Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Statt Ideologie bei Staat und Medien brauchen wir Tempo und Tatendrang

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Neues von der Werkbank – Kolumne von Ruth Baumann, Social Media und Zukunftsperspektiven im Handwerk

Am 23. Januar beginnt im chinesischen Horoskop das Jahr des Wasser-Hasen. Geschwindigkeit, das Streben nach Langlebigkeit, Stolz, der auch in Arroganz münden kann, Frieden und Wohlstand, aber auch die Angst vor Veränderungen spricht man diesem Jahr zu. Doch was wünscht sich eigentlich das Handwerk und seine Betriebe von 2023? Kolumnistin Ruth Baumann, Präsidentin der Unternehmerfrauen im Handwerk (ufh) Baden-Württemberg, skizziert die aktuelle Lage mit all ihren Herausforderungen und erklärt, was es jetzt braucht.

Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg
Ruth Baumann Landesvorsitzende ufh Baden-Württemberg. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. – © privat

Schnelle Genehmigungsverfahren, schnelle Entscheidungen und schnelles Internet – an diesen drei hehren Zielen arbeitet man sich schon seit Jahren ab. Die Geduld ist nahezu erschöpft, jetzt muss auch mal geliefert werden. Wer noch mit dem Telefax arbeitet, sollte nicht von E-Government reden. Wer endlose Schleifen bei Meinungsbildungsprozessen dreht und darin hängen bleibt, sollte andere nicht mit Zensus, Grundsteuerreform oder Statistiken behelligen. Wer (nicht nur billigen) Wohnraum fordert, sollte Standards, Verbandsklagerecht oder unzählige Vorgaben definitiv auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit prüfen. Und wer immer noch nicht die Bürokratie zähmen kann, muss die Stellen der Verursacher identifizieren als auch reduzieren.

Es werden nicht Projekte und Fördermittel sein, die die Betriebe in Deutschland halten, sondern das Gesamtpaket „Wirtschaftsstandort“. Jetzt heißt es Tempo. Und zwar nicht bei der Übersetzung von Arzneibeipackzetteln in Gender-(Un-)Deutsch, sondern in der verlässlichen Beschaffung von Medikamenten und Medizinprodukten.

Was es braucht, ist Tatendrang

Ganz klar muss bei der Gestaltung des betrieblichen Alltags wieder Tatendrang gelebt werden können. Und zwar von Personen, die wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur verstehen, sondern diese auch selbst umsetzen oder umgesetzt haben. Eine Transformation der Wirtschaft kann nicht etwa von oben mit der Brechstange verordnet werden. Dies bedeutet zur Abwechslung mal einen langen Prozess, der dann in Ergebnissen mündet und nicht wie so oft in einer Endlosschleife verpufft. Wer dies in Abrede stellt, darf sich gern in den nächsten Tagen mit den Zahlen der Betriebsschließungen, ergänzt um die der Insolvenzen, beschäftigen und sich dazu seine Gedanken machen.

Tatendrang im Ehrenamt wird mit Bürokratie (Umsatzsteuerpflicht, Führungszeugnis, Sicherheitskonzept usw.) überlagert, sodass die Bereitschaft hierzu seit langem schon sinkt. Es reicht nicht mehr aus, sich einmal im Jahr mit einem Vertreter der „Blaulichter“ öffentlichkeitswirksam in den Medien zu präsentieren, wenn ansonsten „fliegende“ Feuerlöscher oder Pyrotechnik nur moralisch verurteilt statt gesetzlich geahndet werden.

Informierende statt ideologischer Darstellungen

Die vierte Macht im System der Gewaltenteilung sind die Medien. Diese sollten informieren statt indoktrinieren. In den sozialen Medien sind der narzisstischen Selbstdarstellung Tür und Tor geöffnet. Jeder ist wichtig, ständig unterwegs, huldigt kulinarischen Genüssen und zeigt sich dennoch trainiert und durchgestylt in Kleidergröße 38. Und falls nicht, lässt man sich eben von Visagisten und Stilberatern für gutes Geld ins richtige Licht setzen. Es ist jedem selbst überlassen, ob man Oberflächlichkeit und Inhaltsleere solcher Darstellungen Beachtung schenkt.

Bildungsauftrag (und somit Rechtfertigungsgrund für die erhobenen Zwangsgebühren) der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Berichte von seriösen Zeitungen fordern jedoch eine andere, wahrheitsgemäße Darstellung. Nicht ideologisch oder beschönigend, sondern informierend unter Anwendung bekannter Rechtschreib- und Zeichensetzungsregeln. Wer eine moralische Position innerhalb der Gewaltenteilung zugesprochen bekommt bzw. sich nimmt, sollte auch dem damit verbundenen Anspruch gerecht werden.

Komfort, der keiner ist

Gönnen wir uns allen gegenseitig klare Gedanken, präzise formuliert. Vieles, was dem Verbraucher aktuell als „Komfort“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine Auslagerung von Kosten und Arbeit an den Konsumenten. Etwa beim Onlinebanking: Papier, Druckkosten, Personal werden gespart, während die Kontoführungsgebühren steigen. Jeder will seinen Platz auf unserem Handy oder Computer, damit er Kosten sparen kann, während wir diese mit zusätzlicher Arbeit „aufgebrummt“ bekommen. Als Trost erhält der Kunde dann noch Werbemails und Newsletter, die er nicht liest, aber täglich löschen muss. Das ist kein Komfort, das nervt. Warteschleifen am Telefon kosten nicht nur Zeit und Nerven, sie sollten auch in kompetente und greifbare Auskünfte münden. Wer dies nicht leisten kann, sollte jene Kommunikationsform hinterfragen.

Bleiben Sie neugierig!

Es wurde lange genug über die unterschiedlichsten Themen geredet, das Jahr des Wasser-Hasen sollte nun entsprechende Lösungen liefern. Wir brauchen Tempo, Tatendrang und Klartext! Nicht nur seitens der Politik, sondern auch spürbar in unserem Alltag. Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes neues Jahr, den nötigen Humor, um menschliche Unzulänglichkeiten zu meistern, und: bleiben Sie neugierig…

Über Autorin Ruth Baumann:

Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes „Ja“, das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.

Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als „Handwerk mit Mundwerk und akademischen Grad“ Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.