Altersvorsorge ETF: Geldanlage mit zunehmenden Risiken – sind aktiv gemanagte Fonds wieder eine Alternative?

Exchange Traded Funds (ETF) gelten als sichere, kostengünstige Produkte für die Altersvorsorge. Doch Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, meint, die ETF produzierten zunehmend systemische Risiken. Welche das sind und wie Anleger gegensteuern können.

ETF sind ein beliebtes Produkt für die Altersvorsorge - ganz ohne Risiko sind sie nicht.
ETF sind ein beliebtes Produkt für die Altersvorsorge – ganz ohne Risiko sind sie aber nicht. - © m.mphoto - stock.adobe.com

Exchange Traded Funds (ETF) für die Altersvorsorge zu verwenden, ist heute schon fast Standard. Sie sind kosteneffizient, transparent und haben meist eine breite Marktabdeckung. Das ist ein guter Schutz vor Verlusten. Gleichzeitig performen die ETF im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds zwar nicht grundsätzlich besser. Aber langfristig sind ETF aufgrund ihrer deutlich niedrigeren Kosten, die den Anlegern durch den Zinseszinseffekt einen höheren Nettogewinn bescheren, oft die bessere Wahl.

ETF mit Erfolgen

ETF sind passive Investmentstrategien, die sich an Börsenindizes orientieren. So legt ein ETF auf den MSCI World-Index beispielsweise in rund 1.600 verschiedene Aktien weltweit an. Der Erfolg der ETF zeigt sich in Zahlen: Heute sind in Deutschland 2.328 ETF auf Xetra handelbar, bei ihrer Einführung im Jahr 2000 waren es genau zwei. 1,73 Billionen Euro stecken aktuell in diesen Fonds, die in den vergangenen zehn Jahren ein jährliches Wachstum von 17 Prozent erfuhren.

Was ist das systemische Risiko der ETF?

Keine Frage, die ETF sind eine Macht. Doch diese „wachsende Kapitalmacht der großen Indexanbieter wie MSCI oder S&P birgt tiefgreifende Risiken für die Stabilität der globalen Finanzmärkte“, ist Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, überzeugt. Und das begründet er so: „Die Zusammensetzung gängiger Indizes richtet sich nicht nach betriebswirtschaftlicher Substanz, sondern nach Marktkapitalisierung, Börsenumsätzen oder Sektorzugehörigkeiten.“ So entstünden strukturelle Verzerrungen in der Kapitalallokation, was er an einem Beispiel erklärt:

„Technologieriesen wie Nvidia, Microsoft oder Apple haben eine Marktkapitalisierung zwischen drei und vier Billionen Dollar. Allein der Börsenwert von Nvidia ist in den vergangenen zwei Jahren um drei Billionen Dollar gestiegen.“ Das lässt sich nicht durch den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens begründen. Hier seien selbstverstärkende Mechanismen am Werk: „Ein hohes Gewicht der Aktie im Index treibt passive Investments in diesen Wert. Das lässt den Kurs steigen, was die Überbewertung verschärft und damit auch das Indexgewicht weiter erhöht – ein Mechanismus ohne Bezug zur realwirtschaftlichen Entwicklung“, fasst Fischer zusammen.

Auch ETF sind nicht immer transparent

„Ein weiteres Problem“, erklärt Fischer, „liegt in den Klassifizierungen durch Indexanbieter.“ So werde Südkorea trotz modernster Infrastruktur und wirtschaftlicher Stärke weiter als Schwellenland eingestuft. Griechenland wiederum – EU- und Eurozonen-Mitglied – firmiert in einigen Indizes als Emerging Market. Solche Urteile beeinflussen Milliardensummen an Kapitalbewegungen. Anleger sollten sich daher auch bei passiven Fonds die Zusammensetzung genau ansehen, bevor sie investieren.

Was spricht für aktiv gemanagte Fonds?

Thorsten Fischer plädiert deshalb für die Kapitalanlage in aktiv geführte Fonds: „Während aktive Manager eigene Entscheidungen treffen und in Phasen erhöhter Volatilität gegensteuern können, fehlt passiven Strategien genau diese Flexibilität“, sagt er. Sicher ist: Bei starken Marktkorrekturen drohen massive Kapitalabflüsse. Und zwar nicht aufgrund fundamentaler Faktoren, sondern allein durch indexgetriebenes Rebalancing. Damit fehle den Märkten ein stabilisierender Anker: „Wenn alle passiven Anleger gleichzeitig verkaufen, kann das zu abrupten Preisverfällen führen“, so Fischer. Die starke Marktkonzentration verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Passive Produkte reagieren zunehmend identisch – und machen damit systematisch dieselben Fehler.

Und Fischer nennt ein weiteres Manko der ETF: „Klassische Indizes berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte vielfach nicht, obwohl die Nachfrage nach ethischen, ökologischen und sozial verantwortlichen Investments stark wächst. Zwar existieren ESG-Varianten vieler Indizes, doch deren Methodiken sind intransparent und uneinheitlich: ein klarer Nachteil gegenüber gezielter Titelauswahl in aktiv gemanagten Portfolios“, so sein Fazit.

Passivrisiko gezielt reduzieren

Man müsse nun umdenken, sagt Fischer: „Die systemischen Schwächen passiver Strategien öffnen die Tür für eine Renaissance aktiver Ansätze. Besonders in Multi-Asset-Strategien und diversifizierten Portfolios kommt der taktischen Allokation eine wachsende Bedeutung zu.“ Qualitätskriterien, fundamentale Bewertungen, ESG-Faktoren und regionale Einschätzungen können dabei helfen, das Passivrisiko gezielt zu reduzieren und die Performance zu verbessern.

„Passives Investieren ist nicht per se schlecht“, stellt Fischer klar. „Doch die Annahme, es sei risikoneutral und letztlich immer lukrativer, ist schlicht falsch.“ In einem Umfeld geopolitischer Spannungen, technologischer Umbrüche und hoher Aktienbewertungen zahle sich aktives Management wieder aus. „Statt sich von der Strömung treiben zu lassen, sollte man selbst schwimmen“, rät Fischer.

Was spricht gegen aktiv gemanagte Fonds?

Dennoch sollten die Risiken der aktiv gemanagten Fonds nicht vergessen werden. Diese sind:

  1. Das Manager-Risiko: Die Anlageentscheidungen für den Fonds trifft der Fondsmanager und sein Team. Deren Können ist daher entscheidend für den Anlageerfolg.

  2. Die Underperformance: Die Statistik belegt, dass es viele aktive Fondsmanager langfristig nicht schaffen, ihre Benchmark (den Vergleichsindex) zu schlagen.

  3. Das Kostenrisiko: Fondsmanager und ihr Team sowie der Vertrieb kosten Geld – daher haben die aktiv geführten Fonds auch deutlich höhere Gebühren als ein ETF. Durch den Zinseszinseffekt kann der Einfluss auf die Rendite erheblich sein. Manche Fonds reduzieren zudem die Rendite der Anleger, indem die Fondsgesellschaft mitverdient, sobald eine gewisse Wertsteigerung erzielt wird (High-Water-Mark – HWM – genannt).

  4. Das Transparenzrisiko: Die genaue Zusammensetzung eines Fonds wird meist nicht tagesaktuell offengelegt – manche veröffentlichen ihr Portfolio nur einmal im Quartal. Das ist bei ETF anders. Ihre Zusammensetzung ist täglich abrufbar.
Über Moventum:

Moventum S.C.A. ist ein unabhängiger Financial Service Partner. Das Unternehmen bietet seine Leistungen Finanzdienstleistern wie Beratern und Vermögensverwaltern sowie institutionellen Kunden aus aller Welt seit mehr als 20 Jahren an. Die digitale Plattform „MoventumOffice“ ermöglicht Zugang zu mehr als 10.000 Fonds, ETFs und weiteren Wertpapieren. Darüber hinaus können Finanzberater hier Depots für ihre Kunden eröffnen, Handelsaufträge platzieren sowie Analyse-, Reporting- und Support-Tools nutzen. Institutionelle Kunden können ihren kompletten Fondshandel mit komplementären Services im Rahmen einer Sammel- oder Einzeldepotführung bei Moventum auslagern. Außerdem bietet Moventum Transferagent-Dienstleistungen sowie AML- und KYC-Lösungen an.

Moventum Asset Management S.A. (Moventum AM) ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Moventum S.C.A. In der Management Company, in der sich seit 2019 die Expertise des Asset-Managements von Moventum konzentriert, werden die Moventum-eigenen Dachfonds sowie die individuellen Mandate im Rahmen der Vermögensverwaltungsportfolios gemanagt.

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