Gründer unter Druck Studie: Junge Selbstständige haben sich von Corona-Krise noch nicht erholt, Lieferengpässe verschärfen die Lage

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Das Research der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat herausgefunden: Aktuell liegt die Hälfte der Unternehmen, die wenige Jahre vor 2020 gegründet wurden, immer noch unter dem Umsatzniveau, das sie vor der Corona-Krise hatten. Und trotzdem blickt die Mehrheit der Jungselbstständigen optimistisch auf die Zeit bis Jahresende – mit Unsicherheiten wegen der Pandemiebekämpfung, Lieferengpässen und Preissteigerungen.

Junge Gründer leiden besonders unter Umsatzeinbußen wegen der Pandemie und der Lieferengpässe. – © Robert Kneschke – stock-adobe.com

Während der Corona-Krise sind viele Selbstständige in eine
wirtschaftlich schwierige Lage geraten. Das hat sich auch auf
die Gründungstätigkeit ausgewirkt. Es gab Verzögerungen
und Abbrüche von Gründungen und Gründungsplanungen.
Die Verzögerungsgründe haben sich im zweiten Corona-Jahr
aber verändert. So spielten 2020 unsichere Geschäftsaussichten
und der Wegfall der Geschäftsgrundlage die größte Rolle.
Im Jahr 2021 waren es Anpassungen an den Geschäftsmodellen
und Finanzierungsprobleme – so die Erkenntnisse, die der Wissenschaftler Georg Metzger in seiner Studie gewann.

Optimistisch ist, wer in der Krise gründete

In der Corona-Krise haben viele Selbstständige vorübergehend
einen Großteil ihrer Umsätze verloren. Unter Jungselbstständigen,
die bereits wenige Jahre vor 2020 gründeten, ist noch immer die
Hälfte unter dem Umsatzniveau von Vor-Corona. Insgesamt
blicken die Jungselbstständigen aber optimistisch auf das laufende
Jahr. Bis Jahresende rechnet die Mehrheit damit, ein
höheres Umsatzniveau zu erreichen. Der positive Ausblick ist
allerdings vor allem von jenen getrieben, die in der Krise gründeten.

„Die bereits vorher Geschäftsaktiven sind weniger optimistisch
– und rund ein Viertel von ihnen blieb trotz der gestiegenen
Umsätze weiterhin unter ihrem Vor-Corona-Leve“, schreibt Metzger.
Diese Jungselbstständigen befürchten auch häufiger, dass es
bis Ende des Jahres noch Corona-Beschränkungen geben
wird, die ihre Geschäftstätigkeit belasten.

© Gründerplattform Blitzbefragungen 2021 und 2022

Corona-Beschränkungen führen zu Geschäftsaufgabe

Mit einer negativen Einschätzung zum Fortbestand von Corona-Beschränkungen geht auch eine erhöhte Risikowahrnehmung einher. So sieht ein Drittel (33,33 %) derer, die weiterhin von Corona-Beschränkungen ausgehen, für sich ein erhöhtes Risiko der Geschäftsaufgabe. Bei gegenteiliger Einschätzung (Ende der Corona-Beschränkungen) sieht nur ein Zehntel der Jungselbstständigen solch ein erhöhtes Risiko. Hinzu kommt nun, dass Materialengpässe und steigende Preise die Lage verschärfen – dies dürfte den Ausblick wieder eintrüben.

Geringere Umsätze als in der Vor-Corona-Zeit

Die Studie der KfW befasst sich auch mit der Frage, wie hoch die Umsätze vor Corona waren, wie sie jetzt sind und welche Erwartungen die Jungselbstständigen bezüglich ihrer Umsatzentwicklung haben.

© Gründerplattform Blitzbefragung 2022
© Gründerplattform Blitzbefragung 2022

Lieferengpässe, Preisanpassungen und höherer Beschaffungsaufwand

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gehören Beschränkungen des öffentlichen Lebens weltweit zum Maßnahmenpaket. Insbesondere in China wird bei der Durchsetzung der Maßnahmen besonders rigide vorgegangen, sodass große Industriezentren und Hafenstädte von Ausgangssperren betroffen sind. Dadurch gerät der internationale Warenverkehr ins Stocken und Lieferketten werden gestört. Lieferengpässe und Preissteigerungen sind die Folge davon. Der eskalierte Krieg in der Ukraine verschärft die Lage zusätzlich.

Von den Engpässen sind nach eigenen Angaben auch 40 % der Jungselbstständigen und 25 % der Gründungsplanungen betroffen. Das bringt für sie hauptsächlich zwei Probleme mit sich (Grafik 4). Sie sind gezwungen die gestiegenen Kosten weiterzugeben und somit höhere Preise zu verlangen. Und der Arbeitsaufwand in der Beschaffung von benötigten Materialien ist für sie deutlich größer geworden. Diese Reaktionen auf die Engpässe scheinen eher trivial zu sein, da sie auf der Hand liegen. Ihre Folgen können für die Selbstständigen unter Umständen aber fatal sein. Denn höhere Preise werden sich nicht weitergeben lassen ohne Kunden zu verlieren. Und ein gestiegener Arbeitsaufwand bei der Beschaffung bedeutet weniger Zeit für die Kundenbetreuung und -gewinnung. So sehen die von den Engpässen betroffenen Jungselbstständigen
ein überdurchschnittliches Risiko der Geschäftsaufgabe aus wirtschaftlichen Zwängen: 25 % halten es für (sehr / eher) wahrscheinlich, dass sie ihrer Geschäftstätigkeit bis zum Jahresende aufgeben müssen.

© Gründerplattform Blitzbefragung 2022

Die Umfrage-Teilnehmer

Gründerplattform-Umfrage: Merkmale der Teilnehmer Nutzerinnen und Nutzer der Gründerplattform wurden via Newsletter und Pop-up bei Login auf die Plattform zur Teilnahme an der Online-Umfrage eingeladen. Die Gründerplattform ist seit April 2018 online, die Nutzerinnen und Nutzer deshalb meist Jungselbstständige, die erst seit wenigen Jahren am Markt aktiv sind. Der Umfragelink war vom 02.03. bis 16.03.2022 freigeschaltet. In dieser Zeit nahmen 332 Selbstständige und 162 Gründungsplanerinnen und Gründungsplaner an der Umfrage teil.

Aufgrund des Befragungsdesigns sind die Ergebnisse der Blitzbefragung nicht repräsentativ, ermöglichen jedoch einen wichtigen Blick auf die Auswirkungen der Corona-Krise auf Selbstständige und jene auf dem Weg dahin. Die Selbstständigen haben mehrheitlich in den Jahren ab 2020 gegründet, 40 % sind aber schon seit 2019 oder früher selbstständig. Die Umsetzung der Gründungspläne ist größtenteils für 2022 vorgesehen (82 %). Die Selbstständigkeiten und Gründungsplanungen zeigen eine sehr ähnliche Struktur. In beiden Gruppen sind Männer häufiger vertreten als Frauen.

Außerdem gilt: die selbstständige Tätigkeit

  • ist häufiger hauptberuflich anstatt nebenberuflich realisiert oder geplant,
  • ist häufiger gewerblich anstatt freiberuflich realisiert oder geplant,
  • ist häufiger als Solo- anstatt als Team-Selbstständigkeit realisiert oder geplant,
  • kommt zum Großteil ohne Mitarbeiter aus.

Einzig hinsichtlich des Lebensalters zeigen sich deutlich unterschiedliche Schwerpunkte. So sind 28 % der Selbstständigen unter 40 Jahre alt, die Gründungsplanerinnen und -planer sind mit 48 % unter 40-Jährigen im Durchschnitt deutlich jünger.