Was als ungewöhnliche Kundenanfrage begann, hat Peter Scheuerer zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell mit eigener Marke gemacht. Der Schreinermeister mit Erfindergeist fertigt außergewöhnliches Interior und Fassmöbel aus alten Weinfassdauben. Im Upcycling fand er einen lukrativen Geschäftsbereich.

Eigentlich wollte Peter Scheuerer etwas ganz anderes machen, „aber mein Vater hatte damals eben den Betrieb“, erklärt der 58-Jährige. Wie viele Handwerker seiner Generation trat er in die Fußstapfen seines Vaters. Türen, Fenster und Bodenbeläge aus Holz – das war das Kerngeschäft der Scheba GmbH.
Scheuerer absolvierte die Ausbildung zum Schreinermeister und übernahm 1992 den Betrieb im bayerischen Eschelbach. „Das würde ich heute nicht mehr machen“, so seine Erkenntnis. Über die Jahre hat er allerdings einen Weg gefunden, sich selbst im Handwerk zu verwirklichen.
Vom Zufall zur Fassmöbel- und Interior-Geschäftsidee
"Es war Glück, dass der Kunde mich damals auf die Idee brachte“, erinnert sich Scheuerer. Der Auftraggeber wollte einen Bodenbelag aus alten Fassdauben. Der Schreinermeister hielt das zunächst für unrealistisch, „doch ich sah darin eine persönliche Herausforderung.“ Zwei Jahre lang tüftelte und probierte der Unternehmer mit Erfindergeist, bis ihm schließlich der Durchbruch gelang und aus den gewölbten Längshölzern der Fässer ein Parkettboden entstand. Damit legte er vor rund 15 Jahren den Grundstein für seine Marke „Wein-Design“.
Was als Experiment begann, entwickelte sich zu einem Geschäftsbereich. Der Weinliebhaber räumte für seine Idee zahlreiche Preise ab und erweiterte sein kreatives Upcycling-Sortiment auf Türen, Möbel und Wohnaccessoires – alles aus dem weingetränkten Holz der Fässer. Jedes Stück trägt die Geschichte des Weins in sich, sichtbar durch die Patina, die Farben und die einzigartige Maserung des Holzes. „Dadurch erzählt jedes Produkt seine ganz eigene Geschichte“, erklärt Scheuerer. Inzwischen ist er gefragter denn je und fertigt für Kunden, gerne auch mal Prominente, die „etwas Besonderes wollen“.
Neuer Fassmöbel- und Design-Lebenszyklus durch Upcycling
Scheuerer verleiht dem alten Holz dadurch einen neuen Lebenszyklus, auch Upcycling genannt. Für ihn ein schöner Nebeneffekt seiner Unikate. "Der Zeitgeist hat sich einfach verändert, die Leute wollen heute nachhaltige Produkte, vor allem die Jungen - das finde ich gut. Es hat auch schon Zeiten gegeben, da hat man die alten Fässer verbrannt", sagt der Unternehmer.
Aus Firmenchef wird Einmannbetrieb
Die Schreinerei seines Vaters führte Peter Scheuerer jahrelang parallel zu seinem neuen Upcycling-Geschäftsbereich. Da er sich voll und ganz auf seine Marke konzentrieren wollte, suchte Scheuerer nach einem geeigneten Abnehmer und fand ihn schließlich in einem Küchenhersteller aus der Region, der auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten war. Dieser mietete nicht nur die Betriebshallen der Scheba GmbH, sondern übernahm auch alle Mitarbeiter. Der Küchenhersteller verwendet obendrein einige von Scheuerers Wein-Design-Produkten in seinen Küchenfronten und kann dadurch auch mit besonderen Produkten aufwarten. Eine Win-win-Situation. Eines ist ihm aber wichtig zu erwähnen: „Eine Übergabe dauert fünf Jahre und länger, die meisten Übergeber unterschätzen das“, kann er aus eigener Erfahrung berichten.
Seit der Vermietung der Räumlichkeiten und Abgabe seiner Mitarbeiter, konzentriert sich Scheuerer ausschließlich auf Wein-Design, als Einmannbetrieb, mit viel Innovationskraft. Stillstand ist für den Unternehmer aber nichts. Er hat schon neue Projekte im Kopf, die er noch umsetzen möchte. "Ich habe schon immer gesagt: ich brauche etwas, wo ich nicht vergleichbar bin, dann geht es nicht um den Preis, sondern um die Qualität", ist der Tipp des erfolgreichen Geschäftsmanns. Auch wenn er ursprünglich „etwas anderes“ machen wollte, ist das Handwerk rund um die Schreinerei für Peter Scheuerer zur echten Leidenschaft geworden.

