Interview zum Award "Seifriz"-Preisträger Franz Humberg: "Der Austausch mit der Wissenschaft ist echt top"

Unternehmer Franz Humberg hat mit seinen Wissenschaftspartnern Professor Helmut Grüning und Nils Siering 2024 den „Seifriz-Sonderpreis für ganzheitliche Nachhaltigkeit“ erhalten. Ein Gespräch mit dem Handwerkschef über Innovationen, den Kontakt zur Wissenschaft sowie Tipps für potenzielle Seifriz-Nachahmer.

Seifriz-Preisträger Franz Humberg (li.) im Gespräch mit handwerk-magazin-Chefredakteur Patrick Neumann. - © Jens Nieth

handwerk magazin: Herr Humberg, welche Emotionen löst bei Ihnen das Stichwort Seifriz-Preis aus?

Franz Humberg: Schöne Emotionen. Ich denke da an den Besuch des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz am Messestand auf der „Zukunft Handwerk 2024“ in München. Das war schon sehr besonders! Vor allem, wie der Bundesgrenzschutz unseren Stand gecheckt hat und wie die hohen Herren alle kamen – ein seltenes Schauspiel. Gut fand ich auch, dass sich die Staatssekretäre des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck dort unsere Innovationen intensiver angesehen haben. Leider haben die Politiker vieles wieder vergessen.

Jetzt haben Sie zuerst an das Branchen­event „Zukunft Handwerk“ gedacht und gar nicht an Ihr eigenes, sehr stimmungsvolles Fest auf dem Betriebs­gelände in Nottuln.

Die Preisverleihung in unserem Zelt hier in Nottuln war auch sehr schön und ­emotional – mit der Laudatio von Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, und der Anwesenheit von Professor Helmut Grüning und seinem Team. Das war natürlich auch cool.

Gemeinsam mit dem eben angesprochenen Professor Helmut Grüning und Nils Siering haben Sie 2024 den Seifriz-Preis für das Baumrigolen­system Alveus erhalten. Hat der Preis Ihrer Innovation Flügel verliehen?

Ich bin schon stolz auf die Auszeichnung gewesen, keine Frage. Ich habe natürlich dann auch überall erzählt, dass wir gemeinsam mit unserem Wissenschaftspartner gewonnen haben. Wir haben ja mit Helmut Grüning einen super Professor dabei, der auf seinem Gebiet eine Koryphäe ist – noch dazu ein toller Redner und angenehmer Mensch. Ja, dies alles zusammen hat unserer Innovation Flügel verliehen.

Sie hatten damals die Zusammenarbeit mit dem Team von Professor Grüning als bahnbrechenden Fortschritt in der Entwicklung von Alveus bezeichnet. Wie ist der Austausch aktuell?

Da haben wir wieder Glück, denn eigentlich ist das Forschungsprojekt letztes Jahr ausgelaufen. Doch Professor Grüning, der unser Projekt selbst so gut fand, fährt fast jeden Morgen auf dem Weg zur Hochschule an meinem Betrieb vorbei. Manchmal ruft er dann kurz durch und wir trinken eine Tasse Kaffee zusammen. Da hat er dann erzählt, dass unser Projekt weiter von ihm begleitet wird und wir weiterhin die nötigen Daten von ihm bekommen. Das ist ja das Tolle an der ganzen Sache, dass wir mit den Wissenschaftlern eng zusammenarbeiten. Als einfacher Schlosser hätte ich nie die Türen geöffnet bekommen. Aber da wir die wissenschaftlich fundierten Daten von der Hochschule haben, hört uns jeder in den Städten und Kommunen zu.

Seifriz 2026: 25.000 Euro für die Dreamteams

Ein KI-gesteuerter Roboter namens Feldfreund, Hochspannungstestspulen für Windkraftanlagen, lange wie gesunde Teigführungszeiten oder die nachhaltige Alveus-Baumrigole – die 2024-Siegerprojekte des „Seifriz-Transferpreis Handwerk + Wissenschaft“ haben die volle Innovationskraft des Handwerks und den gelungenen Transfer mit der Wissenschaft gezeigt. Jetzt sind die neuen Innovationstandems gefragt, in die Fußstapfen von Feldfreund & Co. zu „rollen“. Noch bis zum 31. Oktober können sich die Vorzeige-Teams bewerben und ihre Kooperationen auf Augenhöhe präsentieren.

„Handwerk innoviert nicht für die Schublade – was ein Betrieb anpackt, wird in aller Regel umgesetzt“, erklärt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW und Vorsitzender des Vereins Technologietransfer Handwerk e. V., der den Preis vergibt. „Von den Wissenschaftspartnern hören wir oft, dass genau darin der Reiz dieser Zusammenarbeit liegt: gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe. Unsere Öffentlichkeitsarbeit sorgt zudem dafür, dass die Projekte bundesweit bekannt werden.“

Doch um welche Projekte geht es konkret? Im Fokus des renommierten Awards stehen praxis­orientierte Lösungen, die aus der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Handwerk entstanden sind – egal ob Produkt, Dienstleistung, Verfahren, Strategie oder Geschäftsmodell.

Der Transferpreis wird vom Verein Technologietransfer Handwerk e. V. unter Federführung von Handwerk BW in Kooperation mit handwerk magazin organisiert. Die unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Michael Auer, Vorstand der Steinbeis-Stiftung, ist mit Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung besetzt. Sie wählt mindestens vier Preisträger aus – einer davon erhält den Sonderpreis „Ganzheit­liche Nachhaltigkeit“. Die Preisgelder in Höhe von insgesamt 25.000 Euro werden von den Sponsoren Holzmann Medien, Signal Iduna Gruppe und IKK classic zur Verfügung gestellt.

Und wie nehmen Ihre Mitarbeiter im Handwerksbetrieb diesen direkten Draht zur Wissenschaft wahr? Das ist ja schon eine andere Welt, oder?

Das merkt man bei Professor Grüning gar nicht. Er ist bodenständig und flachst dann auch mit uns, ist da ganz locker, aber auch bestimmt. Er fragt dann schon mal: Warum haben Sie das noch nicht gemacht? Warum ist das nicht schon geschehen? Der Austausch mit der Wissenschaft ist echt top – auch für meine Jungs hier im Betrieb. Das ist schon cool.

Gibt es denn Tipps, die Sie anderen Unternehmern geben können, die gerade über eine Teilnahme am Seifriz-Preis 2026 nachdenken?

Grundsätzlich ist es wichtig, dass man über die Handwerkskammer oder die Wirtschaftsförderungsgesellschaft den passenden Kontakt zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen bekommt. Mir hat letztlich auch geholfen, dass die Handwerkskammer Münster den Antrag für den Seifriz-Preis mit mir ausgefüllt hat. Ganz wichtig: Ich kenne nur tolle, nette Professoren, die wirklich mit uns Handwerkern gut umgehen und begeistert sind von unseren Innovationen.

Man braucht also keine Scheu zu haben.

Ja, absolut keine Scheu haben, einfach auf die Wissenschaftler zugehen.

4 schlagende Argumente: So profitieren Sie von der Seifriz-Teilnahme

  1. Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro.

  2. Handwerk 2026“, veranstaltet von der Gesellschaft für Handwerksmessen GHM in München.

  3. Ein Porträt der Preisträger in handwerk magazin.

  4. Eine Preisverleihung in Form eines Besuchs des ausgezeichneten Betriebes durch eine Jury­delegation (falls gewünscht).
Noch einmal zurück zu Alveus: Haben Sie das System seit unserem Treffen 2024 in Nottuln angepasst?

Auf jeden Fall, weil wir ja weiterhin die Daten von Professor Grüning und Herrn Siering bekommen. Beispielsweise hat uns Herr Siering informiert, dass wir etwas an den Schläuchen ändern müssen. Das haben wir gemacht, jetzt gibt es bessere Werte und somit Ergebnisse. Sie sehen: Wir arbeiten da Hand in Hand, das ist schon toll.

Die aktuellen Extremwetterlagen dürften Ihre Umwelttechnologien in Zukunft besonders in den Fokus rücken. Sind weitere Innovationsprojekte, die Sie gemeinsam mit der Wissenschaft umsetzen wollen, in der Pipeline?

Ja, es gibt zwei neue Projekte, die wir aktuell in der Pipeline haben. Wobei wir bei einem noch prüfen, ob wir das auch wissenschaftlich begleiten lassen. Leider ist das noch nicht spruchreif, lassen Sie sich überraschen.

FAQ: Diese 5 Kriterien müssen Sie für die Seifriz-Teilnahme erfüllen

  1. Handwerksrolle: Ist der Betrieb in die Handwerksrolle eingetragen?

  2. Transfer: Liegt eine Zusammenarbeit zwischen Handwerksbetrieben und Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern vor?

  3. Beispielhaftigkeit: Dient das Projekt (potenziell) als Vorbild, Inspiration oder Wissensquelle für andere Handwerksbetriebe und Branchen?

  4. Neuheit: Ist das Projekt innovativ und unterscheidet es sich von bestehenden Lösungen, Produkten, Dienstleistungen?

  5. Wirtschaftlicher Nutzen: Ist es realistisch, dass das Projekt zum wirtschaftlichen Erfolg des Handwerksbetriebs beiträgt, etwa in Form von Kosteneinsparungen, Umsatz- oder Effizienz­steigerungen?

Alle Infos und das Bewerbungsformular gibt's hier: seifriz-preis.de

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