Fondsauswahl Nachhaltiges Investment: 3 Wege zum klimagerechten Anlegen

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Geldanlage, Nachhaltigkeit und Vermögensaufbau

Geld können wir nicht essen – Klimaüberlegungen sollten deshalb ein wichtiger Teil der Anlageentscheidung sein. Die CO2-Bilanz der eigenen Investments im Blick zu behalten bedeutet auch, über eine Umschichtung nachzudenken: Weg von kohlenstoffintensiven Gesellschaften, hin zu klimaneutralen Engagements. Das geht am einfachsten mithilfe von Fonds. Diese drei Schritte sollten Anleger gehen.

Es gibt keine zweite Erde.
Klimainvestments können helfen, die Erde zu schützen. – © appledesign – stock.adobe.com

Streuung, auch Diversifikation genannt, ist das wichtigste Kriterium, um das Risiko der Geldanlage an der Börse zu minimieren. Investmentfonds sind deshalb der Königsweg für den Vermögensaufbau.

Aktiv oder passiv gemanagte Fonds

Wer auf die Kosten achtet, ist mit einem ETF – Exchange Traded Fund – gut beraten. Diese passiv geführten Fonds bilden einen Index nach. Es gibt also weder einen Fondsmanager noch häufiges Kaufen und Verkaufen. Beides drückt die Kosten, was die Rendite stärkt. Wer beispielsweise einen ETF auf den MSCI World-Index kauft, erhält ein sehr breit diversifiziertes Portfolio in Unternehmen aus allen Industrieländern der Welt. Die Gesamtkosten liegen bei rund 0,2 Prozent pro Jahr.

Ein aktiv gemanagter Fonds hat jedoch auch Vorteile: Der Fondsmanager kann auf Marktbewegungen schnell reagieren und so das Kapital der Anleger sichern, wenn es größere Kurseinbrüche gibt. Sein Handlungsspielraum ist jedoch eingeschränkt, da er sich an die Anlagevorschriften des Fonds halten muss. Wenn dort beispielsweise eine Aktienquote von 80 Prozent und eine maximale Liquiditätshaltung von 10 Prozent festgeschrieben sind, darf er nur innerhalb dieses Rahmens handeln. Solche Fonds kosten meist ab 2 Prozent aufwärts.

Fondsauswahl: Diese Schritten sollten Anleger gehen

  • Schritt 1: Wählen Sie Fonds, „die darauf zielen, das Engagement in die Top-CO2-Emittenten zu reduzieren„, rät der ETF-Anbieter iShares. Diese Fonds haben bei ihrer Titelauswahl einen Ausschlussfilter bezüglich des CO2-Ausstosses von Unternehmen.
  • Schritt 2: Wählen Sie Fonds, die ihre „Investitionen priorisieren, je nachdem, ob sich Unternehmen oder Staaten zur Energiewende verpflichten und entsprechende Maßnahmen ergreifen“, so iShares. Diese Fonds integrieren Klimadaten in ihre Anlageprozesse.
  • Schritt 3: Wählen Sie Fonds, die in Unternehmen investieren, die gezielte Nachhaltigkeitsinvestitionen in wirkungsvolle Projekte oder Maßnahmen tätigen. Die Branche spricht von ‚Impact‘, also Wirkung, wenn die Unternehmen mit ihren Aktivitäten tatsächlich etwas Neues und Umweltgerechtes schaffen.

Den richtigen ETF finden

Auf der Homepage des Forums nachhaltige Geldanlage finden Anleger eine Suchmaske, mit deren Hilfe sie gezielt nach einem ETF oder aktiv gemanagtem Fonds suchen können, der ihren Präferenzen entspricht. Die dort hinterlegten Nachhaltigkeitsinformationen werden vom Forum nachhaltige Geldanlage nicht überprüft – es sind freiwillige Angaben der Fondsgesellschaften. Wer sicher gehen möchte, einen streng geprüften Nachhaltigkeitsfonds zu erhalten, sollte auf das FNG-Siegel achten. Fonds, die mit diesem Siegel werben, sind nach verschiedenen Kriterien analysiert worden, so etwa nach Umweltverträglichkeit, sozialer Verantwortung und Governance ihrer Investments. Letztere beschreibt den Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden.

Auch die Seiten justetf.com und extraetf.com bieten einfach zu bedienende Suchfunktionen, mit deren Hilfe Anleger leicht einen passenden Nachhaltigkeitsfonds finden können.

Nachhaltigkeit: Warum die Finanzwelt so viel davon spricht

Fridays for future, Hochwasser, Hitzesommer, Dürreperioden – es gibt viele Anlässe, den Klimaschutz wahr- und ernstzunehmen. Auch die Europäische Union hat darauf reagiert und eine Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (SFDR) veröffentlicht. Seit Dezember 2019 gilt sie und zwingt die Finanzbranche zum Handeln. Die SFDR ist Teil des EU-Aktionsplans Nachhaltige Finanzen. Damit möchte die EU dazu beitragen, dass die Offenlegungsverpflichtungen der Gesellschaften in Europa vereinheitlich und harmonisiert sind. Der Hintergrund: Fonds investieren meist international und Anleger sollen die Möglichkeit bekommen, die Nachhaltigkeit der Unternehmen in ihren Zielfonds über Deutschlands Grenzen hinweg zu erkennen. Vergleichsgrößen sind die ESG-Kriterien, also environment (Umwelt), social (Soziales) und governance (Unternehmensführung).

Die EU unterscheidet zwei Fondstypen

Artikel 8-Fonds: Dies sind Fonds, die eine Nachhaltigkeitsstrategie nachweisen. Der Fondsmanager muss also verpflichtet sein, ökologische oder soziale Merkmale bei seinen Anlageentscheidungen mit zu berücksichtigen. Das ist eine recht vage Vorgabe, die dem Fondsmanagement viel Spielraum lässt, mehr oder weniger grün, ökologisch oder klimagerecht zu investieren.Tipp: Anleger sollten die Anlagevorschriften ihrer Zielfonds kritisch lesen (wie konkret sind die Vorgaben?) und mit einem Blick auf die Zusammensetzung (zumindest die Top-Holdings)des Fonds die tatsächliche Nachhaltigkeit ihres Investments überprüfen.

Artikel 9-Fonds: Dies sind Fonds, die ein dezidiertes Nachhaltigkeitsziel verfolgen. Sie sind grundsätzlich strenger ökologisch ausgerichtet als Artikel-8-Fonds. Tatsächlich verfolgen aber auch viele dieser Fonds neben der Nachhaltigkeit andere Ziele. Das kritisiert beispielsweise die niederländische Finanzaufsicht AMF: „Sie hat bei 46 von rund 100 holländischen Impact-Fonds einen fehlenden ESG-Fokus oder einen Mangel an Details zu den Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investments bemängel“, informiert der Branchendienst „Responsible Investor„. Eine Einstufung nach Artikel 9 könne daher bei Anlegern falsche Erwartungen wecken. Und noch etwas gefielt der AMF nicht, worauf auch Privatanleger achten können: Fondsanbieter lierferten meist nur generelle Informationen zur Nachhaltigkeit – aber keine fondsspezifischen. Erst ab Juli 2022 müssen die Artikel 9-Fonds nach strengeren Offenlegungspflichten kommunizieren und Details zur Nachhaltigkeitsstrategie nennen. Dazu gehört dann beispielsweise auch die Bewertung, welchen Einfluss ihre Investmententscheidungen auf Faktoren wie Menschrechte oder Kampf gegen Korruption haben. Welche Fonds in der Kritik stehen, teilte die AMF nicht mit.

Was die Finanzbranche von 2022 erwartet

Nachhaltigkeit bleibt nach Meinung vieler Experten eines der wichtigsten Themen im Jahr 2022. So sehen es vor allem die Banken, die künftig bei ihren Kunden die Präferenz für Nachhaltigkeit abfragen müssen. Dies allein würde schon zu einem Nachfrageschub bei grünen Investments führen. Doch auch viele Vermögensverwalter setzen auf diesen Trend. So beispielsweise Harald Kärcher, Portfoliomanager bei Eberhardt & cie, Vermögensverwaltung in Villingen-Schwenningen. Er sagt: Nachhaltigkeit wird 2022 noch stärker in den Fokus rücken als dies aktuell schon geschieht. Das Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung, dass sich etwas ändern muss, ist in den letzten Monaten exponentiell gestiegen. Die Forderungen des Gesetzgebers an die Finanzbranche, den Anleger nach seinem Wunsch einer nachhaltigen Kapitalanlage zu befragen, wird im neuen Jahr dem ohnehin schon präsenten Thema weiteren Schwung verleihen.“ Und auch Samir Zakaria, Niederlassungsleiter Hansen & Heinrich AG, Frankfurt am Main ist überzeugt: Der gesellschaftliche Wandel zu Nachhaltigkeit ist erkennbar und wird an der Börse in 2022 ein wichtiges Thema sein.