Steuervorteile mitnehmen Jahresabschluss: Frühzeitig ­Bilanz ziehen und Vorteile gegenüber Banken sichern!

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Banken erwarten den Jahresabschluss traditionell in der ersten Hälfte des Jahres – selbst wenn das Finanzamt mehr Zeit lässt. Handwerkschefs, die sich jetzt daransetzen, profitieren von Steuervorteilen und verbessern ihre Verhandlungsposition.

Achim Pötz, Geschäftsführer des Metallbau­unternehmens Pesch GmbH in Brühl bei Köln.
Achim Pötz, Geschäftsführer des Metallbau­unternehmens Pesch GmbH in Brühl bei Köln. – © Markus J. Feger

Handwerksunternehmer Achim Pötz gehört zu den Firmenchefs, die im vergangenen Jahr ziemlich gut gewirtschaftet haben. „Während der Pandemie investierten viele Immobilieneigentümer in die Modernisierung ihrer Objekte. Das brachte uns einen deutlichen Umsatzschub“, erläutert der Geschäftsführer der Pesch GmbH, ein Metallbauunternehmen mit 18 Beschäftigten in Brühl bei Köln. Der Familienbetrieb ist darüber hinaus bis heute in den Aufbauprozess nach der Flutkatastrophe in der Region involviert. „Wir arbeiten momentan bis zum Anschlag unserer möglichen Auslastung“, so Pötz. Er würde sogar weitere Mitarbeitende einstellen, „aber wir spüren den Fachkräftemangel sehr deutlich“, sagt Pötz.

Entsprechend der guten Geschäftslage ist die MetallbauPesch GmbH auch in puncto Liquidität komfortabel aufgestellt. Auf eine hohe Kreditlinie kann Pötz verzichten. „Wir finanzieren uns in der Regel aus eigener Kraft, mehr oder weniger unabhängig von den Banken“, so der Schlossermeister. Seinen Jahres­abschluss macht er daher etwas später. „Unsere Möglichkeiten zum Steuern sparen sind ohnehin begrenzt. Zum Beispiel überschreiten wir regelmäßig die Grenzen für den Investitionsabzugsbetrag für geplante Anschaffungen. Da macht es nicht so viel Sinn, sich zu beeilen“, meint Pötz.

„Wir wollen möglichst elektronische Rechnungen von unseren Lieferanten“

Mit seiner Steuerberaterin bespricht er dennoch regelmäßig seine Chancen, um die Abgabenlast der Firma zu minimieren. „Zuletzt hatten wir überlegt, eine GbR für unseren Maschinenpark zu gründen. Die Idee war, die Anlagen in die neue Rechtsform zu übertragen und dann an die Pesch GmbH zu vermieten. Das hat aber nicht funktioniert. Das Finanzamt hätte nicht mitgemacht und unsere Pläne durchkreuzt“, so der Firmenchef.

Die Vorbereitungen für den Jahresabschluss laufen parallel. Die Steuerberaterin ist laufend in diesen Prozess involviert. Über sie läuft die Lohnbuchhaltung. Außerdem ist Pötz in Sachen Digitalisierung schon weit. „Wir haben unseren Lieferanten bereits vor einiger Zeit gesagt, dass wir die Rechnungen möglichst elek­tronisch haben wollen. Wir arbeiten nur noch selten mit Papier. Wir scannen notfalls die Dokumente ein“, erklärt Pötz. Deshalb macht er sich keinen Kopf, wenn der Jahresabschluss wieder ansteht. „Das macht nicht mehr so viel Mühe wie früher und das läuft schon weitgehend automatisch“, so der Schlossermeister.

Digitalisierung fortgeschritten

Nach Studien etwa des Bundesverbandes Bitkom sind rund die Hälfte der Handwerksbetriebe inzwischen digitalisiert, wenn auch unterschiedlichen Grades. Viele Firmen – egal, ob Bilanzierer oder Einnahmen-Überschuss-Rechner – übergeben ihre Steuerunterlagen ihrem Berater in der Regel elektronisch. Das spart Zeit und Kosten. Denn die Daten können per Mausklick abgerufen und dem Steuerberater geschickt werden. Oft liegen die für den Jahresabschluss notwendigen Zahlen bereits beim Steuerberater vor. Ordner muss heute keine Firma mehr hin und her tragen. „Digitalisierte Betriebe haben überdies den Vorteil, dass sie ihre Geschäftsentwicklung besser im Blick haben“, weiß Oliver Hubl, Steuerberater und Partner der Kanzlei Hubl und Partner in Alfter bei Bonn. Er rät allen Handwerksunternehmern, möglichst viele Unterlagen und Belege elektronisch vorzuhalten. Gegebenenfalls können die Dokumente auf Papier eingescannt und fotografiert werden. „Die Digitalisierung der Steuerunterlagen wird zum Standard. Unternehmen sollten sich darauf einstellen“, so Hubl.

Frühe Bilanz verbessert Rating

Digitalisierung und Schnelligkeit erwarten auch die Banken. „Kreditgeber wollen die Geschäftslage anhand aktueller Zahlen und Daten beurteilen können. Wir empfehlen daher prinzipiell, die Bilanz schnellstmöglich fertig zu haben“, sagt Carl Dietrich Sander, Unternehmensberater in Kaarst bei Düsseldorf. Denn die Banken verschärfen aufgrund der Pandemie ihre Risikopolitik. Bei einer Umfrage des KMU-Beraterverbandes gab die Mehrheit der Institute an, der Jahresabschluss sei für künftige Kreditentscheidungen ausschlaggebend. Sander gibt den Tipp, diesen der Bank nur kommentiert vorzulegen. „Man darf nicht davon ausgehen, dass Sachbearbeiter den Jahresabschluss selbstständig richtig interpretieren können“, so der Experte. Auch Firmen, die im letzten Jahr Hilfsgelder erhalten haben, sollten ihre Situation erklären.

Jede Chance nutzen

Deshalb ist jetzt die richtige Zeit, die Bilanz, Gewinn- und Verlust- sowie Einnahmen-Überschuss-Rechnung vorzubereiten. „Firmenchefs sollten jede Chance nutzen, um einen niedrigen Gewinn auszuweisen und eine Erstattung zu bekommen“, sagt Steuerberater Oliver Hubl.

Hintergrund: Die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten Neuregelungen beschlossen, die Handwerksunternehmern helfen. Überdies aber können Chefs Steuervorteile nutzen, wenn sie die Digitalisierung ihres Unternehmens vorantreiben. Auch Maßnahmen in den Klimaschutz rechnen sich, wenn Steuerspar-Chancen rund um die Investitionen eingeplant werden. Betriebe, denen es schlechter als bisher geht, profitieren von aktuellen Erleichterungen. Sie können großzügig Verluste verrechnen.