Andrea Eigel leitet zahlreiche Erfa-Gruppen – und ist somit ganz nah dran am Handwerk. In ihrer Kolumne beantwortet die Beraterin Fragestellungen aus der Praxis. Folge 27: Warum Minijobber im Handwerk echte Entlastung bringen können – wenn Aufgaben und Verantwortung sauber geregelt sind und Fachkräfte dort eingesetzt werden, wo sie wirklich Werte schaffen.

„Jeder soll das tun, was er am besten kann." Ein einfacher Satz – und doch im Handwerksalltag erstaunlich schwer umzusetzen. Gerade kleinere Betriebe kennen das Problem nur zu gut: Das Team ist knapp besetzt, neue Fachkräfte kommen nicht mal eben zur Tür hereinspaziert, die Aufträge sollen trotzdem sauber abgewickelt werden – und ganz nebenbei sollen Lager, Fahrzeuge und Hof bitte auch nicht aussehen wie nach einem kleinen Orkan.
Wenn das Chaos einmal wieder sichtbar getobt hat, bleiben Fragen offen: Findet man sich damit einfach ab? Oder schaut man genauer hin, welche Aufgaben wirklich von qualifizierten Fachkräften erledigt werden müssen – und welche auch jemand übernehmen kann, der nicht fürs Gewerk ausgebildet ist? Genau an dieser Stelle kommen Minijobber im Handwerk ins Spiel. Nicht als Notlösung. Sondern als kluge Verstärkung an der richtigen Stelle.
Ein Fall aus meiner Beratung: Nervige Unordnung, unter der alle leiden
In einer internen Schulung zum Thema Betriebsoptimierung kam in einem kleineren Handwerksbetrieb genau dieses Thema auf den Tisch. Die Mitarbeitenden sagten ehrlich: „Wir schaffen es in der Zeit einfach nicht." Gemeint war nicht die eigentliche Baustellenarbeit. Sondern alles, was danach noch dranhängt: Anhänger ausräumen, Restmaterial sortieren, Müll entsorgen, Lager aufräumen, Fahrzeuge pflegen.
Auch dem Chef war die Unordnung schon lange ein Dorn im Auge. Kurios wurde es, als seine Frau trocken zu ihm bemerkte: „Mach doch mal den Kofferraum von deinem eigenen Auto auf – wie willst du den anderen etwas über Ordnung erzählen?" Treffer versenkt. Denn das Problem war nicht fehlender Wille auf irgendeiner Seite. Es war die fehlende Zeit auf allen Seiten. Abends kommen die Teams müde von der Baustelle zurück. Niemand will noch den Anhänger leerräumen. Morgens ist dafür keine Lücke eingeplant. Also bleibt Material liegen. Tag für Tag. Und plötzlich steht da kein kleiner Haufen mehr, sondern ein System aus aufgeschobenen Entscheidungen.
Wenn Unordnung zum Kostenfaktor wird, helfen Minijobber im Handwerk
Die Folgen kennt fast jeder Betrieb: Man sucht Material, bestellt unnötig nach, kommt auf dem Hof kaum noch durch oder fährt mit Fahrzeugen zum Kunden, die eher nach Baustellenromantik als nach Visitenkarte aussehen. In der Runde entstand deshalb ein pragmatischer Gedanke: Warum nicht jemanden auf Minijob-Basis holen, der genau solche Aufgaben übernimmt? Spätnachmittags aufräumen, Fahrzeuge pflegen, Lager ordnen, Rückläufer sortieren. Denn eines ist klar: Das sind wichtige Aufgaben – aber nicht unbedingt die wertvollsten Tätigkeiten für hochqualifizierte Fachkräfte.
Minijobber im Handwerk: Wann sie wirklich entlasten
Ein Minijobber oder eine Minijobberin kann im Betrieb viel Luft schaffen – wenn man ihn oder sie richtig einsetzt. Entscheidend ist, dass daraus Unterstützung entsteht und keine Einladung zur Bequemlichkeit an den Rest des Teams. Worauf zu achten ist:
1. Aufgaben sauber festlegen: Es sollte klar geregelt sein, wofür die Hilfskraft zuständig ist. Zum Beispiel Lagerpflege, Fahrzeugreinigung, Anhänger entladen oder wiederkehrende Aufräumarbeiten. Auch Sonderaufgaben – etwa ein Regal neu strukturieren – können dazugehören.
2. Verantwortung bleibt im Team: Ein Minijobbender darf nicht zum betrieblichen „Ausputzer" werden. Wenn Gesellinnen, Gesellen oder Azubis plötzlich alles stehen lassen nach dem Motto „Räumt schon jemand weg", läuft etwas schief. Richtig dagegen ist, offensiv an alle Mitarbeitenden vom Meister bis zum Azubi zu vermitteln: „Unsere Hilfskraft entlastet euch zwar an genau definierten Stellen. Doch auch ihr seid weiterhin dafür verantwortlich, dass unser Betrieb ein aufgeräumtes Bild abgibt."
3. Ordnungsstandards nicht absenken: Die normalen Regeln im Betrieb müssen weiter gelten. Wer Restmaterial und Müll direkt auf der Baustelle vorsortiert, spart später Zeit. Genau das bleibt auch mit Unterstützung sinnvoll und notwendig.
4. Fachkräfte dort einsetzen, wo sie Werte schaffen: Wenn qualifizierte Mitarbeitende statt mit Suchen, Rangieren und Kehren lieber auf der Baustelle produktiv arbeiten, ist das oft der größere Hebel für den Betrieb. Diese Idee sollte das Team kennen.
5. Die Minijob-Rolle wertschätzend besetzen: Ausgelagerte Aufgaben sind nicht „unter der Würde" einer Fachkraft – und auch nicht minderwertig. Sie sind wichtig. Wer eine Hilfskraft dafür einsetzt, sollte das nie herablassend kommunizieren, sondern als sinnvolle Arbeitsteilung.
6. Geeignete Minijobbende finden: Wichtig bei der Auswahl der unterstützenden Kräfte ist, dass sie regelmäßig, verlässlich und ohne weiteren Termin-Koordinationsaufwand für den Betrieb da sein können – sonst frisst der Aufwand die Entlastung wieder auf. Für ständig wiederkehrende Arbeiten wie das werktägliche Aufräumen nach Baustellenschluss sollte daher eine fest verfügbare Kraft vorgesehen werden, etwa ein fitter Rentner oder ein engagierter Nebenjobber. Schüler ab 15 Jahren und Studierende stehen meist nur punktuell und allenfalls regelmäßig an Samstagen zur Verfügung. Falls es da sinnvolle Sonderaufgaben wie Firmenfahrzeuge waschen oder Lagersortierungsaufgaben gibt – warum nicht.
Fazit: Minijobber im Handwerk für die kluge Arbeitsteilung
Der Handwerkschef aus meinem Beispiel hat nach der Schulung reagiert. Er schrieb einen Minijob aus – mit klarem Schwerpunkt auf Nach-Baustellen-Ordnung, Lagerstruktur und Fahrzeugpflege. Keine Wunderwaffe. Aber ein sinnvoller Schritt, den der Betrieb jetzt mit einem Pensionär geht. Er ist abends an allen Werktagen vor Ort und kümmert sich mit bis zu elf Wochenstunden um all das, was sonst liegenbleiben würde.
Viele Betriebe haben nicht zu wenig Arbeit – sondern zu wenig Zeit dafür, alle Aufgaben mit hoher und vermeintlich niedrigerer Priorität gleichzeitig zu bedienen. Dann lohnt es sich, Aufgaben nach Qualifikation, Nutzen und Aufwand zu sortieren. Nicht jede Tätigkeit braucht den teuersten Kopf im Betrieb. Aber jede Tätigkeit braucht Verantwortung. Wenn das sauber geregelt ist, entlasten Minijobber im Handwerk das Team spürbar, schaffen mehr Ordnung und setzen Fachkräfte dort frei, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Damit sie tun, was sie am besten können – und die notwendigen einfachen Begleitarbeiten dennoch nicht liegenbleiben.
Nutzen Sie in Ihrem Betrieb Minijobber für Kleinarbeiten, Lager- und Fahrzeugpflege oder andere Ordnungsthemen? Was spricht für, was gegen diese Maßnahme? Schreiben Sie mir von Ihren Erfahrungen aus dem Handwerksalltag!
Über Kolumnistin Andrea Eigel:
Andrea Eigel unterstützt Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte im Handwerk dabei, Kunden und Mitarbeitende zu gewinnen und nachhaltig zu binden – und dabei auch selbst bei Lust und Laune zu bleiben.
Sie hält Vorträge, macht Workshops und Coachings, moderiert Veranstaltungen und leitet seit vielen Jahren Erfa-Gruppen. Nebenberuflich ist sie Dozentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

