Investment Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage: Wichtige Begriffe und Definitionen im Überblick

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Seit dem 2. August müssen Anlageberater im Gespräch mit ihren Kunden klären, ob und in welchem Umfang diese bereit sind, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlageentscheidung einfließen zu lassen. Bei der Beratung fallen immer wieder Begriffe, die nicht selbsterklärend sind. Hier ist der Überblick: Dieses sind die wichtigsten Fachausdrücke rund um die nachhaltige Geldanlage.

Sorgsam ausgewählte, nachhaltige Investments helfen beim Vermögensaufbau und beim Schutz der Erde. – © Bits and Splits – stock.adobe.com

Die Bundesregierung möchte, dass mit dem Geld privater Anleger vermehrt Technologien und Unternehmen finanziert werden, die dem Schutz des Klimas dienen. Deshalb müssen die Anlageberater in Banken und im freien Markt nun gezielt bei ihren Kunden erfragen, ob sie bereit sind, einen Mindestanteil ihres Depots in geprüft nachhaltige Anlagen fließen zu lassen. Welche Produkte dafür infrage kommen, definiert das ESG-Zielmarktkonzept. Es ist ein Mindeststandard für nachhaltige Kapitalanlagen.

Die Offenlegungsverordnung

Diese EU-Offenlegungsverordnung (auch Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) genannt) ist ein Transparenzgebot – sie schreibt keine bestimmten Nachhaltigkeitskriterien für Anlageprodukte vor. Sie besagt eigentlich nur, dass Anbieter von Finanzprodukten ihre Strategien im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken offenlegen müssen.

Die EU-Taxonomie

Die EU-Taxonomie definiert Kriterien für Klima- und Umweltschutzaktivitäten von Unternehmen. Seit Januar 2022 gelten diese Kriterien bezüglich der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung an seine Auswirkungen. Ab Januar 2023 werden weitere Umweltschutzaspekte gültig.

ESG – drei Buchstaben, die zusammen die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bestimmen

  • E steht für Environment, also Umwelt. Konkret sind beispielsweise Umweltschutzmaßnahmen, Abfallmanagement und der Schutz natürlicher Ressourcen.

  • S steht für social, also soziale Aspekte. Konkret sind diese beispielsweise Diversität der Belegschaft und der Führungskräfte, faires Personalmanagement, wie gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, und der Gesundheits- und Sicherheitsschutz von Mitarbeitern.

  • G steht für Governance, also Unternehmensführung. Konkret sind dies beispielsweise Maßnahmen zur Transparenz im Unternehmen, gegen Bestechung und Korruption und ein passendes Risikomanagement, um den Bestand des Betriebes zu schützen.

Hellgrüne Artikel-8-Fonds

Laut der jüngsten Markterhebung des Forums Nachhaltige Geldanlage, sind 93 Prozent der nachhaltigen Publikumsfonds 2021 als Artikel-8-Fonds eingestuft. Die Anforderungen an diese Fonds sind entsprechend gering: Werden sie mit bestimmten Nachhaltigkeitseigenschaften beim Kapitalanleger beworben, so müssen diese Eigenschaften schon im Vorfeld in den vorvertraglichen Informationen transparent dargestellt und im Jahresbericht dargelegt werden. Diese Fonds berücksichtigen also nachhaltige Aspekte, doch sind diese nicht das Hauptziel des Fondsmanagements.

Einige Artikel-8-Fonds stehen im Verdacht des Greenwashings. Sie sind also nicht wirklich nachhaltig investiert, lassen dies den Anleger aber glauben. Deshalb wird derzeit in der EU daran gearbeitet, diese Verordnung nachzuschärfen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat im vergangenen Jahr versucht, eine eigene Richtlinie für nachhaltige Investmentvermögen zu erarbeiten, um das Greenwashing zu vermeiden. Nach großen Protesten aus der Branche wurde der ausgearbeitete Vorschlag zurückgezogen.Trotzdem will die BaFin bei der Genehmigung neuer Fonds künftig wesentliche Inhalte des Entwurfs berücksichtigen.

Dunkelgrüne Artikel-9-Fonds

Bei den Artikel-9-Fonds werden zwar auch bestimmte Nachhaltigkeitseigenschaften bei den Zielinvestments der Fonds versprochen. Doch diese Fonds wollen mehr: Sie verfolgen explizite Klimaziele, verpflichten sich also zu einem definierten nachhaltigkeitsbezogenen Anlageziel.

Keine Kontrolle über die Einordnung der Fonds

Anleger sollten wissen, dass die Fondsanbieter selber festlegen, so sie ihren Fonds als Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds kategorisieren. Und es gibt keine externe Kontrolle über die gemachte Einstufung der Fonds.

PAIs: Indikatoren für die Nachhaltigkeit

PAIs steht für Principal Adverse Impacts on sustainability. Sie sind also Indikatoren, die anzeigen, inwieweit die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens negativ auf die Nachhaltigkeit wirkt. Im Rahmen der EU-Offenlegungsverordnung wurden 18 verpflichtende Leistungskennzahlen aus den Bereichen Umwelt (13) und Soziales (5) sowie 46 weitere freiwillige, vordefinierte ESG-Indikatoren definiert, die nachteilig auf Umwelt und Gesellschaft wirken. Zu den Indikatoren gehören beispielsweise die Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz, Biodiversität, Wasser, Abfall, Soziales und Mitarbeiter, Menschenrechte und Korruption.

© Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)

Der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen

Rund 560 Milliarden Euro haben deutsche Kapitalanleger in nachhaltige Fonds investiert, meldet der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Weitere Branchenzahlen liefert das Forum nachhaltige Geldanlage in seinem Marktbericht für 2022: Rund 16,7 Prozent beträgt der Anteil nachhaltiger Publikumsfonds am Gesamtmarkt – die Anzahl dieser Fonds wuchs in den Vergangenen 15 Jahren um 130 Prozent. Und das Investitionsvolumen in nachhaltige Fonds hat sich seit 2019 verdreifacht.

In nachhaltigen Fonds können folgende Strategien verfolgt werden:

  • Ausschlüsse (Waffen, Atomenergie, Pornografie, …)

  • norm- und wertbasiertes Screening

  • positiv-/Negativ-Scoring

  • Best-in-class

  • Investitionen in nachhaltige Themen (Wind- und Wasserkraft, Solar, …)

  • Engagement

  • ESG-Integration