Sustainable Products Initiative (SPI) Kreislaufwirtschaft: Politik forciert Reparatur und den Einsatz wiederverwertbarer Produkte

Zugehörige Themenseiten:
Baustoffe, Energieberater, Energieeffizienz, Energiesparen, Europapolitik, Nachhaltigkeit, Upcycling und Zukunftsperspektiven im Handwerk

Auf EU-Ebene wird eine neue Wertigkeit bei der Herstellung von Produkten in großen Märkten wie Möbeln, Zement und Stahl gefordert. Das Handwerk sieht sich dabei in einer Vorreiterrolle, da es als nachhaltige Branche wichtige Impulse liefern kann. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) soll die geplante Verordnung jedoch keine Mehrarbeit für die Betriebe bedeuten.

Aus der Natur, zurück zur Natur: Kreislaufwirtschaft steht auf der politischen Agenda. – © hyper – stock.adobe.com

Christian Körber probiert gerne neues aus. Der Schreinermeister aus dem oberbayerischen Buxheim hat vor einigen Jahren sein eigenes KfW 55-Haus gebaut, um herauszufinden, wie energieeffizientes Bauen funktioniert. Seinen Machergeist gibt der Vater von zwei Söhnen auch gerne der Jugend in seiner Region weiter. In Tutorials auf Youtube gibt er sein Wissen weiter und zeigt er mit seinen Sprösslingen, wie sich Vogelhäuschen selbst bauen lässt. „Nichts ist cooler als wenn man Dinge selbst schaffen und sich damit auch selbst helfen kann“, findet er. „Es wäre schön, wenn das Handwerk wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommen würde.“

Körbers Wunsch könnte schnell in Erfüllung gehen. Durch die steigenden Material- und Energiekosten, die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nochmal einen neuen Peak erreicht haben, setzt sich das Bewusstsein der Menschen für einen nachhaltigen Lebensstil immer weiter durch: Selber machen, wiederverwerten, reparieren – und dabei Energie sparen und das Klima schonen. Diese Ziele haben es nun bis auf die wichtigste politische Agenda geschafft.

Haltbarkeit, Austauschbarkeit und Reparierbarkeit

Nicht nur, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck die Deutschen zum Energiesparen aufruft. Nach jüngstem Vorschlag der EU-Kommission, den die Bundesregierung unterstützt, rückt die Wieder- und Weiterverwertung von Materialien weiter in den Fokus. Ganz im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sollen dem Entwurf der Politiker nach ressourcenschonende Produkte künftig der Standard sein. „Ressourcen sind endlich. Daher müssen Produkte langlebiger und besser reparierbar werden“, sagt es Verbraucherstaatssekretärin Christiane Rohleder. Mit der Sustainable Products Initiative (SPI) sollen nun Energieeffizienz- und Ressourcenschutzanforderungen einer Vielzahl von Produktgruppen regeln.

Anders als die bisher geltende Ökodesign-Richtlinie soll diese neue Verordnung nicht nur für energieverbrauchsrelevante Produkte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke gelten, sondern für fast alle physischen Produkte. Gemeint sind große Märkte wie Textilien, Möbel, Stahl, Zement und Chemikalien. Die Vorgaben aus der Verordnung sollen zukünftig zu längerer Haltbarkeit, Austauschbarkeit von Einzelteilen und zu mehr Reparierbarkeit führen. Außerdem wird der Einsatz von Rezyklaten und damit das Recycling insgesamt gestärkt. So konkret waren die Vorgaben der Ökodesign-Richtlinie bislang nicht.

Nachhaltigkeitsnachweise sollen nicht in Mehrarbeit ausarten

Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht man den Vorstoß der EU mit gemischten Gefühlen. „Das Handwerk unterstützt grundsätzlich den Vorschlag, den grünen Übergang zu stärken und für mehr Transparenz und Klarheit sorgen zu wollen, indem in Zukunft Umweltinformationen nicht mehr geschönt – die sogenannte Grünfärberei – oder Produkte mit verkürzter Lebensdauer verkauft werden dürfen, ohne dass das klar erkennbar ist“, sagt Geschäftsführer Dirk Palige. Welche konkreten Produkte oder Produktgruppen ökodesignpflichtig werden, soll über ein Arbeitsprogramm und anschließend in delegierten Rechtsakten festgelegt werden.

Diese Nachweise sollen für Betriebe allerdings nicht in Mehrarbeit ausarten, so wünscht es sich Palige. „Angesichts der potenziell erheblichen Lasten, die auf Handwerksbetriebe zukommen können, reichen reine Unterstützungsmaßnahmen nicht aus, wie sie aktuell in der Verordnung vorgesehen sind.“ Vielmehr müsse im Sinne der Handwerksbetriebe Rechtssicherheit dahingehend geschaffen werden, dass das Ökodesign auf „high impact“-Produkte begrenzt ist. Für neue und zusätzliche Belastungen der traditionell nachhaltigen Handwerksbetriebe sei gerade auch in der jetzigen Zeit kein Platz. „Handwerksprodukte werden regional hergestellt und sind wie beispielsweise bei der Fertigung von Möbelstücken auf Langlebigkeit ausgelegt“, sagt er. „Das ist gelebte Ressourcenschonung im und durch das Handwerk.“

Handwerksbetriebe als Vorbild

Egal wie die Anforderungen letztlich auch aussehen: Schreinermeister Körber sieht das Handwerk als nachhaltige operierende Branche gut aufgestellt, den Energieverbrauch zu drosseln – viele Betriebe könnten daher Vorbild sein. Der Handwerkschef, der sich auf das Renovieren von Altbauten spezialisiert hat, greift für seine Arbeit häufig auf bereits im Bau vorhandene Materialien zurück. Wie sich in den Bestandsgebäuden außerdem energieeffizient wohnen lässt, hat der Unternehmer aus Buxheim schon selbst herausgefunden. Als er vor drei Jahren feststellte, wie groß der Trend zum Energiesparen werden würde, hat er eine Ausbildung zum Energieberater gemacht. Eine Leistung, die künftig noch stärker als bisher nachgefragt werden wird.