Fehler beim Vermögensaufbau Geldanlage: Die 7 Todsünden beim Investieren

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„Dieser eine Tipp, der die finanziellen Sorgen für immer beendet“, davon träumen viele Anleger. In der Realität ist so ein Glücksgriff jedoch selten – und Fehler sind häufig. Insbesondere in schwierigen Börsenphasen, wie sie in den kommenden Monaten erwartet werden, sollten Anleger grundlegende Fehler kennen und vermeiden. Die Schweizer Fondsgesellschaft Quantex hat schon vor drei Jahren die sieben Todsünden beim Investieren ermittelt – und ihnen Anlegertugenden gegenübergestellt. Die Neuauflage ist lesenswert.

Die Todsünden der Geldanlage haben die Namen weiblicher Götter aus der Mythologie.
Die Todsünden der Geldanlage haben die Namen weiblicher Götter aus der Mythologie. Wer die Sünden vermeidet, hat mehr Erfolg bei der Geldanlage. – © warmtail – stock.adobe.com

Bitcoin, Optionen, NFT, Pennystocks oder Zinspapiere mit einem Coupon im zweistelligen Bereich – die jeweils aktuell heißesten Tipps der Geldanlage versprechen immer das gleiche: schnelles Geld für wenig Arbeit. Was in guten Börsenphasen gelegentlich gelingt, ist in schlechten Börsenphasen

Peter Frech, Fondsmanager beim Schweizer Vermögensverwalter Quantex, versteht die Versuchung und rät doch, davon die Finger zu lassen. Er wendet die sieben Todsünden des Christentums auf die Geldanlage an und bietet Anlegern damit eine Leitlinie zur Fehlervermeidung bei ihren Investitionsentscheidungen. Für noch mehr Lesespaß hat Peter Frech bei den Todsünden auch die dazugehörigen Namen von Göttinnen aus der Mythologie aufgeführt. Und er verrät, mit welchen Tugenden Anleger erfolgreich sind.

Sünde 1 – Superbia: Hochmut, Stolz, Eitelkeit

Hier geht es um die Weigerung, die menschliche Fehlerhaftigkeit anzuerkennen und entsprechend die eigenen Fähigkeiten für überlegen zu halten.  Der Hochmut manifestiert sich etwa in zu häufigem Trading, der Verwendung von Kredithebeln und Optionen beim Investieren oder der generellen Verbreitung von Prognosen als Basis für Anlageentscheide. Der Börsenzirkus ist voll von selbstsicher auftretenden Experten, die genau zu wissen scheinen, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln werden. Die Anfälligkeit für die Sünde wächst natürlich bei allen Anlegern, wenn sie zu lange zu viel Geld verdienten – deshalb sieht man häufig, dass Investoren oder Fonds nach einer Strecke des Erfolgs besonders spektakulär abstürzen.

Hochmut kommt in der Anlagewelt definitiv vor dem Fall. Eine mildere Form von Superbia dürfte die Eitelkeit sein, die mit Kauf von Investments zur reinen Selbstprofilierung einhergeht: Besonders nachhaltige oder grüne Anlagen zum Beispiel oder trendige Technologie-Startups, mit denen man dann gerne vor Publikum seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe von «besseren» Investoren demonstriert.

Die Tugend: Demut

Demut hält den Hochmut im Zaum: Die Fehlerhaftigkeit von Prognosen anzuerkennen oder sie gleich ganz sein zu lassen etwa ist demütig. Ebenso der Verzicht auf die Verwendung von gehebelten Investments, die ja letztlich darauf beruhen, dass man exakt zu wissen glaubt, was die Zukunft bringt. Demut hilft auch dabei, Positionen rechtzeitig zu verkaufen, besonders solche mit Verlust: Man sieht, dass man einen Fehler gemacht hat und zieht weiter zu besseren Anlagegelegenheiten.

Sünde 2 – Invidia: Neid, Eifersucht

Das Übel des Neids besteht darin, sich mit anderen zu vergleichen und haben zu wollen, was andere haben. Beim Investieren äußert sich Invidia am offensichtlichsten in der Angst, etwas zu verpassen („Fear of missing out“). Die Sünde führt direkt zum sprichwörtlichen Herdentrieb der Anleger. Beispielsweise ist so gut wie jede Immobilienblase ein Produkt des Neids: Weil praktisch jeder Freunde und Verwandte mit Immobilienbesitz kennt, verbreitet sich schnell das Gefühl, alle würden damit reich – außer man selbst, wenn man nicht bald auch ein Haus oder eine Wohnung kauft.

Die Tugend: Wohlwollen

Den anderen die Freude an ihren Gewinnen lassen sorgt für die eigene Entspannung. Oft sind es ohnehin nur Buchgewinne, da nicht alle Leute zusammen reicher werden können. Natürlich hilft es auch, ständige Vergleiche mit anderen zu unterlassen. Wer Mühe hat, sich dem Neid zu entziehen, sollte Freundschaften außerhalb der Finanzwelt pflegen.

Sünde 3 – Luxuria: Wollust, Genusssucht

Diese Sünde besteht darin, sich zu sehr von seinen Emotionen und der Lust des Augenblicks treiben zu lassen. Wer den schnellen Gewinn oder den Kick des Glücksspiels an der Börse sucht, ist ein Opfer von Luxuria. Ebenso alle Anleger, die zu viele Spontanentscheidungen treffen. Wer seinen Vorlieben nachgeht und nur in seine Lieblingsaktien, -Länder oder –Sektoren investiert, macht über kurz oder lang einen schweren Fehler. Ebenso Fondsmanager, die zu viele Firmenbesuche und Managermeetings absolvieren, die vor allem ihrem persönlichen Vergnügen dienen. Oder wenn sie dabei nur Fragen so stellen, dass sie zu hören bekommen, was sie hören möchten. Der Confirmation Bias aus der Behavioral Finance geht folglich aus Luxuria hervor. Wichtige Fakten und unangenehme Realitäten auszublenden, ist die größte Gefahr, die von dieser Sünde ausgeht.

Die Tugend: Enthaltsamkeit

Enthaltsamkeit ist die Tugend, die die Gefühle und Emotionen des Augenblicks im Zaum hält. Ein strukturierter Anlageprozess hilft dabei. Im Zweifelsfall sollte jede Anlageentscheidung einmal überschlafen werden, um die Gefühle abklingen zu lassen.

Sünde 4 – Ira: Zorn, Rachsucht, Bitterkeit

Wie Gift in der Seele brennt das Verlangen nach Rache und zu seinem Recht zu kommen. Beim Investieren liegen Anleger naturgemäß ständig falsch und sehen alt aus. Dabei ist es nur allzu menschlich, mit Wut auf die Frustration zu reagieren und anderen die Schuld für das eigene Versagen zu geben.

Wie beim Poker kann man auch an der Börse ausrasten und in den Tilt-Modus geraten: Das sinnlose Nachkaufen von Positionen im Verlust etwa, um den Breakeven wieder zu erreichen und doch noch Recht zu bekommen, ist eine Ausprägung davon. Chronischer wird die Sünde bei Verschwörungstheoretikern, laut denen geheime Kräfte wie die Zentralbanken oder ominöse Zirkel von Großinvestoren die eigenen Anlagestrategien ständig sabotieren.

Die Tugend: Geduld

Die Fähigkeit, zu warten und Rückschläge zu ertragen, ist gut für Investoren. Wenn etwas schief läuft bei der Geldanlage, sollte der Fehler nicht bei anderen, sondern bei einem selbst gesucht werden. Meistens handelt es sich ohnehin um Dinge, die niemand verlässlich hätte voraussehen können. Phasen der Frustration liegen in der Natur des Anlagegeschäfts. Manchmal muss man sich auch nur etwas länger gedulden, bis man doch noch Recht bekommt – jedoch ohne sich darauf zu versteifen.

Sünde 5 – Acedia: Faulheit, Feigheit, Ignoranz

Diese Sünde bezeichnet übermäßige Faulheit. Ein Opfer von Acedia wird etwa, wer ohne nachzudenken oder Fakten zu prüfen einfach gute Stories und Anlagen kauft, die alle anderen kaufen. Dies endet meistens im Desaster. Immer dem gehypten Fonds oder ETF des Monats nachzurennen, ist eine Variante davon. Alle Anleger, die ihre Hausaufgaben nicht machen, zu viel Gebühren zahlen oder zu lange mit schlechten Vermögensverwaltern zusammenarbeiten, unterliegen letztlich der Trägheit.

Gleiches gilt für Anleger, die ihr Depot nicht regelmäßig ausmisten und sich nicht von Anlagen oder Beratern trennen, bei denen rational nur noch wenig Grund zur Hoffnung auf Besserung besteht. Eine Ausprägung der Faulheit und Ignoranz ist der weit verbreitete Home Bias: Viele Anleger investieren nur im eigenen Land oder in Branchen, in denen sie selber arbeiten. Dies kann auf lange Sicht keine optimale Strategie sein.

Die Tugend: Fleiß

Zielstrebiges Arbeiten und Verstehen-Wollen ist das Gegengift für Acedia. Viele wichtige Fortschritte beim Investieren lassen sich bereits mit relativ wenig Aufwand erreichen: Zum Beispiel das Vermeiden komplexer und meist überteuerter Anlageinstrumente wie strukturierte Produkte. Wer nicht selbst mitdenkt und etwas Recherche betreibt, wird in der Finanzwelt schnell zum Opfer. Ohne ein Mindestmaß an Fleiß gibt es an der Börse auf lange Sicht keinen Preis zu holen. Im Zweifelsfall ist sonst eine simple und gebührengünstige Strategie mit Index-ETF vorzuziehen.

Sünde 6 – Gula: Völlerei und Maßlosigkeit

Wer zu Ausschweifungen und Maßlosigkeit neigt, unterliegt Gula. Anleger, die schnell reich werden wollen und sich nach den höchstmöglichen Renditen strecken, sind willkommene Opfer. Sei es, weil sie den neuesten Moden nachrennen, Kredithebel einsetzen oder immer nach der nächsten Amazon-Aktie suchen. Zehn Prozent im Jahr sind ihnen nicht genug, es müssen 100 oder besser 1.000 Prozent sein. In der Realität resultiert dann meist eine schlechte Rendite oder der Totalverlust, da zu viele Anleger diese Lotterielose zum schnellen Reichtum kaufen wollen. Empirische Studien zeigen, dass Anlagen mit einem hohen Hebel meistens zu teuer und ihr Risiko nicht wert sind.

Die Tugend: Mäßigung

Wer sich selbst beherrscht und einen Sinn für die Realität hat, legt besser an. Langsam, aber stetig dazu zu gewinnen, ist das Ziel. Eine vernünftige Diversifikation der Anlagen ist das einfachste Hilfsmittel zur Mäßigung. Es sollte dabei immer eine Strategie verfolgt werden, bei der ein Totalverlust des Vermögens unmöglich ist. Damit wird man zwar in den seltensten Fällen über Nacht reich, doch das sollte vernünftigerweise auch nicht das Ziel sein.

Sünde 7 – Avaritia: Geiz, Habsucht, Raffgier

Diese Sünde meint das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz. Vor lauter Sparen und Geld vermehren sollte das Leben nicht vergessen werden. Viele Top-Manager und andere finanziell höchst erfolgreiche Leute gelangen irgendwann zu der Erkenntnis, dass ein paar Millionen weniger auch gereicht hätten und dass sich all das Geld nicht mehr in verpasste Zeit mit Kindern, Partnern und Freunden oder ein schönes Hobby umwandeln lässt.

Der legendäre Investor und Multimilliardär Warren Buffett etwa bereut in seiner Biographie als Einziges, nicht mehr Zeit mit seinen Kindern verbracht zu haben.

Die Tugend: Mildtätigkeit

Sie äußert sich in Nächstenliebe und helfender Wohltätigkeit. Wer beim Investieren alles mehr oder weniger richtig macht, sollte hier nicht geizen.