Kreislaufwirtschaft Nachhaltiges Bauen: So sieht das energieeffiziente Zalando-Headquarter in Berlin aus

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Als Zalando im Jahr 2016 die Pläne für den neuen Hauptsitz anfertigen ließ, standen Beton und Stahl noch nicht zur Diskussion – im Gegensatz zu heute. Dennoch ist dem Online-Shopping-Portal ein energieeffizienter Bau gelungen, bei dem auch die zunehmend wichtige Kreislaufwirtschaft eine Rolle spielt.

Zalandos neues Hauptquartier in Berlin-Friedrichshain.
Das neue Zalando-Hauptquartier in Berlin-Friedrichshain. – © HG Esch

Das neue Headquarter von Online-Mode-Anbieter Zalando im Berliner Viertel Friedrichshain ist ganz im Sinn von New Work gestaltet. Das Atrium, das sich im Hauptgebäude über alle sieben Stockwerke ausdehnt, soll für reichlich Begegnung sorgen – zwischen den 6.000 Mitarbeitern am Standort, aber auch mit Besuchern. „Der Nachhaltigkeitsaspekt hat auch eine soziale Komponente“, erklärte Raimund Paetzmann, VP Corporate Real Estate bei Zalando, neulich in einer Diskussion auf der Plattform Builtworld.com. „Wie fügt sich das Gebäude in den urbanen Kontext ein? Was gibt es der Stadt zurück?“

So lädt Zalando im Erdgeschoss in einen öffentlich zugänglicher Bereich ein, zum Schlendern, Informieren und Kaffeetrinken. In der Bauweise äußert sich die Nähe zu Berlin über Elemente wie minimalistische Glasfassaden, Betonsäulen oder schlichte Holztreppen: Sie sollen die offene und kreative Berliner Heimat widerspiegeln und für eine Wohlfühlatmosphäre sorgen. Die Planung des Baus lag beim Architekturbüro Henn in Berlin.

Nachhaltiges Bauen erfordert mehr Planung

Im neuen Gewerbegebäude ist zwar viel Holz verbaut, dennoch ist es kein Holzhybridbau. Diese Möglichkeit stand 2016, als der Bau geplant wurde, noch nicht im Vordergrund, wie Paetzmann erläutert: „In den vergangenen drei bis vier Jahren hat sich sehr viel getan.“ Zum Beispiel waren damals Materialien wie Stahl und Beton noch nicht so unter Beschuss geraten wie das heute der Fall ist. „Wenn wir das Gebäude heute nochmal bauen würden, würden wir vermutlich einiges anders machen“, gesteht der Zalando-Manager. Dazu zählt zum Beispiel auch die CO2-Neutralität zu überprüfen, auch wenn dies ein Mehr an Planungsaufwand bedeutet hätte, so Paetzmann.

Ein Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit (DNGB) hat sich Zalando gesichert. So wurde durch eine materialökologische Betreuung wurde ein nachweislich schadstoffarmes Bauprojekt realisiert. Die großflächige Dachbegrünung trägt zu Regenwasserretention und besserem Mikroklima bei. Um den lokalen Wasserkreislauf und Berlins Klimaanpassungsstrategie zu unterstützen, wurde eine Rigolenversickerung umgesetzt. Mit diesen Maßnahmen setzen die Projektbeteiligten mehr auf passive Strategie, um Energie zu sparen.

Ins Atrium dringt außerdem viel natürliches Tageslicht ein, was die künstliche Beleuchtung unterstütz. In  Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Porr entwickelte der italienische Leuchtenhersteller Performance in Lighting für die Lobby ein Lichtkonzept, das mit 300 Lux deutlich heller ist, als die Norm empfiehlt. Dadurch soll die Aufenthaltsqualität im Foyer steigen.

Auch Ansätze der Kreislaufwirtschaft sind als ein wichtiger Bestandteil des DGNB-Systems berücksichtigt, urteilt Antje Holdefleiss, Senior Consultant bei Porr und Auditorin des Projekts. „Wenn wir über nachhaltiges Bauen reden, reden wir auch immer über Kreislaufwirtschaft“, sagt die Auditorin. „In Zukunft müssen Stoffkreisläufe noch viel mehr Beachtung finden.“ So wurden über die Methode Building Information Modeling (BIM) einzelne Bauteile verbaut und gleichzeitig in einen Materialpass übertragen.