Greenwashing bei der Geldanlage Investmentfonds: „24 Prozent mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit“ – stimmt das wirklich?

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Nachhaltige Publikumsfonds verwalteten per Ende September 339 Milliarden Euro für ihre Anleger, das entspricht 24 Prozent des gesamten Publikumsfondsvermögens, so die neuesten Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). Nachhaltigkeit ist der Megatrend beim Vermögensaufbau – doch nicht immer sind die Fonds so grün, wie sie scheinen.

Es ist nicht immer alles nachhaltig, was sich eine grüne Färbung gibt – das gilt auch für Publikumsfonds. – © Tricky Shark – stock.adobe.com

Insgesmat betrug das Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds, inklusive Spezialfonds (Fonds, die nur für spezielle institutionelle Anleger, wie Versicherungen oder Pensionsfonds aufgelegt werden) 452 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorquartal entspricht das einem Wachstum von rund sieben Prozent. „Inzwischen ist mehr als jeder achte Euro, den deutsche Kunden in Fonds investieren, nach nachhaltigen Kriterien angelegt“, so der BVI.

Viele alte Fonds mit neuem Anstrich

Als nachhaltig gelten die von den BVI-Mitgliedern gemäß EU-Offenlegungsverordnung als Artikel-8-Fonds (Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie) und Artikel-9-Fonds (Fonds, die zu Nachhaltigkeitszielen beitragen) klassifizierten Produkte. Zum 10. März 2021 trat diese Offenlegungsverordnung in Kraft, die Fondsgesellschaften kommen seitdem ihren Informationspflichten laut dieser Verordnung nach. Da jedoch keine Vorgaben an die Qualität der nachhaltigen Anlagestrategie gemacht wurden, ist es fraglich, inwieweit diese Fonds nun tatsächlich nachhaltig sind.

Die Stiftung Warentest untersucht beispielsweise regelmäßig rund 500 Fondsgesellschaften, die angeben nachhaltig zu investieren. „Doch in der Vergangenheit ließ der Blick auf die Testergebnisse Zweifel an dieser Behauptung aufkommen. Nur fünf der untersuchten 46 nachhaltigen Fonds schlossen beispielsweise 2014 die Öl- und Kohleindustrie aus„, so die Tester. Seitdem haben sich die Fonds jedoch verbessert. So gaben 2017 bereits 24 Fonds an, nicht in fossile Brennstoffe zu investieren. Nur elf schlossen allerdings Branchen und Geschäftspraktiken aus, die zur Zerstörung des Ökosystems beitragen, etwa die Produktion von Palmöl. Von 100 nachhaltigen Fonds, die 2020 analysiert wurden, waren „nur vier von ihnen ethisch sehr streng“.

Was nachhaltige Fonds auszeichnet

Laut Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlage zeichnen sich diese Investments dadurch aus, dass Finanzanbieter in ihren explizit als nachhaltig bezeichneten Anlageprodukten oder Anlagevehikeln diejenigen ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien (Environment, Social, Governance ESG-Ansatz) verbindlich in ihren Anlagebedingungen und Verkaufsprospekten ausweisen, die sie in ihren Anlagestrategien und Investmentprozessen zum Tragen kommen lassen. Diesem umfassendne Anspruch an nachhaltige Geldanlageprodukte kommen nicht alle als ‚grün‘ titulierten Fonds nach. Anleger, die sicher gehen möchten, in einen nachhaltigen Fonds zu investieren, müssen deshalb in die Anlagerichtlinien ihres Zielfonds schauen. Sie sind im Internet einsehbar, auf den Seiten der Fondsanbieter oder bei Seiten wie onvista.de oder finanzen.net.

Quelle: BVI

Siegel als Auswahlkriterium

Anleger, die sich bei der Auswahl ihrer Fonds sicher sein wollen, einen tatsächlich grünen Fonds zu kaufen, können auch darauf achten, ob ihr Zielfonds das Siegel des Forums nachhaltige Geldanlage (fng-Siegel) hat. Es garantiert einen Mindeststandard bei der Umsetzung „weltweit anerkannter Normen und berücksichtigt weiterführende Qualitätsmerkmale, die eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie der Fonds auszeichnen“, so der Verband. Die Siegelvergabe und die Nachhaltigkeits-Zertifizierung werden jährlich erneuert.

Was saubere Fonds nicht enthalten dürfen

Da es keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit gibt, ist der Ausschluss bestimmter Branchen oder Unternehmen ein einfacher und grundsätzlich gut nachvollziehbarer Ansatz bei der Wahl der passenden Nachhaltigkeitsanlage. Die folgenden Kriterien sollten bei Nachhaltigkeitsfonds grundsätzlich ausgeschlossen sein:

  • Fossile Brennstoffe
  • Glücksspiel
  • Korruption
  • Umweltzerstörung
  • geächtete Waffen
  • Pornografie
  • Atomkraft
  • Umstrittene Landwirtschaft (industrielle Tierhaltung)
  • Zerstörung von Ökosystemen (durch organische, giftige Schadstoffe)
  • Verstoß gegen Arbeits- und Menschenrechte

Fondsauswahl: Die eigenen Präferenzen kennen

„Was ist für mich nachhaltig?“ – das ist die Frage, die jeder Anleger für sich selbst beantworten muss. Manchen mag es reichen, wenn die oben genannten Ausschlusskriterien erfüllt sind. Andere wiederum wollen mehr: etwa ein normbasiertes Screening der Aktiengesellschaften, in die investiert wird: Das Fondsmanagement analysiert die Zielunternehmen anhand eines definierten Anforderungskataloges (Normen). Auch die Integration von ESG-Kriterien, das Engagement des Unternehmens im Bereich Nachhaltigkeit, die Stimmrechtsausübung des Fondsmanagements im Sinne einer stärkeren Nachhaltigkeit im jeweiligen Unternehmen oder auch ein Best-in-Class-Ansatz können Kriterien sein, die die Auswahl des passenden Fonds erleichtern.

Beim Best-in-Class-Ansatz investiert der Fonds in alle Branchen, wählt aber innerhalb der Branche nur jene Unternehmen aus, die Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind. Auch nachhaltige Themenfonds, wie beispielsweise im Bereich Energie (Investment in Solar, Wasserstoff oder Windkraft) oder Impact Investment sind gängige Auswahlkriterien. Beim Impact Investing geht es darum, Unternehmen zu fördern, neben einer finanziellen Rendite eine messbare, positive soziale oder ökologische Wirkung zu erzielen.