Erfolgsbeispiel Digitalisierung über das Kassensystem: Wie die Bäckerei-Kasse zur Kommandozentrale wird

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Bäckereimeister Günther Kremer aus Velen an der holländischen Grenze steuert seinen Laden neuerdings von der Kasse aus. Der zentrale Punkt, von dem aus sich etwa Warenbestände einsehen und nachbestellen lassen, erleichtert seine Arbeit erheblich. Gleichzeitig können Rohstoffe und Ressourcen darüber nachhaltiger eingesetzt werden.

Bäckermeister Günther Kremer managt seinen Laden über die Kasse. – © Creative Mario Lorek

Not macht erfinderisch: Weil er durch die Pandemie weniger Kunden seinen Laden besuchten, beschloss Günther Kremer, Geschäftsführer der Bäckerei Krämer im nordrhein-westfälischen Velen, seine Backwaren übers Internet zu vertreiben. Seit einem Jahr können die Kunden Brot und Brötchen im eigenen Online-Shop bestellen, bezahlen und zum gewünschten Zeitpunkt abholen. „Durch unseren Online-Shop gewinnen wir mehr Planungssicherheit und sparen Zeit durch die Abholung der fertig bestückten Warenkörbe,“ erklärt Kremer.

Der Bäckermeister hat seit der Expansion in neues Gefilde Spaß daran gefunden, seinen Betrieb zu digitalisieren. Das Wichtigste ist dabei, dass verschiedene Lösungen an einem Ort zusammenlaufen und von dort aus gesteuert werden können. In der Bäckerei Kremer ist dieser Ort die Kasse: Zuvor erfasste Kremer über das Kassensystem lediglich die Verkäufe – heute kommen die Stundenerfassung des Personals, Nachbestellungen von Waren für die Verkaufsstellen oder Bestellungen aus dem Onlineshop hinzu.

Viele Systeme an einem Ort vernetzt

Ein Kunststück ist es, die verschiedenen Systeme des Betriebs miteinander zu vernetzen. Kremer hat sich dazu an Etamio aus Bochum gewandt. Der EDV-Berater hat sich auf die Vernetzung und Schnittstellenentwicklung spezialisiert. „Der Bedarf solcher Verknüpfungen ist riesig“, beobachtet Gerassimos Miaris, Geschäftsführer von Etamio. „Die Entwicklungsabteilungen vieler Hardware-Hersteller sind häufig zu klein, um eine umfassende und ganzheitliche Lösung für individuelle Anforderungen anbieten zu können.“

Diese Marktlücke bedient der Berater, der Back in Sachen Kassenlösungen deutschlandweit betreut. Während der Corona-Krise hat er viele Bäckereien auf ein neues digitales Level gebracht. Mit einer eigenen Entwicklungsabteilung am Bochumer Standort verknüpft die Firma seit mehr als zehn Jahren Software und Hardware unterschiedlichster Hersteller, wobei Vectron-Kassen das Spezialgebiet des ganzheitlichen Kassenlösungsanbieters sind. Im Bäckereibetrieb Kremer wurden genau dieses Kassensystem mit weiteren digitalen Programmen verknüpft und an einem Ort zusammengebracht. „Die Digitalisierung wird den Betrieben noch viele Erleichterungen bringen“, prophezeit Miaris.

Wachsendes Catering-Geschäft

Mit einem Klick kann Bäcker Kremer heute Warenbestände direkt einsehen und Nachbestellungen für einzelne Verkaufsstellen direkt vom Kassenmonitor in die Backstube schicken. „Dieser Aspekt wird hinsichtlich steigender Rohstoffpreise auch in Zukunft immer wichtiger werden“, glaubt Miaris. „Ressourcen können so nachhaltig und effizient eingesetzt werden.“ Auch was das Cateringeschäft anbelangt, das für Bäckerein wie in Velen immer mehr zum wichtigen Standbein wird: Weil seine Waren und Angebote online leicht zugänglich sind, sieht sich Kremer immer mehr als Dienstleister für Tagungen und Veranstaltungen, wohin er einfache Snacks anliefert. „Wir werden sicherlich keine vollwertige Küche ersetzen können. Unser Angebot für Gruppenevents oder Firmenfeiern wird sich in Zukunft allerdings noch vergrößern“, stellt der Handwerkschef in Aussicht.

Von der Digitalisierung erhofft sich der Bäckereimeister außerdem, den Nachwuchs für sein Handwerk zu begeistern. „Voll digitalisierte Backstuben sind ein Segen für uns und wir sind der Bundesregierung dankbar für die Pandemie bedingten Zuschüsse zur Digitalisierung“, freut er sich. Mehr Unterstützung erhofft er sich allerdings seitens der Politik, um junge Menschen auch an weiterführenden Schulen den Beruf schmackhaft zu machen.Technologien hin oder her bleibe das Bäckereihandwerk schließlich ein Handwerk, so Kremer: „Und dafür brauchen wir Menschen, die diese Arbeit mit Freude und Leidenschaft ausüben können.“