Klares Votum der Branche UFH-Umfrage: Ergebnis zeigt beschleunigte Digitalisierung im Handwerk

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Digitalisierung, Frauen im Handwerk und Zukunftsperspektiven im Handwerk

Die Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) haben in ihrer jüngsten Online-Umfrage wissen wollen: Wie ist der Stand der Digitalisierung – welche Maßnahmen wurden bereits durchgeführt, wie sind die Erfahrungen und was sind die nächsten Schritte? Eines der Ergebnisse: Die Digitalisierung des Handwerks schreitet mit mächtigen Schritten voran.

UFH Umfrage Stand der Digitalisierung
Die Digitalisierung des Handwerks ist eine wichtige Markierung auf dem Weg in eine erfolgreiche Unternehmer-Zukunft. – © Michel Saß Kommunikationsgestaltung, Brand Design & Interieurfotografie – stock.adobe.com

Der Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) befragt regelmäßig seine Mitglieder – und jeden externen Betrieb, der teilnehmen mag – zu aktuellen Themen rundum Betrieb, Mitarbeiter, Fachkräftemangel, Führung, Finanzierung und mehr. Die Ergebnisse nutzen die UFH, um in der Politik und Verbänden die für das Handwerk relevanten Themen anzusprechen und mitzugestalten.

Umfrage: Corona und die Digitalisierung

Die erste Frage der Online-Befragung zielte auf Grundsätzliches: Haben die Betriebe die vergangenen zwei Corona-Jahre für die Digitalisierung des Betriebes genutzt? Fast alle Teilnehmer (92,3 Prozent) bejahten diese Frage. Nur drei von 39 Betrieben haben in dieser Zeit keine Digitalisierungsmaßnahmen ergriffen.

Aber: Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Betriebe nicht digitalisiert sind. Möglich ist auch, dass sie die Digitalisierung schon durchgeführt haben. Für diese Annahme sprechen die Antworten von Frage 5. Dort haben alle 39 Teilnehmer bestätigt, dass – und welchen Anteil vom Jahresgewinn – sie bereits in die Digitalisierung investiert haben.

Digitalisierung in allen Bereichen des Handwerks

Die zweite Frage ging dann schon tiefer ins Detail: „In welchen Bereichen haben Sie digitalisiert?“ Fast 60 Prozent (23 Betriebe) investierten in eine digitale Buchführung und 56 Prozent (22 Betriebe) digitalisierten ihre Auftragsabwicklung. Immerhin 19 Betriebe (49 Prozent) brachten ihre Homepage auf Vordermann.

Die Baustellenkommunikation wurde bei 16 Betrieben digitalisiert, die Kundenkommunikation bei 15 Betrieben und in Social Media investierten 14 Betriebe.

Nur 7 Betriebe haben in die digitale Kundenbindung investiert und 5 Betriebe bauten ihren Online-Shop auf oder aus.

Ergebnisse: In welchen Bereichen haben Sie digitalisiert?
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Corona beschleunigt die Digitalisierung

Ob die Betriebe die Digitalisierung auch ohne Corona im nun getätigten Umfang vorangetrieben hätten, war die dritte Frage: 82,1 Prozent der Teilnehmer (32 Betriebe) bejahten diese Frage. Nur 7 Betriebe verneinten. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass 3 von ihnen ohnehin keine Digitalisierungsmaßnahmen in der Corona-Zeit ergriffen haben.

Hätten Sie auch ohne Corona in diesem Umfang digitalisiert?
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Digitalisierung: Was die Maßnahmen bewirken

Die Frage vier beleuchteten die Wirkung der getroffenen Maßnahmen. 30 von 36 Betrieben, die die Digitalisierung vorangetrieben haben, verzeichnen positive Veränderungen im Betrieb. Sechs Betriebe konnten dieses nicht feststellen. Dafür kann es mehrere Gründe geben. So kann die Umsetzung beispielsweise gerade erst erfolgt sein, so dass noch keine Wirkung ersichtlich sein kann. Es kann auch sein, dass sich die neue Technik noch nicht etabliert hat – Mitarbeiter und/oder Geschäftsführung also noch nicht ausreichend vertraut mit den neuen Tools sind. Möglich wäre auch, dass nicht passende Maßnahmen ergriffen wurden.

Konnten Sie schon positive Veränderungen feststellen?
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Positive Wirkungen der Digitalisierung in den Betrieben

Bei der fünften Frage konnte dann frei geantwortet werden, was die Teilnehmer intensiv nutzten und erklärten, welche positiven Wirkungen sie festgestellt haben.
Genannt wurde beispielsweise, dass Online-Meetings und Seminare selbstverständlich geworden sind. Auch sei die Verwaltung nun viel schneller, ebenso wie der Zugriff auf Informationen. Ein Teilnehmer schrieb von insgesamt erleichterter Arbeit und Ablage sowie Zeitersparnis. Als weitere Vorteile wurde genannt, dass gebuchte Belege schneller gefunden werden und die Prozesse insgesamt deutlich effizienter gestaltet sind.
Gelobt wurde auch, dass die Buchhaltung nun weitgehend papierlos sei und dass bei der Auftragsabwicklung eine schnellere und bessere Nachkalkulation möglich sei.Tatsächlich wurden auch eine bessere Zahlungsmoral und effektivere Abläufe bei der Auftragsdurchführung festgestellt. Als positive wurde auch bewertet, dass es Fördermittel aus dem Förderprogramm „Digitalbonus“ gab. Der Zuschuss beträgt bis zu 10.000 Euro. Gefördert werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Der Bonus kann mehrmals für verschiedene Förderbereiche genutzt werden. Es wurde auch mehr Aufträge im Online-Shop verzeichnet und eine bessere Kundenbindung sowie Kundenakquise als positive Wirkung der Digitalisierung genannt. Einige Betriebe erhielten mehr Bewerbungsschreiben über ihre Homepage. Zudem sei nun die Kommunikation unter den Mitarbeitern deutlich besser und die Kontakte zu anderen Firmen erleichtert.

Digitalisierung: Was sie kostet

Investitionen kosten Geld: Die Unternehmerfrauen im Handwerk wollten wissen, welchen Anteil vom Jahresgewinn die Betriebe für die Digitalisierung verwendet haben. 19 Betriebe haben bis zu einem Prozent ihres Jahresgewinns für die die Digitalisierung verwendet. Zehn Betriebe haben zwischen 1,1 und zwei Prozent ihres Gewinns investiert. Und jeweils 5 Betriebe haben zwischen 2,1 und vier Prozent beziehungsweise mehr als 5 Prozent investiert.

Sind in diesem und dem kommenden Jahr weitere Investitionen in die Digitalisierung geplant?“ fragten die UFH weiter. Nur zehn Betriebe verneinten dies. 29 Betriebe wollen weiter investieren.

In welchen Segmenten die Digitalisierung stattfindet

Von diesen 29 Betrieben gab es dann auch Antworten auf die Frage 8: „In welchen Segmenten wird weiter investiert? Genannt wurde die generelle Überarbeitung der Datenablage und Organisation. Ein Investment in neue CAD Software, einen Online-Shop, Baustellenkommunikation und Datenmanagementsysteme. Auch Lagerwirtschaft, Online-Terminierung und neue Programme wie Plancraft, TopKontor und Hottgenroth/ETU-Planer, wurden genannt.

Ein Betrieb möchte zudem den KfW-Gründerkredit nutzen, um zwei neue Maschinen anzuschaffen. So könne im Schaltschrankbau digitalisiert werden, was den Betrieb im Wettbewerb weit nach vorne bringe.

Die Betriebe, die keine weiteren Maßnahmen ergreifen wollen, begründen dies so: „Für unseren Betrieb reicht es für die nächsten zwei Jahre. Dann organisieren wir die Betriebsübergabe.“ Ein anderer Umfrageteilnehmer verweist auf das große Arbeitsaufkommen, sodass keine Zeit für weitere Digitalisierungsschritte verfügbar sei. Genannt wurde aber auch, dass sich die getroffenen Maßnahmen erst festigen müssen. Ein Teilnehmer ist zufrieden mit den getroffenen Maßnahmen und ihrer Wirkung. Ein anderer sieht keine Notwendigkeit für eine weitere Digitalisierung.

Digitalisierung: Externe Berater – ja oder nein?

Spannend sind auch die Antworten auf die Frage, ob externe Beratungsleistung in Anspruch genommen wurde. 27 Betriebe verneinen dies, nur 12 Betriebe haben sich bei der Digitalisierung helfen lassen.

Haben Sie Beratungsleistungen in Anspruch genommen?
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Digitalisierung – nicht jeder kennt die Möglichkeiten

Bei der Frage, wo externe Beratung genutzt wurde, waren Mehrfachantworten möglich. Sechs Betriebe wandten sich an ihre Handwerkskammer. Drei Betriebe haben einen handwerklichen Fachverband genutzt. Und acht Betriebe haben andere Dienstleister in Anspruch genommen.
Von den 39 Umfrageteilnehmern wussten neun Betriebe nicht, dass es in fast allen Handwerkskammern und vielen Fachverbänden kostenfreie Beratungen im Bereich Digitalisierung für Handwerksbetriebe gibt.

Das Cyberrisiko absichern

Wer digitalisiert ist potenziellen Cyberrisiken ausgesetzt. Die UFH wollten wissen: Haben Sie im Zuge Ihrer Digitalisierungsmaßnahmen auch an Cyberkriminalität gedacht – und wie gehen sie damit um? Die Antworten: 29 Betriebe haben Virenschutzprogramme installiert. 18 Betriebe haben ihre Mitarbeiter sensibilisiert und geschult. 17 Betrieben haben einen IT-Fachmann mit dem Schutz beauftragt. Immerhin fünf Betriebe haben eine Cyber-Versicherung abgeschlossen und vier Betriebe ignorieren das Risiko.

Haben Sie im Zuge Ihrer Digitalisierungsmaßnahmen auch an Cyberkriminalität gedacht?
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