Finanzierung von Handwerksunternehmen Liquiditätsengpässe: Sale & Lease Back hilft in Sondersituationen

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Das Handwerk hat eine Sondersituation: Lieferengpässe, fragliche und enorm teure Energieversorgung über den Winter, zu wenig Fachkräfte und steigende Zinsen. Keine Frage: Die energieintensiven Betriebe sind aktuell mehrfach belastet, Liquiditätsengpässe können die Folge sein. Wer von seiner Bank in dieser Situation keinen Kredit zu akzeptablen Konditionen bekommt, sollte über Sale & Lease Back (SLB) nachdenken.

Sale & Lease Back von Maschinen
Maschinen – sie sind gebundenes Kapital, das sich mit Sale & Lease Back in Liquidität wandeln lässt. – © Gina Sanders/Fotolia

In normalen Zeiten, so hatte es die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW ) in einer Studie ermittelt, erhalten Handwerker mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent eine Bankfinanzierung für den Kauf von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen oder Einrichtungen. In Sondersituationen, wie etwa Liquiditätsengpässen, werden sie laut Studie von ihrer Bank aber oft allein gelassen. Dann kann Sale & Lease Back (SLB) eine alternative Finanzierung sein. Der Anteil von SLB am Leasingneugeschäft liegt laut Bundesverband deutscher Leasingunternehmen seit Jahren um die 5 Prozent. Wirtschaftsgüter in Höhe von rund 200 Milliarden Euro sind laut Jahresbericht 2021 des Verbands aktuell mit Leasing finanziert. Mehr als 80 Prozent davon stemmt der Mittelstand.

Trotz der vielfältigen Krisen in der Welt, sind die Digitalisierung von Prozessen und die Anschaffung moderner Maschinen Herausforderungen, denen sich Handwerksunternehmer stellen müssen. Der Investitionsbedarf ist also hoch. Doch wer die Veränderung aktiv angeht, steht meist gut da. Durch Gutachten per Drohne, Vermessungen aus der Luft oder additive Fertigung können diese Unternehmen effizienter, schneller, besser werden. Wer die Entwicklung erst anpackt, wenn der eigene Betrieb im Wettbewerb zurückgeblieben ist und die Auftragslage schlechter wird, steht meist vor einer zusätzlichen Herausforderung: Die Liquiditätslage verschlechtert sich. Die Banken sind sich nicht sicher, ob der Turnaround gelingt und halten sich mit Finanzierungszusagen zurück.

So geht Sale & Lease Back

Liquiditätsengpässe drohen also durch zwei Entwicklungen: Den Transformationsbedarf und die weltweiten Krisen. Den Weg raus aus der Liquiditätsklemme finden Handwerker, indem sie ihre Maschinen, Autos oder auch Immobilien an Sale & Lease Back-Gesellschaften verkaufen. Damit heben sie stille Reserven und gewinnen Liquidität. Im gleichen Zug leasen sie ihre Anlagegüter zurück. Meist wird der Vertrag für vier bis sechs Jahre geschlossen und der Rückkauf am Laufzeitende bereits festgelegt­ ­– oder eine Option darauf vereinbart.

Der Unternehmer gewinnt so einen Finanzierungsspielraum, den er zur Überbrückung der aktuellen Krisenlage nutzen kann. Oder er nutzt ihn für die Modernisierung des Betriebs. So hat das Unternehmen die Chance, dauerhaft im Markt zu bestehen. Schöner Nebeneffekt: Da auch die Eigenkapitalquote durch den Geldzufluss steigt, können Unternehmen nach gelungenem Neustart wieder zur klassischen Bankfinanzierung zurückkehren.

Sale & Lease Back zur Wachstumsfinanzierung

Sale & lease back wird nicht nur zur Überbrückung von Finanzengpässen, sondern auch zur Wachstumsfinanzierung, Generierung von Liquidität für die Vorfinanzierung von Aufträgen sowie zur (teilweisen) Finanzierung der Firmennachfolge und im Rahmen der Unternehmensrestrukturierung oder bei Übernahmen von Firmen in Krisensituationen genutzt. „Zu Zeiten der Finanzkrise, 2007 bis 2009, stieg das Finanzierungsvolumen per Sale & Lease Back deutlich an“, so der Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen.

Risiken des Sale & Lease Back

Die eigenen Anlagegüter zu verkaufen, fühlt sich für viele Unternehmer an, wie das Familienerbe aufs Spiel zu setzen. Und damit liegen sie nicht falsch. Denn in Zukunft muss das Unternehmen so viel Ertrag erwirtschaften, dass es die Leasingraten für das verkaufte, aber ja weiter genutzte Wirtschaftsgut bezahlen kann. Gelingt das nicht, droht die Insolvenz. Ein weiterer Nachteil: Sale & Lease Back ist teurer als klassisches Leasing. Das liegt an der Sondersituation der Unternehmen. Sie brauchen das Geld, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dieses erhöhte Risiko lassen sich die SLB-Anbieter bezahlen.

Auch die Leasingbranche leidet unter dem Materialmangel

„Die Leasing-Wirtschaft finanzierte 2021 in Deutschland für rund 70 Mrd. Euro Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge, IT-Equipment, Immobilien und andere Wirtschaftsgüter. Das Neugeschäft stagnierte im Vergleich zum Vorjahr, was vor allem auf die Lieferschwierigkeiten in der Automobilindustrie zurückzuführen ist. Fahrzeugleasing ist seit Jahren das stärkste Segment im Leasing-Markt. Zwar verzeichnete die Leasing-Branche eine sehr starke Nachfrage im vergangenen Jahr, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Doch geht avisiertes Neugeschäft – anders als bei den Prognosen im Frühjahr – erst mit Auslieferung des geleasten Wirtschaftsgutes in die Bilanz der Leasing-Gesellschaft und damit in die jährliche Branchenstatistik ein. Lieferengpässe und lange Lieferzeiten der Hersteller bremsten besonders im zweiten Halbjahr die Auslieferung der Leasing-Fahrzeuge und standen der hohen Nachfrage bei den Leasing-Gesellschaften gegenüber.“, wie der Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen mitteilt.