Die Leasingbranche zieht Bilanz: Der Leasing-Report 2026 zeigt Daten und Fakten rund um die Liquidität schützende Finanzierung von Vorhaben – es könnten mehr Betriebe sein, die Maschinen, Fahrzeuge und Anlagen per Leasing finanzieren. Drei Fallbeispiele für Leasing zeigen, wie Unternehmer im Handwerk in der Praxis vorgehen können.

Eine Füllmaschine für eine Feinkostfleischerei im Münsterland. Neue Drucksysteme für ein Gleisbauunternehmen in Baden. Schweißgeräte für Abdichtungstechniker im Rhein-Sieg-Kreis. Was diese Fälle verbindet: Handwerksbetriebe, die modernisieren wollen, ohne ihre Liquidität zu belasten. Der aktuelle Leasing-Report 2026 des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) bündelt diese und weitere Praxisbeispiele unter dem Titel „Leasing und Handwerk – zwei starke Partner" und zeigt, wie Betriebe unterschiedlicher Größe und Gewerke Finanzierungsfragen lösen, die ohne Leasing Mangels Liquidität vertagt würden.
Starke Wirtschaftsmacht Handwerk
Das Handwerk trägt erheblich zur deutschen Wirtschaft bei: mehr als eine Million Betriebe, rund sechs Millionen Beschäftigte, 783 Milliarden Euro Umsatz. Doch die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln werden schwieriger. Bankkonditionen verschärfen sich, Kredite werden weniger häufig zugesagt, Eigenkapital ist knapp und laut Creditreform hat jeder dritte Handwerksbetrieb eine Eigenkapitalquote unter zehn Prozent. Das reicht in schwierigen Zeiten nicht aus. Gleichzeitig steigt der Investitionsdruck: Elektromobilität, Digitalisierung, Energieeffizienz. Wer mithalten will, muss investieren. Wer investieren will, braucht Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung.
Leasing ist eine davon, doch sie wird im Handwerk noch vergleichsweise selten genutzt. Nach einer Sonderumfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) vom Herbst 2025 finanzieren 75 Prozent der Betriebe nachhaltige Investitionen ausschließlich aus Eigenmitteln. Von denjenigen, die extern finanzieren, greifen lediglich 18 Prozent auf Leasing zurück. Bei Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten steigt dieser Anteil immerhin auf bis zu 30 Prozent, „aber auch das lässt erheblichen Spielraum nach oben“, urteilen die Autoren des Leasing-Reports. Diesen Spielraum wollen die Leasing-Anbieter nutzen: Zwei Drittel der Mitglieder im Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) wollen ihr Geschäft mit dem Handwerk ausbauen. Wer als Unternehmer im Handwerk über eine Leasing-Finanzierung nachdenkt, sollte daher verschiedene Angebote prüfen. Der Wettbewerb schafft Verhandlungsspielraum.
Der Zeitpunkt der Finanzierung ist wichtig
Auch wenn das Handwerk Leasing noch nicht im möglichen Umfang nutzt, gewinnt diese Finanzierungsform an Bedeutung. BDL-Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen erklärt dies mit einem strukturellen Argument: „Viele Handwerker kombinieren laufenden Cashflow mit Leasing und können so schneller investieren – nicht erst, wenn genug Kapital auf dem Konto liegt." Der entscheidende Vorteil liege also nicht nur im Finanzierungsvolumen, sondern im Timing. Wer auf Eigenkapital wartet, investiert zu spät – oder gar nicht.
Das gelte besonders für neue Technologien. Elektrofahrzeuge etwa entwickeln sich technisch und preislich dynamisch. Niemand weiß heute sicher, was ein Transporter in fünf Jahren wert sein wird. „Insbesondere bei neuen Technologien wie Elektrofahrzeugen nutzen Betriebe Leasing, weil sich Investitionsrisiken und Restwertfragen besser kalkulieren lassen", so Conen. Das Risiko liege also beim Leasing-Geber und das sei kein angenehmer Nebeneffekt, sondern ein struktureller Vorteil des Modells für die Unternehmer.
Doch tatsächlich ist dies auch ein Nachteil für die Selbstständigen. Denn die Höhe einer Leasing-Rate hängt maßgeblich davon ab, wie verlässlich sich der Restwert eines Objekts am Ende der Laufzeit prognostizieren lässt. Bei Elektro-Nutzfahrzeugen fehlen bisher belastbare Gebrauchtmärkte, weil die Fahrzeuge noch nicht lange genug im Umlauf sind. Deshalb kalkuliert die Leasing-Branche entsprechend vorsichtig. Und das macht das Leasing von E-Autos nicht eben billig.
Die staatliche Förderung setzt bei E-Autos falsch an
Hier wirbt der Verband um eine temporäre staatliche Unterstützung der Gebrauchtmärkte, etwa durch Zuschüsse zu Leasing-Raten oder Kaufprämien für gebrauchte E-Fahrzeuge. In der Übergangsphase, solange diese Märkte noch nicht funktionieren, solle der Staat wirken – danach nicht mehr. „Entscheidend ist nicht die Höhe der Fördermittel, sondern der Ansatzpunkt. Wer dort ansetzt, wo das Risiko tatsächlich entsteht, kommt mit weniger öffentlichen Geldern weiter", argumentiert der Verband.
Der Fachkräftemangel wirkt als Investitionsbooster
Ein weiterer Faktor, der den Leasingmarkt stützt ist der Fachkräftemangel. Der Umsatz des Handwerks wuchs 2025 laut Destatis um 1,1 Prozent, Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 1,5 Prozent. Weniger Personal, gleiche oder steigende Nachfrage: Die Konsequenz sei eine wachsende Abhängigkeit von zuverlässiger Technik.
"Wenn Fachkräfte knapp sind, wird die Ausstattung zum Wettbewerbsfaktor. Eine CNC-Fräse läuft programmiert, ein Transporter mit Wartungsvertrag bleibt einsatzbereit", erklärt Conen. Moderne Technik ersetze keine Fachkräfte, entlaste sie aber und mache den Betrieb damit als Arbeitgeber attraktiver. Die Finanzierungsfrage sei letztlich eine Produktivitätsfrage. Und Leasing, so die Logik der Branche, sei die Antwort. Das sehen auch viele Unternehmer im Handwerk so. Für sie ist das Leasing ein Erfolgsmodell, wie der Verband anhand von drei Praxisfällen belegt:
Fallbeispiele für Leasing: 1. Eine neue Füllmaschine
Feinkostfleischerei Hidding – Neuland mit überschaubarem Risiko: Thomas Hidding führt die Feinkostfleischerei Hidding im Münsterland gemeinsam mit seinen Schwestern Andrea und Christiane in dritter Generation. Seit 1931 steht der Name für regionale Verankerung: „Wer bei uns einkauft, bekommt etwas, wo er die Wertschöpfungskette an einem Sonntagnachmittag komplett mit dem Fahrrad abfahren kann." Heute zählt der Betrieb rund 80 Beschäftigte an vier Standorten; Catering und Schulverpflegung sind neben dem klassischen Fleischereigeschäft zu wichtigen Standbeinen geworden.
Im Zuge einer Sortimentserweiterung investierte Hidding in eine Füllmaschine für Wurstwaren, Suppen und Salate – Neuland für den Betrieb. Die Entscheidung für Leasing über die VR Smart Finanz AG fiel bewusst: „Eine Maschine in dieser Ausstattung wurde zum ersten Mal bei uns angeschafft. Über Leasing haben wir die Möglichkeit, die Anlage nach Ende der Vertragslaufzeit mit überschaubarem Risiko wieder abzustoßen und eine andere Maschine anzuschaffen." Hinzu kamen steuerliche Vorteile und die Schonung von Liquidität und Kreditlinien. Die Abwicklung beschreibt Hidding als „schnell und unkompliziert" – Kriterien, die das Handwerk schätzt.
Fallbeispiele für Leasing: 2. Sale and lease back und Mietkauf
TAT Abdichtungstechnik – zwei Modelle, ein Projekt: Die TAT Abdichtungstechnik Troisdorf GmbH aus Lohmar ist auf Geokunststoffe im Umweltschutz spezialisiert – ein hochspezialisiertes Gewerk mit 22 Mitarbeitenden, das im In- und Ausland tätig ist. In einem aktuellen Projekt kombinierte das Unternehmen zwei unterschiedliche Finanzierungsformen: einen IVECO Daily Pritsche über Mietkauf sowie zwei Extruderschweißgeräte über Sale-and-lease-back – beides über Würth Leasing in Eislingen, Gesamtvolumen rund 40.000 Euro netto.
Das Sale-and-lease-back-Modell ist dabei besonders bemerkenswert: Würth Leasing kaufte die bereits im Anlagevermögen befindlichen Schweißgeräte zurück und zahlte den Betrag direkt an TAT aus. Bestehende Investitionen wurden so nachträglich zu Liquidität. Geschäftsführer Alexander Piltz hebt neben den Konditionen vor allem den persönlichen Faktor hervor: „Für uns waren Erreichbarkeit, Professionalität, aber auch Pragmatismus wichtig."
Fallbeispiele für Leasing: 3. Die IT leasen
ZÜRCHER BAU – IT-Infrastruktur als Leasing-Objekt: Dass Leasing keineswegs auf Fahrzeuge und Maschinen beschränkt ist, zeigt das Beispiel der Zürcher Bau GmbH aus Meißenheim im Ortenaukreis. Das Gleisbauunternehmen mit rund 215 Mitarbeitenden erneuerte Ende 2024 seine gesamte IT- und Druckinfrastruktur: 33 moderne Drucksysteme, finanziert über Leasing bei der grenke AG in Baden-Baden. Ausschlaggebend waren neben Benutzerfreundlichkeit auch Nachhaltigkeitsaspekte: geringere Abfallmengen, reduzierte Staubentwicklung, niedrigerer Stromverbrauch.
Prokurist Sven Meineke lobt die langjährige Partnerschaft: „grenke hat sich für uns seit vielen Jahren als schneller, unkomplizierter und erfahrener Finanzierungspartner bewährt." Auf Seiten der Leasing-Gesellschaft beschreibt Stanislav Miller das Modell präzise: „grenke finanziert das Leasing-Objekt, bleibt dessen Eigentümer und überlässt es dem Leasingnehmer gegen Leasing-Raten zur Nutzung. Gleichzeitig übernimmt grenke Finanzierungs- und teilweise Restwertrisiken."
Der wachsende Leasingmarkt in Zahlen
Die drei Praxisfälle stehen nicht für sich allein. Der BDL-Branchenüberblick liefert den Rahmen: 83,12 Milliarden Euro hat die deutsche Leasing-Wirtschaft 2025 an Investitionen für ihre Kunden realisiert – nominal 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen lagen im gleichen Zeitraum laut Institut der deutschen Wirtschaft in Köln rund elf Prozent unter dem Niveau von 2019. Die Leasing-Wirtschaft wächst also in einem Umfeld, in dem Investitionen insgesamt zurückgehen – ein Hinweis darauf, dass Leasing nicht nur Konjunktur-, sondern Strukturwachstum zeigt.
Und noch ein paar Zahlen: 26,6 Prozent aller Ausrüstungsinvestitionen in Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen wurden 2025 über Leasing finanziert. Das ist ein Rekordhoch bei der Mobilien-Leasingquote. 85 Prozent der über zwei Millionen Leasing-Verträge pro Jahr entfallen auf mittelständische Kunden – womit das Handwerk strukturell zur Kernzielgruppe gehört, auch wenn die Durchdringung noch ausbaufähig ist.

