Die Sieger stehen fest Der „Seifriz“ 2022: Ideen mit Wow-Effekt!

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Lösungen, die aus einem Bedarf heraus entstehen – das zeichnet auch die diesjährigen Gewinner des „Seifriz“ aus. Von smart vernetzten Dächern über die Ertüchtigung historischer Fenster bis hin zur digitalen Fremdkörpererkennung. Hintergründe zu den Siegerprojekten 2022.

2022 erhielten drei Hauptpreisträger und drei Sonderpreisträger die renommierte Auszeichnung für einzigartige Kooperationen zwischen Handwerk und Wissenschaft. – © BWHT

„Für mich ist das jedes Mal ein Wow-Effekt! Mensch, haben wir tolle Betriebe“, erklärte Jurymitglied Rainer Reichhold zum Start des diesjährigen Technologietransfer-Preises der „Seifriz“. Der renommierte Wettbewerb für Innovationen und Wissenstransfer wird seit über 30 Jahren ausgerichtet und zeichnet einzigartige Kooperationen zwischen Handwerk und Wissenschaft aus. Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags und Vorsitzender des Vereins Technologietransfer Handwerk betonte im Vorfeld auch: „Es sind immer spannende Themen und Lösungsvorschläge dabei.“

Natürlich auch im Jahr 2022 – wie die Jurysitzung gezeigt hat. Drei Hauptpreisträger und drei Sonderpreisträger erhalten die begehrte Auszeichnung. Der Seifriz-Preis zeige wieder einmal, „dass das Handwerk ganz vorne mit dabei ist, wenn es um Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit geht“, so Reichhold mit Blick auf die 2022er-Gewinner. Die sechs Innovatoren-Tandems, die sich gegen die bundesweite Konkurrenz durchgesetzt haben, bekommen Besuch im Betrieb: Eine Delegation des Vereins Technologietransfer Handwerk e.V. übergibt vor Ort die Pokale, Urkunden und Siegerschecks. Alle Preisträger dürfen sich in diesem Jahr über ein Gesamtpreisgeld von 18.000 Euro freuen.

Das sind die drei Hauptpreisträger:

Nachhaltige Dächer smart vernetzt – smartes Dachmonitoring mittels IoT-Technologie

Gemeinsam mit einem Wirtschaftsinformatik-Studierenden der Hochschule Karlsruhe entwickelte das Dachdeckerunternehmen Aurnhammer aus Neu-Ulm eine smarte Dachmonitoring-Lösung. Die erhobenen Daten werden dabei in einem zentralen IoT-Betriebssystem gebündelt und über ein integriertes Dashboard für die Auswertung zur Verfügung gestellt. Die entwickelte Systemlösung erlaubt eine intelligente Früherkennung sowie vollständig digitale Zustandsüberwachung und vorausschauende Instandhaltung von Flachdächern. Die neue Technologie reduziert die Anzahl der Schadensfälle und vermeidet oft den Neubau eines Dachs. Mit ihrer Idee des digitalen Monitorings und mit der neu entwickelten Hard- und Software im Gepäck entwickelten Christoph Schendel und Riccardo Baral mittlerweile ein eigenständiges Geschäftsmodell und gründeten die smart roof solutions GmbH.

Beitrag zum Klimaschutz – Ertüchtigung historischer Fenster

Seit 30 Jahren arbeitet Hermann Klos, Geschäftsführer der Holzmanufaktur aus Rottweil, mit seinem Team an der Instandsetzung, Erhaltung und Funktionsverbesserung historisch wertvoller Bauausstattungen. Um die Verluste historischer Fenster zu verhindern, entwickelte die Holzmanufaktur zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) und dem Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ein Verfahren, bei dem bestehende Verglasungen weiterverwendet werden können. Die in dem Projekt gefertigten und bereitgestellten Musterfenster sorgen mit ihren dünnen Isoliergläsern für eine Verbesserung am Fenster selbst. Bedeutet: Die größte energetische Schwachstelle am Fenster – die Verglasung – wird durch eine effizientere Verglasung behoben. So lassen sich Ressourcen schonen und historische Konstruktionen erhalten.

Digitale Fremdkörperkennung in der Lebensmittelindustrie – der „MultiCheck“

Dr. Carsten Cruse, Geschäftsführer der CLK GmbH aus Alternberge, beschäftigte sich seit einer speziellen Kundenanfrage aus der Lebensmittelindustrie mit dem Erkennen von Fremdkörpern im Gutstrom. Darunter versteht man das exakte Portionieren von Mahlzeiten. Dazu kommen für gewöhnlich Mehrkopfwaagen zum Einsatz. Fremdkörper, insbesondere aus Kunststoff oder Metall, lassen sich bislang nur schwer entdecken und führen häufig zu Produktrückrufaktionen, da sie für den Menschen gesundheitsschädlich sein können. Um die großen technischen Herausforderungen zu meistern, entwickelte die CLK GmbH zusammen mit Prof. Dr. Jürgen te Vrugt von der Fachhochschule Münster ein optisches System zur Fremdkörpererkennung: den „MultiCheck“. Dieser erkennt auf Basis einer Farberkennung Fremdkörper aus Kunststoff und anderen Materialien, solange sich die Fremdkörper farblich vom Produkt und dem Hintergrund abheben. Die Kameras decken alle Abwurfpositionen ab. So können nahezu 100 Prozent der Fremdkörper frühzeitig erkannt werden.

Das sind die drei Sonderpreisträger:

Unternehmerpreis für nachhaltiges Wirtschaften

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten Herdecke hat Timothy C. Vincent, Steinbildhauer aus Wetter an der Ruhr, ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagementsystem im Unternehmen eingeführt. Einzigartig macht diesen Ansatz die Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten und einem Managementansatz, der unabhängig von der Branche anwendbar ist. Durch die Implementierung des ZNU-Standards „Nachhaltiger Wirtschaften“ machte der Handwerksunternehmer seinen Betrieb zukunftsfähig.

Auszubildenden-Sonderpreis

In der Coronapandemie mussten im Berufsbildungswerk Abensberg nicht nur Lernprozesse virtuell abgebildet werden, sondern auch die Beziehungsarbeit, emotionale Begleitung und Motivation der Jugendlichen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Dengel (damals Universität Würzburg, heute Goethe-Universität Frankfurt a.M.) hat das Berufsbildungswerk unter Leitung von Petra Jeske das Projekt „Medien.Gestalten.Perspektiven.“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Lehramtsstudierenden wurde ein Weg gefunden, die Lehre zu virtualisieren. Neben einer kurzfristigen Pandemie-Lösung konnten neue Technologien für den Ausbildungsalltag langfristig realisiert werden.

Digitales Ökosystem

Zielsetzung des Projekts der smart roof solutions GmbH unter Federführung von Christoph Schendel war die smarte Zusammenarbeit von Bedachungsfachbetrieben, Immobilieneigentümern, Hausverwaltungen und Gebäudeversicherungen. Das von der Firma entwickelte Monitoringsystem kann dazu beitragen, die unterschiedlichen Akteure nachhaltig in einem Wirtschaftsökosystem miteinander zu vernetzen, insbesondere mit Blick auf die steigenden Herausforderungen beim Thema Smart Home. Ein Projektteam von Studierenden des Kompetenzzentrum Smart Services der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (HTWG) unter Leitung von Valerie Bass hat in Zusammenarbeit mit Versicherungsdienstleistern analysiert, wie eine solche Kooperation aufgebaut werden kann.

Das ist der „Seifriz“

© handwerk magazin

Der Seifriz-Preis wird seit über 30 Jahren als Wettbewerb für Wissenstransfer unter der Federführung des Baden-Württembergischen Handwerkstages durch den Verein Technologietransfer Handwerk e.V. und in Zusammenarbeit mit handwerk magazin veranstaltet. Partner des Preises sind die Holzmann Medien Gruppe, die Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen und die Messe „Zukunft Handwerk“. Zu den weiteren Unterstützern zählen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), die Steinbeis-Stiftung, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg sowie Sponsoren aus der Wirtschaft. Der Preis wird ermöglicht durch eine bundesweite Jury und dem Engagement einer Vielzahl von Beratern in den Kammern und Fachverbänden. Benannt ist er nach dem baden-württembergischen Politiker Adalbert Seifriz, der die Wirtschaftspolitik des Landes in der Nachkriegszeit wesentlich prägte.