Diskrete Unternehmensübergabe Nachfolger-Suche: Auf der Plattform "Amber" bleiben Käufer und Verkäufer lange Zeit anonym

Einen Nachfolger für den eigenen Betrieb über eine Plattform zu suchen, schreckt manchen Unternehmer ab: Die öffentliche Präsentation von Umsatz und anderen Daten ist vielen unangenehm. Nun gibt es mit "Amber" eine Plattform, die Käufer und Verkäufer zusammenbringt ohne dass sofort der konkrete Betrieb und seine Wirtschaftlichkeit erkennbar sind.

Einen Nachfolger über eine Plattform zu finden, ist einfacher als viele Unternehmer vermuten.
Einen Nachfolger über eine Plattform zu finden, ist einfacher als viele Unternehmer vermuten. - © Tobisott - stock.adobe.com

Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass im Zeitraum 2022 bis 2026 etwa 190.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Die höchste Anzahl an Übergaben findet sich unter den Unternehmen der Größenklasse 500.000 bis eine Million Euro Jahresumsatz. Meist erfolgt die Übergabe innerhalb der Familie. Wer extern einen Nachfolger sucht, kann dafür Plattformen nutzen.

„Wir schätzen und können es auch recht gut mit Daten belegen, dass von allen angestrebten Unternehmensverkäufen, nur etwa 40 Prozent erfolgreich sind“, sagt Florian Adomeit. Er ist Gründer der Plattform "Amber", auf der Unternehmer ihren Betrieb zum Verkauf stellen und Übernehmer nach einen passenden Unternehmen suchen können. Adomeit ist überzeugt, dass die Aufgabe von 60 Prozent der geplanten Unternehmensverkäufe einen großen Verlust für die deutsche Wirtschaft darstellt.

Die Gründe, warum der Verkauf scheitert, sind vielfältig. Einerseits wollen sich Unternehmer den Stress des Verkaufs nicht antun. Sie haben ihren Schnitt gemacht und sperren lieber zu. Adomeit hält das für Überflüssig, „so kompliziert ist der Verkauf gar nicht“, meint er. Zudem haben diese Betriebe ja eine funktionierende Unternehmensstruktur und einen Kundenstamm, das seien Werte, die bezifferbar sein. „Auch ein kleiner Betrieb bringt oft einen sechsstelligen Betrag und er bietet Arbeitsplätze, die erhalten bleiben können“, wirbt Adomeit für den Verkauf als Alternative zum Zusperren.

Den passenden Nachfolger finden

Die größte Hürde sei das Finden eines passenden Käufers. „Was schlicht daran liegt, dass niemand vom geplanten Verkauf weiß“, so der Online-Unternehmer. Und viel Geld möchten die Altvorderen auch nicht in die Hand nehmen, um einen Käufer zu finden. Letztlich gäbe es drei Arten, wie der Verkauf des Betriebes organisiert werden kann, wenn es keine familieninterne Lösung gibt.

  1. Ich bin Unternehmer und werde angesprochen, ob ich mein Unternehmen verkaufen möchte.

  2. Ich bin Unternehmer und möchte den Nachfolgeprozess selber anstoßen. Dann suche ich einen M&A-Berater – doch das geht erst ab einer gewissen Unternehmensgröße. Und es ist teuer.

  3. Ich bin Unternehmer und inseriere über eine Plattform.

Plattformen, die Nachfolger und Übergeber zusammenbringen

Für Adomeit geht es also darum, den Markt effizienter zu gestalten. Das versucht beispielsweise auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit ihrer Plattform nexxt-change.org. Sie ist eine der größten Unternehmensnachfolge-Börsen in Deutschland. Die Plattform bringt erfolgreich Inhaberinnen und Inhaber von Unternehmen sowie Existenzgründende zusammen. Sie bietet eine umfangreiche Auswahl an Inseraten für Unternehmensverkäufe und -käufe

Auch die Plattformen firmenzukaufen.de und DUB.de bieten diesen Service. Das Online-Angebot von Florian Adomeit ist seit November 2024 unter amber.deals zu finden. Der Internet-Unternehmer wirbt mit dem sicheren Kauf und Verkauf von Betrieben – auch von Kleinstbetrieben –, einer nutzerfreundlichen Oberfläche, die leicht zu bedienen ist, und dem kostenlosen Einstellen von Unternehmen.

"Amber" bietet weitgehend anonyme Präsentation des Betriebs

Zusätzlich erfolgt die Präsentation des Betriebs weitgehend anonym. „Viele Unternehmer möchten ihren Betrieb nicht im Schaufenster sehen, sie fürchten das Gerede und es geht einfach nicht alle Welt etwas an, wie groß der Umsatz und das Betriebsergebnis sind. Wir tragen dem Rechnung, indem wir ein Privatsphäre schützendes Umfeld bieten“, sagt Adomeit. Letzteres ist möglich, indem Verkäufer ihren Betrieb nur für von Amber verifizierte Käufergruppen freigeben können, wie etwa Privatpersonen. Zudem gibt es NDA-Verträge (engl. „non-disclosure agreement“), auch bekannt als Verschwiegenheits-, Vertraulichkeits- oder Geheimhaltungsverträge, die einen essenziellen Schutz für Unternehmensinformationen darstellen. „Der Unternehmer legt also fest, wer sein Inserat sehen kann. Und er inseriert anonym“, erklärt Adomeit.

Der Verkäufer erhält eine Interessensbekundung und ein relativ detailliertes Käuferprofil, anhand dessen er entscheiden kann, ob der Käufer für ihn infrage kommt. Erst wenn dieses bestätigt ist, werden Namen und Kontaktdaten ausgetauscht. Ein guter Schutz für Verkäufer, der in kleinen Gemeinden jedoch nicht vollständig funktioniert: Gibt es in einem Ort nur einen Friseur und wird dort ein Friseursalon zum Verkauf angeboten, ist auch ohne Namensnennung klar, wer der Verkäufer ist. Adomeit kann das Dilemma nicht ausschalten, aber eingrenzen: „Wir geben nicht sofort den Standort des Betriebs bekannt, sondern zunächst nur das Bundesland. Und dann lösen wir die Matching-Problematik, indem der interessierte Käufer zunächst vorab mehr Informationen über sich preis geben muss. So muss er beispielsweise angeben, in welchem Ort er sucht. Dann schauen wir, ob wir da ein Angebot haben.

Was der Nachfolger vom Plattform-Deal hat

„Deutschland braucht mehr Unternehmer“, findet Florian Adomeit. Wer aber Unternehmertum mit Start-up gleichsetzt, glaubt vermutlich, eine tolle Idee haben zu müssen und die ersten Jahre kein Geld zu verdienen. Hinzu kommt der große organisatorische und administrative Aufwand einer Gründung. „Unternehmer zu werden, indem ich eine Nachfolge antrete, also nicht bei null starte, erleichtert den Schritt in die Selbstständigkeit ungemein“, ist Adomeit überzeugt.

Als Hindernis für den Unternehmenskauf wird oft die Finanzierung genannt. „Viele junge Leute denken, sie müssen Millionär sein, um sich das leisten zu können“, weiß Adomeit. Er rechnet dann vor: Wenn ein Unternehmen zum Beispiel 100.000 Euro Gewinn im Jahr macht, dann kostet es im Schnitt rund 400.000 Euro. Das ist ein sogenanntes Ergebnis-Multiple von vier. Es kann je nach Branche, Umsatzwachstum und Ergebnisstabilität des Betriebs aber auch davon abweichen. Ist der Umsatz sehr variabel, nimmt der Käufer einen Risikoabschlag vor, sodass auch ein Multiple von zwei realistisch sein kann.

"Die Finanzierung steht meist schneller als erwartet"

Doch 400.000 Euro sind für einen jungen Handwerker viel Geld. Die Frage ist also, wie finanziert der Käufer seine Selbstständigkeit? Zunächst gilt: rund 70 Prozent übernimmt meist die Bank, das sind 280.000 Euro. „Das ist ja kein Konsumkredit, sondern ein Investment, das jedes Jahr stabile Cashflows erwirtschaftet. Meistens kennt die Hausbank den Betrieb ohnehin schon seit Jahren und weiß, dass der Kundenstand solide ist. Die Finanzierung steht meist viel schneller als erwartet“, sagt Adomeit.

Der Käufer muss dann noch weitere 120.000 Euro finanzieren. Dafür kann er beispielsweise ein Verkäuferdarlehen vereinbaren, über Family & Friends finanzieren oder auch mit Investoren, die ihren Fokus auf Private Equity legen. Dafür kann auch eine Crowdfinanzierung infrage kommen. „Das ist natürlich eine stark vereinfachte Darstellung. Aber es ist so, dass auch bei einem knapp gefüllten Geldbeutel der Weg ins Unternehmertum machbar ist“, erklärt Adomeit.

Wie der Kauf-Verkauf organisiert wird

Das Team von "Amber" überprüft die Daten von Inserenten und Interessenten auf Plausibilität. Dafür werden Käufer und Verkäufer angerufen und die Daten aus dem Bundesanzeiger verglichen. „Aber wir sind keine Wirtschaftsprüfer“, stellt Adomeit klar. Seine Aufgabe sei es, als Vermittler aufzutreten, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen, mehr nicht. Die Abwicklung erfolge dann meist über Steuerberater oder M&A-Berater. Bezahlt wird die Plattform vom Käufer, als Vermittlungsprovision, wenn ein Verkauf zustande kommt.

Warum der Verkauf an den Nachfolger oft scheitert

Florian Adomeit hat mit seinem Team eine Umfrage bei gescheiterten Verkäufen durchgeführt: Dabei kam heraus: Das größte Problem ist die Einigung auf den Preis – auf Platz zwei liegen Finanzierungsschwierigkeiten. Verkäufer schätzen den Preis meist zu hoch an. Das liege auch daran, dass die Nachfrage nach Unternehmen aufgrund niedriger Zinsen vor Corona besonders hoch war: „Geld hat lukrative Anlagemöglichkeiten gesucht und sie in Unternehmens-Assets gefunden“, erklärt Adomeit. Das hat die Preise in die Höhe getrieben. Doch nun habe sich das Klima verändert: Die Zinsen sind gestiegen, die Wirtschaft ist in einer Rezession, die Betriebe verdienen weniger Geld und die Banken vergeben Kredite weniger freigiebig. Käufer sind deshalb derzeit nicht mehr bereit, hohe Kaufpreis zu bezahlen.

Fazit:

Der Kauf bestehender, solide aufgestellter Unternehmen ist eine gute Chance für junge Handwerker, in die Selbstständigkeit zu kommen. Da Strukturen, Mitarbeiter und Kunden vorhanden sind, sind viele Fallstricke eines Start-ups bereits umgangen. Für Unternehmer stellt der Verkauf die Chance da, einen ansehnlichen Betrag für ihren Ruhestand zu erhalten. Zudem sichern sie ihren Mitarbeitern die Arbeitsplätze und stärken die Wirtschaft in ihrer Region.

Zur Person Florian Adomeit
Florian Adomeit, Macher von Amber
Florian Adomeit, Macher von Amber. - © Florian Adomeit

Florian Adomeit, geboren 1993, ist Mitgründer von Amber by DealCircle, einer M&A-Plattform, die im deutschsprachigen Raum aktiv ist. Zudem ist er Host des Podcasts "Alles Coin, Nichts Muss". Zuvor war er Experte bei Ohne Aktien Wird Schwer und hat für OMR in Startups und Aktien investiert. Nach seinem Studium in Berlin und St. Gallen hat er außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Freien Universität Berlin gearbeitet und war unter anderem in der Beratung tätig.

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