Weinmann Einrichtungen Betriebsnachfolge: Warum bei dieser Schreinerfamilie gleich zweimal übergeben wird

Bei Weinmann Einrichtungen in Filderstadt läuft die Betriebsnachfolge auf zwei Kanälen: In der Werkstatt übernehmen die Söhne vom Vater, im Büro übernimmt die Schwiegertochter von der Mutter. Für ihren Weg in die vierte Generation holte die Familie einen Preis. Wie viel dahintersteckt, merkte sie erst beim Aufschreiben.

Betriebsnachfolge in Stereo: Daniel, Benjamin, Franziska, Sabine und Markus Weinmann (v. l.). In der Werkstatt übernehmen die Söhne vom Vater, im Büro die Schwiegertochter von der Mutter.
Betriebsnachfolge in Stereo: Benjamin, Daniel, Sabine, Franziska und Markus Weinmann (v. l.). In der Werkstatt übernehmen die Söhne vom Vater, im Büro die Schwiegertochter von der Mutter. - © Christian Mader

„Der Benni ist schon als Vierjähriger mit der Schreinerhose rumgerannt“, erzählt Sabine Weinmann. „Er hat immer schon gesagt, er wird Schreiner.“ Heute ist Benjamin Weinmann 32 Jahre alt, Schreinermeister und staatlich geprüfter Techniker für Holztechnik. Seit 2020 führt er mit seinem Bruder Daniel und Vater Markus die Weinmann Einrichtungen GmbH in Filderstadt-Bonlanden. Den größten Umsatz bringt der Küchenhandel, ergänzt durch die eigene Schreinerei für individuelle Möbel, Türen und Innenausbau. Gedrängt hat ihn niemand. Sein ältester Bruder hat in der Jugend im Betrieb ausgeholfen und sich dann für ein Studium entschieden. Zwei von drei Söhnen sind eingestiegen.

Vier Generationen auf einem Firmengelände

Robert Weinmann gründete die Schreinerei 1952. Es folgten Sohn Erich und Enkel Markus, nun sind die Urenkel Daniel und Benjamin am Zug. Auf dem Firmengelände leben heute vier Generationen, vom Seniorchef Erich bis zu den Jüngsten. Jeder hat seine eigene Wohnung, über der Werkstatt oder über Ausstellung und Büro. Man läuft sich ständig über den Weg, auch am Wochenende.

Erich Weinmann kommt noch jeden Tag ins Büro. In der Werkstatt packt er mit an, wenn große Teile verleimt werden. Bei speziellen Konstruktionen oder Materialien ist sein Wissen gefragt. Und wie viel Firma sitzt beim Familienessen mit am Tisch? Wenig. Kommt das Gespräch doch aufs Geschäft, gibt es immer einen, der sagt: „Ne, fertig.“ Dann ist das Thema vom Tisch.

Betriebsnachfolge ohne Sprung ins kalte Wasser

Wie abrupt eine Übergabe kommen kann, hat die Familie selbst erlebt. Nach einem schweren Herzinfarkt seines Vaters musste Markus den Betrieb binnen acht Wochen übernehmen. Seine Söhne, sagt Sabine, „werden nicht so ins kalte Wasser geworfen wie mein Mann damals“.

Bei ihnen läuft die Betriebsnachfolge seit Herbst 2019. Damals machte auch Benjamin seinen Meister, und Großvater Erich, längst im Ruhestand, zog die Konsequenz. Benjamin erinnert sich an seine Worte: „Jetzt seid ihr beide Meister, ihr kriegt die Anteile, ich nehme mich komplett raus.“ Seit 2020 halten die Brüder je 12,5 Prozent, zusammen also das frühere Viertel des Großvaters. Markus hält 75 Prozent. Ab 2027 soll er in Teilzeit arbeiten, anfangs vielleicht noch drei Tage pro Woche. Scheidet er ganz aus, übernehmen die Söhne auch Anteile von ihm.

Tipps der Familie für die Betriebsnachfolge

Sechs, sieben Jahre läuft der Prozess inzwischen. „Vielleicht braucht es keine sieben Jahre“, sagt Benjamin, „aber ich denke, drei Jahre schon.“ Nicht jeder habe den Luxus, einen Nachfolger in der Familie zu haben. Wer ihn hat, sollte früh anfangen und beide Generationen parallel arbeiten lassen. „Es muss ja nicht der eine aufhören und der andere übernehmen.“

Das lange Nebeneinander zahlt sich auch bei den Kunden aus. Stammkunden, die bisher Markus betreut hat, haben inzwischen auch Benjamin oder Daniel als Ansprechpartner. Manche erleben selbst gerade einen Generationenwechsel. Den Innenausbau einer Wohnung, den Erich vor 50 Jahren eingebaut hatte, haben die Enkel gerade für den Sohn des damaligen Kunden erneuert.

Ein Machtwort war nie nötig

Dass der Mehrheitsgesellschafter ein Machtwort sprechen musste, kam bislang nicht vor. Jeder hat seinen Bereich, auch Sabine mit Küchenplanung und Kaufmännischem. Diskutiert wird am ehesten, welche Maschine zuerst kommt. Markus zeichnet bis heute von Hand. Trotzdem hat der Betrieb in eine neue 5-Achs-CNC mit CAD-CAM-Anbindung investiert. Die Eltern halten sich bewusst zurück, erklärt Sabine: „Es muss ihnen hauptsächlich Spaß machen. Man muss mit Freude dranbleiben.“ Auf die Jüngeren geht auch das Gesundheitsbudget von bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr zurück.

Dass es zwei Nachfolger sind, sieht die Familie auch als Vorsorge. Scheidet Markus aus, bleiben immer noch zwei Geschäftsführer. Das Gegenbeispiel kennt Benjamin aus dem Küchenverband: „Es gibt Küchenhäuser, da gibt es einen Geschäftsführer, und wenn da was passiert, dann ist es in der GmbH immer kompliziert.“

Die zweite Übergabe läuft im Büro

Fast unbemerkt läuft bei den Weinmanns eine zweite Übergabe. Sabine, 61 und gelernte Steuerfachgehilfin, stieg 1997 mit einem Minijob ein, damals mit drei kleinen Kindern. Auch sie hat schon einmal übernommen: von ihrer Schwiegermutter, die Büro und Rechnungen machte. Eine Zeit lang arbeiteten beide parallel. Sabine nahm die Küchenplanung dazu: „Das war mir ganz wichtig.“ Vor zwölf Jahren bildete sie sich bei der Handwerkskammer Stuttgart zur Betriebswirtin des Handwerks weiter. Heute verantwortet sie das Kaufmännische.

Wie wichtig diese Rolle ist, sagt Benjamin ohne Umschweife. Als sein Vater viele Jahre allein Geschäftsführer war, habe die Mutter ihn mit der kaufmännischen Leitung „nicht nur entlastet, sondern auch viel mitgetragen. Das wäre ohne nicht gegangen.“ Seit Januar 2026 übernimmt Franziska Weinmann nach und nach Sabines Aufgaben. Die 33-Jährige ist Benjamins Frau und gelernte Veranstaltungskauffrau. Zuvor war sie zehn Jahre in Eventagenturen tätig. Seit beide Kinder in Kindergarten und Krippe sind, arbeitet sie in Teilzeit im Betrieb. Ziel ist, dass sie irgendwann alle Aufgaben übernimmt, auch die Küchenplanung.

Der hilfreiche Blick von außen

Den Betrieb kennt Franziska seit 2011. Mit ihrem Agenturhintergrund sieht sie, was im Alltag untergeht. Viele Anzeigen kamen vom Küchenverband und zeigten vor allem Küchen. „Die meisten Küchenfachgeschäfte haben ja keine Schreinerei dabei“, sagt sie. Also überarbeitete sie die Anzeigen, gestaltete einen Flyer und eine Präsentation für Architekten. Sie schrieb auch die erste Pressemitteilung des Betriebs, denn eine positive Erwähnung in der Presse kostet nichts, eine Anzeige schon.

So kam auch der Preis zustande. Sabine und Markus waren im Urlaub, Franziska betreute das Postfach. Dort landete die Erinnerung an den Thalhofer Innovationspreis, diesmal zum Thema Betriebsnachfolge. „Verlieren kann man nichts“, dachte sie. Sie setzte sich hin und schrieb eine siebenseitige Bewerbung. Die Schwiegereltern kamen zurück und wurden damit überrascht. Beim Lesen staunte die Familie über sich selbst. „Im Alltag ist einem gar nicht bewusst, was man alles macht“, sagt Franziska. Insgesamt gingen 25 Bewerbungen ein. Die Jury vergab an die Weinmanns Platz zwei in der Kategorie „bis 10 Mitarbeitende“.

Auf dem Gelände wächst derweil die nächste Generation heran. Kommt der Sohn von Benjamin und Franziska von der anderen Oma zurück, läuft er nicht in die Wohnung, sondern ins Büro oder gleich in die Schreinerei. Er trägt Schreinerhose und Weinmann-T-Shirt und würde am liebsten mit auf Montage statt in den Kindergarten. Er hat auch schon gefragt, warum man nicht einfach direkt eine Ausbildung macht. Die Hose sitzt. Alles andere hat noch Zeit.

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