Altersvorsorge Kostenfaktor eines Wertpapiers: Wie hoch der Aufwand für Kauf und Verwahrung von Aktien und Co. wirklich ist

Die Kapitalanlage an den Wertpapiermärkten gilt als die renditestärkste Altersvorsorge. Jeder sollte so früh wie möglich damit beginnen. Doch wie ertragreich ein Investment tatsächlich ist, hängt auch stark vom Kostenfaktor eines Wertpapiers ab. Eine Übersicht: Mit welchen Gebühren Anleger rechnen müssen.

Die Kosten drücken die Rendite eines Investments.
Die Kosten drücken die Rendite eines Investments. - © Clytus-stock.adobe.com

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) erweitert jährlich sein Rendite-Dreieck. Dort wird gezeigt, wie die jährliche Wertsteigerung bei einem Aktieninvestment in den Deutschen Aktienindex (Dax) ausfällt. Klar ist: Es gibt Jahre, in denen Investoren Kapital verlieren. Offensichtlich ist aber auch: spätestens nach acht Jahren sind alle wieder im Plus. Und umso länger ein Aktieninvestment dauert, desto sicherer und höher ist der Ertrag. Was die DAI-Analysten nicht berücksichtigen, ist der Kostenfaktor eines Wertpapiers. Dabei ist er ein erheblicher Hemmschuh für die Rendite. Dies gilt insbesondere bei Fondsinvestments, bei denen interne jährliche Kosten und eine Management-Gebühr anfallen.

Wie hoch der Kostenfaktor eines Wertpapiers ist, hängt von der Art des Wertpapiers ab. Aber auch von der gewählten Handelsplattform und der Depotbank. Hier ist eine detaillierte Übersicht über alle Kostenfaktoren:

Kostenfaktor eines Wertpapiers: Ordergebühren

Grundgebühr: Eine fixe Gebühr pro Order, die von der Bank oder dem Broker erhoben wird.

Orderprovision: Ein prozentualer Anteil am Transaktionsvolumen (beispielsweise 0,25 Prozent des Kaufpreises).

Mindestgebühr: Falls die Provision den Mindestbetrag nicht erreicht, wird eine fixe Mindestgebühr berechnet.

Maximalgebühr: Einige Broker deckeln die Gebühren nach oben.

Kostenfaktor eines Wertpapiers: Börsengebühren

Abhängig von der Börse, an der der Handel ausgeführt wird, entstehen Kosten:

Börsenplatzentgelt: Gebühren für die Nutzung des Börsenplatzes (beispielsweise Xetra oder Frankfurt). Diese können einige Euro betragen.

Maklercourtage: Bei manchen Börsen fällt eine zusätzliche Gebühr für die Abwicklung an (zum Beispiel an Präsenzbörsen).

Kostenfaktor eines Wertpapiers mit Spread

• Der Spread ist die Differenz zwischen dem Ankaufs- (Geldkurs) und Verkaufskurs (Briefkurs). Die Begriffe spiegeln die Sicht der Finanzbranche, nicht der privaten Anleger. Insbesondere bei weniger liquiden Papieren kann der Spread erheblich sein. Wenig liquide sind Papiere, von denen nur wenige im Umlauf sind oder die selten ge-/verkauft werden.

Der Briefkurs ist höher als oder bestenfalls gleich hoch wie, der Geldkurs. Das heißt: Wer als Privatanleger ein Wertpapier kauft, zahlt den höheren Preis, wer verkauft, erhält den niedrigeren Preis.

Welchen Kurs ein Käufer/Verkäufer tatsächlich erhält, zeigt sich erst, wenn das Wertpapier in den Handel geht. Die in den Kurstabellen angegebenen Geld- und Briefkurse sind Taxen, also unverbindlichen Preisindikatoren.

Kostenfaktor eines Wertpapiers: Fremdgebühren

Handelsentgelte: Gebühren, die die Börse oder Drittanbieter für die Abwicklung erheben.

Clearingsysteme: Abwicklungskosten für die Verwahrung und Abwicklung (beispielsweise Clearstream).

Kostenfaktor eines Wertpapiers: Depotkosten

Für die Verwahrung der Wertpapiere können jährliche Depotgebühren anfallen, sofern sie nicht vom Broker erlassen werden. Viele Online-Broker bieten kostenlose Depots an.

Anleger müssen sich also entscheiden, ob sie für ihre Wertpapiergeschäfte Filialbank, Direktbank oder Neobroker nutzen. Ein Marktvergleich lohnt. Denn Verwahrkosten und Ordergebühren mindern die Rendite des Investments.

Die Zeitschrift „Finanztest“ hat in ihrer November-Ausgabe 39 Angebote verglichen. Dafür hat sie jeweils drei Musterdepots angelegt, die über 12.000, 50.000 und 150.000 Euro Investitionsvermögen verfügten. Bei allen Angeboten wurde die gleiche, geringe Anzahl an Aktien und ETFs gehandelt. Die Analyse zeigte: Anleger können durch einen Depotbankwechsel mehr als 800 Euro jährlich sparen.

Tipp: Achten Sie neben den Kosten auch auf die Anzahl der angebotenen Handelsplätze und Wertpapiere. Wer gerade seine ersten eigenen Schritte bei der Geldanlage geht, sollte seinen Bedarf an Kundenservice und Beratung in die Entscheidung mit einfließen lassen.

Kostenfaktor eines Wertpapiers in Fremdwährungen

• Beim Kauf von Wertpapieren in einer Fremdwährung fallen Umrechnungsgebühren oder Aufschläge (typischerweise 0,5–1,5 Prozent) auf den Wechselkurs an.

Kostenfaktor Fiskus

An diesem Kostenfaktor kommt niemand vorbei: Der Fiskus möchte mitverdienen und nutzt dafür die Banken. Sie führen die Steuern automatisch ab. Allerdings gibt es einen Freibetrag von 1.000 Euro pro Person (Sparerfreibetrag). Mit einem Freistellungsauftrag oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung verhindern Anleger den Steuerabzug.

Kapitalertragsteuer: In Deutschland werden 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) auf Gewinne und Ausschüttungen erhoben. Beim Kauf entstehen diese jedoch noch nicht.

Transaktionssteuer: In einigen Ländern wird auf Wertpapierkäufe eine Finanztransaktionssteuer erhoben.

Achtung I: Wer Kapitalerträge bei ausländischen Banken erzielt, muss diese selbst in seiner Steuererklärung angeben. Das Finanzamt zieht dann die Kapitalertragsteuer nachträglich ab.

Achtung II: Es gelten abweichende Regelungen für Wertpapiere, die im Betriebsvermögen gehalten werden.

Kostenfaktor bei "speziellen Wertpapieren"

ETF-Käufe: Bei Sparplänen fallen oft fixe Ausführungsgebühren an (meist 1–2 €).

Derivate: Hier können zusätzliche Gebühren für die Abwicklung und Sicherheiten anfallen.

Aktiv gemanagte Fonds: Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent des Kaufwerts, sofern keine rabattierten Konditionen gelten.

Beispielrechnung

Für den Kauf von Aktien im Wert von 1.000 € an der Xetra-Börse könnten folgende Kosten entstehen:

1. Ordergebühr: 4,90 € (bei einem günstigen Online-Broker).

2. Börsenplatzentgelt: 1,50 €.

3. Spread: Abhängig vom Markt.

4. Depotgebühr: Nicht unmittelbar beim Kauf, aber meist jährlich.

Fazit

Da die Kosten die Rendite drücken, sollten Anleger genau auf die Gebührenmodelle ihres Finanzpartners achten.

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