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Kolumne Digitalisierung und Automation von Denys Nagel, 2. Folge Werbeplattform für KMU: "Warum Facebook auf uns aufmerksam wurde"

Für Verkaufserfolg braucht es Emotionen. Für Emotionen braucht es Storytelling. Und für Storytelling braucht es das richtige Medium. Im Fall von Denys Nagel war das Facebook – und zwar so erfolgreich, dass der Social-Media-Riese auf seinen Handwerksbetrieb "Holzconnection" aufmerksam wurde. So funktioniert der Kundenkontakt in den sozialen Netzwerken.

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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, um es gleich vorweg zu nehmen und Internet-Trollen den Wind aus den Online-Segeln zu nehmen: Ich will hier weder prahlen noch unseren Werdegang als den einzig richtigen deklarieren. Was wir wollen, ist eine Story erzählen, die uns so und nicht anders passiert ist. Denn Handwerk ist – wie der Name es schon sagt – etwas Handgemachtes, etwas wo Emotionen drinstecken. Und mit eben diesen lassen sich Geschichten erzählen. Jeder Verkaufsexperte und Ratgeber empfiehlt heutzutage seine Waren vor allem per Storytelling an seine Kunden zu bringen. Emotionen wecken, heißt es da so schön. Doch dafür braucht es auch ein Medium. In unserem Fall war das Facebook und das ist unsere kleine Geschichte dazu.

Unser Name Holzconnection sagt es eigentlich schon, wir mögen es Dinge miteinander zu verbinden: Tradition mit Moderne sowie Handwerk mit Digitalisierung. Einst starteten wir, vor genau 35 Jahren, als kleines Handwerksunternehmen und stellten Holzmöbel nach Maß her. Egal ob Bett, Regal oder Schrank – für alles hatten wir eine (Wohn-)Lösung. Da wir in Berlin ansässig sind, kamen auch wir nicht an der großen Start-Up- und Digitalisierungswelle vorbei – vor allem ich nicht! In unseren schweren Unternehmensjahren wollte ich unser Familienwerk mit digitaler Unterstützung wieder auf neuen Kurs bringen und gleichzeitig meinem Vater zeigen, dass traditionelle Handwerksarbeit und neue Technologien sich nicht gegenseitig ausschließen müssen, sondern einander bedingen können.

Werbetool von Facebook brachte überraschend schnell Erfolg

Wie das aussah? 2010 fing ich an mich mit dem Werbetool von Facebook zu beschäftigten, kreierte kleine Anzeigen, stellte diese online und – siehe da – es kamen wieder mehr und mehr Kunden in unsere Stores. Mir wurde klar, diese schnelle, unmittelbare Reaktion, ist ein großer und bedeutsamer Vorteil der neuen Medien. Wir machten also weiter – mit großem Erfolg!

Sheryl Sandberg wurde auf Holzconnection aufmerksam

Der Erfolg war schließlich so bahnbrechend, dass sogar Mitarbeiter der Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg im Jahr 2015 auf Holzconnection aufmerksam wurden. Wir wurden zu einem Treffen mit anderen deutschen Start-up-Unternehmen in einem Berliner Hotel eingeladen. Ich stellte unsere Geschichte vor und Sandberg war begeistert wie es uns gelungen war, das alte Handwerk mit den neuen Technologien zu verbinden. Ich konnte unser Glück kaum fassen und wollte nun noch mehr zupacken.

Wenige Wochen später reiste ich also gemeinsam mit Freunden ins Silicon Valley. Ich wollte die Orte kennenlernen, wo Google, Amazon und Co. groß geworden sind, ein wenig Start-up-Flair auffangen und digitale Luft schnuppern. Und wie sah eigentlich die Garage aus, wo Mark Zuckerberg sein soziales Netzwerk gegründet hatte? Und weil ich nicht anders konnte, schrieb ich kurzerhand auch Sheryl Sandberg eine Mail, hielt es aber für völlig utopisch, dass eine Geschäftsfrau ihrer Größenordnung überhaupt antworten würde. Sie tat es. Und wir verabredeten uns im Facebook-Headquarter in Menlo Park. Erneut sprach ich mit ihr über die Chancen und Möglichkeiten von digitalem Marketing. Am Ende dieses Gesprächs waren wir uns einig, dass die Zeit gekommen war für kleine und mittlere Unternehmen wie auch Holzconnection eines war und ist.

Facebook gründete nach dem Treffen einen KMU-Beirat

Anscheinend hatte dieser kleine Austausch bei Sandberg Spuren hinterlassen. Wie gesagt, es geht (immer noch) darum Geschichten zu erzählen und Verbindungen zu schaffen. Im Januar 2017 richtete Facebook dann in Berlin ein erneutes Meeting aus, doch dieses Mal wollte Sandberg einen KMU-Beirat ins Leben rufen. Dieser sollte zwölf Mitglieder haben, darunter auch Holzconnection, um Facebook in der Zusammenarbeit mit Unternehmen eben dieser Größe, beratend zur Seite zu stehen. Ich erinnere mich heute noch wie mein Vater, der vor eben 35 Jahren noch mit seinem VW-Bulli und dem Werkzeugkoffer unterm Arm Hochbett um Hochbett in gefühlt jeder Straße Berlins aufgebaut hatte, zu mir meinte: „Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich in der Zukunft gemeinsam mit meinem Sohn eine kalifornische Milliardärin beraten würde, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.“

Es geht darum, echten Kontakt herzustellen und Emotionen zu wecken

Das ist sie also unsere Geschichte von und mit Facebook. Um was ging es? Um den echten Kontakt, Emotionen bei seinem Gegenüber zu wecken und so sein Produkt erfolgreich zu verkaufen. Also doch eigentlich nichts anderes als in der Offline-Welt auch, oder? Wie schon in der ersten Folge meiner Kolumne gesagt, die Digitalisierung und damit einhergehend Facebook & Co. sind nicht der Feind. Sie ermöglichen es uns nur noch näher an den potentiellen Kunden und dessen Wünsche heranzutreten. Mittels der neuen Medien und Technologien (siehe Social Media), ist es ein Leichtes sie zu erreichen, ihnen Geschichten zu erzählen und auch mit ihnen in Austausch zu treten. Ist das nicht viel effektiver als in einem Werbeblatt neben Kaffee und Rasenmäher eine Anzeige zu schalten? Von was fühlt man sich wohl mehr angesprochen? Ich möchte diese Methode nicht verteufeln, denn wir haben so einst auch angefangen und hatten zu der damaligen Zeit auch mächtig Erfolg damit. Aber wie es nun mal ist im Leben: Zeiten wandeln sich.

Auch wenn wir so heute nicht mehr vorgehen, suchen wir noch immer auch in der Offline-Welt den direkten Draht zu unseren Kunden. Denn auch wir gehen raus auf die Straße und verteilen unsere Flyer und Magazine an Passanten. Nach wie vor locken wir so reichlich Kundschaft in unsere Stores – ohne ​diese Marketingmaßnahme geht es eben auch nicht. Wie gesagt, wir haben unser Business nicht komplett auf den Kopf gestellt, wir wissen immer noch, wo wir herkommen. Aber die neuen gegebenen Möglichkeiten zu nutzen, die uns das digitale Zeitalter nun mal bietet, ist ja nicht verboten, oder?

Das Erfolgskonzept: Kunden strategisch direkt auf Facebook ansprechen

Doch das Arbeiten mit Social Media hat noch einen entscheidenden Vorteil: die direkte Kundenansprache. Denn besonders für KMU sind Facebook und Co. als Werbeplattform höchst interessant und relevant. So bewerben wir unser Produktportfolio seit 2013 hier strategisch und konnten seitdem nicht nur zahlreiche neue Kunden von unseren Möbeln überzeugen, sondern können jederzeit auch gezielt (re)agieren. Auch Sheryl Sandberg hatte damals erkannt, welches Potential bzw. genauer noch welche wirtschaftliche Kraft hinter uns als kleine oder mittelständische Unternehmen steckte. Aber das wir eben auch noch ein klein wenig Unterstützung benötigen.

Denn wir alle haben meist nicht die Möglichkeit unsere Leistungen oder Waren auch in ländlichen Gebieten anzubieten. Wie sollte man diese erreichen oder wie sollten Menschen dieser Gegenden überhaupt von uns Wind bekommen? Soziale Netzwerke machen es möglich. Jetzt können wir auch dem Kunden in Homburg von unserem neuesten Produkt erzählen. Und läuft ein Store mal nicht so gut, unterstützen wir ihn über Facebook Ads gezielt marketingtechnisch auf lokaler Ebene. Man kann also nicht nur bei dem was man erzählt äußerst kreativ werden, sondern auch in der Art wie man die sozialen Netzwerke dafür nutzt. Wir haben da schon einiges ausprobiert und werden nicht müde, dies auch weiterhin zu tun.

Schnelllebiges Business: KMU-Beirat jetzt weltweites Expertennetzwerk

Was wir aber noch von Sozialen Medien wie Facebook gelernt haben: stets offen zu sein und zwar gegenüber Entwicklungen jeder Art. Arbeitet man mit dem World Wide Web, arbeitet man mit einem schnelllebigen Business. So hat sich Facebook jüngst dazu entschieden, den KMU-Beirat, wo auch wir ein Teil von waren, aufzulösen und als weltweites Expertennetzwerk auszurollen. Ein Netzwerk, wo sich Unternehmer egal welcher Art rund um den Globus austauschen können. Hier kann also sowohl Ihr Unternehmen als auch meines ein Teil von werden. Und auch dann geht es wieder um Geschichten erzählen, sich miteinander austauschen, voneinander lernen. Wir freuen uns drauf!

Ihr Denys Nagel, Geschäftsführer von Holzconnection ( E-Furniture Germany GmbH ) 
   
Holzconnection fertigt seit 1984 Möbel nach Maß – mit dem traditionellen Know-how eines Tischlers sowie dem technologischen Anspruch eines Start-ups. Das Unternehmen setzt auf Qualität, handgefertigt und aus hochwertigen Holzmaterialien. Die Möbel entstehen gleichermaßen mit hochmodernen CNC-Maschinen und erfahrenen Handwerkerhänden. Digital optimierte Prozesse sorgen dafür, dass die Möbel-Unikate in sechs bis neun Wochen lieferbar sind.
 

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