Transporter gleich leere weiße Kastenwagen? Von wegen: Für den Einsatz in Handwerksbetrieben müssen häufig maßgeschneiderte Lösungen her. Beim Ford Transit läuft das über die zentrale Schnittstelle Vehicle Integration System (VIS).
Rückblende: Vor 30 Jahren legte Ford mit der Erfindung von Transit-Branchenmodellen den Grundstein für ein Zusammenrücken von Transporterherstellern und Auf- und Ausbauern. Vorkonfigurierte Transit-Modelle, aus einer Hand vom Ford-Händler. Längst hat die Idee Schule gemacht. Inzwischen hat sich dieses Modell weiterentwickelt – weniger Komplettfahrzeuge mit nur einer Rechnung, aber viel mehr Hand in Hand zwischen Autobauer, Händlern sowie den Aus- und Aufbauern. Durch deren Hände geht etwa jedes dritte Fahrzeug der Transit-Baureihen. Jüngst fuhren die Kölner eine ganze Palette dieser Transporter nach Maß auf.
34 Auf- und Ausbauer hat Ford in Deutschland zertifiziert und in ein Bestellsystem aufgenommen. Das bedeutet Konfiguration beim Transit-Händler, angepasste Garantien. Technisch ist das Vehicle Integration System (VIS) hinzugekommen, eine Schnittstelle zur Bedienung von Aufbaufunktionen über den Werks-Touchscreen. Darüber lassen sich einfache Dinge steuern, etwa das Licht im Aufbau. Oder der Aufbauer fügt eigene Programme hinzu, wie Verkaufsleiter Thomas Berg von Spier erläutert. Etwa automatische Entriegelungen einer Tür zum Laderaum, wenn der Fahrer den Gurt löst, aber nicht die Fahrertür betätigt. Oder das automatische Ausfahren einer Trittstufe.
Ford Transit als günstiger Kipper
Eines der Einrechnungsmodelle ist der Transit mit Kippaufbau des italienischen Fabrikats Scattolini. Der ist nicht unbedingt der Goldstandard für Kipper, aber funktionell, in Großserie gefertigt, daher vergleichsweise günstig und deshalb bei Transporterherstellern als Standardmodell beliebt.
Die Kippbrücke gibt es in mehreren Längen, der Boden besteht aus Stahlblech, die Bordwände aus Aluminium. Der Kippzylinder ragt nicht unter den Hilfsrahmen, passt also auch für E-Varianten mit flächendeckenden Batteriepaketen im Keller des Rahmens. Es gibt reichlich Zubehör: Schließlich setzt Scattolini, erläutert Key Account Manager Marco Besel, als Waffe gegen Korrosion jetzt auf eine Kombination aus KTL-Beschichtung plus Pulverlackierung. Die noch junge Deutschland-Niederlassung hat ihren Sitz in Ludwigsfelde bei Berlin – vor der Haustür eines anderen Transporterherstellers.
Aerodynamischer Koffer
Junge als Spezialist für Kofferaufbauten steuert das zweite Einrechnungsfahrzeug bei: einen Koffer mit den Maßen 4,4 x 2,15 x 2,25 Meter (Länge x Breite x Höhe). Florian Martin, Leiter Key Account Management, erklärt die Besonderheiten: Die sogenannte Ecobox spart mit abgerundeten Kanten und Dachspoiler Sprit oder Strom. Wabenpaneele senken das Gewicht. Zur Wahl stehen Varianten mit Hecktüren, Ladebordwand sowie Seitentür. Wer zum gewichtigen E-Transit greift, kann bei der Variante mit Ladebordwand bei einer zulässigen Gesamtmasse von 4.075 Tonnen 1.075 Kilogramm schleppen. Mit Hecktür sogar rund 150 Kilo mehr.
„Oben mit“ geht auch anders. Zum Beispiel mit Plane und Spriegel von Planen Streib für Pritschenwagen. Klingt simpel, ist aber nicht ohne Raffinesse: Da wäre oben eine LED-Lichtleiste und hinten ein praktisches Springrollo, führt Firmenchef Streib vor. Für lange Pritschen bietet der Betrieb seitlich eine Schiebegardine wie beim großen Trailer an. Oder wie wär’s mit einem Schiebedach für Beladung per Kran? Handfest ist die stählerne Grundkonstruktion des Planengestells – Aluminium lohnt laut Streib nicht. Gleiches gilt für die seitlichen Einstecklatten aus Holz: Sie wiegen zwar mehr als Alu-Latten, sind aber als Ersatz im nächsten Baumarkt zu bekommen.
Regal mit Klick
Branchenwechsel: Die Sortimo-Einrichtung SR5 mit ihren schlanken Ecksäulen ist bekannt. Inzwischen auch wechselbar, entwickelt für Vermieter Sixt. Indes ist die Einrichtung bisher verschraubt. Den nächsten Schritt verrät Kommunikationschef Martin Gramm: Ab Herbst gibt es Sortimo Rail, dann werden Regale an der Wand eingeklickt. Das passt als Schnellwechselsystem für Autovermieter und für Handwerker, die flexibel bleiben wollen. Nebenan parkt Kollege Flexmo Kögl mit einer Einrichtung in Hybridbauweise, Stahl für tragende Bauteile, sonst Aluminium. Firmenchef Matthias Kögl deutet auf Verarbeitungsdetails wie umgebördelte Kanten hin. Zum Beweis der Stabilität steigt er fix auf einen Schwerlast-Auszug.
Dritter der Ausstatter ist Würth mit einem besonderen Modell: Mobile Service heißt ein Angebot von Ford. Deutschlandweit schwärmen 90 Transporter für Service und Reparatur zu Kunden aus. Neben dem klassischen Werkzeug sind sie mit Rollwagen, Wagenheber, Ölabsaugung, Kompressor, Bremsenentlüfter, Mess- und Prüfwerkzeug und Schraubern ausgestattet. Es gibt Zusatzpakete, zum Beispiel zur Glasreparatur, oder eine Ausstattung als Pannenhilfsfahrzeug. Der Mobile Service kann bis zu 70 Prozent der Arbeiten einer Werkstatt ausführen, erläutert ein Ford-Experte.
Datencheck für den Ford Transit direkt vom Hersteller
Das Thema Service schreibt der Hersteller ohnehin groß: In Erprobung ist das Programm Dealer Uptime. Anstelle der Fuhrparkleitung schaut hier der Handelspartner regelmäßig in die aktuellen Daten jedes Transporters und meldet sich, wenn ein Termin fällig ist oder ein Problem ansteht. Und bei E-Switch schaut Ford auf Wunsch die aktuellen Daten jedes einzelnen Transporters an und gibt Hinweise, ob ein Ersatz durch Modelle mit E-Antrieb möglich ist.
Schließlich, das passt wieder zum Thema Auf- und Ausbauten: Fällt trotz allem ein Fahrzeug aus, kommen Kunden bei mehr als 100 Händlern zu einem passenden Ersatzfahrzeug mit Sonderaufbau. Sie greifen dabei auf einen Pool von rund 370 speziellen Transit zurück. Was einst mit Branchenmodellen angefangen hat, ist heute längst auf einer ganz anderen Ebene angelangt.

