Bildhauerei Diwo "Seifriz"-Gewinner 2026: KI-gestütztes Prüfverfahren für Steinmetze

Handwerksmeister Michael Diwo hat zusammen mit Harry Fast vom Fraunhofer IOSB-INA dieses Jahr den Seifriz-Preis ­gewonnen. Ihr KI-gestütztes Prüfverfahren für Steinmetze mit der Bezeichnung „StoneCrackMon“ könnte Steinbildhauern das Leben deutlich ­leichter machen. Und den strukturierten Wissenstransfer fördern.

Michael Diwo (re.), Steinmetz- und Bildhauermeister aus Paderborn und sein Wissenschaftspartner Harry Fast vom Fraunhofer IOSB-INA freuen sich im „InnovationSPIN“ über die Seifriz-Auszeichnung für ihr KI-gestütztes Prüfverfahren für Steinmetze.
Michael Diwo (re.), Steinmetz- und Bildhauermeister aus Paderborn und sein Wissenschaftspartner Harry Fast vom Fraunhofer IOSB-INA freuen sich im „InnovationSPIN“ über die Seifriz-Auszeichnung für ihr KI-gestütztes Prüfverfahren für Steinmetze. - © Franz Fender

Besser hätte man den Ort für die Seifriz-Preis-Verleihung nicht wählen können. Hier das luftige Atrium, dort die imposante, frei schwebende Treppe, da der neu eröffnete KI-Showroom für Handwerksbetriebe. Nach zwei Jahren Bauzeit hatten der Kreis Lippe, die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe und die Technische Hochschule Ost­westfalen-Lippe im April 2023 ihr modernes „Innova­tionSPIN“ in Lemgo eingeweiht. Als Ort für Innovationen, als Thinktank für den Mittelstand, als Kraftzentrum für den ländlichen Raum. Wissenschaft, Bildung und Handwerk sollen so gemeinsam und kreativ am Fortschritt arbeiten können.

Mittendrin in diesem Innovations­labor: Steinmetz- und Bild­hauermeister Michael Diwo aus Paderborn, der gemeinsam mit seinem Wissenschaftspartner Harry Fast vom Fraunhofer IOSB-INA jeweils einen Seifriz-Pokal in den Händen hält. Beide haben sichtlich gute Laune, freuen sich über den Erfolg ihres Projekts „StoneCrackMon“. Mit ihrer Idee, „die manuelle Klangprobe in eine tech­nische Sensorik mit einfacher Bedienung zu überführen“, wie Diwo die Neuheit seiner Entwicklung beschreibt, hatte das Duo auch die Fachjury der renommierten Auszeichnung schnell überzeugt. Handwerkliches Erfahrungswissen trifft künstliche Intelligenz – und hebt dadurch den Wissenstransfer in der Natursteinprüfung aufs nächste Level. Ein Musterbeispiel für die gelebte Weiter­gabe von Fachwissen. Ein Vorhaben, das mit Mut, Neugier und Tatkraft zeigt, wie fruchtbar die Verbindung von Handwerk und Wissenschaft sein kann.

Hürden überwinden

„Genau das ist auch der Grund­gedanke des ‚InnovationSPIN‘: Hürden zwischen Praxis, Wissenschaft und Bildung abzubauen“, erklärt Michael H. Lutter bei seiner Begrüßung der Seifriz-Preis-Delega­tion. „Ich freue mich sehr für die beiden Preisträger und gratuliere herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung“, so der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Stolz ist man in Lemgo auch darauf, dass „StoneCrackMon“ im Rahmen des Projekts „KIDiHa – Künstliche Intelligenz und Digital-­Offensive für das Handwerk in NRW“ entwickelt wurde. Dessen Ziel: die KI praxisnah in Handwerks­betriebe zu bringen. Wie eben bei „StoneCrackMon“ geschehen.

Doch wie kann das prämierte Projekt Steinmetzen und Steinbildhauerinnen nun das Leben leichter machen? „Die gefährlichsten Schäden sind die, die wir nicht sehen“, berichtet Diwo aus der Praxis. Schnell geht es bei diesem Thema um grobe Fahrlässigkeit, ergänzt der 60-jährige Sachverständige für das Steinmetzhandwerk. Man denke nur an töd­liche Unfälle, weil Wegekreuze oder Bildstöcke nicht mehr standsicher sind.

KI-gestütztes Prüfverfahren für Steinmetze sorgt für Klangprobe 2.0

Also brauchte es eine Klangprobe 2.0. „Dass das technisch funktioniert, war uns schnell klar“, berichtet Fast, der für die Entwicklung der Soft- und Hardware verantwortlich zeichnet. „Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie viel Erfahrung von Herrn Diwo drinsteckt.“ Der Handwerksmeister lächelt zufrieden. Seit dem Projektstartschuss im Mai 2024 sammelte er während seiner regulären Sachverständigentätigkeit mehr als 1.200 Aufnahmen mit dem Mikro ein – und labelte die Daten dann entsprechend, etwa nach „gut“ respektive „schlecht“, aber auch nach Art, Einbausituation oder Material. Stolze 125 Arbeits­stunden in Summe.

Hintergrund: Das ist der „Seifriz“

Praktisches Können und wissenschaftliche Expertise: Der renommierte „Seifriz-Preis – Transfer Handwerk + Wissenschaft“ wird unter der Federführung von Handwerk BW durch den Verein Technologietransfer Handwerk e. V. in ­Zusammenarbeit mit handwerk magazin vergeben. Partner des Preises sind die Holzmann Medien Gruppe sowie die Signal Iduna Gruppe für Versicherungen und Finanzen, die die Hauptpreise stiften. Der Sonderpreis wird von der IKK classic dotiert. Die Auszeichnung umfasst Preisgelder von insgesamt bis zu 25.000 Euro sowie die Teilnahme am Branchenevent „Zukunft Handwerk“, das am 4. und 5. März 2026 in München stattgefunden hat.

Beim Abgleich der Frequenzen lässt sich dann später feststellen, ob Fehler vorhanden sind. Ein großer Datenschatz, mit dem die Fraunhofer-Forscher, darunter ein Experte für Sensorentwicklung sowie eine Expertin für Datenanalyse, dann die KI trainierten – und so die Empfehlungen erst ermöglichen. „Dabei wird ein Audioimpuls, welcher durch Anschlagen oder Schaben mit einem Hammer erzeugt wird, ausgewertet und auf Grundlage des trainierten Modells eine ­Entscheidung getroffen, ob es sich um eine Gutstelle oder eine Schadstelle ­handelt“, heißt es wörtlich im ­Seifriz-Teilnahmebogen. „Der Steinmetz, welcher sich momentan zu 100 Prozent auf seine Erfahrung und Sinne verlassen muss, erfährt hierdurch eine weitere ­Unterstützung zusätzlich zu seiner audiovisuellen und haptischen Prüfung.“

Neues Prüfverfahren für Steinmetze bringt acht handfeste Vorteile

„Der nächste Schritt ist, mit unserer Innovation in die Fläche zu gehen“, so Handwerkschef Diwo, der in Paderborn einen Vier-Mann-Betrieb führt. Weil die Neuheit aus seiner Sicht für seine Kolleginnen und Kollegen acht handfeste Vorteile mitbringt:

  1. Früherkennung sicherheitsrelevanter Schäden

  2. Rechtssichere Schadensbeurteilung

  3. Ausweitung des Umsatzzweigs „Zustandserfassung“ auf Handwerker ohne jahrzehntelange Erfahrung

  4. Fehlerreduzierung bei der Be­urteilung

  5. Wissenschaftlich fundiertes Moni­toring

  6. Erhöhung der baulichen Sicherheit

  7. Wissen vieler Betriebe bündeln

  8. Erfahrungs- und Wissensspeicherung auch über Generationen hinweg

Einige Kollegen sind entsetzt, die meisten erkennen aber die Vorteile

Doch wie sieht das Feedback aus dem Gewerk zum Prototypen aus? „Einige Kollegen sind entsetzt. Wir würden ihre Kompetenz entwerten. Aber die allermeisten erkennen die Vorteile“, sagt Diwo ganz offen. Eines sei doch klar: „Insbesondere in der aktuellen Fachkräftesituation ist die Speicherung von vorhandenem Wissen essenziell“, betont der umtriebige Unternehmer. Und er geht noch einen Schritt weiter: „Dieses technische Prüfverfahren hat auch das Potenzial, in weiteren Branchen bei Bauwerksprüfungen eingesetzt zu werden.“

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Digitalisierung, Geschäftsideen, IT-Trends, Künstliche Intelligenz (KI, AI) und Technologietransfer – der "Seifriz"