Award für Technologie-Transfer Der "Seifriz" 2026: So überzeugten die Innovatoren unsere Jury

Energie sparen, KI einsetzen und Ressourcen schonen – diese Projekte haben beim bundesweiten Innovationspreis „Seifriz – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ überzeugt. Die Hintergründe zu den Siegern.

Begeisternde Innovationen beim "Seifriz" 2026: Forschung und Handwerk ergänzen sich gut und profitieren am Ende gegenseitig.
Begeisternde Innovationen beim "Seifriz" 2026: Forschung und Handwerk ergänzen sich gut und profitieren am Ende gegenseitig. - © CROCOTHERY - stock.adobe.com

Keine Scheu haben und auf die Wissenschaftler zugehen – was der 2024er-Seifriz-Preisträger Franz Humberg aus Nottuln in handwerk ­magazin seinen Nachfolgern als Tipp mit auf den Weg gab, hatte der aktuelle ­Siegerjahrgang schon beherzigt. Das Ergebnis dieses Mutes: vier herausragende Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und Forschungseinrichtungen, die in diesem Jahr den renommierten wie bundesweiten Innovationspreis „Seifriz – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ erhalten. Vier Tandems, die geliefert haben – und als Innovatoren Vorbildcharakter besitzen. Zudem erhalten zwei weitere Kooperationen eine lobende Erwähnung.

Schnell war sich die Fachjury einig, dass die prämierten Projekte aus den Be­reichen Metallbau, Steinmetzhandwerk, Bäckerei und Bootsbau in diesem Jahr die Auszeichnung verdienen. Thematisch reicht die Bandbreite von KI-gestützten Prüfverfahren über patentierte neue Fertigungstechniken bis hin zu einem textilen Ersatz fürs Backpapier. Oder konkret: eine nachhaltige Backunterlage statt Einweg-Backpapier. Insgesamt hatten sich beim alle zwei Jahre ausgerichteten Wettbewerb 19 Innovations-Tandems beworben. Bedeutet: Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten agieren die heimischen Handwerksbetriebe lösungsorientiert.

Innovation sichert Zukunft

„Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft im Handwerk steckt. Wenn praktisches Können und wissenschaftliche Expertise zusammenkommen, entstehen Lösungen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern konkrete Antworten auf die He­rausforderungen unserer Zeit geben“, erklärte Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW und Vorsitzender des Vereins Technologietransfer Handwerk e. V., der den Award vergibt.

„Mit dem Seifriz-Preis zeichnen wir nicht nur herausragende Projekte aus, sondern wollen Betriebe ermutigen, auf die Suche nach guten Ideen und passenden Partnern für die Umsetzung zu gehen. Gerade dann, wenn sich Märkte verändern, hilft Innovation bei der Zukunftssicherung. Und die ausgezeichneten Kooperationen machen deutlich: Forschung und Handwerk ergänzen sich gut und profitieren am Ende gegenseitig“, betonte Reichhold.

Hintergrund: Das ist der „Seifriz“
Logo Technologietransfer-Preis "Seifriz".
© Verein Technologietransfer Handwerk e.V.

Der „Seifriz-Preis – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ wird unter der Federführung von Handwerk BW durch den Verein Technologietransfer Handwerk e. V. in Zusammenarbeit mit handwerk magazin vergeben.

Partner des Preises sind die Holzmann Medien Gruppe sowie die Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen, die die Hauptpreise stiften. Der Sonderpreis wird von der IKK classic dotiert.

Die Auszeichnung umfasst Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro sowie die Teilnahme am Branchenevent „Zukunft Handwerk“, das am 4. und 5. März 2026 in München stattfindet.

Das sind die vier Seifriz-Sieger 2026:

  • "Biimtec" – Hornung OSP, Bermatingen & Steinbeis-Transferzentrum INENGO, Pfullendorf:

    Die Metallbauer von Hornung OSP (Inhaber Ottmar Hornung) haben gemeinsam mit dem Steinbeis-Transferzentrum INENGO (Leitung Prof. Dr. Markus Straub) ein patentiertes Injektor-Sandstrahltechnik-Verfahren entwickelt. Damit lassen sich CFK-, GFK-, Hybrid- und Metallbauteile deutlich energie- und ressourcensparender bearbeiten. Die Möglichkeit, bestehende Anlagen nachzurüsten und Cobots einzubinden, eröffnet neue Perspektiven für Produktivität und Nachhaltigkeit im gesamten Marktsegment.

  • "StoneCrackMon" – Bildhauerei Diwo, Paderborn & Fraunhofer IOSB-INA, Lemgo:

    Der Steinmetz Michael Diwo und das Fraunhofer IOSB-INA zeigen, wie künstliche Intel­ligenz (KI) das Erfahrungswissen von Handwerkerinnen und Handwerkern ergänzt. Gemeinsam wurde eine KI-Software entwickelt, die dabei unterstützt, mithilfe akustischer Signale Schäden an Stein- und Betonobjekten zu erkennen. Erfahrene Meister trainieren das KI-System – junge Fachkräfte profitieren dann von der trainierten KI bei der Bewertung und Erhaltung historischer Objekte.

  • "BakeTex" – Fickenschers Backhaus GmbH & Fraunhofer-Anwendungs­zentrum TFK, Münchberg:

    In dieser Kooperation entwickelten Bäckerei (Geschäftsführender Gesellschafter Andreas Fickenscher), Forschungseinrichtung (Leiter Prof. Dr.-Ing. Frank Ficker) und der Textilhersteller Wilhelm Zuleeg gemeinsam eine langlebige, waschbare und schadstofffreie textile Backunterlage. Sie ersetzt herkömmliches Backpapier, spart Energie und vermeidet Abfall. Die digitale Nachverfolgbarkeit der Unterlage unterstreicht die Zukunftsfähigkeit der Lösung.

  • "Woy Yachts" – Jan Brügge Bootsbau GmbH, Grödersby & Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde:

    Erstmals wurde von der Jan Brügge Bootsbau GmbH und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde das Vakuum­infusionsverfahren zur Verleimung von Bootsrümpfen erfolgreich auf Holz übertragen und patentiert. Das Ergebnis sind Hochleistungsyachten, die aus heimischen Hölzern und damit deutlich effizienter und nachhaltiger angefertigt werden können – ein potenziell wegweisender Ansatz für das gesamte Gewerk.
Lobende Erwähnungen (ohne Preisgeld):
  • "SuMatHrA" – Alfred Kiess GmbH, Stuttgart & Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stuttgart:

    Ziel der Kooperation zwischen Schreinerbetrieb (CEO/CFO Tilo Kiess) und Wissenschaftspartner DLR (Projektleiter Dr.-Ing. Thomas Feser) ist es, konventionelle Materialien im Leichtbau durch hybride Holzwerkstoffe zu ersetzen und damit neue Wege für nachhaltige Anwendungen zu eröffnen.

  • "Clight multifunktionale Deckenlampe" – Marius Krösser, Meister der Kälte- und Klimatechnik, M.Eng. Wirtschaftsingenieur (Kälte Klima Krösser, Steißlingen + HTWG Konstanz):

    Weiterqualifizierung auch ins Akademische ist im Handwerk selbstverständlich – so sind in diesem Projekt Handwerker und Wissenschaftspartner HTWG Konstanz ein und dieselbe Person. Marius Krösser hat eine LED-Deckenlampe mit einem integrierten Wärmetauscher entwickelt, die heizt, kühlt und entfeuchtet.
Zugehörige Themenseiten:
Bäcker und Konditoren, Energiesparen, Geschäftsideen, Gewerbeabfall: Wohin mit dem Müll?, Kooperationen, Künstliche Intelligenz (KI, AI), Nachhaltigkeit, SHK-Handwerk und Technologietransfer