Spezieller Schutz für spezielle Risiken Branchenpolicen: Versicherungsvergleich für Zimmerer, Bauschlosser und Installateure

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Betriebshaftpflicht, Betriebsversicherung und Geschäftsinhaltsversicherung

Jedes Gewerk, jeder Betrieb hat eigene Risiken. Versicherer bieten daher Branchenpolicen an, die starken, speziellen Schutz und meist deutliche Mehrleistungen bieten. Hier ist der aktuelle Leistungs- und Tarifvergleich für Zimmerer, Bauschlosser und Installateure.

Kuno Rosentritt, Metallbaumeister aus Pöttmes
Kuno Rosentritt, Metallbaumeister aus Pöttmes in Schwaben: „Wir sind zufrieden mit dem Kompletttarif – nur ein Ansprechpartner, nur ein Vertrag und vollen Rundumschutz.“ – © Axel Griesch

Bündelrabatt nennt die Condor Versicherung ihr Angebot an Mittelständler: Sie erhalten 35 Prozent Rabatt auf die Prämie, wenn sie mindestens zehn Policen bei ihr abschließen. Schon ab zwei Policen gibt es 15 Prozent Rabatt. Die Assekuranz verspricht Rundumschutz, einen branchenspezifischen Zuschnitt und geringen Verwaltungsaufwand da es nur einen Vertrag gibt. „ Rundumschutz wird belohnt“, wirbt beispielsweise auch die Signal Iduna für ihre „MeisterPolicePro“. Bei Nutzung der Bausteine „Haftpflicht“ und „Sach“ gewährt sie einen Bündelnachlass von zehn Prozent für Handwerker und zusätzlich zwölf Prozent für Innungsmitglieder sowie in den ersten drei Jahren weitere zehn Prozent Rabatt für Neukunden.

So ein Komplettangebot nutzt Kuno Rosentritt seit Jahren: „Wir sind bei der Nürnberger umfangreich abgesichert. Das gilt für Schäden, die wir bei der Arbeit anderen zufügen oder falls bei uns im Betrieb etwas passiert“, sagt der Metallbaumeister aus Pöttmes im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg.

Günstiger, hochwertiger Schutz

Tatsächlich wird der Versicherungsschutz für Handwerker immer hochwertiger und günstiger . Das liegt auch an den Komplettangeboten, die Versicherungsmakler­verbünde oder Dienstleister dank ihrer Marktmacht mit den Versicherern aushandeln. Vorteil für den Handwerker: Durch den Mengenrabatt werden die Policen günstiger, der Versicherer sorgt für überschneidungsfreien Rundumschutz und es gibt nur einen Ansprechpartner.

Kuno Rosentritt haben die Vorteile eines Komplettangebots überzeugt: „Es gibt immer wieder besondere Angebote für einzelne Policen, doch meines Erachtens kochen die alle nur mit Wasser.“ Sein Mehrfachagent könne zwar notfalls auch andere Versicherungen anbieten. „Aber das war bisher nicht nötig, weil der Schutz immer umfassend war“, so Rosentritt. Mit der Betreuung ist er zufrieden: Er ist überzeugt, dass die persönliche Nähe ihm bei der Abwicklung von Schäden hilft. Eine Beschädigung an einem Fremdfahrzeug, den seine Mitarbeiter wohl angerichtet haben, habe die Nürnberger sofort in voller Höhe übernommen.

Hilfreiche Leistungsübersicht

Der Maklerdienstleister Bisure hat einen Anforderungskatalog (business insurance sideletter) für Leistungen verschiedener Versicherer erstellt – er sorgt für Transparenz. Erfasst sind die Versicherer AIG, andsafe, Basler, Dialog, Ergo, Haftpflichtkasse, Gothaer, HDI, Helvetia, Inter, Nürnberger und R+V. Makler können so erkennen, in welchen 20 Leistungsbereichen der Betriebshaftpflicht ( BHV) und 23 Leistungsbereichen der Betriebsinhalts- (BIV) und Betriebsgebäudeversicherung (BGV) die Assekuranzen bereit sind, höhere und bessere Leistungen als den Marktstandard zu bieten.

Transparenz für guten Schutz

Ergebnisse: In der BHV gewinnt ganz klar der Online-Versicherer andsafe, eine Tochter der Provinzial Versicherung. Er bietet alle Leistungen und zudem noch in zwei Fällen mehr als von Bisure gefordert. Schon deutlich abgeschlagen liegt auf dem zweiten Platz die Gothaer, die 13 Leistungsbereiche erfüllt und einmal mehr leistet als gefordert. Weniger leistungsbereit sind alle Versicherer in den Sparten BIV und BGV – die Risiken sind dort höher. 13 Leistungsbereiche erfüllt der HDI, davon einmal über der Norm. Auf Rang zwei folgt mit sieben der 23 Leistungsanforderungen die Gothaer.

Klauselbogen für mehr Flexibilität

Die Versicherungsmakler des Maklerverbunds Vema haben für die Firmensach- und Haftpflichtversicherung einen sogenannten Klauselbogen mit verschiedenen
Versicherern vereinbart. Er hebt die Leistungen deutlich über die einer Standard-Firmen-Police. „Damit werden vier wesentliche Probleme ausgemerzt, die im Schadensfall häufig auftreten“, sagt Vema-Chef Andreas Brunner. Diese sind:
  1. Die Einhaltung gesetzlicher, behördlicher oder mit der Assekuranz vereinbarter Sicherheitsvorschriften wurde vom Handwerker versäumt. Bei normalen Versicherungsbedingungen ist der Ärger programmiert. Brunner: „Begünstigt ein Versäumnis den Schadensfall, kann dies zur Kürzung der Entschädigung führen.“ Je nach Schwere des Verschuldens könne man im Extremfall sogar leer ausgehen.
  2. Der Versicherer macht im Leistungsfall eine „Unterversicherung“ geltend und will nicht voll zahlen. Das ist oft der Fall, wenn der Wert der vorhandenen Betriebseinrichtung nicht dem tatsächlichen Wert entspricht. „Handwerker sollten deshalb Policen wählen, die eine möglichst hohe Schadensumme versichern und bei denen der Versicherer auf die Unterversicherung verzichtet“, sagt der Versicherungsmakler Johannes Brück aus Düsseldorf. Achtung: Am Markt gibt es Policen, bei denen dieser Verzicht nur für fünf oder zehn Prozent der versicherten Summe gilt. Wie stark sich das auswirkt, zeigt ein Beispiel: Der versicherte Wert der Geschäftseinrichtung und Vorräte liegt bei 180.000 Euro, der tatsächliche Wert liegt bei 225.000 Euro. Die Asse­kuranz verzichtet in Höhe von zehn Prozent auf die ‚Einrede der Unterversicherung‘, also den Abzug. Tritt nun ein Schaden von 90.000 Euro ein, werden 22.500 Euro von der Leistung abgezogen. Das kann die Existenz eines Handwerkers gefährden. Brück warnt: „Für jede Maschine muss der Neupreis ermittelt werden, wer auch nur zeitweilig teure Vor­räte hält, sollte diese ebenfalls dem Versicherer melden.“
  3. Im Schadensfall wird ein Streit um die Schadenhöhe umso wahrscheinlicher, je größer der Schaden ausfällt. „Um nicht auf das Gutachten der Versicherung angewiesen zu sein, muss der Versicherte zulasten der Assekuranz einen eigenen Gutachter bestellen dürfen“ , sagt der Versicherungsberater Andreas Kutschera aus Mönchengladbach. Bereits bei mittelgroßen Schäden sollten die Kosten übernommen werden. Die Vema sieht hier die Grenze bei Schäden ab 5.000 Euro.
  4. Geht kaputt, was versichert ist, muss der Handwerker das versicherte Gut neu anschaffen. Doch in klassischen Verträgen wird oft nur der Zeitwert erstattet.

Branchenpolicen in der Analyse

Versicherungsexperte Johannes Brück hat für die drei Gewerke Bauschlosserei, Installationsbetrieb und Zimmerei das Vergleichstool Gewerbeversicherung24.de genutzt, um die besten Leistungen und Prämien für Handwerker zu ermitteln. Und er hat das von der Maklergenossenschaft germanBroker.net speziell für Bauhandwerker entwickelte Komplettpaket ‚BusinessLine‘ im Vergleich mit den besten Policen anderer Versicherer überprüft. Denn das Unternehmen behauptet: „Die Leistungen sind maßgeschneidert und bewegen sich auf hohem Niveau“ – wir wollten wissen, ob das so stimmt.

Ergebnisse der Betriebshaftpflicht

In der Betriebshaftpflicht ( BHV) dominiert BusinessLine deutlich. In insgesamt 29 Leistungspunkten ist sie klar besser, weil die anderen Assekuranzen diese Leistungen gar nicht erbringen. In 25 Punkten gibt es eine höhere Leistung, wenn Handwerker das Komplettpaket nutzen. Allein bei den Mängelbeseitigungskosten muss sich BusinessLine geschlagen geben. Hier sind die Versicherer Rhion.digital und HDI besser, weil sie ohne Einschränkung bis zur Versicherungssumme leisten. Bei der Produkthaftpflicht schwächelt das Konzept gegenüber der Inter-Versicherung.

Ergebnisse der Inhaltsversicherung

Erheblich weniger dominant ist BusinessLine bei der Inhaltsversicherung. Hier ist sie nur in drei Fällen deutlich besser als die zum Vergleich ausgewählten Policen. In 18 weiteren Leistungsbereichen bietet sie Mehrleistungen. Bei grob fahrlässiger Verletzung der vereinbarten Sicherheitseinrichtungen oder der vertraglichen Pflichten, schneidet die Police BusinessLine Plus deutlich schlechter ab als das Angebot des HDI. Und: Für den Schutz der Geschäftseinrichtung beim Zimmerer taucht derzeit gar kein Angebot von germanBroker.net auf. Lediglich drei Anbieter bieten dort Inhaltsversicherungen für Zimmerer. „Bei holzverarbeitenden Unternehmen wollen die Versicherer wegen des hohen Feuerrisikos wohl derzeit keine Leistungsausweitung für Maklerkonzepte“, schätzt Experte Brück.

Doch auch für Zimmerer gibt es guten Schutz. „Makler können die Vorteile des Betriebs, etwa umfassende Sicherheitseinrichtungen, gegenüber den Assekuranzen betonen“, erläutert Kutschera. Wichtig: Die Prämienspannen am Markt sind enorm hoch – vor allem in der Betriebshaftpflicht. Und: Das Deckungskonzept BusinessLine ist trotz deutlich besserer Leistungen preismäßig günstig.

Sagen, was man macht

Wichtig für den Versicherungsschutz ist, dass die Versicherung immer informiert wird, wenn der Handwerker Tätigkeiten anderer Gewerke ausführt. Andernfalls verweigert oder kürzt der Versicherer unter Umständen die Zahlung.

Schlosser Rosentritt ist bisher bei seinem Gewerk geblieben. Er reicht Zusatzaufgaben an einen Kollegen weiter. Trotzdem könnte der Schlossermeister mit seinem Versicherer vereinbaren, dass „versehentlich nicht genannte“ Tätigkeiten im Schadensfall in der Betriebs­haftpflicht versichert sind – so die vom Maklerdienstleister Bisure verhandelte Klausel. Die Versicherer andsafe, Dialog und Haftpflichtkasse akzeptieren diese Regelung in vollem Umfang.