Testfahrt Ford Transit Courier: Komfortabler Eigenbau mit geringer Nutzlast und unübersichtlichen Instrumenten

Transporter bauen, das können sie bei Ford. Siehe Transit Courier. Er ist kompakt, günstig, praktisch – also eigentlich wie gemacht fürs Handwerk. Ob das unser Test bestätigt?

Sieht größer aus, als er ist: der bullig geformte Ford Transit Courier.
Sieht größer aus, als er ist: der bullig geformte Ford Transit Courier. - © Randolf Unruh

Das ist ein Ding: Da steht beim Ford-Händler der noch frische Transit Connect, eine Ableitung des VW Caddy. Daneben parkt jetzt der Transit Courier, eine komplette Ford-­Eigenentwicklung. Mal kein Verschnitt, oder vornehmer formuliert Cuvée. Eine halbe Nummer kleiner und weniger ­fein als sein Bruder. Mit nahezu iden­tischem Laderaum, laut Liste rund ein Viertel günstiger. Bei deutlich unter 20.000 Euro netto geht’s los. Eine Gelegenheit für die Kostenoptimierer im Handwerksbetrieb?

Der knuffige Kleine trägt die Nase hoch ­– und dies ganz wörtlich. Das Erscheinungsbild ist kraftvoll, von drinnen blickt der Fahrer auf eine richtige Motorhaube. Weiter hinten ist die Führung der Schiebetür elegant verdeckt. Und der Heckabschluss zeigt eine Abrisskante, neben weiteren Details das Zeichen einer durchdachten Aerodynamik. Ansonsten steht der Ford stämmig auf seinen ­Rädern, fährt mit durchgedrücktem ­Rücken beladefreundlich vor.

SUV-artiger Ford Transit Courier hat nur geringe Nutzlast

Dazu gehören handfeste Türgriffe für mächtige Pranken. Den Ladeboden bedeckt eine rutschfeste Matte, Wohltat im Vergleich zu den gewohnten rutschig-harten Ford-Auskleidungen. Für Langgut bieten die Kölner eine Katzenklappe in der Trennwand unter dem Beifahrersitz an. Ambitionierte Staplerfahrer zirkeln durchs Heckportal und zwischen den Radkästen hindurch eine Europalette quer. Theoretisch sogar zwei hintereinander. Aber hoch beladen dürfen die Ladungsträger dann wegen der ausgebuchteten Trennwand nicht sein.

Dazu wird es bei 600 Kilo Nutzlast für Fahrer und Fracht kaum kommen. Dieses Gewicht zwingt den Transit Courier mit seiner schraubengefederten Verbundlenker-Hinterachse tief in die Knie. Also Obacht bei Ausstattung mit Regalen und schwerem Werkzeug. ­Ladung per Anhänger ist auf eine Tonne begrenzt. Merke: Der Transit Courier fußt auf der Plattform des Kompakt-SUV Ford Puma. Und der gilt schon in der ­Natur als Kleinkatze unter den großen Raubtieren.

Komfortabler Zeitgenosse

Passend zur Abstammung ist der Transit Courier recht geschmeidig unterwegs, egal ob leer oder beladen. Rumpelt ein wenig über kariöse Straßen. Die Vorderachse tanzt mitunter beim Beschleunigen auf einseitig übler Fahrbahn. Generell aber benimmt sich der kleine Transporter recht gesittet, sicher und komfortabel. Das gilt ebenso für die Bremse – nur leer ein ­wenig schwer dosierbar – und die gut abgestimmte, nicht zu leichtgängige Lenkung. Sie verhält sich nur bei schneller Fahrt etwas zickig, dann verlangt die ­Puma-Technik nach einem feinfühligen Dompteur.

Der nimmt in einem schlichten, aber nicht ärmlichen Cockpit Platz. Lange ­Fahrer wünschen sich eine Raste mehr Verstellweite des recht komfortablen Sitzes. Das Raumgefühl ist verblüffend angenehm, es hängt mit der großen, weit nach vorn gezogenen Windschutzscheibe zusammen. Auch die Sicht nach hinten lässt dank großer Außenspiegel – rechts mit zusätzlichem Weitwinkelglas – kaum zu wünschen übrig.

Ablagen gibt es zuhauf, von großen Türfächern über die Mittelkonsole mit Seitenfach bis zum Armaturenbrett. Nahe des Fachs für das Smartphone warten Steckdosen. Die Materialqualität bis hin zur schlichten stählernen Trennwand ist dem Einsatz und auch dem Preis angemessen.

Ford Transit Courier verwirrt mit unübersichtlichen Instrumente

Weniger angenehm sind die verspielten Instrumente mit ihren Säulengrafiken. Sie stammen von den größeren Geschwistern und sind unübersichtlich (Tankuhr, Kühlmitteltemperatur) bis untauglich (Drehzahlmesser). Den Vogel schießt die Bedienung der Klimatisierung mit ihrer Menüseite im mittigen Touchscreen ab. Da wird die Temperaturverstellung während der Fahrt zum Glücksspiel und es droht Kontrollverlust, sowohl über ­Temperatur als auch die Fahrspur. Die angenehme Seite sind zahlreiche Fein­einstellungen für Assistenten und Nebenfunktionen, da ist der Courier richtig gut. Ansonsten pendelt er zwischen Klassik und Moderne: Start per Tastendruck, herkömmliche Handbremse. Und LED-Scheinwerfer statt matter Halogen-­Birnen gibt’s nicht mal gegen Aufpreis.

Zu den Überraschungen zählt die eher zart gebaute Maschine unter der weiten Motorhaube. Der bekannte Dreizylinder-Benziner gehört mit gerade mal einem Liter Hubraum nominell zu den Halbstarken. Indes verblüfft er durch Drehvermögen und Temperament. Sofern der Courier-Fahrer keine Angst vor hohen Drehzahlen kennt und fleißiges Schalten – leichtgängig und präzise – nicht scheut. Der Motorsound pendelt dann zwischen Kühlschrank und Düsenjet, ist aber nie laut.

In der Variante mit 92 kW/125 PS zischt der Transit Courier temperamentvoll ab, macht erst bei 175 Sachen Halt. Er erreicht das Tempo im fünften von sechs Gängen, ein Hinweis auf die Pkw-Gene. Im Sechsten ist in der Ebene bei 160 km/h Schluss, das genügt. Trotz ­hoher Tourenzahlen schnellt der Spritverbrauch nicht unangemessen in die Höhe. Auf der anspruchsvollen Teststrecke mit Vollgasanteil schluckte der vollgepackte Ford im Schnitt 7,9 Liter/100 km. Die Spanne reichte von 6,4 Litern auf der Kurzstrecke bis zu 12,1 Litern in vollem Galopp im sechsten Gang. Bei wenig Be­ladung spielt sich alles einen Liter drunter ab.

Souveräner Spurwarner

Zur Ausstattung zählen die inzwischen gewohnten Assistenten. Mit unterschiedlicher Leistungsgüte wie im richtigen Leben. So liest der Verkehrs­zeichenassistent mitunter heckseitige Aufkleber auswärtiger Lkw ab und fordert dann Maximaltempo 90 km/h. Andere Helfer wie Spur- und Abstandswarner verhalten sich so souverän wie gewünscht.

Und welchen Ford nehmen? Der Ford Transit Courier ist ein Fall für Schnäppchenjäger, die auf manche Feinheit verzichten und die maximale Last selten ausnutzen. Insgesamt eher Leichtmatrose als Schwerarbeiter. Passt doch.

Ford Transit Courier Limited

  • Abmessungen (L/B/H): 4.337/1.800/1.827 mm
  • Radstand: 2.692 mm
  • Wendekreis: 10.700 mm
  • Laderaum (L/B/H): 1.802/1.535/1.253 mm
  • Breite zw. Radkästen: 1.220 mm
  • Ladekapazität: 2,9 m³
  • Leergewicht Testwagen: 1.320 kg
  • Nutzlast: 610 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.930 kg
  • Anhängelast bei 12 % Steigung: 1.000 kg
  • Zul. Zuggesamtgewicht: 2.910 kg
  • Motor: Dreizylinder-Turbo-Benziner
  • Hubraum: 998 cm³
  • Leistung: 92 kW/125 PS
  • Drehmoment: 200 Nm
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: auf die Vorderachse
  • Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
  • Verbrauch WLTP: 6,5–7,4 l/100 km
  • CO2-Emissionen: 196,1 g/km
  • Teststrecke beladen: 7,9 l/100 km
  • Testverbrauch beladen: min./max. 6,4/12,1 l/100 km
  • Preis (exkl. MwSt.): 22.150 Euro

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