Zahlungsindikator Außenstände: Ausweitung der Zahlungsziele und mehr Zahlungsverzug

Die vermeintlich gute Nachricht zuerst: Im ersten Halbjahr 2024 sank der Zahlungsverzug auf 8,8 Tage. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag er noch bei 10,77 Tagen. "Doch der schöne statistische Schein trügt leider", informiert Creditreform. Kreditgeber und Lieferanten gewährten ihren Geschäftspartnern deutlich längere Zahlungsziele. Nur deshalb blieb die Außenstandsdauer nahezu unverändert. Beim offenen Forderungsvolumen zeigt sich die wahre Entwicklung: Es stieg signifikant auf 23.600 Euro je Schuldner. 21.870 Euro waren es im erste Halbjahr 2023. Mehr Zahlen zu den betroffenen Wirtschaftsbereichen, Rechtsformen und der Zahlungsmoral.

Nicht in die Luft gehen! Sie sparen sich Ärger, wenn Sie ausbleibende Zahlungen vermeiden und Geschäftspartner besser auswählen. - © W. Heiber Fotostudio - stock.adobe.com

"Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen kletterte im ersten Halbjahr 2024 auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Entsprechend schlecht ist aktuell die Stimmung in der Wirtschaft", leitet Creditreform die Vorstellung ihres Zahlungsindikators für den Sommer 2024 ein.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiten die Unternehmer die Zahlungsziele für ihre Kunden aus. "Nach der Corona-Krise hatten Lieferanten und Kreditgeber ihre Zahlungsziele vorübergehend stark gestrafft. Seit etwa einem Jahr zeigt sich jedoch eine deutliche Lockerung", kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. So wurde im Vorjahreszeitraum ein durchschnittliches Zahlungsziel von nur 29,93 Tagen gewährt. Zwischen Januar und Juni 2024 erhöhte sich dieser Wert auf 31,37 Tage.

Außenstände: Verringerter Zahlungsverzug, aber deutlich mehr überfällige Rechnungen

Wer später zahlen muss, hat mehr Zeit, mit seinen Produkten das Geld zu verdienen, das er für deren Herstellung benötigt. Lieferanten und Kreditgeber arbeiten also gut mir ihren Kunden zusammen und entlasten sie. Die Maßnahme wirkt: Denn der Zahlungsverzug ist
auf zuletzt 8,80 Tage (Vorjahreszeitraum: 10,77 Tage) gefallen. Allerdings ist die Zahl der überfälligen Rechnungen deutlich gestiegen.

Die Zahlungsziele nehmen zu - der Zahlungsverzug nimmt ab.
Die Zahlungsziele nehmen zu - der Zahlungsverzug nimmt ab. - © Creditreform

Zahlungsverzug je Branche 2024 im Vergleich zu 2023

Wer kann, zahlt heute pünktlicher als im ersten Halbjahr 2023. "Die Zahlungsverzögerungen im B2B-Geschäft waren so gering wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dieser Trend spiegelt sich in allen Wirtschaftsbereichen", sagt Hantzsch. Im Einzelhandel sank die Verzugsdauer im Schnitt um 2,89 Tage auf 7,33 Tage. Im Segment der personennahen Dienstleistern betrug das Minus sogar 4,28 Tage auf nun 10,41 Tage. Schuldner aus Geschäften mit unternehmensnahen Dienstleistungen zahlten ihre Rechnungen ebenfalls mit weniger Verzug als im Vorjahreszeitraum. Aus Sicht der Kreditgeber und Lieferanten nahm die Länge des Zahlungsverzugs ab. "Gleichzeitig blieb die Forderungslaufzeit (Außenstandsdauer) nahezu unverändert", meldet Creditreform.

Der Zahlungsverzug hat branchenübergreifend abgenommen.
Der Zahlungsverzug hat branchenübergreifend abgenommen. - © Creditreform

Dauer der Außenstände steigt in einigen Bereichen

Im Schnitt lag die Forderungslaufzeit in Deutschland im ersten Halbjahr 2024 bei 40,17 Tagen. Das ist minimal kürzer als im Vergleichszeitraum. Trotz schlecher Konjunktur müssen Kreditgeber und Lieferanten im Schnitt also nicht länger auf ihr Geld warten. Vor Corona lag der Wert noch bei im Schnitt 42 Tagen. Die Maßnahme damals: kürzere Zahlungsziele. Das sorgte für eine Absenkung der Forderungslaufzeiten und damit für einen schnelleren Geldeingang. Aktuell verlängern die Kreditoren ihre Zahlungsfristen wieder, was die Außenstandsdauer in einigen Branchen (Chemie, Großhandel, Baugewerbe) erhöht.

Zahlungsziele deutlich verlängert

Wer Zahlungsschwierigkeiten hatte, bekam im ersten Halbjahr 2024 längere Zahlungsziele. So gewährten die Rechnungssteller den Unternehmen aus der Chemie- und Kunststoffbranche ein Zahlungsziel von im Schnitt 40,27 Tagen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 36,10 Tage. Metall- und Elektrounternehmen erhielten 36,90 Tage Zahlungsfrist, nach 35,80 Tagen im Vergleichszeitraum. Auch unternehmensnahe Dienstleister sowie Unternehmen aus dem Großhandel und dem Baugewerbe erhielten deutlich mehr Zeit zum Begleichen ihrer Rechnungen.

Anders die Lage in der Grundstoffbranche: Hier haben die Rechnungssteller eine Kürzung der Zahlungsziele vorgenommen. "Im Durchschnitt gewährten Lieferanten in Deutschland branchenübergreifend ein Zahlungsziel von 31,37 Tagen, nachdem es im ersten Halbjahr 2023 im Schnitt 29,93 Tage waren", meldet Creditreform.

Das Baugewerbe, der Großhandel und die Chemie/Kunststoffbranche haben den größten Zuwachs bei den verlängerten Zahlungszielen.
Das Baugewerbe, der Großhandel und die Chemie/Kunststoffbranche haben den größten Zuwachs bei den verlängerten Zahlungszielen. - © Creditreform

Außenstände: Zahlungsziele nach Rechtsformen

Die aktuell schlechte wirtschaftliche Lage sorgt insbesondere bei den Rechtsformen eG, AG und den freien Berufen für einen Bedarf nach verlängerten Zahlungszielen. Die gegenteilige Entwicklung trifft Unternehmen der Rechtsformen e. V. und GbR. Sie mussten ihre Rechnungen schneller bezahlen. Kaum verändert sind die Zahlungsziele jedoch für GmbHs: Ihr Zahlungsziel liegt im Schnitt bei 30,90 Tagen. Das sind 0,89 Tage mehr als im Vergleichszeitraum 2023.

Insbesondere AGs, eGs und freie Berufe haben im ersten Halbjahr 2024 verlängerte Zahlungsziele erhalten.
Insbesondere AGs, eGs und freie Berufe haben im ersten Halbjahr 2024 verlängerte Zahlungsziele erhalten. - © Creditreform

Die wirtschaftlich bedeutsamste Rechtsform für Kreditoren ist die GmbH. "Der Anteil der GmbH am (überfälligen) Forderungsbestand belief sich im ersten Halbjahr 2024 auf 61,9 Prozent", informiert Creditreform. Dies sei ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum (plus 0,3 Prozentpunkte). In früheren Jahren lag deren Anteil am Forderungsvolumen zumeist deutlich unter der 60-Prozent-Marke (beispielsweise 2018: 57,4 Prozent). "Durch das höhere Gewicht der GmbH wirken sich Veränderungen im Zahlungsverhalten von Debitoren dieser Rechtsform entsprechend stark auf Ausfallrisiken bei den Gläubigern aus", erklärt Creditreform. Auch der Anteil der AG erhöhte sich zuletzt und erreichte nunmehr 15,0 Prozent, nachdem er im Vorjahreszeitraum 14,3 Prozent betragen hatte. Verringert hat sich dagegen die Bedeutung der GmbH & Co. KG innerhalb des Debitorenpools: Ihr Anteil sank von 18,9 Prozent im ersten Halbjahr 2018 auf nur noch 14,7 Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Forderungsvolumen unverändert

Der durchschnittliche Wert einer verspätet bezahlten Rechnung hat sich nicht weiter erhöht hat. Zwar blieb der Transaktionswert im B2B-Geschäft niedriger als in der Vorjahresperiode. Im ersten Halbjahr 2024 lag der Rechnungswert bei durchschnittlich 2.072 Euro (2023: 2.234 Euro). Dieser Trend findet sich in den meisten Wirtschaftsbereichen bestätigt. Die gegenteilige Entwicklung zeigt sich bei Geschäften mit der Grundstoffbranche und mit personenbezogenen Dienstleistern. Hier erhöhten sich die Rechnungswerte.

Deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum war das mittlere Transaktionsvolumen hingegen bei Lieferungen an die Chemie- und Kunststoffbranche. Hier dürfte sich die Konjunkturschwäche in der Industrie bemerkbar gemacht haben. Auch während der Corona-Pandemie waren die Rechnungssummen zwischenzeitlich stark gesunken, anschließend aber kräftig gestiegen.

Der Wert überfälliger Rechnungen sinkt im Schnitt.
Der Wert überfälliger Rechnungen sinkt. - © Creditreform

Zahl der Außenstände steigt

Der Gesamtbestand an überfälligen Forderungen im B2B-Geschäft ist im ersten Halbjahr 2024 branchenübergreifend kräftig angestiegen. "In dieser Entwicklung spiegeln sich zum einen sicherlich Preissteigerungen, zum anderen dürfte dieser Verlauf auch Ausdruck von krisenhaften Veränderungen im Zahlungsverhalten sein", meint Hantzsch. Säumige Schuldner verursachten zuletzt höhere Außenstände bei ihren Kreditgebern und Lieferanten, was zu entsprechend höheren Finanzierungs- und Ausfallkosten führte.

Das Volumen dieser Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erreichte im ersten Halbjahr 2024 ein Niveau von rund 23.600 Euro pro überfälligen Schuldner. In der Vorjahresperiode waren es gut 1.700 Euro weniger. Ein entscheidender Faktor für diese bedenkliche Entwicklung war der Anstieg der Zahl der überfälligen Rechnungen, auch wenn die Länge des einzelnen Zahlungsverzugs zuletzt zurückgegangen war.

Das offene Forderungsvolumen im Schnitt steigt kräftig.
Das offene Forderungsvolumen im Schnitt steigt kräftig. - © Creditreform

Was Unternehmer in Sachen Außenstände tun können

Unternehmer, die der Entwicklung entgegenwirken möchten, haben einige Möglichkeiten ihren Betrieb zu schützen:

  • Prüfen Sie die aktuelle Bonität ihrer Kunden - auch der Bestandskunden
  • Bürgschafts- und Warenkreditversicherung sind Wege, um die eigene Liquidität zu sichern
  • Factoring ist der Verkauf von Forderungen und sichert den Zahlungseingang
  • Leasing und Mietgeräte schonen die Liquidität
Zahlungsindikator: Fakten und Daten
  • Zu rund 1.056.000 Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.

  • Die Zahlen zum Zahlungsindikator beruhen auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.

  • Creditreform analysiert ein Belegvolumen von rund 74,1 Milliarden Euro zu 1.160 Branchen

  • Monatlich gibt es aktuell 12,57 Millionen neue Zahlungsinformationen
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