Innovatives Bauen Zeitsparend und nachhaltig: Bilanz fürs bislang größte Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Drucker

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Für die Michael Rupp Bauunternehmung liegt die Zukunft des Bauens im 3D-Betondruck. Nachdem ihr Erstlingsprojekt auch bei den Mietern im schwäbischen Weißenhorn-Wallenhausen gut ankommt, wollen sie mit einer eigenen Firma den Betondruck massentauglich machen.

In Weißenhorn-Wallenhausen steht das größte Mehrfamilienhaus aus dem 3-D-Betondrucker
In Weißenhorn-Wallenhausen steht das größte Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Betondrucker. – © Rupp Gebäudedruck

Felix Jehle lebt in einem besonderen Haus in Weißenhorn-Wallenhausen, das südlich des schwäbischen Orts Günzburg liegt. Statt Stein auf Stein gebaut wurde seine Behausung Stück für Stück ausgedruckt. „Eigentlich lebt man hier aber nicht anders als in jedem anderen modernen Neubau“, schildert Jehle. Er zählt zu den ersten Mietern, die seit vergangenen November im Neubau im Ortskern leben, das aus einem 3D-Betondrucker stammt.

Als das erste und größte gedruckte Mehrfamilienhaus im europäischen Raum soll das Pilotprojekt zeigen, ob diese innovative Bausweise funktionieren kann und wie sich das auch für die Bewohner anfühlt. Neben Jehles Wohnung gibt es im Gebäude im KfW-55-Standard weitere vier Wohnungen, die sich über drei Etagen und 380 Quadratmeter Fläche verteilen. Daneben gibt es Kellerräume sowie eienn gemeinschaftlichen Wäscheraum und ein Technikraum mit Heizungsanlage und Haustechnik.

Optisch ganz klassisch

Obwohl es im derzeit modernsten Verfahren erbaut wurde, kommt das Haus optisch recht klassisch daher. Es gibt Gauben und Fensterläden , das Steildach wurde mit Biberschwanz-Ziegeln eingedeckt – nichts deutet darauf hin, dass das Gebäude gedruckt wurde. Sebastian und Fabian Rupp, die gemeinsam die Michael Rupp Bauunternehmung leiten, die gleichzeitig Bauherr und ausführender Betrieb war, möchten, dass sich das Haus aus dem Drucker „optimal ins Ortsbild einfügt“. Jehle bestätigt das: „Nur an der Außenfassade des Hauses und im Wohnzimmer, wo man als Designelement noch ein Stück der gedruckten Wand unverputzt sehen kann, erkennt man, dass das Haus anders ist als alle anderen.“

Fabian Rupp sieht im 3D-Betondruck daher eine „tolle Alternative zu Fertighäusern“, wie er sagt. Für ihn und sein Familienunternehmen, das schon seit mehr als 25 Jahren Häuser baut, war es die erste Erfahrung mit 3D-Betondruck zu arbeiten. Nach dem gelungenen Erstlingsprojekt wollen die Brüder nun eine neue Firma für die innovative Bauweise gründen. Ziel ist es, den Betondruck massentauglich zu machen, um so das Bauen insgesamt nachhaltiger zu gestalten. „Durch selbstentwickelte, nachhaltige Gebäude wollen wir der Komplettanbieter für 3D-gedruckte Häuser werden und das 3D-Druckverfahren in Deutschland und Europa als sichere, günstige, schnelle und ökologisch sinnvolle Bauweise etablieren“, erklärt Sebastian Rupp.

Die Vorteile des Druckens

  1. Planungssicherheit: Der Ablauf des Bauvorhabens samt des Arbeitsablaufs lässt sich über 3D-Druck exakt und verlässlich planen. Der Drucker wird mit Daten gefüttert, die in jeder gängigen CAD-Software erstellt wurden. Er verarbeitet diese Daten und arbeitet sie einfach nacheinander ab.. Da der Drucker mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde arbeitet, kann ein typisches Einfamilienhaus beispielsweise in durchschnittlich 48 Stunden fertig gedruckt sein.

  2. Keine Wartezeiten und Nachbearbeitung: Beim 3D-Druck gibt es keine Trocknungs- oder Wartezeiten, so dass nachfolgende Gewerke ihren Einsatz exakt planen können. Da der Drucker auch gleich alle Aussparungen und Kanäle, beispielsweise für Sanitärleitungen und Elektrik, mitdruckt, müssen diese später nicht mehr herausgebrochen oder geschlitzt werden.

  3. Designfreiheit bei der Bauplanung: Mit dem Drucker lassen sich gerade oder geschwungene Wände drucken, glatte oder raue Oberflächen. Auch Überhänge und dergleichen sind problemlos möglich und gedruckt viel günstiger als beim konventionellen Verfahren, für die eine Sonderschalung notwendig ist.

  4. Nachhaltigkeit für Geldbeutel und Umwelt: Der 3D-Betondruck ermöglicht eine material- und kostensparende Bauweise, so dass möglichst keine Rohstoffe verschwendet werden.

Der aktuelle Baustoffmangel als größte Herausforderung

Gedruckt wurde das Haus in Weißenhorn-Wallenhausen in Zusammenarbeit mit der Firma Peri aus dem benachbarten Weißenhorn. Das Unternehmen ist internationaler Hersteller und Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen und verkauft und vermietet seit 2020 auch Betondrucker. In Wallenhausen kam ein 3D-Betondrucker des Typs COBOD BOD2 vom dänischen Hersteller COBOD zum Einsatz, an dem Peri bereits seit 2018 beteiligt ist.

So einen Drucker wollen sich Fabian und Sebastian Rupp für ihre neue Firma nun auch anschaffen, um Gebäude und Fertigbauteile zu drucken. Das nächste Haus soll in der neuen Firmenzentrale entstehen – allerdings erst, wenn sich die Lage am Baustoffmarkt wieder entspannt. „Wir bekommen gerade einfach nicht genug Material“, sagt Fabian Rupp.