Öko-Vermögensaufbau Grüne Indexfonds: So erkennen Sie wirklich nachhaltige ETF

Zugehörige Themenseiten:
Altersvorsorge, Geldanlage, Nachhaltigkeit und Vermögensaufbau

Klimawandel, Ressourcenknappheit, Lieferengpässe – für viele ein Anlass, nachhaltiger zu leben, zu konsumieren und zu ­investieren. Wählen Anleger dafür einen grünen Indexfonds, bekommen sie jedoch oft viel weniger „Öko“, als sie meinen. Mit diesen Tipps landen sicher nur wirklich nachhaltige Fonds in einem Handwerker-Depot.

Der Index verrät, wie nachhaltig ein ETF ist. – © c_kurapy – stock.adobe.com

Rund 43 Prozent der deutschen Bevölkerung – also über 30 Millionen Menschen – besitzen investierbares Vermögen. Unter ihnen sind 27 Prozent „Öko-Investoren“, so Zahlen von YouGov, einem börsennotierten britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut, das international tätig ist. Öko-Investoren bezeichnen sich selbst als Umweltschützer, suchen aber auch nach gewinnbringenden Wegen, zu investieren. Denen gegenüber stehen die „Öko-Sparer“, die sich auch für Umweltschützer halten, jedoch nicht aktiv gewinnbringend investieren. Dies trifft auf 22 Prozent der Deutschen mit investierbarem Vermögen zu. Das bedeutet: Fast jeder Zweite möchte sein Geld in nachhaltige Produkte investieren.

Nachhaltige Geldanlage: enorm großes Wachstum

Als passendes Anlageinstrument gelten Indexfonds, Exchange Traded Funds. Oder kurz: ETF. Sie sind transparent, risikostreuend und günstig. Das Vermögen der Anleger steckt konstant in den Werten, die der zugrunde liegende Index vorgibt. Wer also einen ETF auf den DAX kauft, hat immer alle DAX-Werte in seiner Kapitalanlage. Es gibt keinen Fondsmanager, der für den Fonds handelt – und so Kosten verursacht.

+117 Prozent Wachstum bei Privatinvestitionen in nachhaltige Fonds. Private Investoren waren im Jahr 2020 Treiber des Wachstums in diesem Segment.


Rund 400 nachhaltige Indexfonds listet aktuell die Plattform justetf.com auf. Und der Marktbericht 2021 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) beziffert das Wachstum bei den Privatinvestitionen in diese Anlage für 2020 mit 117 Prozent.
Investoren sind offensichtlich bereit, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Damit sie dieses Anlageziel jedoch auch erreichen, ist ein genauer Blick auf die zugrunde liegenden Indizes wichtig. Denn diese sind sehr unterschiedlich. So reichen sie beispielsweise von „ESG“ (ökologisch, sozial, Governance) über „ESG Screened“ und „Sustainability Screened“ bis hin zu „Low Carbon Select“ und „Climate Paris Aligned“.

Zur Erklärung: Screened bedeutet, dass die Unternehmen, die in einem Index stecken, nach den Nachhaltigkeitskriterien untersucht und bei fehlender Berücksichtigung herausgefiltert werden. Aligned bedeutet angelehnt, der ETF orientiert sich also an den Klimazielen, die die EU in Paris verabschiedet hat. Neben diesen normen- und wertbasierten Screenings gibt es weitere nachhaltige Anlagestrategien, beispielsweise den Ausschluss bestimmter Branchen (Waffen, Chemie, Pornografie), den Best-in-Class-Ansatz, Investitionen in nachhaltige Themen, Engagement, Impact Investment und ESG-Integration.

ETF: Warum der Index wichtig ist

Anhand eines Vergleichs erklärt Andreas Enke, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG in Hamburg, warum es wichtig ist, auf den Index zu schauen: „Ich analysiere die vergleichbaren Indizes MSCI Europe ESG Screened und MSCI Europe SRI, was für Socially Responsible Investing steht – sozial verantwortliches Investieren. Für beide Indizes gibt es einen ETF des Anbieters iShares.“ Der zugrunde liegende Index ist also der MSCI Europe, über den der Anbieter den Filter „ESG Screened“ legt. Ausgeschlossen werden so beispielsweise Kraftwerkskohle und Ölsande mit Umsatzgrenzen von maximal fünf Prozent. Außerdem Unternehmen, die die UN-Global-Compact-Prinzipien verletzen. Die Folge: fast keine. Denn die 19 am stärksten gewichteten Firmen im ESG-Index entsprechen den Aktien im klassischen MSCI Europe.

+ 69 Prozent Wachstum der nachhaltigen Fonds – verantwortlich hierfür sind enorme Mittelzuflüsse im Jahr 2020.

Ausschlüsse gibt es erst zwischen den Rängen 20 und 30. Ab da sind BAT, Royal Dutch und Airbus nicht mehr ­dabei. Insgesamt befinden sich 457 Unternehmen im klassischen Index – und 438 davon auch im ESG-ETF. Es ist kaum anzunehmen, dass mehr als 95 Prozent der Unternehmen nachhaltig sind“, so Enke.

Sein Fazit: Ein ETF mit wenigen Ausschlusskriterien und ohne Best-in-Class-Ansatz ist keine sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategie.

6,4 Prozent betrug der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate 2020 am deutschen Gesamtfonsmarkt.


Nun der Blick auf den MSCI Europe SRI Select Index. Er wendet auf die 457 Unternehmen im Index den Best-in-Class-Ansatz an. Das bedeutet: Innerhalb jeder Branche werden die Unternehmen ausgewählt, die die SRI-Kriterien am besten berücksichtigen. „Zusätzlich werden Unternehmen ausgeschlossen, die in Branchen wie umstrittene Waffen, Atomwaffen, Tabak, zivile Schusswaffen, konventionelle Waffen, Alkohol, Glücksspiel, Erwachsenenunterhaltung, Atomkraft und genetisch veränderte Organismen tätig sind“, erklärt Enke. Darüber hinaus wird auch die Geschäftspraxis der Unternehmen bewertet. „Der Index filtert nach Mindestanforderungen an das ESG-Rating, sodass kontroverse Geschäftspraktiken berücksichtigt werden. Beides reduziert die Anzahl der Unternehmen im SRI-ETF von 457 auf 143“, so Enke. Umstrittene Konzerne wie Nestlé, die im ESG-ETF enthalten sind, haben im SRI-ETF keinen Platz.

Nachhaltigkeit: Keine Renditeeinbußen für Anleger

Übrigens: „Für die Rendite war diese Konzentration auf nachhaltige Unternehmen kein Schaden“, sagt Enke. Ganz im Gegenteil: In knapp zehn Jahren bis Ende Mai 2021 erzielt der MSCI Europa SRI-ETF des Anbieters iShares insgesamt eine kumulierte Rendite von 139 Prozent. Der klassische Europa-ETF bracht es lediglich auf 93 Prozent. „Das macht eine jährliche Rendite von gut neun Prozent, im Vergleich zu sieben Prozent für die Variante ohne Nachhaltigkeitskriterien“, erklärt
Andreas Enke.

71 Prozent der von YouGov Befragten rechneten für 2021 mit einem Wachstum bei den nachhaltigen Geldanlagen von über 15 Prozent.


Fazit: Wer mit seiner Kapitalanlage eine ökologische oder soziale Verbesserung fördern möchte, kann sich nicht allein auf den Namen seines Zielinvestments verlassen. Stattdessen sollten sich Investoren die Anlageschwerpunkte ansehen. Sie beschreiben, welche Nachhaltigkeitskriterien tatsächlich angewandt werden. Und dabei gilt: Je strenger und umfangreicher sie sind, desto sicherer kann ein Kapitalanleger sein, tatsächlich nachhaltig zu investieren.

ETF-Empfehlungen: Diese Fonds sind nachweislich grün

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) vergibt ein Siegel für nachweislich nachhaltige Fonds. Bei den ETF ist bisher nur ein Fonds der Banque National de Paris (BNP) ausgezeichnet worden. Finanztip.de prüft ebenfalls nach Nachhaltigkeitskriterien und empfiehlt drei weitere ETF.

Name/ISINFondsvolumenlaufende KostenRendite (<ac3 Jahre)Anmerkungen
UBS MSCI World SRI UCITS ETF/
LU0629459743
3,2 Milliarden Euro0,22 Prozent51,11 ProzentNachhaltiger ETF auf den Weltaktienindex von MSCI, Ausschluss kontroverser Branchen; mit rund 370 Aktien breite Streuung; im Sparplan erhältlich bei ING, Consorsbank, Comdirect, DKB, Scalable Capital und Smartbroker; Empfehlung von finanztip.de
UBS MSCI World SRI UCITS ETF/ LU0950674332797 Millionen Euro0,22 Prozent45,99 ProzentNachhaltiger ETF auf den Weltaktienindex von MSCI; Ausschluss kontroverser Branchen; mit rund 370 Aktien breite Streuung; legt Dividenden wieder an; im Sparplan erhältlich bei DKB und Scalable Capital; Empfehlung von finanztip.de
iShares DJ Global Sustainability UCITS/
IE00B57X3V84
671 Millionen Euro0,60 Prozent43,22 ProzentNachhaltiger ETF auf den Weltaktienindex von Dow Jones; Schwellenländer inbegriffen; Ausschluss kontroverser Branchen; mit rund 600 Aktien breite Streuung; im Sparplan erhältlich bei ING, Comdirect, Consorsbank, DKB, Scalable Capital, Smartbroker und Trade Republic; Empfehlung von finanztip.de
BNP Paribas Easy MSCI World UCITS ETF/ LU129110864228 Millionen Euro0,25 Prozent56,67 ProzentErster ETF mit FNG-Siegel; globale Aktienmärkte; ausschließlich Unternehmen, die im Vergleich mit der Konkurrenz aus ihrem Sektor über ein hohes Rating in den Bereichen Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung (ESG) verfügen.