Finanzierung des Handwerks Kreditbedingungen: Was tun, wenn die Bank den Geldhahn zudreht?

Die Wirtschaftskrise erreicht das Handwerk. So stiegen die Transportkosten in manchen Gewerken um 20 Prozent, die Materialpreise um 16 und die Energiekosten um 17 Prozent – wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks in einer Studie ermittelt hat. Trotz voller Auftragsbücher scheitern immer mehr Betriebe an der Finanzierung. Woran das liegt – und was bei schwierigen Kreditbedingungen hilft.

Wenn die Bank nein sagt zum neuen Kredit, haben Unternehmer im Handwerk immer noch einen Handlungsspielraum.
Wenn die Bank nein sagt zum neuen Kredit, haben Unternehmer im Handwerk trotz anspruchsvoller Kreditbedingungen immer noch Handlungsspielraum. - © Nito - stock.adobe.com

Der Heizungsbauer, der seit Jahren gut läuft, volle Auftragsbücher hat und trotzdem keinen Kredit bekommt. Der Elektriker, dessen Jahresabschluss sehr spät zum Steuerberater ging und nun dort feststeckt, während er dringend eine Kreditlinie braucht. Der Handwerksunternehmer, der nach einer Ablehnung einfach zur nächsten Bank geht. Diese Situationen kennt Tanja Mayr gut. Die stellvertretende Bereichsleiterin der Gewerbekundeneinheit der Stadtsparkasse München betreut Betriebe mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 2,5 Millionen Euro und erlebt täglich, wo es im Kreditgespräch hakt.

Was sie beobachtet, bestätigt sich im großen Bild: Nach vier Jahren gesamtwirtschaftlicher Rezession und wiederholten geopolitischen Schocks ist die Krise längst auch im Handwerk angekommen. So stiegen die Transportkosten in manchen Gewerken um 20 Prozent, die Materialpreise um 16 und die Energiekosten um 17 Prozent. Laut aktueller KfW-Finanzierungsumfrage geben erstmals mehr Handwerksbetriebe einen schwierigen Kreditzugang an als einen leichten. Ein Viertel hat inzwischen eine schlechtere Ratingnote erhalten.

Kreditklemme nein, anspruchsvolle Kreditbedingungen ja

„Ich würde trotzdem keinesfalls von einer Kreditklemme sprechen", betont Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Aber von einem erschwerten Finanzierungszugang und anspruchsvolleren Kreditbedingungen." Als größte Belastungsfaktoren nennen Betriebe gestiegene Zinsen, höhere Sicherheitenanforderungen und den wachsenden bürokratischen Aufwand bei der Antragstellung.

Welche Branchen unter Druck stehen – und welche profitieren

Nicht alle Gewerke stehen gleich da. Ingmar Lehmann, der beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) Branchenanalysen verantwortet, zeichnet ein differenziertes Bild: Der Wohnungsneubau befindet sich in einer tiefen Delle. 2025 werden voraussichtlich nur rund 206.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Das sind halb so viele wie das Ziel der Bundesregierung. Das trifft Betriebe, die stark im Neubau engagiert sind, direkt. Wer nach optimalen Konditionen sucht, findet sie im Baufinanzierungsrechner von handwerk magazin.

Besonders hart trifft es Betriebe im gewerblich-industriellen Zulieferbereich, wie Metall, Elektromaschinenbau, Werkzeug- und Formenbau. Sie spüren die Industriekrise unmittelbar. Im Lebensmittelbereich belasten vor allem Kostensteigerungen bei Energie, Material und Löhnen. Fast 80 Prozent der dortigen Betriebe nennen diese Kostensteigerungen als Haupthindernis für Investitionen.

Laufende Kosten entstehen, bevor ein Auftrag gesichert ist

Deutlich besser sieht es im Tiefbau und in der Infrastruktur aus. Die Investitionsprogramme der Bundesregierung in Brücken, Schienen, Straßen schaffen konkrete Nachfrage. Und auch energetische Sanierung gewinnt an Fahrt: Dämmung, Photovoltaik, Wärmepumpen, Heizungsmodernisierung. „Für Ausbaugewerke sind wir sehr optimistisch", sagt Lehmann. Elektroinstallateure, Heizungsbauer, Gas- und Wasserinstallateure. Vergleichsweise gut steht da, wer sich auf Sanierung fokussiert hat.

Der Druck bleibt dennoch spürbar. „Der Handwerker fährt zum Kunden, macht ein Angebot, fährt wieder, aber der Kunde wartet erst noch ab", beschreibt Patrick Beyer, der beim DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) den Firmenkundenbereich leitet, die Situation. Laufende Kosten entstehen, bevor ein Auftrag gesichert ist.

Volles Auftragsbuch und trotzdem kaum zu schaffende Kreditbedingungen

Volle Auftragsbücher sind kein Freifahrtschein für einen Kredit. „Es geht immer um eine Kombination: Eigenkapital, Liquidität, Rating, Sicherheiten und die Tragfähigkeit der Finanzierung", sagt ZDH-Geschäftsführer Schulte.

Guy Selbherr, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg und Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), differenziert nach Vorhaben: Bei Gründungen ist die Ablehnungsquote gering. In der Regel sind Meisterinnen und Meister gut vorbereitet, und in vielen Bundesländern gibt es Zuschüsse wie die Meistergründungsprämie. Bei Nachfolgen scheitert es häufig am Kaufpreis: Wenn dafür deutliche Umsatzzuwächse nötig wären, die im aktuellen Marktumfeld unrealistisch erscheinen, wird es eng. Bei Wachstumsinvestitionen gilt: Der Kapitaldienst sollte im aktuell schwierigen Umfeld aus dem laufenden Cashflow bedient werden können. „Wenn das nicht absehbar ist, schaut man kritischer auf das Vorhaben", sagt Selbherr.

Mayr erinnert sich an einen konkreten Fall bei ihrer Stadtsparkasse München: Ein Betrieb mit Aufträgen für die nächsten zehn Jahre, der trotzdem keinen Kredit bekam. Der Grund: Volatile Rohstoffpreise machten es unmöglich zu kalkulieren, ob das beantragte Darlehen reichen würde, um das Material für die laufenden Aufträge vorzufinanzieren. „Wir achten gemeinsam mit dem Kunden darauf, dass das Kreditengagement zum Auftrag passt, auch wenn es nicht immer einfach ist“, erklärt sie. Solche Fälle sind selten, aber sie zeigen: Kreditentscheidungen berücksichtigen immer den Gesamtkontext.

Kleine Betriebe fallen noch vor Prüfung der Kreditbedingungen durchs Raster

Ein strukturelles Problem trifft vor allem Kleinbetriebe: Sie schaffen es oft gar nicht erst bis zur Kreditprüfung. Gestiegene regulatorische Kosten – für KYC-Prozesse („gesetzlich vorgeschriebenes Prüfverfahren „Know Your Customer“) Geldwäscheprüfung und IT – machen kleine Kreditbeträge für viele Banken schlicht unwirtschaftlich. „Wir kriegen von einigen mit, die sagen: Ich war bei drei Banken, die haben kein Interesse bei meinem Kreditbetrag", berichtet Selbherr. „Das ist auch eine Ablehnung."

Schulte benennt ein weiteres strukturelles Problem: „Viele kleinere Betriebe werden von den Kreditinstituten nicht als Firmenkunden betrachtet. Damit entfällt die spezialisierte Beratung – aber ihr Geschäftsmodell kann nur ein Firmenkundenbetreuer wirklich einordnen." Das Ergebnis: Betriebe fallen durch automatisierte Standardraster. „Das ist nicht in Ordnung", sagt Schulte.

Selbherr ergänzt: „Ich habe noch nie von einer Bank in den Schlagzeilen gehört, dass sie sich im Bereich der Risikovorsorge verhoben hat, weil sie zu viele Kleinfinanzierungen gemacht hat." Die Risiken lägen woanders – aber die Regulatorik treffe die Kleinen unverhältnismäßig.

Kreditbedingungen: Warum gibt mir die Bank kein Geld?

Wer denkt, Banken würden Handwerksbetriebe vor allem wegen schlechter Kennzahlen ablehnen, liegt häufig falsch. „Das eigentliche Problem ist meistens nicht die wirtschaftliche Situation des Betriebs, sondern die Vollständigkeit und Aktualität der Unterlagen", sagt Meier. Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen, die nicht aktuell sind. Planungsunterlagen, die fehlen. Für die Bank bedeutet das: Sie kann keinen Kreditantrag beurteilen, den sie nicht vollständig sieht.

Wenn die Unterlagen vorliegen, schaut Mayr auf die klassischen Kennzahlen – Materialaufwandsquote, Personalaufwandsquote, Eigenkapital, Verschuldungsgrad, Umsatzentwicklung. Und: Erwirtschaftet das Unternehmen einen ausreichenden Überschuss? „Das hat sich in den letzten zehn Jahren nicht grundlegend geändert", sagt sie. „Wir schauen uns die Zahlen immer im Kontext des Geschäftsmodells an."

Sind Bürgschaftsbanken auch für kleine Betriebe da?

Genau wenn Sicherheiten fehlen, kommen Bürgschaftsbanken ins Spiel. „Wir schauen nicht auf die Sicherheiten", erklärt Selbherr und ergänzt: „Jede Sicherheitenlücke kann durch eine Bürgschaft abgedeckt werden." Die Bürgschaft ist durch Rückbürgschaften von Bund und Ländern gedeckt – eine werthaltige Sicherheit, die anders als etwa eine Maschine nicht an Wert verliert. Die Bürgschaftsbank übernimmt bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos, maximal zwei Millionen Euro, und entscheidet nach der Tragfähigkeit des Vorhabens: Ist der Geschäftsplan plausibel? Kann der Kapitaldienst geleistet werden?

Wer die Bürgschaften tatsächlich nutzt
BrancheAnteil in Prozent
Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe47,6
Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen9,4
Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen9,4
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)6,6
Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung4,8
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln3,6
Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau3,1
Herstellung von Metallerzeugnissen2,0
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen1,8
Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)1,5
Herstellung von Möbeln1,3
Herstellung von sonstigen Waren1,3
Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen1,0
Tiefbau1,0
Maschinenbau0,8
Sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten0,8
Herstellung von Textilien0,5
Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden0,5
Hochbau0,5
Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern0,5
Metallerzeugung und -bearbeitung0,3
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen0,3
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen0,3
Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen; Rückgewinnung0,3
Beseitigung von Umweltverschmutzungen und sonstige Entsorgung0,3
Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr0,3
Architektur- und Ingenieurbüros; technische, physikalische und chemische Untersuchung0,3
Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen a. n. g.0,3

Bei kleinen Kreditbeträgen bis 250.000 Euro fällt die Entscheidung in der Regel innerhalb einer Woche, bei größeren Vorhaben in zehn bis fünfzehn Arbeitstagen und häufig nach einem persönlichen Gespräch vor Ort. „Da kriegt man ein gutes Gefühl, wie der Betrieb aufgestellt ist", sagt Selbherr. Zusätzlich können Bürgschaftsbanken stille Beteiligungen über die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften garantieren – ein Instrument, das aus Bankensicht wie Eigenkapital wirkt und bei Sprungfinanzierungen die wirtschaftliche Eigenkapitalbasis stärkt.

Die Sparkassen arbeiten dabei eng mit Bürgschaftsbanken und Förderinstituten zusammen. „Wir suchen immer das Gesamtpaket", sagt Beyer. „Nicht die einfachste Lösung, sondern die beste für den Kunden." KfW-Darlehen, Bürgschaftsbanken, Haftungsfreistellungen der Landesförderinstitute.

Kein Geld – was Betriebe bei schwierigen Kreditbedingungen verkehrt machen

Der häufigste Fehler der Unternehmer im Handwerk bei anspruchsvollen Kreditbedingungen: Die Finanzierung ist zu knapp bemessen. „Bei Übernahmen wird oft übersehen, dass der Vorgänger kurz vor dem Verkauf nicht mehr groß investiert hat", sagt Selbherr. Wer dann am Ruder ist, stellt fest, dass Investitionen nachgeholt werden müssen – ohne Puffer. Nachfinanzierungen sind deutlich schwieriger zu bekommen als eine von Anfang an ausreichend dimensionierte Erstfinanzierung.

Weitere typische Fehler: Anlaufphasen werden unterschätzt. Tilgungsfreie Jahre werden nicht genutzt, obwohl Förderbanken sie anbieten. Fördermittel und Tilgungszuschüsse bleiben ungenutzt, weil das erstbeste Angebot der Hausbank angenommen wird. „Liquidität geht vor Rentabilität, das unterschätzen viele", sagt Selbherr. Wer später um Tilgungsaussetzung bitten muss, gerät regulatorisch sofort in ein negatives Fahrwasser und das hat Auswirkungen auf das Rating.

Der häufigste Fehler nach der Ablehnung

Was passiert, wenn ein Betrieb eine Absage bekommt? Zu viele Unternehmer suchen dann den nächsten Kreditgeber – online, über Vermittler, zu Konditionen weit über dem Marktniveau. „Mit dem Kopf durch die Wand zu rennen kann ein großer Fehler sein, Absagen sind immer begründet", sagt Mayr. Wer sich über teure Alternativfinanzierungen in eine Schieflage manövriert, hat am Ende weniger Spielraum als vorher.

Selbherr empfiehlt stattdessen: „Kopf hoch – und an den Gründen arbeiten." Wer die Ablehnungsgründe kennt, kann gezielt nachbessern: Eigenkapital stärken, Kaufpreis neu verhandeln, Vorhaben in Schritten umsetzen, Beratungsangebote der Handwerkskammer nutzen. Bürgschaftsbanken sind auch bei wiederholter Ablehnung offen. „Ein Fall, den wir schon zweimal abgelehnt haben, kann ein drittes Mal wiederkommen – wenn sich die Rahmenbedingungen verändert haben."

Betrieb in der Krise – was Unternehmer tun können
  • Unterlagen in Ordnung halten. Jahresabschluss, aktuelle BWA, Planungsrechnung – wer diese Unterlagen parat hat, spart im Kreditgespräch Zeit und signalisiert Professionalität. Wer einen Steuerberater hat, der nur Buchhaltung macht, sollte prüfen, ob er auch bei der Aufbereitung von Unterlagen für Bankgespräche unterstützen kann – oder ob die Handwerkskammer hier helfen kann.

  • Das Gespräch suchen, bevor es eng wird. Frühwarnsignale sind: Zahlungsziele werden häufiger ausgereizt, Aufträge verzögern sich, die Liquidität wird knapper. Wer wartet, bis die Kontokorrentlinie ausgeschöpft ist, hat weniger Verhandlungsspielraum. Wer früh das Gespräch sucht, kann gemeinsam mit der Bank Lösungen entwickeln.

  • Alternativen nutzen. Hausbank und Sparkassen sind nicht die einzige Finanzierungsquelle. KfW-Programme, Bürgschaftsbanken und Landesförderinstitute können Finanzierungen ermöglichen, die allein über einen klassischen Bankkredit nicht darstellbar wären.

Was tun, damit es trotz anspruchsvoller Kreditbedingungen gar nicht erst zu einer Kreditablehnung kommt

Der wichtigste Tipp aus dem Gespräch mit den Experten ist gleichzeitig der unspektakulärste: einmal im Jahr zum Bankberater gehen – auch wenn gerade kein konkreter Finanzierungsbedarf besteht.

„Ich gehe aktiv auf meine Kunden zu und frage: Wie weit bist du mit deinen Abschlüssen? Lass uns darüber reden", sagt Mayr. Das Jahresgespräch schafft Transparenz auf beiden Seiten: Die Bank kennt die aktuelle Lage des Betriebs, der Unternehmer weiß, wie er aus Bankperspektive dasteht. Und wenn dann ein Finanzierungsbedarf entsteht – für eine neue Maschine, einen größeren Auftrag, eine Betriebserweiterung – muss man nicht bei null anfangen.

Mayr beschreibt die Beziehung zwischen Bank und Betrieb bewusst nicht als Kreditgeber und Kreditnehmer, sondern als gemeinsame Reise: „Wir gehen den Weg miteinander. Das setzt voraus, dass beide offen und ehrlich miteinander umgehen – und dass der Unternehmer mich teilhaben lässt." Wer seinen Berater regelmäßig informiert, bekommt im Zweifel schneller eine Zusage – und eher einen Anruf, bevor eine Kreditlinie gekürzt wird.


Was die Politik gegen schwierige Kreditbedingungen tun kann

Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des ZDH, fordert ein klares politisches Signal, das weit über die Finanzierungsfrage hinausgeht:

  • Standortfaktoren stärken. Bürokratieabbau, Senkung der Steuer- und Abgabenlast, verlässliche Energiepolitik: Ohne bessere Rahmenbedingungen bleibt auch die Finanzierungssituation angespannt.

  • Personenunternehmen stärker berücksichtigen. Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen und Betriebe sind Personenunternehmen. Steuerlich und regulatorisch dürfen sie nicht länger wie ein Anhängsel der Kapitalgesellschaften behandelt werden.

  • Regulatorik entrümpeln. Auf europäischer Ebene braucht es ein Ende des regulatorischen Mikromanagements. ESG-Kriterien und Nachhaltigkeitsberichterstattung belasten Mittelstand und Handwerk unverhältnismäßig.

  • Sicherheiten anerkennen. Werthaltige Sicherheiten müssen im Finanzierungsbereich wieder stärker anerkannt werden. Das ist gerade für investierende Betriebe entscheidend.

  • Haftung begrenzen. Eine kluge, begrenzte Haftungsbeschränkung bei Existenzgründungen und Übernahmen würde mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglichen. Ohne dass ein Scheitern die familiäre Existenz bedroht.

  • Öffentliche Investitionen in die Fläche bringen. Bundeswehr- und Infrastruktur-Sondervermögen dürfen nicht nur Großunternehmen zugutekommen. Über ein reformiertes Vergaberecht muss sichergestellt werden, dass auch Mittelstand und Handwerk von den neuen Märkten profitieren.

Kreditablehnung ist ein Standortproblem

Wenn ein Betrieb mit vollen Auftragsbüchern, qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und tragfähigem Geschäftsmodell trotzdem keinen Kredit bekommt, ist das für Schulte kein reines Bankenproblem: „Dann haben wir ein Standortproblem, das politisch gelöst werden muss." Mehr als vier Jahre ohne Wachstum, fehlende Wettbewerbsfähigkeit, Kostenbelastungen an vielen Stellen. Das schlägt sich irgendwann auch in Kreditentscheidungen nieder.

Sein Fazit ist eindeutig: „Wenn wir die Standortprobleme lösen, wird keine Hausbank und erst recht keine Bürgschaftsbank einem Unternehmer einen Kredit ablehnen. Sie wird sagen: Wir haben nur darauf gewartet, dass du zu uns kommst."

Zugehörige Themenseiten:
Außenstände, Banken, Baufinanzierung, Bilanz, Eigenkapital, Factoring, Forderungsmanagement, Kalkulation, Kapitalmarkt, Konjunktur und Liquiditätsmanagement