Kehrtwende Kapitalanlage: Es gibt wieder Zinsen

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Seit der Finanzkrise 2007, also 15 Jahre lang, entwickelten sich die Zinsen stetig nach unten. Nun neigt sich die Niedrigzinsphase ihrem Ende entgegen. Zinspapiere sollten in jedem wohl diversifizierten Portfolio als stabilisierende Komponente wieder ihren Platz haben. Denn die Rendite-Aussichten haben sich spürbar verbessert. Dies gilt derzeit vor allem für kurzlaufende Anleihen. Und natürlich für Fonds, die vor allem Kurzläufer in ihrem Portfolio haben.

Die Zinsen steigen wieder. – © fokussiert – stock.adobe.com

„Die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren hängen in erster Linie von der Geldpolitik der Notenbanken ab. Und die bleibt bis auf Weiteres locker„, sagt Vermögensverwalter Uwe Wiesner, von der Hansen & Heinrich Aktiengesellschaft in Berlin. Daraus folgt: Ein heftiger Zinsanstieg, der zu einer positiven Realverzinsung führen würde, sei nicht zu erwarten. „Schon gar nicht im Euroraum“, betont er. Zwar würden die Notenbanken in den USA und in den Schwellenländern (Emerging Markets) etwas restriktiver vorgehen – also die Zinsen schneller anheben -, trotzdem blieben auch dort die Zinsen hinter der Geldentwertung zurück. Mit der global weiter steigenden Inflation bleiben langlaufende Anleihen weiter unattraktiv. Dagegen rentieren deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei Jahren aktuell mit etwa 0,24 Prozent. Nicht viel, aber immerhin im Plus.

Rendite mit Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen sind deutlich attraktiver als Staatsanleihen. Aber sie haben auch ein Emittenten-Risiko. Das bedeutet, die Zahlungsfähigkeit des Herausgebers einer Anleihe muss über die gesamte Laufzeit gesichert sein. Zu diesen sicheren Emittenten gehört beispielsweise E.On. Das Unternehmen hat „im März 2022 eine Anleihe mit 0,875 Prozent (WKN A3MQY8) begeben, der sich aktuell mit 1,15 Prozent verzinst“, informiert Wiesner. Ihr Kaufkurs liegt derzeit also noch unter dem Nennwert der Anleihe. Eine 2,5-Prozent-Thyssen-Anleihe bis 2025 (WKN A14J58) bringt so bereits wieder 3,25 Prozent.

Höhe der Rendite hängt an Bonität des Emittenten

„Allerdings ist die Kaufbereitschaft von Anlegern stark zurückgegangen“, weiß Wiesner. „Die Konsequenz daraus ist, dass die Risikoaufschläge für Anleihen schlechterer Bonität stark angestiegen sind“, erklärt er. Dies gelte ebenfalls für Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren. So biete etwa Grenke Finance, ein Emittent, dem bilanzielle Ungenauigkeiten vorgeworfen wurden, mit seiner Anleihe bis Oktober 2024 (WKN: A3K4JP) sogar eine Rendite über vier Prozent. „Aufgrund der kurzen Laufzeit erscheinen die Risiken jedoch überschaubar“, meint der Vermögensverwalter.

Fonds: Gute Wahl, um das Risiko zu begrenzen

Wer sein Geld in nur eine Anleihe steckt, geht ein relativ hohes Risiko ein. Kann der Emittent Zinsen und Rückzahlung nicht leisten, sind Kapital und Ertrag verloren. „Anleger, denen ein Einzelengagement aufgrund des Emittentenrisikos zu groß erscheint, können auf Anleihefonds zurückgreifen“, rät Wiesner. Erwähnenswert sei beispielsweise der Capitulum Rentenstrategie Fond (WKN A2H7NT). Der Fonds investiere in über 300 Anleihen aus 100 verschiedenen Ländern. Währungsrisiken würden kontinuierlich abgesichert. „Aktuell weist der Fonds eine Rendite von über sieben Prozent auf“, sagt er. Die Duration (Kapitalbindung) liege bei unter einem Jahr. Das bedeutet: Der Fonds hat vor allem kurzlaufende Anleihen im Depot. Neben den hohen Erträgen aus den Zinszahlungen kämen noch Chancen auf Kursgewinne hinzu. Dies gelte, wenn sich die Risikoaufschläge für schlechtere Bonitäten wieder reduzieren. Anders ausgedrückt: Wer eine Anleihe unter ihrem Nennwert kauft, kann sie bei sinkenden Risikoaufschlägen zu höheren Kursen verkaufen. Bei Fälligkeit notieren die Papiere dann genau bei 100 Prozent des Nennwertes.

Der Experte:

Uwe Wiesner ist Vermögensverwalter bei der Hansen & Heinrich Aktiengesellschaft in Berlin. Copyright: U. Wiesner