Fahrbericht Opel Combo-e Cargo: Kräftiger Elektrotransporter zum verträglichen Preis

Zugehörige Themenseiten:
Autotest, Elektromobilität, Fuhrpark und Transporter

Kräftiger E-Motor, angemessene Batteriegröße, ein interessanter Preis und weit und breit zurzeit kaum Wettbewerber – Opel zeigt mit dem neuen Combo-e Cargo, wie E-Mobilität geht.

Opel Combo-e Cargo
Kennzeichen E: Opel Combo-e Cargo mit batterieelektrischem Antrieb. – © Randolf Unruh

Autobahn A 671, nahe des Opel-Hauptquartiers in Rüsselsheim: Nach wenigen Kilometern lädt der Parkplatz „Zur alten Römerstraße“ ein. Zwischen den damaligen Pferdefuhrwerken und dem neuen, batterieelek­trisch angetriebenen Opel Combo-e Cargo liegen rund 2.000 Jahre.

Schneller Rundblick durchs Cockpit: Seit seiner Premiere im Jahr 2018 hat sich der Opel nicht verändert. Es geht ein wenig düster, aber geräumig zu – der bequeme Fahrersitz ist sehr weit verstellbar, die Innenbreite üppig. Kleine Außenspiegel und unten breit auslaufende A-Säulen schränken die Sicht ein, da lohnt das aufpreispflichtige Kamerasystem zur Beobachtung des Geschehens im Nacken. Die Materialqualität ist eher einfach, die Verarbeitung im positiven Sinne routiniert.

Neuer E-Antrieb

Das aber sind heute Nebensächlichkeiten, im Mittelpunkt steht der neue E-Antrieb. Haube auf: Tief duckt sich der kompakte Elektromotor. Der E-Opel fährt – flankiert von seinen Kompagnons von Citroën und Peugeot im großen Stellantis-Konzern – nahezu alleine in seiner Fahrzeugklasse. Die Gruppe setzt auf Masse: Ob E-Motor mit maximal 100 kW/136 PS und 260 Newtonmetern oder die Batterie mit brutto 50 kWh, beides findet sich ebenfalls in Vivaro-e, Corsa-e und Mokka-e, ebenso in deren französischen Geschwistern. Und den Combo-e Cargo gibt es kurz, lang und als Doppelkabine.

Das alles führt zu ansehnlichen Stückzahlen und zu verträglichen Preisen: Der Neue steht ab netto 29.700 Euro in der Liste. Abzüglich öffentlicher Förderungen erreicht er Verbrenner-Niveau.

Zur Masse gesellt sich Klasse: Flott spurtet der Stromer zurück auf die Piste, wechselt kurz darauf die Autobahn. Dabei zischt der Stromer einem Combo-Kollegen mit Verbrennungsmotor leichtfüßig davon. Bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h, das genügt. Im Heck der Kurzausgabe lagern heute 16 Wasserkästen, macht rund eine Vierteltonne Ballast. Der E-Lieferwagen steckt seine Fracht mühelos weg, schließlich stemmt er je nach Modellvariante bis zu einer Dreivierteltonne. Falls dies nicht reicht, darf er weitere 750 Kilo ziehen, kann auch nicht jedes E-Modell.

Verschiedene Fahrmodi

Als Bedienzentrale dient die Mittelkon­sole, wie beim großen Bruder Vivaro-e. Die Fahrleistungen lassen sich per Tastendruck anpassen. Im automatisch aktivierten Normalmodus heißt das 80 kW/109 PS, im Eco-Bereich zugunsten der Reichweite 60 kW/82 PS. Powerbetrieb bedeutet volle 100 kW/136 PS. Wer ein großes Bremsmoment schätzt, wählt zusätzlich den „B“-Modus mit höherer Rekuperation. Dann nimmt der Opel im Schubbetrieb Fahrt heraus, als wäre ein kleiner Gang eingelegt. Falls nötig, kann sich der Fahrer Volldampf jederzeit per Kickdown holen. „B“ ist verzichtbar. Gewöhnungsbedürftig: Die Bremse – bei leichten Manövern rein elektrisch, Stichwort Rekuperation – reagiert ruckartig und verlangt für saubere Manöver einen sensiblen Fuß.

Auf Genießer-Tour

Runter von der Autobahn, der Opel taucht in ein Gewerbegebiet ein. Bis hierhin hat sich der Autobahnverbrauch bei zügigem Tempo auf knapp 30 kWh eingependelt, erläutert der Bordcomputer der digitalen Armaturen. Gleich daneben steht die Geschwindigkeit in Ziffern, alles eingerahmt vom Halbrund des Batterie­ladestands links und des Powermeters rechts.

Weiter geht es über Landstraßen. Die elektrische Bremse löst beim Tritt aufs Fahrpedal selbsttätig, also gelassen ab­legen, fahren und genießen. Nicht nur das Temperament, auch den Komfort fehlender Schaltmanöver und die niedrige Geräuschkulisse. Alles für einen Lieferwagen eher ungewöhnlich. Sanft wiegt sich der Combo-e Cargo in den Federn, das 340 Kilo schwere Batteriepaket zwischen den Achsen senkt den Schwerpunkt. Die elektrische Lenkung arbeitet leichtgängig, vielleicht ein wenig synthetisch. Achtung, Radarfalle: Der leise Lieferwagen überschreitet in Ortschaften mitunter ganz unbeabsichtigt Tempo 30.

Rechter Hand liegt eine Tankstelle. Diesel kostet knapp 1,60 Euro pro Liter, Benzin liegt fast 15 Cent darüber. Lächelt der E-Opel darüber etwa beim Vorbeirollen mit seinem freundlichen Gesicht? Zum Ende der Rundstrecke schlüpft der Combo-e schnell und leise durch sein wahres Habitat, die City.

Der Schnittverbrauch ist inzwischen auf knapp 23 kW/h gesunken. Damit nähert sich der Elektriker der angekündigten WLTP-Reichweite von bis zu 275 Kilometern. Jetzt noch rückwärts an die Ladesäule rangieren, die Steckdose sitzt nämlich hinten links. Der Opel Combo-e Cargo zapft seinen Strom je nach Gelegenheit in aller Ruhe aus der Steckdose, zügig mit 11 kW aus der Wallbox oder rasch mit bis zu 100 kW aus einer Ladesäule. Dann kann’s nach kurzer Pause weitergehen. Die Ruhepausen der alten Römer-Pferde­gespanne dauerten deutlich länger.

Opel Combo-e Cargo
  • Abmessungen (L/B/H): 4.403–4.753/1.921/1.860 mm
  • Radstand: 2.785/2.975 mm
  • Leergewicht: 1.665–1.804 kg
  • Nutzlast: 603–725 kg
  • Gesamtgewicht: 2.310–2.450 kg
  • Ladekapazität: 3.300–4.400 l
  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: 100 kW/136 PS
  • Drehmoment: 260 Nm
  • Batterie: brutto 50 kWh, nutzbar ca. 46 kWh
  • Verbrauch (WLTP): 17,2–22,7 kWh/100 km
  • CO2-Emissionen: 0 g/km
  • Basispreis (exkl. MwSt.): 29.700 Euro

Opel forciert Hybrid aus E-Motor und Wasserstoff

Vivaro-e Hydrogen
Vivaro-e Hydrogen – © Opel

E-Mobilität hat viele Facetten, eine heißt Vivaro-e Hydrogen. Er bietet einen Ausweg aus den widersprüchlichen Anforderungen an Ladedauer, Reichweite und Gewicht. Opel kombiniert eine Brennstoffzelle von 45 kW mit einem E-Motor.

Unter dem Ladeboden ruhen drei zylinderförmige Tanks für 4,4 Kilo Wasserstoff, unter den Vordersitzen Pufferbatterien mit 10,5 kWh Energie. Damit schafft der Transporter laut Opel gut 400 Kilometer Strecke und ist in drei Minuten wieder getankt – sofern eine von zurzeit gut 100 Tankstellen in Deutschland in Reichweite ist. Der Preis von Wasserstoff ist auf 9,5 Euro pro Kilo festgesetzt, der Verbrauch beläuft sich auf rund ein Kilogramm je 100 Kliometer. Somit liegen die Energiekosten zwischen Verbrenner und Stromer. Anders der Preis: Der Wasserstoff-Vivaro ist im Leasing zum Monatstarif von 600 Euro zu bekommen. 2.000 Vivaro-e Hydrogen sind in den kommenden zwei Jahren für Deutschland reserviert.