Trend bei Betriebsversicherungen Versicherung online abschließen: So machen Sie bei Angeboten im Netz keine Fehler

Zugehörige Themenseiten:
Betriebsversicherung, Digitalisierung und Geschäftsinhaltsversicherung

Betriebshaftpflicht und Inhaltsversicherung sind der Basisschutz, den alle Betriebe haben sollten. Immer mehr – vor allem junge Unternehmer – schließen die Policen im Internet ab. Das ist keine schlechte Idee, wenn die vielen Stolpersteine vermieden werden.

Peter Fischer, online-erfahrener Malermeister aus Meckenbeuren
Peter Fischer, online-erfahrener Malermeister aus Meckenbeuren in Baden-Württemberg: „Der Online-Vergleich hat mir gezeigt, dass das Angebot des Vermittlers viel zu teuer war.“ – © Ilja Mess

Für Unternehmer ist es wichtig, dass sie vor allem ihre Existenz schützen. „Und da gehört die Haftpflichtversicherung für den Betrieb an die erste Stelle“, sagt Jens Stilbauer vom Versicherungsmakler Hoesch & Partner. Denn wer anderen im Rahmen seiner Berufsausübung einen Schaden zufügt, muss dafür geradestehen. Die private Haftpflichtpolice leistet in diesen Fällen nicht. An zweiter Stelle steht die Sachversicherung für das Inventar, die Maschinen und Vorräte, kurz: Inhaltsversicherung (IHV). Drittens gilt mittlerweile die Cyberversicherung als unbedingt notwendig. Denn alle Geschäftsvorfälle werden heute digital geführt, eine Cyberattacke kann deshalb den gesamten Betrieb lahmlegen. Für alle drei Versicherungen gibt es viele Angebote auf unterschiedlichen Portalen im Netz.

Praxisfall Vergleichsportal

Malermeister Peter Fischer aus dem baden-württembergischen Meckenbeuren hat einen Online-Vergleich durchgeführt, als er die von seinem Versicherungsvertreter aufgerufene Prämie für ein Neufahrzeug als sehr hoch empfand. Das Ergebnis: Er lag richtig – der Markt bot deutlich günstigere Policen. Das bewies auch ein Beitrag aus handwerk magazin über Betriebsversicherungen und Versicherungsmakler, den er sich zur Seite gelegt hatte, um eine weitere Vergleichsgröße zu haben. Fischer war unzufrieden mit seinem Versicherungsvertreter. „Ich bin aber Laie in Versicherungssachen und hatte erst mal Vertrauen“, sagt er. Ein Gespräch mit seinem Nachbarn brachte ihn schließlich zum Handeln:

„Mein Nachbar hat ein Autohaus mit Reparaturwerkstatt. Wir haben über Versicherungen gesprochen und erstaunlicherweise war sein Makler Jochen Brenner – eben jener, über den ich in handwerk magazin gelesen hatte“, erzählt Fischer. Er rief Brenner an und bat um eine Kontrolle seines Versicherungsschutzes. Brenner, Versicherungsmakler von der SüdwestRing GmbH, bot für das Neufahrzeug eine Prämie, die erheblich unter der des Altvertrags lag. Nun hat er alle sieben Fahrzeuge des Malermeisters neu versichert. Fischer: „Mit besserer Leistung und günstigeren Prämien.“

Diese Portale enttäuschen

Zurück zur BHV und IHV: Wir haben das Angebot für eine fiktive Schreinerei auf verschiedenen Portalen analysiert – und erlebten einige Überraschungen. Mit dem Stichwort „Schreinerei Versicherung Vergleich“ untersuchten wir die ersten zehn „natürlichen“ Links bei Google. Sie werden nach der Werbung eingeblendet, weil sie nach der Logik der Suchmaschine hochwertige Inhalte enthalten. Tatsächlich aber boten sechs Adressen keine Vergleichsmöglichkeit an: Vier dieser Anbieter sind Versicherungsmakler, die mit dem vermeintlichen Vergleich Kunden anlocken möchten. Viele dieser Portale sind Adressverkäufer. Das gilt etwa bei „dvb-versicherungsvergleich.de“ und „online-­vergleich-­versicherung.de“ (Kasten Seite 50). Handwerker müssen damit rechnen, dass sie ständig durch Vermittler kontaktiert werden, wenn sie ihre Daten auf diesen Plattformen eingegeben haben. Tipp: Bietet ein Portal keine Vergleichsmaske an, heißt es „Vergleich anfordern“ oder „Vergleich wird zugesandt“, sollten Nutzer aus der Seite aussteigen: Seriöse Portale ermöglichen eine anonyme Nutzung.

Etikettenschwindel: Kein Vergleich möglich

Auf den ersten sieben Portalen, die in der Google-Suche („Schreinerei Versicherung Vergleich“) erscheinen, kann der User keinen oder keinen vollständigen Versicherungsvergleich durchführen.

  1. versiche­rungen-berechnen-und-vergleichen.de
    Kein Online-Vergleich seit 2017. Darauf weist der Versicherungsmakler Falk Rautmann auf seiner Homepage auch hin. Man könne aber individuelle Angebote zur Berufs- und Betriebshaftpflicht „mit bedarfsgerechtem Versicherungsschutz kostenlos und unverbindlich anfordern.“
  2. finanzeulen.de
    Kein Online-Vergleich. Lediglich Adress-daten-Formular. Wer es absendet, wird laut Datenschutzerklärung von Andreas Willer kontaktiert. Er ist als Versicherungsmakler registriert.
  3. schreiner.de
    Kein Online-Vergleich. Die Seite wird vom Fachverband Schreinerhandwerk Bayern betrieben und verweist auf die „Firmenkundenberater“ der Helmsauer & Preuss GmbH, die eine Broschüre zur Absicherung von Schreinern erstellt hat. Sie ist als Versicherungsvermittler und Versicherungsmakler registriert.
  4. dvb-versicherungsvergleich.de
    Kein Online-Vergleich. Die Daten aus dem auszufüllenden Formular dürfen im dvb-Newsletter anonymisiert veröffentlicht werden. Die Adressdaten dürfen an Versicherungsvermittler weiter geben werden.
  5. online-vergleich-versicherung.de
    Kein Online-Vergleich. Die Daten aus dem auszufüllenden Formular dürfen an unbekannte Experten weitergereicht werden. Als Expertenpool wird Finanzen.de genannt. Das Unternehmen verkauft Adressen.
  6. finanzschreinerei.de
    Kein Online-Vergleich. Wer das Formular mit seinen Adressdaten ausfüllt kann eine Anfrage weiterleiten. Sie landet bei Niklas Günther, er ist als Versicherungsmakler registriert.
  7. finanzchecks.de
    Kein Online-Vergleich für die Inhaltsversicherung. Aber: Guter Vergleich bei Betriebshaftpflichtversicherung

Nur drei echte Vergleicher im Netz

Immerhin: Auf drei Portalen wurden wir mit einem anonymen Versicherungs­vergleich belohnt. Ihn bieten die Plattformen Gewerbeversicherung.de., Finanzchecks.de und Finanzchef24.de an. Genutzt werden solche Portale wohl insbesondere von jungen Firmen. „Die meisten unserer Kunden sind Gründer“, sagt zumindest Geschäftsführer Benjamin Papo von Finanzchef24.

Doch auch bei diesen drei Plattformen ist das Angebot unterschiedlich gut. Am wenigsten überzeugen konnte Finanzchecks.de. Hier gibt es ausschließlich einen Vergleich der Betriebshaftpflicht. Weitere Versicherungen werden nicht angeboten. Besonders umfangreich ist das Vergleichsangebot bei Gewerbeversicherung.de: 210 Haftpflicht- und 60 Inhaltsschutzversicherungen sowie die Cyberversicherung werden angeboten. Ausreichend ist zudem das Angebot von Finanzchef24. Neben Beriebshaftpflicht- und Inhaltsschutz umfasst es Rechts-, Transport- und Cyberschutz.

Gut zu wissen: Die auf diesen Portalen anbietenden Makler erhalten Provisionen, wenn Kunden online abschließen.

Einfacher Abschluss

Das große Plus der Portale ist der einfache Abschluss. Während Finanzchecks.de schon mit etwas mehr als zehn Angaben über den Betrieb zufrieden ist, müssen bei Gewerbeversicherung.de rund 30 Daten eingegeben werden. Finanzchef24 liegt mit seinem Informationshunger etwa in der Mitte. Die Abfrage ist in rund zehn Minuten erledigt. Bei der Inhaltsversicherung liegt der Aufwand bei rund 30 Minuten. Hier müssen deutlich mehr Angaben zu Betrieb, Sicherheit und Arbeitsweise eingegeben werden.

Großes Sparpotenzial

Wer die Vergleichsergebnisse bei privaten Versicherungstarifen kennt, wird von der Ergebnisliste der Portale enttäuscht sein: Nur rund zehn Assekuranzen lassen sich derzeit bei der BHV vergleichen. Bei anderen Sparten, wie der Inhaltsversicherung, sind es sogar weniger. Allerdings gibt es innerhalb der Sparten viele Varianten hinsichtlich Umfang, Versicherungs­summe und Selbstbeteiligung. Dennoch erhalten Gründer hier einen Überblick über den notwendigen Schutz und seine Konditionen. Dabei gibt jedes Portal dem Kunden die Möglichkeit, aus der Ergebnisübersicht bis zu drei beliebige Tarife auszuwählen und die Leistungen der ­Angebote gegenüberzustellen.

Lieber digital oder lieber analog?

Um eine Vergleichsgröße außerhalb der Online-Welt bieten zu können, haben wir die Maklergenossenschaft Vema gebeten, ebenfalls für BHV und IHV ein Angebot zu berechnen (in den Tabellen der DownloadsInhaltsversicherung (IHV) für einen Schreiner-Musterbetrieb“ und „Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) für einen Schreiner-Musterbetrieb“ grün unterlegt). Das Ergebnis: Die Leistungen beim analogen Angebot gehen meist über die Leistungen der Standardtarife im Netz hinaus. Es gibt etliche Sonderregelungen, wie das Vema-Deckungskonzept, die das analog eingeholte Angebot leistungsmäßig deutlich von den Online-Angeboten abhebt. Bei den Preisen liegt das Vema-Angebot daher nicht ganz vorn.

Unser Test für die Betriebshaftpflicht zeigt, dass junge Versicherer, wie andsafe (die Online-Tochter des Provinzial-Konzerns), leistungsmäßig mit starken Anbietern konkurrieren können. So verlangt andsafe für den Fünf-Millionen-Euro-Haftpflichtschutz gerade mal 163 Euro pro Jahr, wenn eine Selbstbeteiligung von 500 Euro vereinbart wird.

Der ebenfalls leistungsstarke Tarif der VHV ist hier gut sechsmal teurer, allerdings mit einer geringeren Selbstbeteiligung von 150 Euro.
Krasse Preisunterschiede gibt es auch bei der IHV. Hier ist das Angebot der Gothaer, bei leicht besserer Leistung, gleich dreimal so teuer wie das des jungen Versicherers Mailo. Das Vema-Angebot ist leistungsmäßig spitze und preislich akzeptabel. Das heißt: Ein Online-Vergleich zeigt zuverlässig das Sparpotenzial auf. Wer nur einen Basisschutz finanzieren kann, findet hier günstige Angebote. Wer aber spezielle Risiken absichern möchte, sollte sich beraten lassen und ein analoges Angebot einholen. Dessen Prämie kann er online überprüfen. Übrigens: Meist ist der Abschluss auch auf den Homepages der Assekuranzen möglich.

Fallen des Online-Abschlusses

Benedikt Giglio und Björn Kompfe vom Versicherungsmakler Visora aus Münster raten jedem, der seinen Firmenschutz online abschließt, zu einer jährlichen Überprüfung. Der wesentliche Grund: Jeder Versicherungsrechner, der über Platt­formen angeboten wird, müsse ver­einfachen. Giglio: „Die marginale Risikoanalyse der Internetvergleicher kann gefährlich werden.“ So gebe es fast keinen Handwerker, der lupenrein in seinem Gewerk bleibt. Schon hier können Nutzer im Netz scheitern. Denn in den Portalen muss die Frage beantwortet werden, ob man einen Mischbetrieb unterhält. Möglicherweise trifft das zu, ohne dass der Handwerker dies so einschätzt. Wird bei einer solchen Tätigkeit beispielsweise eine Person verletzt, ist die Schadenhöhe oft so hoch, dass der Betrieb insolvent geht.

Prämiennachlässe verhandeln

Die Assekuranzen überbieten sich aktuell mit besseren Bedingungen für ihre Versicherten. Vielfach werden Summenbegrenzungen für bestimmte Schäden gestrichen oder erhöht. Laut Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler gibt es zudem einen starken Wettbewerb im Segment Gewerbe. Betriebe, die den Versicherer wechseln, können meist zweistellige Nachlässe erhalten.

Musterbetrieb: Diese Schreinerei haben wir versichern wollen

Schreinerbetrieb Meier in Düsseldorf (PLZ: 40468) mit einem Hauptstandort. Der Inhaber ist Schreinermeister mit zwei Vollzeitmitarbeitern und einer Vollzeitbürokraft. Es werden keine Subunternehmer beauftragt. Geschätzter Jahresumsatz: 150.000 Euro. Drei Personen werden auf fremden Grundstücken tätig. Das Unternehmen ist Mitglied der Tischler-Innung Düsseldorf und wurde am 1.6.2020 gegründet.

  • Daten für die Betriebshaftpflichtversicherung: Die Vorversicherung hat der Schreiner zum Ablauf gekündigt. Er hatte in den letzten fünf Jahren keine Schäden. Die Versicherungssumme soll fünf Millionen Euro betragen; die Selbstbeteiligung 500 Euro. Die Prämie wird für einen einjährigen Vertrag berechnet.
  • Daten für die Inhaltsversicherung: Meier hat seine Werkstätten in einem Wohn- und Geschäftshaus. Die Außenwände sind aus Mauer und Beton (Bauartklasse I). Das Haus ist 20 Jahre alt. Die Betriebsgröße beträgt 150 Quadratmeter. Das Unternehmen ist kein reiner Lagerbetrieb. Das Gebäude befindet sich nicht auf einer Baustelle. In der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es einen reinen Lagerbetrieb (Kühlhaus). Sicherheit: Die Zugangstüren sind durch Zylinderschlösser gesichert. Sie können zweimal abgeschlossen werden und der Schlossriegel steht 2 cm heraus. Es gibt außen nicht abschraubbare Sicherheitsbeschläge. Die Türen sind mit innenliegenden Scharnieren ausgestattet und aus Stahl. Die Kellerfenster haben gesicherte Lichtschächte, das Rolltor ist mechanisch absperrbar, gegen Hochdrücken geschützt und der Betrieb mit einer VdS-anerkannten Einbruchmeldeanlage Klasse B SG2 ausgestattet. Es gibt keine Sprinkleranlage.
  • Versicherungsschutz: Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Extra-Elementar, Betriebsunterbrechungsschutz. Die Haftzeit soll mindestens zwölf Monate betragen. Keine Selbstbeteiligung, Elektronik- oder Glasversicherung, erweiterte Deckung, Absicherung gegen unbenannte Gefahren, Autoinhaltsschutz gewünscht. Prämie soll für eine Ein-Jahres-Police berechnet werden. Der Wareneinsatz liegt bei 40.000 Euro. Die Inhaltsversicherung beim Vorversicherer läuft zum 1.6.2022 aus. Es gab in den letzten Jahren keinen Schaden. Die Versicherungssumme soll 100.000 Euro betragen. 20.000 Euro entfallen auf Waren und Vorräte.