Holzmosaike für Instrumente Holzmosaike für Gitarren und Geigen: Wie Oliver Rost ein seltenes Handwerk am Leben hält

In Macken im Hunsrück fertigt Oliver Rost in Handarbeit filigrane Holzmosaike – weltweit verbaut in Gitarren, Geigen und Harmonikas. In Deutschland ist er damit wohl der Letzte seiner Art. Warum er trotzdem klein bleiben will und was seine Arbeit so besonders macht.

Zu den Kunden von Holzmosaik-Hersteller Oliver Rost gehören sowohl kleine Gitarrenbauer als auch größere Instrumentenhersteller.
Zu den Kunden von Oliver Rost gehören sowohl kleine Gitarrenbauer als auch größere Instrumentenhersteller. - © Tim Wegner

„Ich bin froh, dass ich das Pensum allein schaffe“, sagt Oliver Rost. Der 43-Jährige betreibt in Macken, einem kleinen Ort im Hunsrück, einen Betrieb mit internationalem Ruf – und bleibt dabei ganz bodenständig. Seit 2016 führt er die Rost Holzmosaike GmbH, die seine Eltern 1980 im Nebenerwerb übernommen hatten. Er machte daraus einen Vollzeitbetrieb – und ein Unikat.

Ein Handwerk ohne Ausbildung – und ohne Nachfolger?

Denn: Das, was Oliver Rost tut, gibt es kaum noch. In Deutschland kennt er keinen weiteren Betrieb, der Holzmosaike in dieser Form hauptberuflich herstellt. „Ich habe mal gehört, dass es im Rahmen der Zupf- oder Streichinstrumentenbauer-Ausbildung als theoretischer Teil vorkommt – aber einen Ausbildungsberuf dafür gibt es nicht.

Gelernt hat er das Handwerk durch Jahrzehnte voller Learning by Doing, wie er selbst sagt – als Jugendlicher in der Werkstatt seiner Eltern, später neben seinem Beruf, schließlich ganz. Seine berufliche Ausbildung führte ihn zunächst ganz woanders hin: Industriekaufmann, später Studium der Sozialwissenschaften, dann Arbeit im Bildungsbereich. „Aber am Ende war es das Handwerk, das mir das befriedigendste Gefühl gegeben hat – weil ich sehe, was ich gemacht habe.“

Holzmosaike für Gitarren, Geigen, Harmonikas

Rosts Kunden kommen aus der ganzen Welt: USA, Kanada, Südamerika, Australien, Asien und ganz Europa. Geliefert wird nur die Einlage, nicht das Instrument. Die meisten Abnehmer sind Instrumentenbauer – vom Einzelbetrieb bis zum Serienhersteller. Auch Möbelrestaurateure oder Schlagzeugbauer nutzen seine Produkte gelegentlich. Und: In Gitarren der Rolling Stones und ZZ Top sind seine Einlagen bereits verbaut.

Seine Herstellung ist reine Handarbeit. Vom Färben der Furniere bis zum finalen Zuschnitt entsteht alles in der eigenen Werkstatt – direkt neben dem Wohnhaus. Gearbeitet wird in Blöcken: Verleimte Farbschichten werden aufgesägt und zu Streifen oder Ringen verarbeitet. Diese sogenannten Schallochrosetten oder Randverzierungen werden anschließend von den Instrumentenbauern verbaut.

Die Herstellung der Holzmosaike ist Handarbeit durch und durch.
Die Herstellung der Holzmosaike ist Handarbeit durch und durch. - © Tim Wegner

Holzmosaike als Sonderanfertigungen

Sein Sortiment besteht aus verschiedenen Produktgruppen: Schallochringe, Furnier- und Mosaikstreifen sowie Einlagen für Akkordeons. Darüber hinaus fertigt er auch Sonderwünsche – zum Beispiel für die Restaurierung alter Nähmaschinentische. Grundlage für eine Sonderanfertigung ist ein eigenes Design und die Abnahme eines ganzen Blocks. „Ich arbeite nicht stückweise – das wäre zu aufwendig.“

Preislich beginnt ein einfacher Mosaikstreifen bei etwa 50 Cent, ein aufwendig gearbeiteter Ring kann bis zu 40 Euro kosten. Die Abnehmer sind bereit, das zu zahlen. Denn das, was Rost liefert, ist nicht nur selten – sondern von hoher Qualität und mit Liebe zum Detail gefertigt.

Bewusst klein – mit Blick auf später

Wachsen will Rost nicht. „Ich genieße es, dass ich alles selbst mache und den Überblick behalte.“ Natürlich weiß er, dass sein Wissen irgendwann weitergegeben werden sollte. „Dann mache ich das auch gerne. Aber noch ist dieser Punkt nicht erreicht.“ Die Nachfrage kann er gut allein bewältigen. Und wenn mal Engpässe auftreten, hilft sein Vater gelegentlich aus.

Oliver Rost bewahrt nicht nur ein seltenes Handwerk – er führt es in die Zukunft. Ohne Wachstum, aber mit Klarheit, Qualität und dem festen Vorsatz, irgendwann sein Wissen weiterzugeben. Bis dahin bleibt er: der Mann für die feinen Linien in Gitarren und Geigen.

Oliver Rost ist einer der letzten seiner Art.
Oliver Rost ist einer der Letzten seiner Art. - © Tim Wegner
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