Planungszahlen und lässt Unternehmer Abweichungen besonders schnell erkennen. Reichen die liquiden Mittel nicht aus, um Rechnungen zu bezahlen? Dann ist schnelles Handeln gefordert, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Liquiditätssicherung: Diese Maßnahmen helfen

Die Experten von der Aktivbank-Factoring, Mitglied im Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), haben zehn Maßnahmen zusammengetragen, die Unternehmern helfen können, ihre Liquidität zu sichern.

  1. Einkaufskosten reduzieren
    Mit Lieferanten oder weiteren Zulieferern über Preise, Mengenrabatte, oder Skontozahlungen verhandeln.
  2. Leasing als Finanzierungsalternative
    Nicht immer ist der Kauf von Gütern die beste Wahl. Manchmal ist es auch Leasing. Wer beispielsweise in einer Branche mit hoher Innovationskraft arbeitet, kann per Leasing seinen Maschinenbestand modern halten. Zudem bindet Leasing weniger Liquidität als der Kauf. Es hilft Handwerkern also ihre Liquidität zu verbessern.
  3. Kredite nutzen
    Aktuell sind die Konditionen für Investitionskredite und bei Krediten der KfW-Bank noch sehr günstig. Angesichts der hohen Inflation müssen Unternehmer mit steigenden Zinsen rechnen. Es ist daher sinnvoll, langfristig gebundenes Vermögen (etwa für den Kauf einer Maschine) auch langfristig finanziert zu haben.
  4. Waren- und Lagerkapazitäten verringern
    Material- und Lieferengpässe legen eine umfangreiche Lagerhaltung nahe. Wer nicht von Engpässen betroffen ist, kann über reduzierte Lagerkapazitäten nachdenken, um weniger Eigenkapital zu binden.
  5. Steuervorteile beachten
    Hier hilft der Steuerberater: Nutzt der Unternehmer bereits alle Freibeträge? Können Steuervorauszahlungen reduziert werden – beispielsweise, weil der Umsatz zurückgegangen ist?
  6. Reisekosten reduzieren
    Kunden- und Messebesuche sind wichtig. Dennoch kosten sie Zeit und Geld. Wer sparen möchte, kann an dieser Stelle eventuell auf die ein oder andere Reise verzichten. Oft sind Videokonferenzen, zumindest zeitlich befristet, kein schlechter Ersatz für ein persönliches Treffen.
  7. Zahlungsausfallschutz versichern
    Bei großen Aufträgen sollten Handwerker nun vorsichtiger sein. Ist der Kunde neu, ist die Überprüfung der Bonität besonders wichtig. Aber auch Altkunden können in diesen schwierigen Zeiten in Liquiditätsschwierigkeiten stecken. Insofern ist die Bonitätsprüfung heute tatsächlich bei allen Auftraggebern ein Muss. Wer ganz sicher gehen will, kann Vorauskasse für bestimmte Projektfortschritte, höhere Anzahlungen oder auch eine Bezahlung nach Projektfortschritt vereinbaren. Mit einer Warenkreditversicherung sichern Handwerker den Zahlungsausfall ab. Ein 100% Zahlungsausfallschutz ist möglich.
  8. Factoring nutzen
    Wer Factoring nutzt, also seine Rechnungen verkauft, kommt schneller an Liquidität. Denn der Factor begleicht die eingereichten Rechnungen innerhalb kürzester Zeit. Achtung: Hier gibt es große Unterschiede bei den Leistungen. Handwerker sollten vergleichen. Worauf sie achten sollten, haben wir im Beitrag „Factoring – mehr Liquidität, weniger Aufwand“ intensiv erklärt. Schöner Nebeneffekt: Mehr Liquidität bedeutet auch, eigene Lieferanten schneller bezahlen – und bessere Konditionen verhandeln zu können.
  9. Marketingkosten überprüfen
    Marketing ist wichtig – und oft teuer. Sprechen Kunden aufgrund der wirtschaftlichen Engpässe aktuell ohnehin kaum auf Werbemaßnahmen an, können die Maßnahmen vorübergehend reduziert werden. Mit Kosteneinsparungen lässt sich die Liquidität verbessern.
  10. Mahnwesen und Forderungsmanagement betreiben
    Rechnungen sollten Handwerker jetzt direkt nach Erbringung der Lieferung oder Leistung stellen. Sie können auch Zahlungsziele verkürzen und Zahlungskonditionen verschärfen. Besonders wichtig ist auch das Mahnwesen: Eine Vorlage für ein Mahnschreiben (1. und 2. Mahnung) finden Sie hier. Konsequent zu sein, ist an dieser Stelle der Schlüssel zur eigenen Liquidität.