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Das Wirtschafts-Blog von Olaf Deininger Chefsache: Die DATEV steigt ins Plattform-Geschäft ein

Was macht die Wirtschaft? Wohin geht die Entwicklung? Wer sind die Treiber? Der aktuelle Wirtschafts-Blog von handwerk-magazin-Chefredakteur Olaf Deininger liefert Antworten und analysiert Hintergründe. Aktuell: Die DATEV steigt ins Plattform-Geschäft ein.

Themenseiten: TS Zukunftsperspektiven im Handwerk, Themenseite Digitalisierungsgrad der Gewerke und TS Konjunktur

Wenn alles wie geplant läuft, läutet die Jahrespressekonferenz der DATEV am gestrigen Freitag in Nürnberg wahrscheinlich eine neue Epoche in die Geschichte der Genossenschaft ein.

14.07.2018: Die DATEV steigt ins Plattform-Geschäft ein

Denn dort stellte der Vorstandsvorsitzende Dr. Robert Mayr ein Projekt vor, das mit mit dem bisherigen Selbstverständnis der DATEV kaum möglich gewesen wäre. Doch eigentlich besteht das Projekt aus vier Einzelprojekten, die sich ergänzen sollen:

1. eine umfassende Online-Plattform inklusive App für die Organisation von privaten Finanzen – natürlich inkl. sämtlicher steuerlicher Aspekte. Zielgruppe - und das ist die erste Sensation: private Steuerbürger. Damit verlässt die DATEV ihr jahrzehntelang gepflegtes Dogma, ausschließlich im Business-to-Business-Markt aktiv zu sein.

2. eine Integrationsplattform, die für die neuen Consumer-Kunden alle finanziellen Partner einbinden können. Einfach gesagt: mit der oben beschriebenen Lösung sollen Kunden künftig in der Lage sein, auch die Transaktionen bei ihren unterschiedlichen Banken organisieren zu können. Kunden brauchen dann nicht mehr ihre Volksbank- oder Sparkassen-App starten, wenn sie eine Überweisung machen möchten. Das kann man künftig von der DATEV-App aus machen, die - logisch - bestimmte Transaktionen gleich für die Steuererklärung festhält. Beispiel: Werden etwa die Kosten für eine Weiterbildung überwiesen, merkt sich die Anwendung diesen Betrag gleich unter Werbekosten für die Einkommensteuererklärung oder für den Lohnsteuerjahresausgleich vor.

3. eine Plattform, die Steuerberatern neue Kunden generiert. Natürlich soll die Steuerbürgerplattform all jeden Nutzern, die keine Lust haben, ihre Steuererklärung selbst zu erstellen, den geeigneten Steuerberater vermitteln. Dabei werden dann nur solche Berater berücksichtigt, die bereits DATEV-Kunden sind und die - wenn der Nutzer dies wünscht - in der Nähe und gut zu erreichen sind. Doch nicht nur das.

4. eine Funktion zur Bewertung von Steuerberatern. Weiteres Kriterium neben DATEV-Zugehörigkeit und regionaler Nähe sollen auch Kunden- oder Mandanten-Bewertungen über Steuerberatern sein. Der Nutzer kann sich anzeigen lassen, wie zufrieden die Mandanten mit dem jeweiligen Steuerberater sind. Damit schafft die DATEV ein weiteres, diesmal vom Kunden selbst getriebenes Qualitätssicherungs-System. Sie sorgt damit auch für eine steigende Kundenorientierung der Kanzleien und Steuerberaterbüros sowie erhöht den Innovationsdruck auf die Berater.

Zur steigenden Relevanz der Plattform-Ökonomie für alle Branchen erklärte DATEV-Chef Mayr auf der Pressekonferenz: „ Was für den Kunden ein echter Mehrwert ist, bedeutet für den eigentlichen Leistungsersteller: Er verliert den direkten Kundenkontakt, verschwindet hinter der Plattform und wird auswechselbar. Wir sehen, dass diese sogenannte Plattformökonomie in allen Branchen um sich greift, auch vor der Steuerberatung macht sie nicht halt.“ Wer die gesame Rede lesen möchte: Hier geht es zur Quelle: https://www.datev.de/web/de/m/presse/im-fokus/aktuelle-themen/jahrespressekonferenz/dr-robert-mayr-vorsitznder-des-vorstands-datev-eg.html

Auch am Handwerk gehen diese Entwicklungen natürlich nicht vorbei. Das sehen wir etwa an Projekten wie der Heizungs-Installations-Plattform Thermondo (thermondo.de) oder am Badsanierungs-Portal Banovo (banovo.de). Dazu in Kürze mehr.

  • Eine umfassende Analyse der Hintergründe der Plattform-Ökonmie finden Sie in unserer Juni-Ausgabe . Alle Trends und aktuellen Entwicklungen zum Thema erfahren Sie auf unserer Themenseite " Plattform Business "

PS: Zu unserem gemeinsamen Projekt "DATEV Smart Transfer" zusammen mit Würth und DATEV erfahren Sie auf unserer Website in Kürze mehr.

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11.07.2018: Der Handelsstreit zwischen USA und China eskaliert

Nachdem die USA vergangenen Samstag die Sonderzölle auf eine Reihe von Produkten aus China in Kraft gesetzt haben, das Riesenreich darauf ebenfalls mit erhöhten Zöllen auf bestimmte US-Waren reagiert hat, legt US-Präsident Trump heute nach: Eine neue Liste definiert weitere Produkte, die in zwei Monaten mit Extrazöllen belegt werden sollen.

Neue alte Freunde: China braucht neue wirtschaftliche Verbündete. Denn seit Trump keine Eskalation im Handelskrieg scheut, sieht sich das Riesenreich zunehmend unter Druck. So warb Chinas Premier Li Kegiang beim Staatsbesuch Anfang der Woche in Berlin um die deutsche und die europäische Wirtschaft.

Deutsche Firmen unterzeichneten in Berlin rund 22 Abkommen mit chinesischen Unternehmen, darunter Kooperationsvereinbarungen für autonomes Fahren und die Entwicklung einer Plattform für das Internet der Dinge.

Eigentlich eine gute Gelegenheit, um mit China über die weitere Lockerungen der Bedingungen für Investitionen im Reich der Mitte zu sprechen. Denn bislang müssen westliche Unternehmen, die in China eigene Kapazitäten aufbauen wollten, stets eine chinesische Firma mit als Gesellschafter aufnehmen. Zwar wurde dieser Joint-Venture-Zwang gelockert, doch erst in 2020 soll die Senkung der Beteiligungsgrenzen für Nutzfahrzeuge kommen. Ab 2022 dann die Verringerung der Grenzen für PKWs und die Aufhebung der Beschränkung auf zwei Joint Venture Partner. Nach einer fünfjährigen Übergangsfrist sollen sämtliche Beteiligungsbeschränkungen entfallen.

Wohl im Gegenzug will der chinesische Konzern CATL für einen dreistelligen Milllionenbetrag die größte Akkufabrik Europas im thüringischen Erfurt bauen. Mitinvestor und erster Kunde ist BMW. Die Bayern wollen sich günstige Konditionen sichern und Akkus im Wert von 1,5 Milliarden Euro abnehmen, die in Deutschland in Automobile verbaut werden sollen.

Das zeigt auch, wie sehr wiederum die deutsche Automobilindustrie unter Druck steht: Denn hätte sie eigenes Know How, um Speicherzellen für Elektroautos zu bauen, würde BMW kaum den Bau des chinesischen CATL-Werk in Erfurt unterstützen.

  • Lieferanten der Automobilindustrie sollten als Risiko-Streuung über Diversifikation nachdenken. Tipps dazu auf unserer Themenseite Wachstum

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05.07.2018: Der IWF warnt vor einer Immobilienblase in Deutschland

In Deutschlands Großstädten seien die Haus- und Wohnungspreise schneller gestiegen, als dies durch Nachfrage und Fundamentaldaten erklärt werden könne, sagen die Experten des Internationalen Währungsfonds.

Die allgemeine bundesweite Preisentwicklung gäbe zwar keinen Anlass für Alarm, sagt der IWF. Doch für München, Hamburg, Frankfurt, Hannover, Stuttgart und Düsseldorf hätten sich die Kaufpreise ungewöhnlich stark erhöht - sowohl "im Verhältnis zu anderen Kennzahlen wie Einkommen oder Mieten, als auch im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten." Das veröffentlichte der Spiegel heute früh (IWF-Warnung: In deutschen Großstädten drohen Preisblasen) und zitierte damit den jährlichen IWF-Bericht zur Bundesrepublik, der heute veröffentlicht wurde und dem SPIEGEL vorab vorlag.

Am stärksten überbewertet seien die Preise laut IWF in München, wo im Jahr 2017 rund 46 Prozent über dem Niveau lag, das man aufgrund von Fundamentaldaten erwartet hätte. In Hannover, Hamburg und Frankfurt läge die Abweichung 25 bis 30 Prozent. In Stuttgart und Düsseldorf gebe es eine Überbewertung von 10 bis 15 Prozent, "allerdings scheine dieser Trend im vergangenen Jahr unterbrochen worden zu sein", schreibt der Spiegel.

Der Deutsche Welle veröffentlichte heute unter der Headline IWF: Mögliche Immobilienblase ein Risiko für deutsche Wirtschaft eine entsprechende Einschätzung der Bundesbank, wonach "das deutsche Finanzsystem einen Rückgang der Immobilienpreise um bis zu 30 Prozent verkraften" könne: "Die Kapitalausstattung der Banken sei dafür ausreichend, selbst wenn zeitgleich die Arbeitslosenquote auf acht Prozent hochschnellen sollte. Die Bundesbank hält 15 bis 30 Prozent der Wohnimmobilien - vor allem in Ballungsgebieten - für überbewertet."

Diese Entwicklung liefert Grund für Investoren und Anleger sich die individuelle lokale Standortentwicklung von Immobilien genau anzusehen und sich nicht auf eine automatische Wertsteigerung des Standortes allgemein zu verlassen.

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04.07.2018: Trauerarbeit und die neue deutsche Krankheit

Spiegel Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schreibt über Innovationsfeindlichkeit als die neue deutsche Krankheit in Politik, Wirtschaft und im Fußball. Ein absolut lesenswerter Text.

Am Abend der entscheidenden Niederlage der deutschen Mannschaft und dem Ausscheiden des Teams aus dem Weltmeisterschaftsturnier dachte ich noch: Das wird morgen Staatstrauer geben. Doch einige Tage später musste ich feststellen: Nicht nur das. Denn mitten in die noch laufende Trauerarbeit krachte letzten Samstag der SPIEGEL mit einer beachtenswerten Titelgeschichte. Headline: „Fußball, Politik, Wirtschaft: Es war einmal ein starkes Land“. Illustriert wurde das Stück mit den verlaufenden Farben der Deutschlandfahne. Im Leitartikel auf Seite 6 fasst Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die Thesen zusammen. Sein Fazit - das treffender nicht sein könnte - möchte ich Ihnen deshalb nicht vorenthalten:

„Die diversen deutschen Krisen verbindet die Tatsache, dass die Welt noch vor wenigen Jahren mit Ehrfurcht, zumindest mit Respekt auf Deutschland blickte: Angela Merkel war die Chefin Europas, deutsche Autos waren begehrt, der deutsche Fußball schien eine stabile Symbiose von Seriosität und Kreativität gefunden zu haben. Wenn es nun eine deutsche Krankheit zu beklagen gibt, dann diese: der sture Glaube an Bewährtes, an Strukturen, die einst funktionierten; die Verweigerung von Einschnitten und Veränderung. Es ist der Versuch, einen nicht konservierbaren Status quo irgendwie bitte, bitte doch zu konservieren; es ist die wütende Ablenkung durch aufgeblasene Konflikte um Identität und Abgrenzung. Es ist der Irrtum, dass Fortschritt ohne Störungen funktioniere. Den Deutschen scheint Innovationslust und Abenteuergier abhandengekommen zu sein – und ein wenig sogar ihr Fleiß und ihre Genauigkeit.“  

Wie wahr. Eine ausländische Tageszeitung - ich kann leider nicht mehr sagen welche - tröstete uns angesichts der Selbstdiagnose des SPIEGELS einige Tage später mit dem Satz (sinngemäß): "Ihr Deutschen, seid nicht so theatralisch". Auch wieder wahr.

Nachtrag: Wie recht Kollege Brinkbäumer hat, wenn er schreibt, dass die "wütende Ablenkung durch aufgeblasene Konflikte um Identität und Abgrenzung" ein Krankheitssymptom sei, sehen wir hier bei handwerk magazin ganz aktuell: Wegen einer jungen Frau mit einem Kopftuch - genauer einer Hidschab - auf unserem aktuellen Juli-Titelbild wirft uns die AfD Mittelsachsen vor, frauenfeindlich und diskriminierend zu sein. Hier unser Bericht: https://www.handwerk-magazin.de/afd-erregt-sich-ueber-juli-titelbild-von-handwerk-magazin/150/12/374118

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02.07.2018: EZB erreicht Inflationsziel und will bei Anleihepolitik bleiben

Vergangenen Freitag veröffentlichte das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg die aktuelle Entwicklung der Inflation bei den Verbaucherpreisen: Demnach wird die „jährliche Inflation im Euroraum im Juni 2018 auf 2,0 Prozent geschätzt, gegenüber 1,9 Prozent im Mai“. Damit übertrifft die Entwicklung leicht die Ziele der EZB.

Die Gründe für den Anstieg der Inflation liegen überwiegend in der Entwicklung der Energiepreise und hier hauptsächlich beim Öl: „Im Hinblick auf die Hauptkomponenten der Inflation im Euroraum wird erwartet, dass Energie im Juni die höchste jährliche Rate aufweist (8,0%, gegenüber 6,1% im Mai), gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (2,8%, gegenüber 2,5% im Mai), Dienstleistungen (1,3%, gegenüber 1,6% im Mai) und Industriegütern ohne Energie (0,4%, gegenüber 0,3% im Mai)“, heißt es in der Pressemeldung.

Mit dem Wert von 2,0 Prozent wurde der von der Europäischen Zentralbank (EZB) im Euroraum angestrebte Wert von 1,9 Prozent leicht übertroffen. Die EZB gibt sich zuversichtlich, dass die Inflation auf diesem Niveau bleibt und kündigte im Juni das Ende ihrer Anleihekäufe (inzwischen mehr als zwei Billionen Euro) zum Jahresende an. Die Zinsen im Euro-Raum sollen aber bis mindestens „über den Sommer“ 2019 auf dem jetzigen Rekordtief verharren. Das scheint mittlerweile überholt.

Zum Hintergrund: Rund 2 Prozent Inflation sind für die EZB ein Zeichen für "stabile Preise", deshalb strebt sie diesen Wert an. Die Niedrigzinsen sollen für ein günstiges Investitionsklima sorgen. Mit den Anleihekäufen entschuldet die EZB die europäischen Staaten - auch die Bundesrepublik.

In einem am Samstag veröffentlichten Kommentar auf finanztreff.de (http://www.finanztreff.de/news/die-ezb-und-ihr-schlechtes-timing-ist-das-absicht/13185318) plädiert Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de, für eine Fortsetzung der Anleihekäufe und legt dar, weshalb die Bunderepublik einerseits besonders davon profitiere, die hochverschuldeten Euro-Staaten im Süden andererseits nicht so stark:

„Bis Ende 2018 wird die EZB fast 2,2 Billionen Euro an Schulden vom Markt genommen haben. Allein auf Deutschland entfallen gut 500 Mrd. Das entspricht knapp 25 % aller ausstehenden Schulden der Bundesrepublik. Slowenien und die Slowakei haben noch mehr profitiert. Hier gehören der Notenbank dann 28,4 % bzw. 26,5 % der Schulden. Länder mit überdurchschnittlich hoher Verschuldung, z.B. Italien, profitieren weniger. Hier hält die Notenbank am Ende „nur“ 15 % der Schulden.

Länder wie Deutschland werden bei dem Programm begünstigt, weil sie einen hohen Anteil am Kapital der Notenbank haben. Nach dem Kapitalschlüssel entscheidet sich wie viel gekauft werden muss. Gleichzeitig ist die Verschuldung unterdurchschnittlich. Dadurch wird von der Notenbank ein überproportional hoher Anteil an den Schulden gehalten. Für hochverschuldete Länder hilft das QE Programm, ist aber am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Portugal ist mit 130 % seiner Wirtschaftsleistung verschuldet. 19 Prozentpunkte hält die Notenbank. Das lässt für Privatinvestoren immer noch über 110 %. Es ändert das Gesamtbild kaum."

Sein Fazit: "Die Zinsen werden frühestens im zweiten Halbjahr 2019 steigen. Das ist für die hochverschuldeten Staaten ein Lichtblick, aber vermutlich nicht genug. Die Wirtschaft beginnt sich gerade abzuschwächen. Robustes Wachstum hat im vergangenen Jahr die Verschuldung fast überall sinken oder stagnieren lassen. Langsameres Wachstum wird das erschweren. (... ) Die geldpolitische Wende kommt in einer kritischen Phase. Sie fällt in den Abschwung hinein."

Am gestrigen Sonntag veröffentlichten die Deutschen Wirtschafts Nachrichten eine Meldung (https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/07/01/ezb-kauf-aus-gewinnen-von-omt-programm-staatsanleihen/) , wonach die EZB auch weiter Anleihen kaufen wird:

„Die EZB hat ein Ende ihres umstrittenen Kaufprogramms von Staatsanleihen der Euro-Länder zum Ende des laufenden Jahrs in Aussicht gestellt. Trotzdem wird sie auf unabsehbare Zukunft weiterhin Staatsanleihen kaufen, indem sie Gewinne aus den bestehenden und zur Reife gelangenden Anleihen in neue Papiere investiert. Laut Notenbank-Direktor Benoit Coeure werden das 2019 immerhin rund 15 Milliarden Euro pro Monat sein.“

Damit drüfte Wachstumsförderung angesichts erster Anzeichen für eine sich abkühlende Konjunktur oberstes Ziel der europäischen Geldpolitik bleiben.

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01.07.2018: Trumps Embargo gegen den Iran treibt den Ölpreis

Um mehr als drei Prozent stieg der Preis für Rohöl diese Woche. Experten gehen davon aus, dass dies nur der Beginn weiterer Preiserhöhungen sein wird.

Rund 2,8 Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl fördert der Iran jeden Tag. Diese Menge sei nicht durch freie Förderkapazitäten, die bei etwa rund einer Million Barrel pro Tag liegen, aufzufangen, sagt Carsten Fritsch, Commodity-Analyst bei der Commerzbank, im Deutschlandfunk. Hinzukämen Angebotsausfälle von Venezuela und Libyen. Besonders im nordafrikanischen Libyen dürfte der Kampf um die Vermarktungsrechte an Schärfe gewinnen. Das alles treibe den Ölpreis weiter.

Zwar will Trump dafür sorgen, dass Saudi Arabien und die Golfmonarchien ihre Fördermengen anheben, doch die OPEC kann kaum mehr als eine Million Barrel pro Tag zusätzlich liefern. Und diese Menge reicht nicht aus, um die Fördermenge des Iran auszugleichen. Weiter will Trump auf Fracking setzen, das bei steigenden Ölpreisen wirtschaftlich wieder attraktiv wird.

Der Barrel für Brent-Rohöl liegt im Augenblick bei rund 76 Dollar. Am Donnerstag war der US-Ölpreis mit 74,03 Dollar auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren gestiegen. Nordseeöl nähert sich unterdessen der 80-Dollar-Marke. Commodity-Analyst Fritsch kann sich Barrel-Preise im dreistelligen Bereich vorstellen. Ein solcher Ölpreisschock würde die Inflation nach oben drücken, die Zinsen treiben und die Konjunktur drücken. Fritsch spricht von einer "schweren Belastung der Weltwirtschaft".

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30.06.2018: Zeitenwende? Zeitenwende! Deshalb dieser Blog

Hätte man mir letzten Sommer gesagt, dass wir uns ein knappes Jahr später in einem mehr oder weniger offenen Handelskrieg mit den USA befinden, hätte ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Gleiches gilt, wenn man mir gesagt hätte, dass Europa oder gar die Union wegen der Flüchtlingsfrage auf der Kippe stehen. Beide Themen drücken auf den DAX, den Euro-Kurs und die Geldmärkte. Und während wir Extrazölle auf Harley-Davidson-Motorräder und Erdnussbutter erwägen, hebt die us-amerikanische Notenbank den Leitzins schrittweise vierteljährlich an und die deutschen Wirtschaftsinstitute diagnostizieren eine Konjunkturwende für die deutsche Industrie.

Die Wirtschaft wird immer komplexer und unübersichtlicher. Vielleicht auch unberechenbarer. Es scheint: die Gewissheiten der Vergangenheit gelten immer weniger. Damit entstehen eine Menge Fragen: Was bewirkt die Zinswende? Kommt die Konjunkturwende beim Handwerk an? Und wenn ja, wann? Was bedeutet die Rückkehr der Inflation? Frisst die europäische Schuldenkrise Ihre Altersvorsorge?

Weil diese und andere Fragen immer drängender werden, will ich ab sofort mehrmals die Woche den Versuch machen, das aktuelle Wirtschaftsgeschehen zu analysieren und einzuordnen. Dazu zählen Entwicklungen in der Wirtschaft, auf den Geld- und Aktienmärkten und natürlich auch in der Wirtschaftspolitik. Und das selbstverständlich aus der Sicht des unternehmerischen Mittelstandes.

Es geht aber auch um Hintergründe: Welche Treiber und welche dahinterstehenden Interessen bestimmen die wirtschaftliche Entwicklung? Was bedeutet das für Sie und ihr Unternehmen? Denn auch Sie und Ihr Unternehmen sind von den makroökonomischen Entwicklungen betroffen. Das zeigt sich besonders im Geld-, Aktien- und Rentenmarkt sowie bei Fragen der Altersvorsorge und der Geldanlage. Damit wird die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung zur Chefsache.

Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie Anregungen haben, eigene Beobachtungen beisteuern möchten oder etwa zu anderen Bewertungen kommen. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Olaf Deininger
olaf.deininger@handwerk-magazin.de

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