Telefonbetrug Unerlaubte Werbeanrufe: Mehr Beschwerden über Anrufe für Finanz- und Versicherungsprodukte

Die Bundesnetzagentur erhielt 2024 mehr schriftliche Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe im Bereich von Finanz- und Versicherungsprodukten als im Jahr davor: 3.200 gegenüber 3.000. Im Jahr 2022 waren es 5.400. Auf alle Branchen gesehen, beschwerten sich 2024 exakt 37.561 Verbraucher über unerbetene Werbeanrufe. Das sind acht Prozent mehr als 2023.

Unerlaubte Telefonwerbung hängt oft mit Betrug zusammen. Die schriftlichen Beschwerden bei der Bundesnetzagentur nehmen zu.
Unerlaubte Telefonwerbung hängt oft mit Betrug zusammen. Die schriftlichen Beschwerden bei der Bundesnetzagentur nehmen zu. - © Elnur - stock.adobe.com

"Leider sehen wir nach zuletzt sinkenden Beschwerdezahlen wieder einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr", sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Insgesamt gingen bei der Behörde 37.561 schriftliche Beschwerden ein, was einem Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Unternehmen, die sich vor Betrug schützen möchten, sollten Mitarbeiter schulen und entsprechende Versicherungen abschließen. So etwa einen Vertrauensschadenpolice und eine Cyberversicherung.

Branchen, auf die sich Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe konzentrieren

Die häufigsten Themen der Werbeanrufe waren Gewinnspiele (plus 20 Prozent), Energieversorgung und Bauprodukte.

Im Bereich der Bauprodukte haben Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe demgegenüber um knapp 19 Prozent zugenommen (6.315). Im Jahr 2023 waren es noch 5.320. Gründe dafür vermutet die Bundesnetzagentur unter anderem in der hohen Nachfrage nach Photovoltaikanlagen. Einige unseriöse Anbieter haben diese offenbar zum Anlass für unerlaubte Werbeanrufe genommen.

Trotz hohen Niveaus sanken die Beschwerden bei der Energieversorgung jedoch von 20 bis 30 Prozent in den letzten Jahren auf 14 Prozent (5.095) im Jahr 2024. Die Bundesnetzagentur führt dies unter anderem auf die zahlreichen Großverfahren zurück, mit denen sie in den letzten Jahren gegen unerlaubte Werbeanrufe im Energiesektor vorgegangen ist.

Bei Beschwerden zu Versicherungs- und Finanzprodukten lässt sich kein klarer Schwerpunkt erkennen. Die unerbetene Telefonwerbung, bei der aggressiv zum Abschluss von Verträgen gedrängt wird, betrifft viele Bereiche, so etwa Zahnzusatzversicherungen, Bausparverträge oder Investitionsmöglichkeiten in Kryptowährungen und Aktien.

Beschwerden führten zu insgesamt hohen Bußgeldern im Jahr 2024

Die Bundesnetzagentur verhängte 2024 in elf Verfahren hohe Bußgelder. Mit jedem dieser Bußgeldverfahren ging sie mehreren 100 bis über 2.000 Beschwerden nach. Insgesamt setzte die Bundesnetzagentur Bußgelder in einer Gesamthöhe von 1,373 Millionen Euro wegen unerlaubter Telefonwerbung und Rufnummernunterdrückung bei Werbeanrufen fest. Im Jahr 2023 waren es 1,435 Millionen Euro. Ein Rückgang von vier Prozent.

Die Bundesnetzagentur untersuchte mehrere Werbekampagnen, bei denen die Anrufer Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst täuschten. "Auffällig waren zum Beispiel Fälle, bei denen die Werbetreibenden den Grund des Anrufs und den Namen des Unternehmens bewusst verschleierten", teilt die Bundesnetzagentur mit. Sie führte unter anderem ein Verfahren gegen ein Unternehmen, das Werbegespräche mit der vorgeschobenen Bitte um eine Gesundheitsumfrage einleitete. "Die Anrufer gaben sich zum Beispiel als Apothekenverband aus. Das Unternehmen drängte jedoch die Angerufenen mit einer aggressiven Gesprächsführung dazu, sehr teure Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Es zielte dabei vor allem auf ältere Verbraucherinnen und Verbraucher ab. Oft sendete es ihnen diese Produkte nach dem Gespräch sogar ungefragt zu und stellte dabei hohe Rechnungen aus. Dabei unterstellte es, dass die Angerufenen am Telefon ein Liefer-Abonnement abgeschlossen hätten", informiert die Agentur. Dieses Verfahren stehe nur exemplarisch für viele Fälle von untergeschobenen Verträgen und Vertragsoptionen, zu denen sie im letzten Jahr Beschwerden erreichten.

Die Bundesnetzagentur informiert über alle Verfahren, die mit einer Geldbuße abgeschlossen wurden unter bundesnetzagentur.de/massnahmen-telefonwerbung.

Viele Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe, aber keine Bußgelder für Unternehmen im Bereich Finanzen und Versicherungen

Trotz der gestiegenen Beschwerden gab es im Bereich der Finanz- und Versicherungsprodukte im Jahr 2024 bisher keine Bußgeldentscheidungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass keine Verfahren laufen: Die Behörde äußerte sich zu laufenden Verfahren nicht. Im Vorjahr hatte die Bundesnetzagentur insgesamt 1,373 Millionen Euro an Bußgeldern in elf Verfahren verhängt. Das letzte Bußgeld im Bereich unerlaubte Telefonwerbung für Finanzprodukte wurde im August 2023 in Höhe von 53.000 Euro ausgesprochen.

Unerlaubte Telefonwerbung melden

Schriftliche Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern über unerlaubte Werbeanrufe sind für die Bundesnetzagentur bei ihren Ermittlungen sehr wichtig. Um die Täterinnen und Täter überführen zu können, sind möglichst präzise und detaillierte Angaben hilfreich. Verbraucherinnen und Verbraucher können Werbeanrufe, in die sie vorher nicht eingewilligt oder für die sie einen Widerruf ausgesprochen haben, ganz einfach online bei der Bundesnetzagentur melden unter: bundesnetzagentur.de/telefonwerbung-beschwerde.

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