In den Klimaschutz investieren Photovoltaik und Blockheizkraftwerk: So profitieren Handwerkschefs von Steuervorteilen und Förderungen

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Energieeffizienz, Fördermittel und Steuerstrategien

Die aktuell rasant steigenden Energiepreise motivieren Unternehmer, in nachhaltige Maßnahmen zu investieren. Sie profitieren von Steuervorteilen und Förderungen. Wie sich Handwerkschefs als Investoren und als Anbieter solcher Leistungen jetzt gut aufstellen.

Karin Hobler, Geschäftsleitungsmitglied und Umweltbeauftragte, und Markus Glöckner, Inhaber der gleichnamigen Firma Markus Glöckner Natursteine im saarländischen Neunkirchen.
Karin Hobler, Geschäftsleitungsmitglied und Umweltbeauftragte, und Markus Glöckner, Inhaber der gleichnamigen Firma Markus Glöckner Natursteine im saarländischen Neunkirchen. – © Angelika Klein

Altes erhalten – Neues gestalten: Das ist Leitgedanke der Firma Markus Glöckner Natursteine in Neunkirchen im Saarland. Nachhaltiges Wirtschaften steht ganz oben auf der Agenda. Das Unternehmen führt die goldene Zertifizierung EMAS, das Umweltmanagementsystem erster Güte. Firmen, die sich hierfür entschieden haben, arbeiten daran, energieeffizient zu wirtschaften und sich dabei stetig zu verbessern. Sie investieren viel Zeit und Geld, sich optimal aufzustellen. Externe Gutachter kommen ins Haus und kontrollieren, ob die im Umweltbericht gemachten Angaben korrekt und plausibel sind.

Aufwand hat sich gelohnt

„Der Aufwand für die Erstvalidierung war groß“, erklärt Handwerks­meister Markus Glöckner. Doch der hat sich gelohnt: „Zum einen wurden wir bei den EMAS-Awards in der Kategorie ‚Kleine Unternehmen‘ nominiert, worauf wir stolz sind. Zum anderen verbesserten wir unsere Abläufe und unsere Energieef­fizienz deutlich.

Außerdem haben wir unsere Verbräuche im Blick“, so Glöckner. Dabei hilft der Firma insbesondere das Energiebuch der Mittelstandsinitiative Energiewende. Bei Glöckner Natursteine sind die Energieaufwendungen – trotz kletternder Preise am Markt – über Jahre hinweg auch bei steigender Auslastung in etwa gleich geblieben. Das ist der Erfolg des Engagements. Das Unternehmen mit 22 Beschäftigten engagiert sich, weil es sich kommenden Generationen verpflichtet sieht. „Man darf nicht auf Kosten der Jüngeren leben“, erklärt Karin Hobler, Umweltbeauftragte und Mitglied der Unternehmensleitung.

Der Prozess geht daher laufend weiter. Ein neues Projekt steht kurz vor der Realisation. „Als Steinmetzbetrieb arbeiten wir viel mit Druckluft. Wir haben festgestellt, dass wir mit neuen Leitungen Energieverluste vermeiden können. In den nächsten Wochen und Monaten können sie installiert werden“, so Hobler. Die vorhandene Ringleitung aus Kunststoff wird durch Leitungen aus besserem Material ersetzt. Außerdem wurde das Gesamtkonzept verbessert. Der Kompressor ist künftig mit einem Entfeuchter und einem Kondenswasserabscheider ausgestattet. Die Investition beläuft sich insgesamt auf etwa 12.000 Euro netto.

Steuervorteile nutzen

Zukunftsorientierte Unternehmen legen, wie die Firma Naturstein Glöckner, großen Wert auf energetische Optimierung. Schließlich befinden sich die Energiepreise auf hohem Niveau und dies wird nach Einschätzung der EU-Kommission bis mindestens 2023 so bleiben – abgesehen von volatilen Schwankungen und unabhängig vom Krieg in der Ukraine, der seines dazu beiträgt. Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Banken als Kapitalgeber erwarten heute nachhaltiges Engagement von Darlehensnehmern, das ist ratingrelevant. Nicht zuletzt achten Kunden immer mehr darauf, dass sich ihr Handwerksbetrieb dem Klimawandel verpflichtet sieht. Handwerkschefs bleibt also gar nichts anderes übrig als zu investieren.

Das kann mit einem Umweltmanagementsystem beginnen wie bei der Firma Naturstein Glöckner. Mit EMAS – die Abkürzung steht für Eco-Management and Audit Scheme – sind Unternehmen in der Lage, intelligent Ressourcen einzusparen. Die zertifizierten Firmen sparen Kosten ein, alle Umweltaspekte im Unternehmen werden berücksichtigt. Das beginnt beim Energieverbrauch und endet beim Abfall. Firmen jeder Branche können mitmachen – seit nunmehr über 20 Jahren.

Die Zertifizierung ist aufwendig, aber es gibt Zuschüsse. Zum Beispiel können KMU einen Zuschuss für die Beratungskosten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA – www.bafa.de) beantragen, maximal sind es zwischen 1.500 und 3.200 Euro. Darüber hinaus haben zum Beispiel auch die Länder Förderungen im Programm, Details findet man unter www.emas.de. Und wer keinen Zuschuss erhält, kann die Aufwendungen steuerlich geltend machen – als Betriebsausgaben, wie bei jeder Investition.

Bei energetischen Maßnahmen geht es regelmäßig um hohe Beträge – wie man es beispielhaft am Unternehmen Natursteine Glöckner sehen kann. Dass der Staat mit Förderungen und Steuervorteilen unterstützt, kommt gut an, wären die Regeln nicht so kompliziert und bürokratisch.

Photovoltaik (PV) – Komplexe Regelungen

Das betrifft etwa Anlagen zur Stromoptimierung. Die Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage inklusive Zinsen für Kredit sowie die Reparatur- und Wartungskosten zählen bei Unternehmern als Betriebsausgaben, wenn die Anlage im Betriebsvermögen gehalten wird. Das dürfte im Handwerk die Regel sein. Die Abschreibungsfrist für solche Anlagen beträgt 20 Jahre. Kompliziert wird es mit der Umsatzsteuer: Handwerksunter­nehmer können entsprechend den Vorsteuerabzug aus den Anschaffungskosten wie üblich geltend machen. Der Eigenverbrauch aber ist als Einnahme steuerpflichtig, genauso wie die Vergütung des Anbieters, wenn Strom ins Netz eingespeist wird. Es fallen die üblichen 19 Prozent Umsatzsteuer an.

So läuft das auch bei der Firma Naturstein Glöckner. Auf dem Dach des Betriebsgebäudes wurde bereits 2007 eine Photovoltaikanlage installiert. „Wir speisen den Strom ins Netz und erhalten dafür eine Vergütung. Darüber haben wir die Anlage finanziert“, erklärt Hobler. Wenn die Kredite abbezahlt sind, will die Firma die Energie für den Betrieb selbst nutzen und so Stromkosten sparen. Die Firma erzeugt mehr Strom über die PV-Anlage, als der Betrieb insgesamt be­nötigt. Konkret: 19.798 Kilowattstunden (kWh) Produktion gegenüber 17.650 kWh Verbrauch allein im Jahr 2021.

Handwerksbetriebe, die wie Naturstein Glöckner nicht als Kleinunternehmer agieren, haben keine Möglichkeit, sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien zu lassen. „Auch wer als Einzelunternehmer zwei Photovoltaikanlagen hält – eine auf dem Privat-Haus und eine auf dem Dach des Firmengebäudes –, muss wissen, dass die Anlagen vom Finanzamt einheitlich gehandhabt werden“, betont Frederic Veit, Steuerberater der Kanzlei RTS Steuerberatungsgesellschaft in Stuttgart. Damit unterliegen beide PV-Anlagen der Umsatzsteuerpflicht – sowohl mit Blick auf den Vorsteuerabzug als auch auf Einnahmen und Eigenverbrauch.

Tipp: Das Landesamt für Steuern in Bayern hat in einer 50-seitigen Broschüre die Einzelheiten zusammengefasst, online zu finden unter Finanzamt Bayern.

BHKW –Praktisch für hohen Bedarf

Analog werden übrigens Blockheizkraftwerke (BHKW) steuerlich gehandhabt. Die meisten arbeiten aber mit fossilen Energieträgern wie Gas – deshalb sind sie im Zuge der aktuellen politischen Entwicklungen weniger gefragt, auch fallen hohe Ausgaben für die Anschaffung und Wartung an. Solche Blockheizkraftwerke können sich für Handwerksunternehmen dennoch lohnen, etwa für Bäcke­reien, Fleischereien oder Brauereien, die einen hohen Energiebedarf aufweisen. Die Flensburger Brauerei entschied sich 2013, mithilfe eines zinsgünstigen KfW-Kredits von einer Million Euro ein eigenes Blockheizkraftwerk zu installieren. Es liefert seither 410 kWh Strom pro Stunde und 550 kWh Abwärme, mit denen die Flaschenreinigungsanlage versorgt, das Brauwasser erwärmt und im Winter sogar die Heizung unterstützt wird.

Später kam die Sanierung und der Umbau einer Lagerhalle aus den 1980er- Jahren. „Wir mussten sie von Grund auf modernisieren, um daraus eine Produk­tionshalle zu machen. Das war aufwendig, auch weil wir uns im Rahmen einer Zertifizierung verpflichtet haben, ein Energiemanagement aufzubauen mit dem Ziel, die Energieeffizienz systematisch zu verbessern“, erklärt Volker Carstens, Energiebeauftragter der Flensburger Brauerei. „Wir dämmten das Dach und installierten eine moderne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung“, sagt Carstens. Im vergangenen Jahr wurden Förder­anträge für eine neue Beleuchtung und für eine energieeffiziente Drucklufterzeugung gestellt.

Kosten Amortisieren sich Schnell

Gute Erfahrungen hat auch die Bäckerei Lüttel in Lingen mit Blockheizkraft gemacht. Sie investierte schon vor 20 Jahren und produziert damit Wärme und Strom. „Jetzt mussten wir die Anlagen austauschen“, so Firmenchef Peter Lüttel. „Obwohl wir mit Elektroöfen arbeiten, verbrauchen wir nicht mehr externen Strom als ein Einfamilienhaus“, freut sich der Unternehmer. Er rechnet damit, dass die neuen BHKW sich innerhalb der nächsten vier Jahre amortisieren. „Wir haben allerdings schon lange Gas-Kontrakte zu guten Konditionen abgeschlossen“, erklärt der Handwerksunter­nehmer. Solche BHKW zählen als selbstständiges, bewegliches Wirschaftsgut. Deshalb ist es für den Fiskus egal, ob sie beim Neubau eingerichtet wurden oder erst nach Sanierung. Die Anschaffungskosten werden in der Regel über zehn Jahre linear abgeschrieben. Das betrifft aber nur jene, die bis 2016 ins Laufen kamen. Bei Neuanschaffung danach zählen sie zum Gebäude und sind mit zwei Prozent pro Jahr abzuschreiben.

Nun kommt es vor, dass mit dem BHKW auch die privaten Räume beheizt werden. Dann handelt es sich um Ein­nahmen für private Zwecke. Die Entnahme ist als Betriebseinnahme steuerpflichtig. Dafür wird ein Teilwert berechnet, der sich am Strompreis orientiert.

Handwerker und Privathaus: Steuerabzug für die Sanierung

Handwerker, die ihr privat genutztes Wohnhaus sanieren, nutzen Förderung nach Paragraf 35 c Einkommensteuergesetz. Das lohnt sich vor allem für Steuerzahler, die hohe Steuern zahlen. Die Förderung wird direkt von der Steuerschuld abgezogen.

Im Erstjahr, in dem die Maßnahme abgeschlossen wird:
7 % der Aufwendungen bis zur Höhe von 200.000 €
Maximale Förderung: 14.000 €

Im zweiten Jahr:
7 % der Aufwendungen
Maximale Förderung: 14.000 €

Im dritten Jahr:
6 % der Aufwendungen
Maximale Förderung: 12.000 €

Insgesamt ergibt sich ein Vorteil von maximal 40.000 € für ein Objekt, Material und Lohnkosten inklusive.

Komplexe Besteuerung

Die Besteuerung der BHKW ist sehr facettenreich. Daher haben die Behörden diverse Schreiben und Informationsblätter dazu veröffentlicht – zum Beispiel das Landesamt für Steuern Niedersachsen zu Fragen der Gewinnerzielungsabsicht bei kleinen PV-Anlagen und vergleichbaren BHKW. Das Bundesfinanzministerium veröffentlichte zum Thema ein Schreiben (Aktenzeichen IV C 6 – S 2240/19/10006 :006) sowie ein weiteres zur umsatzsteuerlichen Behandlung der PV- und der Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (Aktenzeichen IV D 2 – S 7124/12/10001-02). Interessenten sollten am besten mit einem Steuerberater zusammenarbeiten, der bei Fragen unterstützen kann.

Dass nicht jede Investition zum eigenen Unternehmen passt, haben die Geschäftsleitungsmitglieder der Glöckner Natursteine in der Vergangenheit schon des Öfteren festgestellt. Etwa haben sie gemeinsam überlegt, in Photothermie zu investieren, und sich bislang immer dagegen entschieden. Jährlich checken sie mit einem externen Umweltberater, was sich anbieten würde. Der aktuelle Fokus von Markus Glöckner: Er denkt über die Anschaffung eines E-Firmenwagens nach, Steuervorteile inklusive.

Handwerker mit Eigenheim: Wie Zuschüsse für die Sanierung wirken

Doppelförderungen sind ausgeschlossen. Deshalb müssen Bauherren rechnen, ob sie mit einer KfW-Förderung besser fahren als mit den Steuervorteilen für die Gebäude-sanierung. Im Detail sieht das so aus:

  • Wer eine KfW-Förderung bekommt, profitiert nicht von einem Steuervorteil. Nachdem im Januar die Programme für die Bausanierung gestoppt wurden, laufen sie nun wieder. Zusätzlich von Steuervorteilen zu profitieren, schließt sich aber aus.
  • Die neue Förderung: Neben der Komplettsanierung zum Effizienzhaus werden auch Einzel­maßnahmen gefördert wie etwa die Dämmung von Fassaden, von Dächern oder von Kellerdecken sowie neue Fenster und neue Heizungen.
    Die Förderbank gibt bis zu 50 Prozent Tilgungs-zuschuss für die Modernisierung und Sanierungszuschüsse bis zu 75.000 Euro je Wohneinheit.
  • Wichtig: Unterm Strich kann die Förderung besser sein als der Steuervorteil. Aber: „Wie lange es Geld für Sanierungsvorhaben gibt, ist unklar“, sagt Andreas Steinberger, Fördermittelexperte bei Ecovis in Dingolfing. Für das nächste Jahr plant Berlin eine grundlegende Neuausrichtung der Förderung. „Bei großer Nachfrage kann es vorher noch wie zuletzt Ende Januar einen Stopp geben“, so Steinberger. Finanzierungszusagen gibt es laut KfW nur, solange die Mittel von 9,5 Milliarden Euro nicht ausgeschöpft sind. Handwerksunternehmer können gegenüber Kunden mögliche Förderungen bei der Planung ansprechen.