Schadstoffarm, waschbar und nachhaltig: Handwerksunternehmer Andreas Fickenscher aus Münchberg hat zusammen mit seinen Wissenschafts- und Industriepartnern eine textile Innovation in die Backstube geholt – und mit dieser smarten Backunterlage "BakeTex" einen Seifriz-Preis 2026 abgeräumt.


Andreas Fickenscher denkt gerne über den Tellerrand hinaus. „Wir wollen ein wettbewerbsfähiges Produkt auf den Markt bringen, das von Anfang an eine große Akzeptanz findet.“ Denn allein für seinen Handwerksbetrieb eine textile Backunterlage zu entwickeln ergäbe für den umtriebigen Unternehmer keinen Sinn. „Auch andere sollen daran partizipieren können“, wünscht sich Fickenscher.
Innovations-Trio aus Handwerk, Wissenschaft und Industrie
Nur wenige Minuten bevor der Bäcker- und Konditormeister aus dem fränkischen Münchberg, der in seinen zehn Filialen rund 115 Mitarbeiter beschäftigt, diese ambitionierten Sätze sagt, hat er zusammen mit seinem Wissenschaftspartner Prof. Dr. Frank Ficker vom Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK stolz die textile Backunterlage namens "BakeTex" in die Kamera gehalten. Direkt in der Backstube. Der Ort, an dem die Innovation ihre volle Kraft entfalten soll. Energiesparend, schadstoffarm und wiederverwendbar – kein Wunder, dass die textile Backunterlage samt Silikonbeschichtung schnell die Fachjury des renommierten Seifriz-Preises (siehe Infokasten) überzeugte.

Während der Award traditionell die Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Wissenschaft prämiert, handelt es sich bei diesem Siegerprojekt sogar um ein Innovations-Trio. Neben der Fickenscher Backhaus GmbH und dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK aus Münchberg brachte die Weberei Wilhelm Zuleeg GmbH aus Helmbrechts ihre Expertise in die alles in allem 854 Projektstunden ein. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf 333.300 Euro, knapp 35 Prozent davon gab es von der Bayerischen Forschungsstiftung als Zuschussbetrag. Man habe sich „optimal ergänzt“, freut sich Prof. Ficker. „Wir haben den ganzen wissenschaftlichen Bereich abgedeckt, auch wie man Fördermittel gewinnt.“ Mit der hohen Dynamik und der Antriebskraft der Bäckerei sei das eine wirklich gute Kombination gewesen.
Backunterlage "BakeTex" liefert die Antwort auf hohe Energiekosten
Das bereits als Patent angemeldete Siegerprojekt passt gut in die Zeit, in der Betriebsinhaber viel über die hohen Energiepreise klagen. „Leichtgewichtige und hitzebeständige Textilien haben das Potenzial, die Vorheiztemperaturen in den Backöfen zu senken und somit den Energieverbrauch zu reduzieren“, betont Prof. Ficker. „Mein Grundgedanke war: Je weniger Metall ich in den Ofen reinfahre, desto energieeffizienter kann ich backen“, blickt Fickenscher an den Anfang zurück.
Wobei wir direkt dabei wären, wie die Rollen zwischen Handwerksbetrieb, textilem Industriepartner und angewandter Forschungseinrichtung in der Projektlaufzeit von Mai 2021 bis April 2023 verteilt waren. Ideengeber Fickenscher brachte mit seinem Team das Know-how aus dem Lebensmittelhandwerk ein, sein Betrieb fungierte laut den Projektpartnern als „Best-Practice-Plattform für die Implementierung neuer Technologien im Handwerk“. Und die anderen beiden Player? Zuleeg steuerte die technische Fertigungskompetenz bei, das Fraunhofer TFK kümmerte sich um die wissenschaftliche Methodik und Materialforschung. Schließlich mussten im Projekt viele Fragen beantwortet werden: Welche Anforderungen gibt es im Bäckerhandwerk? Was ist der ideale Temperaturbereich? Welches Garn eignet sich? Wie gehen wir mit den Ergebnissen der ersten Tests, den Backversuchen um? Um nur ein paar zu nennen. Fickenscher: „Das war schon irgendwie ein Trial-and-Error-Prozess!“ Der Unternehmer begleitete die Testreihen in der eigenen Backstube, wertete die Backergebnisse aus und gab Feedback zu Material- und Prozessoptimierung.
Hintergrund: Das ist der "Seifriz"
Praktisches Können und wissenschaftliche Expertise: Der renommierte „Seifriz-Preis – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ wird unter der Federführung von Handwerk BW durch den Verein Technologietransfer Handwerk e. V. in Zusammenarbeit mit handwerk magazin vergeben. Partner des Preises sind die Holzmann Medien Gruppe sowie die Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen, die die Hauptpreise stiften. Der Sonderpreis wird von der IKK classic dotiert. Die Auszeichnung umfasst Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro sowie die Teilnahme am Branchenevent „Zukunft Handwerk“, das am 4. und 5. März 2026 in München stattgefunden hat.
Wer den energiegeladenen Chef des Traditions-Backhauses Ende Juni bei der Preisverleihung an seinem Münchberger Standort erlebt, bekommt eine Ahnung davon, wie viel Spaß ihm dieses Projekt gemacht haben muss. Fickenscher geht gerne neue Wege, sucht ständig nach guten Lösungen. „Sie sind ein Innovator und Innovationstreiber“, würdigt Reinhard Bauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken, den Preisträger in seiner Rede vor Ort. „Sie denken gerne über den Brotrand hinaus. Das zeichnet Ihren Betrieb aus.“
Betriebswirtschaftliche Vorteile der Backunterlage "BakeTex"
Dieses Über-den-Brotrand-hinaus-Denken versetzt Fickenscher jetzt in die Lage, seinen klassischen Backprozess mit einer textilen, ressourcenschonenden Lösung aufs nächste Level zu heben – und auch betriebswirtschaftlich davon zu profitieren. Zudem lässt sich die Backunterlage "BakeTex" optional mit intelligenten Zusatzfunktionen ausstatten, RFID sei Dank. Die Vorteile für den Handwerksbäcker und seine Kolleginnen und Kollegen klingen vielversprechend:

- Bei "BakeTex" gibt es kein PTFE, was umgangssprachlich oft mit Teflon gleichgesetzt wird. Ein großer Vorteil gegenüber beschichtetem Backpapier oder PTFE-haltigen Folien, die sich in vielen Backstuben finden. Denn wegen sogenannter Ewigkeitschemikalien steht PTFE in der Kritik.
- Reduktion der Energiekosten durch geringere Aufheiz- und Abkühlmassen (Einsparpotenzial von bis zu 37 Prozent).
- Wegfall von Einweg-Backpapier. Dadurch deutliche Materialkosteneinsparung und weniger Abfallentsorgungskosten.
- Erhöhte Prozesssicherheit durch digitale Rückverfolgbarkeit (RFID/QR). Bedeutet: weniger Ausschuss, weniger Fehlproduktionen.
- Bessere Hygienestandards und somit ein geringeres Risiko von Produktionsstillständen oder Beanstandungen.
- Verbesserte Arbeitgeberattraktivität durch gesündere, saubere Arbeitsumgebung und einfacheres Handling.
Doch Fickenscher ist gedanklich schon einen Schritt weiter. Er kann sich gut einen Transfer in weitere Branchen wie Gastronomie oder Großküchen vorstellen. Dadurch würden sich zusätzliche Wachstumsfelder und Lizenzumsätze ergeben, schrieb er in den Seifriz-Teilnahmebogen.

