Bis zum nächsten e-Crafter von Volkswagen Nutzfahrzeuge dauert es ein bisschen. Also her mit einem VW Crafter TDI! Aber ist dieser Transporter überhaupt noch zeitgemäß fürs Handwerk?
Das Angebot an Elektrotransportern wächst rasant, doch weiterhin greift die übergroße Mehrheit zum Verbrenner. Beim VW Crafter geht’s nicht anders, die E-Variante lässt auf sich warten. Also zum Geburtstag – vor zehn Jahren sind die ersten Crafter der aktuellen Generation ausgeliefert worden – her mit einem TDI. Im angebrochenen E-Zeitalter mit der Frage, frei nach dem Schlager von Zarah Leander: Kann denn Diesel Sünde sein? Es kann, das wissen wir seit dem VW-Dieselgate vor gut zehn Jahren. Der VW Crafter TDI aber profitiert von der vielzitierten Gnade der späten Geburt.
Optisch ist der Niedersachse ein klassischer VW: Er sah niemals wirklich neu aus, wird aber vermutlich auch niemals alt aussehen. Sein TDI tritt hier in stärkster Ausführung auf, mit einer Leistung von 130 kW/177 PS und 410 Nm Drehmoment. Das ist ein ordentliches Pfund und die Basis für prima Fahrleistungen. Jedenfalls für einen Diesel. Transporter mit kräftigen E-Motoren schnellen müheloser aus dem Stand. Bis sie abregeln, weil ihnen die Puste ausgeht – und auch der Strom. Der Crafter aber zieht durch, läuft laut Papieren 165 Sachen, der Testwagen machte sogar erst bei Tacho 174 halt, das entspricht knapp über 170 km/h. Übrigens ohne großen Radau, trotz Diesel. Der TDI lässt sich markentypisch munter drehen, schwächelt indes bei sehr niedrigen Touren, dann rappelt’s in der Kiste und der VW zeigt ein gewisses Missbehagen.
Verbrauch des VW Crafter TDI: Ein guter Wert
Der Verbrauch? Auf Kurzstrecken steht lediglich eine Sieben vor dem Komma, weit entfernt von einer Sünde. Im gestreckten Galopp sind es rund 14 Liter/100 km. Auf der gut gewürzten Testrunde, voll beladen durch Stadt, über Land und auf der Autobahn waren es 9,4 Liter/100 km. Ein guter Wert, wenn auch nicht sensationell. Belässt es VW doch bei einer für die Leistung relativ knappen Gesamtübersetzung. Das steigert die Fahrbarkeit, aber auch den Spritdurst auf schnellen Strecken.
Auf die Reichweite hat die Angelegenheit nur wenig Einfluss, denn angesichts von 75 Litern Tankvolumen sind bei gelassener Fahrweise 700 Kilometer drin – sündhaft gut mit Blick auf die E-Kollegen. Aber auf das Rühren im Getriebe könnte man verzichten: die optionale Achtgangautomatik statt des knochigen Sechsgangschaltgetriebes – eine lohnende Investition.
Edel ausgestattetes Fahrerhaus
Stichwort Invest: Ganz billig ist dieser Crafter mit seinen gut 50.000 Euro netto nicht, auch wenn darin die stärkste Maschine und ein Hochdach eingeschlossen sind. Aber dafür gibt es neben fünf Jahren Garantie klassisch-solide VW-Qualität. Zum Beispiel ein geräumiges Fahrerhaus, hochwertig ausgestattet mit ansprechenden Materialien und prima verarbeitet. Mit Haltegriffen zum Ein- und Aussteigen an den richtigen Positionen. Einem geradezu kuscheligen und langstreckentauglichen Sitz. Reichlich Ablagen einschließlich einer großen Sitztruhe und einem Rückenlehnen-Klapptisch in der Mitte.
Dann wäre da das konfigurierbare Kombi-Instrument mit blauen Segmenten in den Armaturen bei Anstieg von Tempo und Drehzahl. Die Ziffern vielleicht etwas klein, der Tacho reicht bis 240 Sachen. Ein Lenkrad mit richtigen Tasten – wie es sich gehört. Plus einem großflächigen Monitor in der Mitte des Cockpits. In Optik und Bedienung eine Zwischenlösung zwischen zeitweilig vermurksten Bedienexperimenten und der bei den Pkw des Konzerns inzwischen eingeläuteten Rückkehr zu klassischen VW-Tugenden. Hier konfigurierbar mit Direktwahltasten, aber ohne Drehregler für die Lautstärke des Radios und die Klimatisierung, stattdessen die vermaledeiten Slider. Hinzu kommen zeitgemäße Elemente wie schlüsselloser Start und elektronische Feststellbremse.
Weitläufiger Laderaum
Hinter der wohnlich verkleideten Trennwand erstreckt sich dank Frontantrieb und entsprechend niedrigem Boden ein weitläufiger Laderaum. Mit fast zwei Metern Stehhöhe und knapp 3,5 Metern Länge, jedenfalls unten im mittleren Bereich des Bodens. Ebenso simple wie zuverlässige Aufsteller der Hecktüren prägen das Bild, die scheunentorgroße Schiebetür und praktische Haltegriffe zum Einsteigen. VW verteilt mehrere LED-Leuchten und verlegt die notwendigen Kabel gut geschützt.
VW Crafter TDI
- Abmessungen (L/B/H): 5.986/2.040/2.590 mm
- Radstand: 3.640 mm
- Wendekreis: 13.900 mm
- Laderaum (L/B/H): 3.201–3.450/1.832/1.961 mm
- Breite zw. Radkästen: 1.380 mm
- Ladekapazität: 11,3 m³
- Leergewicht Testwagen: 2.300 kg
- Nutzlast: 1.000 kg
- Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Anhängelast bei 12 % Steigung: 3.000 kg
- Zul. Zuggesamtgewicht: 6.000 kg
- Hubraum: 1.968 cm³
- Leistung: 130 kW/177 PS
- Motor: Turbodiesel
- Drehmoment: 410 Nm
- Getriebe: Sechsgangschaltgetriebe
- Antrieb: auf die Vorderachse
- Höchstgeschwindigkeit: begrenzt auf 170 km/h
- Verbrauch WLTP: 9,1–10,9 l/100 km
- CO2-Emission: 238–285 g/km
- Teststrecke beladen: 9,4 l/100 km
- Testverbrauch Adblue: nicht messbar
- Preis: ab 50.100 Euro (netto)
Fahrwerk des VW Crafter TDI: Komfortabel unterwegs
Der Testwagen brachte 2,3 Tonnen auf die Waage, ergibt 1.200 Kilogramm für Fahrer und Fracht. In Zeiten der E-Mobilität ein prima Wert. Überdies darf der VW Crafter TDI drei Tonnen ziehen, wobei das Gesamtzuggewicht auf sechs Tonnen beschränkt ist.
Das Fahrwerk lässt sich von Ballast nicht aus der Ruhe bringen, der Transporter knickt weder optisch ein noch lässt er im Verkehr nach. Er fährt sich vergleichsweise komfortabel, teilt auch leer nicht über Gebühr aus. Mit zulässigen Achslasten von 1.800 Kilo vorn und 2.100 Kilo hinten bietet er Reserven für ungleichmäßige Last. Kann denn Diesel Sünde sein? Hier in unserem Test nicht – angesichts einer sehr reifen Leistung.

