9,82 Euro ab Januar 2022, 10,45 Euro ab Juli 2022 Mindestlohn: Das sollten Handwerksbetriebe jetzt beachten

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Lohn- und Gehalts-Check, Mindestlohn und Mitarbeitermotivation

Zum 1. Januar 2022 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 9,82 Euro pro Stunde, im Juli wird die nächste Erhöhung auf 10,45 Euro folgen. Was das für Handwerksbetriebe bedeutet, worauf sie bei Minijobbern achten müssen und was eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde bedeuten könnte, lesen Sie hier.

Mindestlohn
Der gesetzliche Mindestlohn wird 2022 wieder steigen: Zum 1. Januar 2022 von 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde und zum 1. Juli 2022 weiter auf 10,45 Euro. – © racamani – Fotolia.com

Der Mindestlohn für Arbeitnehmer in Deutschland soll im kommenden Jahr zwei Mal steigen: Zum 1. Januar 2022 von derzeit 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde und zum 1. Juli 2022 weiter auf 10,45 Euro.

Mit 9,82 Euro liegt der Mindestlohn im europäischen Vergleich im Mittelfeld, in Luxemburg liegt er bei 12,73 Euro, in Frankreich bei 10,25 Euro, in Rumänien bei 2,84 Euro und in Bulgarien bei 2,00 Euro (Stand November 2021). Der neue Mindestlohn hat natürlich auch Auswirkungen auf Handwerksbetriebe. Was Firmenchefs beachten müssen:

Was bei tariflichen Mindestlöhnen gilt:

Nach wie vor können Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. ihre Vertreter über die in einer Branche gültigen tariflichen Mindestlöhne verhandeln und das Verhandlungsergebnis am Ende in einen Tarifvertrag schreiben, der für die Tarifpartner bindend ist. Tarifliche Mindestlöhne gelten laut Arbeitsrecht auch für nicht-tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer einer Branche, wenn sie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für allgemeinverbindlich erklärt werden (§ 5 Tarifvertragsgesetz). Es kann aber regionale Beschränkungen geben. Auf dieser Basis war es rechtens, dass der gesetzliche Mindestlohn noch bis spätestens zum 31. Dezember 2016 vom tariflichen unterschritten wurde. Das ist seit 1. Januar 2017 nicht mehr möglich. Ab diesem Zeitpunkt darf der Mindestlohn aus dem Tarifvertrag die gesetzliche Lohnuntergrenze nicht mehr unterschreiten.

Was Arbeitgeber jetzt tun müssen:

Auf Arbeitgeber kommt zusätzliche Arbeit zu. „Unternehmer sollten bei Gehaltsbeziehern und Stundenlöhnern überprüfen, ob sie den neuen Mindestlohn einhalten und ob sie die Arbeitsverträge anpassen müssen“, sagt Rechtsanwalt Thomas G.-E. Müller, Arbeitsrechtler bei der Rechtsanwaltskanzlei Lutz und Abel in München. Denn wer den Mindestlohn unterschreitet, dem drohen bis zu 500.000 Euro Bußgeld, Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen und gegebenenfalls der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. „Damit es keinen Streit gibt, sollten Arbeitgeber mit ihren Mitarbeitern reden und gegebenenfalls die Arbeitsverträge anpassen“, rät Müller.

Was bei Minijobs zu beachten ist:

„Bei Minijobs sollten Unternehmen besonders auf die maximal mögliche Stundenzahl im Monat achten“, sagt Ecovis-Steuerberaterin Jennifer Otto in Osnabrück. Hier eine kurze Gegenüberstellung der alten und neuen Rechslage:

bis Dezember 2021ab Januar 2022
Bis 31. Dezember 2021 dürfen Minijobber noch 46,8 Stunden pro Monat arbeiten, ohne dass sie die 450 Euro-Grenze überschreiten (9,60 Euro x 46,8 Stunden = 449,28 Euro).Ab 1. Januar 2022 dürfen Arbeitgeber mit ihren Minijobbern aufgrund des höheren Mindestlohns nur noch maximal 45,8 Stunden pro Monat vereinbaren, damit sie innerhalb der 450 Euro-Grenze bleiben (9,82 Euro x 45,8 Stunden = 449,76 Euro).

Für wen der gesetzliche Mindestlohn nicht gilt:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung,

  • Auszubildende – unabhängig von ihrem Alter – im Rahmen der Berufsausbildung,

  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit,

  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung stattfindet,

  • Praktikanten, wenn das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer von drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder Aufnahme eines Studiums dient,

  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung als Vorbereitung zu einer Berufsausbildung oder an einer anderen Berufsbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz teilnehmen,

  • ehrenamtlich Tätige.

Welche Auswirkungen ein Mindestlohn von 12 Euro hätte:

Eine der zentralen Forderungen der SPD zur Bundestagswahl 2021 war ein Mindestlohn von 12 Euro. Welche Auswirkungen hätte es, wenn dieser Plan in einer „Ampelkoalition“ umgesetzt würde? In Deutschland verdienen derzeit etwa 8,6 Millionen Beschäftigte weniger als 12 Euro die Stunde – vorwiegend allerdings in den Branchen Gastronomie und Hotellerie sowie Logistik. „Branchen mit Tarifbindung wären dagegen überwiegend nicht betroffen. Die Stundenlöhne der Tarifverträge liegen hier größtenteils schon über 12 Euro pro Stunde“, erklärt Steuerberaterin Jennifer Otto. „Grundsätzlich verursacht der höhere Mindestlohn aber erst einmal höhere Personalkosten. Und höhere Löhne könnten in einigen Branchen einen höheren Anreiz für Mitarbeiter schaffen, in diesen Branchen zu arbeiten.“

Nicht so entspannt sieht das Thema dagegen Karl-Sebastian Schulte, Mitglied der Mindestlohnkommission und Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Deutsches Handwerk (UDH). In einem Interview mit der „Deutschen Handwerks Zeitung“ vom 18. November 2021 bezeichnete er die Pläne der kommenden Bundesregierung als „bedrohlich und falsch“. „Ein gesetzlicher Mindestlohn von zwölf Euro würde fast 200 Tarifverträge verdrängen. Wir reden hier also über Bereiche, in denen Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam Vergütungen ausgehandelt haben, die aus guten Gründen nicht höher liegen, da sie andernfalls nicht tragfähig wären. Diese Vereinbarungen sollen jetzt durch eine gesetzliche Vorgabe ausgehebelt werden“, so Schulte. „Die Situation jetzt ist deutlich sensibler als 2015. Durch Pandemie und Lieferkettenstörungen ist die Lage sehr fragil. Ich kann meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, welche Folgen eine Anhebung des Mindeslohns auf 12 Euro für einzelne Gewerke und Regionen hätte.“ Das komplette Interview lesen Sie hier.