Zukunft Handwerk Trendradar 2023: Werte und Nachhaltigkeit im Handwerk – auf dem Weg zu „Zero Waste“

Zugehörige Themenseiten:
Baustoffe, Frauen im Handwerk, Internationale Handwerksmesse, Nachhaltigkeit, Upcycling und Zukunftsperspektiven im Handwerk

Beim Event Zukunft Handwerk im März 2023 stellen die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) und Trendone ein neues Trendradar fürs Handwerk vor. Zusammen mit Experten aus dem Handwerk wird darin bewertet, was heute, morgen und übermorgen wichtig wird. handwerk magazin berichtet vorab in einer vierteiligen Serie über die wegweisenden Entwicklungen für Betriebe.

Gebrauchte Baumaterialien sollen im Sinn der Kreislaufwirtschaft weiterverwendet werden. – © Lea – stock.adobe.com

Früher landeten sie als Abfall im Müll, heute helfen sie Meere, Flüsse und Seen zu reinigen: Haare saugen viel Fett auf, selbst wenn sie schon vom Kopf ihrer Trägerin oder ihres Trägers abgeschnitten sind. Viele Friseure spenden ihren Haarabfall daher heute an Organisationen, um Verschmutzungen in Gewässern zu beseitigen. „Haar-Recycling beim Friseur sowie Wiederverwendung von Materialien wie Holzreste beim Schreiner oder Metallschrott im verarbeitenden Handwerk zeigen, wie nachhaltig das Handwerk bereits heute arbeitet“, sagt Sven Tollmien, Geschäftsleiter der Trend- und Strategieberatung Trendone in Hamburg.

Gemeinsam mit der Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) und Experten aus dem Handwerk hat er über wegweisende Entwicklungen das gewerkeübergreifende Trendradar 2023 entwickelt. Die Trends werden dem Event Zukunft Handwerk im März 2023 vorgestellt und diskutiert.

Im Fokus stehen vier Bereiche

  • Werte & Nachhaltigkeit
  • Arbeit & Kultur
  • Digitalisierung & Technologien
  • Kommunikation & Betrieb
Zukunft Handwerk
© Zukunft Handwerk

Eines der Ziele im Bereich Werte und Nachhaltigkeit ist: Es soll überhaupt kein Abfall mehr entstehen. Der Weg zu „Zero Waste“ ist jedoch noch weiter entfernt. „Um den Abfall auf null zu reduzieren, erfordert in den Betrieben extremes Umdenken“, sagt Tollmien. Die ersten Schritte dorthin führen daher über Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Von Recycling und Kreislaufwirtschaft zu „Zero Waste“

Recycling hat das Ziel, Produkte nach ihrem Gebrauch nicht mehr zu Abfall werden zu lassen, sondern sie als Sekundärrohstoffe dem Produktionszyklus wiederzuzuführen.

Die Kreislaufwirtschaft hat das gleiche Ziel – und geht noch einen Schritt weiter: Am Ende ihres Lebenszyklus werden sämtliche Produkte in ihre Einzelteile zerlegt. Diese können entweder direkt wiederverwendet werden oder werden nochmals sortenrein nach den beinhalteten Materialien getrennt.

„Dadurch entsteht eingeschlossener Materialkreislauf, der es unnötig macht, neue Materialien zu gewinnen“, erklärt Tollmien. Durch das zentrale Kreislaufwirtschaftsgesetz ist vor allem das Baugewerbe von diesem Trend betroffen, da allein in Deutschland 220 Millionen Tonnen Abfall zurück in den Kreislauf gebracht werden müssen.

Alternative Energiequellen kommen beim Verbraucher gut an

Jedes Gewerk im Handwerk ist jedoch aufgefordert zu prüfen, wo sich die Abfallbelastung reduzieren lässt. Bestenfalls entsteht eine neue Geschäftsidee daraus: So können Schreiner und Tischler aus ihren Holzverschnitten neue Möbel bauen. Bei der Schreinerei Plonka Möbeldesign zum Beispiel – über diesen Betrieb hat handwerk magazin bereits berichtet – wird diese Art der Produktion bereits erfolgreich eingesetzt.

Bei der Gestaltung neuer Produkte und Dienstleistungen auf die Nutzung und Weiterverwertung zu achten, reicht allein nicht aus, um nachhaltig zu wirtschaften. Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, spielen grüne Technologien auch im Handwerk eine zunehmend größere Rolle. „Wer alternative Energiequellen wie zum Beispiel Solarenergie einsetzt und das aktiv in der Öffentlichkeit kommuniziert, zeigt, dass er Verantwortung übernimmt – Verbraucher honorieren das“, sagt Tollmien.

Ebenso liegt es im Trend, Frauen gleiche Chancen und Möglichkeiten einzuräumen. „Damit sind nicht nur Frauen generell im Handwerk gemeint, wovon es ja schon viele gerade in Dienstleistungsberufen wie Friseur gibt, sondern Frauen auf Meisterebene und als Geschäftsführerin eines Betriebs“, sagt Cornelia Lutz-Wagner, Bereichsleiterin B2C-Messen und Koordinatorin Handwerkspolitik bei der GHM.

Schon jetzt werden Frauen im Handwerk immer präsenter: Eine aktuelle Studie zeigt, dass jede vierte Gründung im Handwerk durch eine Frau erfolgt. „Deshalb ist es auch für Handwerksbetriebe wichtig, sich für die Gleichstellung von Frauen, sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, einzusetzen und diese in Handwerksberufen zu fördern“, rät Lutz-Wagner.

Gleichstellung von Frauen und Förderung von Vielfalt

Das Gute daran: Um diese Möglichkeit zu schaffen, benötigen Betriebe keine neuen Prozesse oder Produkte, sondern sie müssen umdenken. Anders gesagt: „Sie brauchen ein offenes Mindset“, so die GHM-Managerin. Diese Geisteshaltung führt weg vom Althergebrachten, hin zum Neuen, und ist sozusagen die Basis für neue Werte und Nachhaltigkeit – auch bei Diversität und inklusivem Arbeiten.

Sven Tollmien von Trendone rät Betrieben, die sich auf die Trends einstellen wollen, aktiv zu sein. Dazu gehört es zum Beispiel Gespräche mit Frauen in Handwerksberufen zu führen, zuzuhören und daraus zu lernen. „Was wünschen sich Frauen, die Führungsrollen im Handwerk einnehmen möchten und was vermissen sie noch?“, könnte eine Fragestellung dabei sein.

Auch das Thema Vielfalt hat sich in den letzten Jahren von einem Schlagwort im aktivistischen und wissenschaftlichen Kontext hin zu einer wirtschaftlichen Managementfunktion gewandelt. Auch Handwerksbetriebe sollen Diskriminierung verhindern und die Gleichstellung aller Menschen gewährleisten, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrem Aussehen. „Durch die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen können Handwerksbetriebe zusätzlich ihr Innovationspotenzial durch verschiedene Sichtweisen und Ansätze erhöhen“, sagt Lutz-Wagner. „Auch in der Besetzung von Lehrstellen, wird die Diversität neue Potentiale eröffnen.“

Studiensteckbrief

Um für das Handwerk in die Zukunft zu blicken, haben die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) gemeinsam mit der Trend- und Strategieberatung Trendone ein neues Trendradar 2023 für die Handwerksbranche entwickelt. Auf Basis fundierter Trendforschung wurden gesellschaftliche, wirtschaft­liche und technologische Trends herausgearbeitet, die zukünftige Auswirkungen auf das Handwerk aufzeigen. Ein Kreis von mehr als 50 Expertinnen und Experten aus dem Handwerk einzelner Gewerke und Verbänden hat in einer Online-Abstimmung die Trends qualitativ bewertet – und gibt Empfehlungen fürs Handwerk: Auf Trends, die in den kommenden fünf Jahre eintreten und eine hohe Relevanz für das Handwerk aufzeigen, sollten die Betriebe schon jetzt ins Handeln kommen. Vorbereiten müssen sie sich auf solche Entwicklungen, die in fünf bis sieben Jahren signifikante Veränderungen im Handwerk hervorrufen werden, und solche beobachten, die in zehn Jahren auf die Agenda kommen (in der Grafik groß, mittel und klein abgebildet).

Event Zukunft Handwerk

Mit Zukunft Handwerk versammelt die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) Meister und Macher am 8. bis 10. März 2023 im ICM in München. Das neue gewerkeübergreifende Veranstaltungsformat aus dem Handwerk und für das gesamte Handwerk findet künftig jährlich statt und richtet sich live und online an Gesellen, Handwerksunternehmer, Start-up-Gründer und Politiker. In mehr als 50 Sessions werden Themen von heute und morgen diskutiert und Praxiswissen vermittelt. Ergänzt werden Bühnenprogramm und Netzwerkmöglichkeiten durch Abendveranstaltungen und handwerkspolitische Formate, wie die ZDH-Vollversammlung oder das Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft.