Tarifvergleich Bürgschafts- und Kreditversicherungen: Was leisten diese Policen?

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Liquidität ist die Basis für jeden florierenden Handwerksbetrieb – nicht nur, aber ganz besonders in unsicheren Zeiten. Hierbei helfen Bürgschafts- und Kreditversicherung: Sie sichern die Zahlungsfähigkeit von Betrieben und sorgen so für Stabilität. Was diese Policen leisten und was nicht, inklusive Tarifvergleich.

Thomas Schulte, Henrich Baustoffzentrum in Siegburg
Thomas Schulte, Henrich Baustoffzentrum in Siegburg: „Ich nutze Warenkreditversicherungen, weil wir als Bauunternehmen von hohen Ausfallrisiken bedroht sind.“ – © Markus J. Feger

Das größte Risiko für einen Handwerks­betrieb ist die Bonität seiner Kunden: Können sie bezahlen, was sie beauftragen? Unternehmer können dies vielfach nur schwer einschätzen – unabhängig davon, ob die Kunden groß, klein, alteingesessen oder neu sind. Eine Pleite kann jeden treffen. Das gilt besonders in der Post-Corona-Zeit: „Viele Unternehmen in Deutschland sind ein regelrechtes Pulverfass. Über ihnen schwebt das Damoklesschwert einer Insolvenz“, warnt die Volkswirtin Chris­tiane von Berg vom Kreditversicherer Coface aus Mainz. Echte Zahlungssicherheit gebe es nicht mehr, denn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht hat viele Unternehmen am Leben erhalten, die nun, unter rechtlichen Normalbedingungen, in die Insolvenz geraten können.

Seit Mai 2021 ist der staatliche Corona- Insolvenzschutz ausgelaufen. Seither müssen Unternehmen wieder ihre Verschuldung und Zahlungsunfähigkeit melden. Durch den Schutz sank 2020 die Zahl der gemeldeten Insolvenzen. Für 2021 gibt es laut Coface ein gefährliches Potenzial an „versteckten“ Pleiten.

So geht Forderungsausfallschutz

Firmen, die sich vor Nichtzahlern schützen wollen, haben drei Möglichkeiten.

  • Erstens können sie den Kunden um Vorkasse bitten, gefährden damit aber möglicherweise den Auftrag.
  • Zweitens können sie ihre Forderungen an ein Factoring-Unternehmen verkaufen. Doch Factoring ist teuer. Derzeit schätzt Ulrich Bendel, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Finanzierung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), dass man für die Dienstleistung 6,5 bis 7,5 Prozent der verkauften Forderungssumme zahlen muss. „Bei Unternehmen mit vielen kleinteiligen Rechnungen wird es meist wegen der Handling-Kosten noch teurer.“
  • Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist die dritte Alternative überlegenswert: eine Kreditversicherung .

Die gängigste Variante ist die Warenkreditversicherung. Sie springt bei Forderungsausfällen von gewerblichen Abnehmern ein, die durch Insolvenz, Ausfall oder politische Risiken entstehen. Da die Versicherung die Bonität der Kunden im Vorfeld prüft und festlegt, bis zu welcher Rechnungshöhe sie in die Haftung geht, erkennen Handwerksunternehmer frühzeitig, wann ein Zahlungsausfall zu erwarten ist und sie besser das Geschäft gar nicht eingehen sollten.
Doch bisher liegt die Zahl der Unternehmen in Deutschland, die sich per Assekuranz absichern, bei einem Anteil von höchsten 25 Prozent. So eine Schätzung von Coface. Daher liefern viele Hand­werker munter Waren und Dienstleistungen – ohne jeden Schutz. „Mit einer Rechnung, die bis zu 180 Tagen nach der Ausstellung beglichen werden kann, stellen die Lieferanten ihren Kunden quasi einen Blankokredit zur Verfügung“, sagt Fabian Sarafin von der GFL Maklergesellschaft. Damit gingen sie unkalkulierbare Risiken ein.

Praxisfall Allrounder

Als Malermeister Ewald Klinkenborg diese Risiken bewusst wurden, steuerte er gegen: „Vor jedem Auftrag machen wir nun eine Bonitätsabfrage und prüfen das Limit, bis zu dessen Höhe die Assekuranz für Dienstleistungskredite geradesteht“, erläutert der Unternehmer aus dem ostfriesischen Bunde. Klingenborg arbeitet heute als Allrounder. „Hier auf dem Land muss man breit aufgestellt sein“, sagt er. Mit einer Belegschaft von 40 Mitarbeitern übernimmt er nicht nur Malerarbeiten und Autolackierungen, sondern auch Gerüstbau und Sanierungen.

Daher habe er auch eine „schillernde“ Kundschaft, in der er sich auch mal täusche: Sie komme seriös daher und erhalte vom Versicherer doch nur einen Schutz von 30.000 Euro oder weniger. Erst jüngst war Klinkenborg wieder froh, eine Warenkreditversicherung bei der R+V abgeschlossen zu haben: Einer seiner Gewerbekunden bekam von der Assekuranz eine Schutzzusage in Höhe von 50.000 Euro, nachdem die R+V geraten hatte, Abnahme und Rechnung über den Generalunternehmer laufen zu lassen. Tatsächlich wollten später weder der Bauherr noch der Generalunternehmer seine Rechnung bezahlen. Aufgrund einer Selbstbeteiligung von 20 Prozent übernahm die R+V 40.000 Euro von der Gesamthöhe von 64.000 Euro. „Ein wirklich tadelloser Service“, so Klinkenborg. „Das ist immer noch viel besser, als wenn wir keinen Cent erhalten hätten.“ Er ist sich sicher, dass sich seine Warenkreditversicherung bezahlt macht. Über die Kundenabfragen wisse er stets, auf was er sich einlasse. Klinkenborg: „Firmen können uns keinen Bären mehr aufbinden. Wir bekommen eine hohe Sicherheit.“ Echte Betrüger seien selten. Zumindest treffe er nur alle zehn Jahre auf einen.

Praxisfall Baustoffhandel

Skeptischer bezüglich der Seriosität von Kunden ist Thomas Schulte – auch er nutzt eine Warenkreditversicherung. Trotz voller Auftragsbücher seien Bauunternehmen – und so auch sein Baustoffhandel – weiter von überdurchschnittlich hohen Zahlungsausfallrisiken bedroht. Schulte arbeitet beim Henrich Baustoffzentrum in Siegburg. Der Familienbetrieb, der mit fast 400 Mitarbeitern an elf Standorten jegliche Art von Bauunternehmer beliefert, hat ein eigenes Kreditmanagementsystem entwickelt.

„Mit unserer Software, die eine automatisierte Abfrage bei Wirtschaftsauskunfteien und dem Kreditversicherer Atradius ermöglicht, können wir die Bonität von alten und neuen Kunden blitzschnell einschätzen“, erzählt Schulte, der die Kreditabteilung bei Henrich leitet. Teilweise würden gerade im Tiefbau die Kunden ­extrem lange Zahlungsziele verlangen, weil sie von der öffentlichen Hand oft sehr spät bezahlt würden. Trotzdem ist es Henrich in den letzten Jahren gelungen, die durchschnittliche Lieferkreditzeit von 42 auf 20 Tage zu reduzieren. „Wir sind auch nur noch bei schwierigen Fällen auf unseren Warenkreditversicherer angewiesen“, stellt Schulte klar. Doch ohne ihn möchte er auf keinen Fall arbeiten. „Wenn nichts passiert, ist das in gewissem Umfang ein Geldwechselgeschäft. Doch wenn ein Kunde in Schieflage gerät, sorgt der Warenkreditversicherer dafür, dass ich ruhiger schlafen kann“, so Schulte. Zudem verhelfe das zertifizierte Kreditmanagementsystem zu guten Konditionen bei der Assekuranz. Der Versicherungsumfang und die Kosten der Kreditversicherung ergeben sich aus der Größe des eigenen Unternehmens, der Qualität des Debitorenmanagements, Branchen- bzw. Marktbesonderheiten sowie durch das mit den Abnehmern verbundene Ausfallrisiko. Was Warenkreditversicherungen leisten und kosten, sehen Sie auf den Seiten 58/59.

Wirtschaftsdaten melden

Der Kreditversicherer überprüft die Bonität des Abnehmers und nutzt dazu diverse Quellen, wie Wirtschaftsauskunfteien, Bankauskünfte, Veröffentlichungen im Bundesanzeiger, eigene Auskünfte, eigene Zahlungserfahrungen und mehr. Doch vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass diese Prüfungen stattfinden und dass sie das Ergebnis positiv beeinflussen können. Daher weist Thomas Schulte seine Kunden vermehrt darauf hin, dass sie aktuelle Bilanzzahlen veröffentlichen sollten, um zu einer besseren Bonität und damit zu einem höheren Limit beim Warenkreditversicherer zu kommen. „Viele kleinere Bauhandwerker wissen nicht, wie wichtig es ist, dass man etwa Creditreform aktuelle und umfassende Bilanzzahlen zukommen lässt“, so Schulte. Er zeigt seinen Kunden auch, wie sie die Meldung an die Dienstleister korrekt durchführen, denn „das ist ein Win-win für beide Seiten“, findet er. So würde sich das Limit der Handwerker erhöhen, größere Lieferungen auf Zahlungsziel könnten vereinbart werden.

Tatsächlich ist die offene Kommunikation über den Geschäftsverlauf sinnvoll. „Liegen keine Daten vor, könnten Unternehmen trotz optimaler Geschäftslage ein schlechtes Rating erhalten“, warnt Kautionsversicherungsmakler Alfons-Maria Gracher aus Trier. Auskunfteien und Kreditversicherer seien eng mit-einander verwoben, wer eine gute Bonitätsbewertung haben möchte, müsse seine Zahlen offenlegen. Dazu gehöre auch ein Liquiditätsplan, er sei Voraussetzung für einen positiven Ausblick. „Tauschen Sie sich regelmäßig – wenigstens quartalsweise – mit Finanzierern und Kreditgebern aus“, rät Gracher. Falls etwa Inkassoaufträge gegen das eigene Unternehmen laufen und diese lediglich aus Mängelrügen resultieren, sollte dieses Detail sofort aktiv kommuniziert werden. Andernfalls gingen Auskunfteien und Kreditversicherer irrtümlich von einer Zahlungsunfähigkeit als Ursache aus.

Bürgschaftsvarianten

Handwerksunternehmen müssen immer häufiger für einen Großteil der vereinbarten Leistungen Bürgschaften stellen, um den Auftrag zu erhalten. Auftraggeber sichern sich über eine Vertragserfüllungsbürgschaft ab, dass die Bauleistung ordnungsgemäß erledigt wird. Andere stellen über eine Gewährleistungsbürgschaft sicher, dass Mängel beseitigt werden. Aktuell rückt vor allem die Anzahlungsbürgschaft in den Fokus: Vorleistungen für Bauaufträge werden angesichts steigender Rohstoffpreise teurer. Anzahlungen helfen, die Kosten zu stemmen. Viele Auftraggeber sichern ihre Anzahlungen durch eine Anzahlungsbürgschaft ab. Damit ergibt sich eine Win-win-Situation für beide Vertragspartner. Der Auftraggeber hat die Sicherheit, dass er seine Anzahlung im Fall der Nichterfüllung vom Bürgen zurückbekommt. Gleichzeitig entlastet die abge­sicherte Anzahlung den Handwerker.

Wer die Bürgschaften stellt

Anbieter für Bürgschaften sind Banken, Sparkassen und Versicherungen. Kreditinstitute stufen Bürgschaften als Darlehen ein und verlangen Sicherheiten. Gleichzeitig wird die Kreditlinie bei der Hausbank belastet. Daher werden Bürgschaften meist über eine Versicherung abgeschlossen. Die Vorteile: Es müssen deutlich geringere Sicherheiten gestellt werden und die Finanzierung des Handwerkbetriebs wird auf mehrere Beine gestellt. Versicherungsmakler Holger Schnittker aus Steinfeld wirbt mit weiteren Vorteilen für seine Branche: „Während bei einer Bank Extrakosten entstehen, sind bei einer Versicherungslösung sämtliche Kosten in der Jahres­prämie enthalten.“ Zudem sei die Abwicklung einer Bürgschaftsversicherung deutlich schneller, da umfangreiche Risikoprüfungen oftmals entfallen.

Der Tarifvergleich

Bürgschaften können heute vielfach online geordert werden, Konditionen lassen sich im Internet bequem vergleichen, etwa unter buergschaft24.de. Für handwerk magazin hat der Versicherungsmakler Ulf Papke aus Münster aus der Vergleichsdatenbank unterschiedliche Tarife für Einsteiger und etablierte Handwerksunternehmen ermittelt. Dabei wurde für Existenzgründer der maximal verfügbare Bürgschaftsrahmen von 50.000 Euro erhoben. Für Etablierte wählte er 150.000 Euro als Auswahlfaktor. In allen Fällen wurde ein „unbesicherter“ Bürgschaftsrahmen abgefragt. Die Auswertung zeigt: Die Prämien am Markt fallen unterschiedlich aus – ein Vergleich lohnt. Zudem arbeiten die Bürgschaftsversicherer nicht immer mit einer festen Prämientabelle (Tableau). Einige Anbieter ermitteln die Gebühr nach Bürgschaftsart und -höhe, Einzellimit und Bonität.
Der Vergleich kann auch über einen Kautionsmakler, wie Schnittker, erfolgen. „Wir suchen den optimalen Anbieter am Markt und zwar kostenfrei“, sagt er. Schnittker erhält dafür von den Assekuranzen eine Provision. Der Service könnte künftig wichtiger werden, denn Papke stellt am Markt eine erste Zurückhaltung bei der Vergabe von Bürgschaftsrahmen fest. Es würde intensiver geprüft, Neukunden müssten mit höheren Beiträgen rechnen. Papke rät größeren Handwerksbetrieben, sich frühzeitig über mehrere Anbieter für das Jahr einzudecken. Kautionsversicherungsmakler bieten bei der Warenkredit- und oder Bürgschaftsversicherung Beratung und Service und informieren zu Liquiditätskonzepten.